
»Juden und [!] Deutsche« — das ist ein notwendiger Hinweis darauf, dass Juden im K&K-Reich mehrheitlich Kulturdeutsche waren. In der Tschechoslowakei beispielsweise waren deutschsprachige Juden von den rassistischen Beneš-Dekreten genauso betroffen, wie die (christlichen) »Sudetendeutschen«. Kafka, Celan, Mahler, Schönberg, Herzl… das K&K-Judentum war deutsch. Die politisch korrekten Ressentiments gegen alles deutsche und der Antijudaismus, in Mittelosteuropa hängt das eng zusammen.
Was Krisztián Ungváry sagt, stimmt so nicht. Nicht die Bauern waren die wichtigste antisemitische Gruppe, zumindest nicht die Kleinbauer die die Mehrheit stellten. Die wichtigsten Gruppen waren die Kleinbürger, noch wichtiger die örtlichen Führer der Dörfer, der Kleinstädte, der Komitate usw. Die Führer waren: Bürgermeister, Verwalter verschiedenster Art, Notare, Ärzte, Pfarrer sowie andere Kirchenleute, die sogenannten Gentrys, Großbauer usf. In den Städten kamen dann Kleinbürger dazu, viel später die Deklassierten, Proleten. (Das Proletariat war deutlich weniger vom A. infiziert worden als die vorhin erwähnte Gruppen). Die Einstellung der Intelligenzija war sehr unterschiedlich. Es gab viele großartige Menschen unter ihnen, aber auch viele die alles waren, nur nicht großartig. Ich stamme aus Budapest, bin erst in 1957 nach Österreich. So habe ich eine Ahnung davon, was war, auch wenn ich kein Historiker bin. lg Alma Ruth
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