Fundstück / 30.10.2013 / 19:51 / 2 / Seite ausdrucken

Erbarmen mit den Antisemiten!

Dass in Ungarn die Juden verhasst waren, das müsse man verstehen, mehr noch: Dieser Antisemitismus, der seit dem 19. Jahrhundert beträchtlich anschwoll, sei durchaus “rational” gewesen. Das sagte der ungarische Historiker Krisztián Ungváry im Interview mit der “Welt”. Man meint, sich verlesen zu haben – aber nein, es steht wirklich so da. Die kleinen, kaum oder gar nicht gebildeten ungarischen Bauern, die die Mehrheit dieser wahrlich nicht verspäteten, aber sehr spät in der industriellen und lebensweltlichen Moderne angekommenen Gesellschaft ausmachten, hätten – so Ungváry – nun einmal Juden (und Deutsche) ausschließlich als geschlossene Gruppen erlebt, die von der Modernisierung zum Schaden der “ungarischen Ungarn” profitierten. Sie seien als Ausbeuter, Unterdrücker, Wucherer und Existenzvernichter wahrgenommen worden.

Es gibt kein Vorurteil und kein Ressentiment, das nicht in irgendeiner Weise eine Reaktion auf ein wirkliches Phänomen wäre. Aber deswegen muss es noch lange nicht rational sein. http://www.welt.de/kultur/article121262464/Erzwingen-Armut-und-Hinterwaeldlertum-Judenhass.html

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Tobias Rüger / 31.10.2013

»Juden und [!] Deutsche« — das ist ein notwendiger Hinweis darauf, dass Juden im K&K-Reich mehrheitlich Kulturdeutsche waren. In der Tschechoslowakei beispielsweise waren deutschsprachige Juden von den rassistischen Beneš-Dekreten genauso betroffen, wie die (christlichen) »Sudetendeutschen«. Kafka, Celan, Mahler, Schönberg, Herzl… das K&K-Judentum war deutsch. Die politisch korrekten Ressentiments gegen alles deutsche und der Antijudaismus, in Mittelosteuropa hängt das eng zusammen.

Alma Ruth / 31.10.2013

Was Krisztián Ungváry sagt, stimmt so nicht. Nicht die Bauern waren die wichtigste antisemitische Gruppe, zumindest nicht die Kleinbauer die die Mehrheit stellten. Die wichtigsten Gruppen waren die Kleinbürger, noch wichtiger die örtlichen Führer der Dörfer, der Kleinstädte, der Komitate usw. Die Führer waren: Bürgermeister, Verwalter verschiedenster Art, Notare, Ärzte, Pfarrer sowie andere Kirchenleute, die sogenannten Gentrys, Großbauer usf. In den Städten kamen dann Kleinbürger dazu, viel später die Deklassierten, Proleten. (Das Proletariat war deutlich weniger vom A. infiziert worden als die vorhin erwähnte Gruppen). Die Einstellung der Intelligenzija war sehr unterschiedlich. Es gab viele großartige Menschen unter ihnen, aber auch viele die alles waren, nur nicht großartig. Ich stamme aus Budapest, bin erst in 1957 nach Österreich. So habe ich eine Ahnung davon, was war, auch wenn ich kein Historiker bin. lg Alma Ruth

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