Vince Ebert (Archiv) / 15.04.2010 / 23:28 / 0 / Seite ausdrucken

Entwicklungshilfe: Egotrips ins Elend

Warum wachsen und gedeihen einige Teile der Erde, während andere jämmerlich vor sich hin vegetieren? Mit Intelligenz kann es nichts zu tun haben. Man hat mir glaubhaft versichert, dass es kaum einen Ort auf der Welt gibt, wo sich mehr Dummheit versammelt als in Beverly Hills und trotzdem schwimmen die Leute dort in Geld. Auch Überbevölkerung scheint nicht das Problem zu sein. Monaco hat eine höhere Bevölkerungsdichte als Bangladesh, aber trotzdem gab es im monegassischen Yachthafen meines Wissens noch nie eine Hungersnot. Auch knappe Rohstoffe sind kein Indiz für Not und Elend. Die Schweiz hat keinerlei davon - wenn man von Rohmilchkäse und Schwarzgeldkonten absieht. Auch allgemeine Trägheit ruiniert nicht zwingend eine Volkswirtschaft. Der Blick in ein deutsches Einwohnermeldeamt genügt.
Wodurch also wird Armut tatsächlich verursacht? Ich glaube, es hat etwas mit Geld zu tun. Afrika hat sehr viel von beidem. Pro Jahr fließen fast 70 Milliarden Dollar Entwicklungshilfe dorthin. Alleine der Kongo, mit all seinen Bodenschätzen das potentiell reichste Land Afrikas, wird mit zwei Milliarden Euro Hilfsgeldern pro Jahr praktisch überflutet. Geld, das hauptsächlich für Präsidentenpaläste, Schnellfeuergewehre und Großraumlimousinen ausgegeben wird.
Wenn tatsächlich Projekte vorangetrieben werden, dann dienen sie vor allem dafür, den Geberländern Effektivität und Produktivität vorzugaukeln. Ähnlich wie in Russland zu Zeiten des Kommunismus. Damals baute man gigantische Maschinen, die Kohle und Erz förderten. Dann verbrannte man die Kohle, um das Erz zu schmelzen, das man dann zum Bau von gigantischen Maschinen benutzte, die Kohle und Erz förderten. Die nigerianische Regierung hat mehrfach bewiesen, dass das gleiche Konzept problemlos auch mit Erdöl funktioniert.
Seit 1960 wurde die Summe von sechs Marshallplänen in den schwarzen Kontinent gepumpt. Damals betrug der Anteil Afrikas (ohne Südafrika) am Welthandel neun Prozent. Heute liegt er bei 1,6 Prozent. Einziger Lichtblick: Man kann wohl auch in Zukunft keine Arbeitsplätze nach Afrika auslagern.
Geld wirksam zu verschenken, ist offenbar genauso schwer, wie es zu verdienen. Dennoch wird Entwicklungshilfe als gute Tat praktisch nie in Frage gestellt. Im Gegenteil. 71 Prozent der Deutschen befürworten sogar eine Verdopplung bis 2015. Die schlechtesten Dinge entstehen oft dann, wenn sich Menschen im Gutsein überschätzen.
Das gilt besonders für die vielen Prominenten, die sich berufen fühlen, Afrika zu retten. Der Kolonialismus ist tot. Die einzigen weißen Snobs, die noch in den schwarzen Kontinent einfallen, um den Einwohnern zu sagen, wie sie ihr Land führen sollen, sind Bono, Geldof oder Grönemeyer. Rockende Millionäre reden von Schuldenerlass und machen in der Politik, was sie in der Musik gelernt haben: Mit geistig eher übersichtlichen Statements enormen Effekt zu erzielen. Dabei hat Afrika doch genug Probleme. Jetzt muss es auch noch die Seele von wohlstandsmüden Musikern retten.
Man fährt mit der S-Klasse ins Bürgerkriegsgebiet und hält kurz ein Kind in die Kamera. Dann muss man weiter ins Grand Hyatt, um mit Salma Hayek ein Kaviarwettessen gegen den Hunger zu organisieren. Kaum ein Flüchtlingslager, das nicht von Brad Pitt und Angelina Jolie heimgesucht wird. So penetrant, dass junge Afrikaner vor Kurzem einen „Verein zur Abwehr der Überschätzung von Prominentenbesuchen in Elendsvierteln“ gegründet haben.
Sogar George Clooney engagiert sich für Gerechtigkeit in der Dritten Welt. Gleichzeitig ist er Werbeträger eines Unternehmens, das Kaffeebauern Minimallöhne zahlt. Ich glaube, im Fachjargon nennt man das einen „Fair-Trade“.
B-Promis organisieren Kleidersammlungen, die dann an Großhändler in der Dritten Welt weiterverkauft werden. Wer wirklich etwas für die Würde der Menschen in den Ländern der südlichen Sahara tun will, der sollte damit aufhören, Hosen mit weitem Schlag oder T-Shirts mit „Bier formte diesen wunderschönen Körper“ in die Altkleidersammlung zu geben.
Parallel dazu sich eine lukrative Entwicklungshilfe-Industrie gebildet. Alleine in Deutschland arbeiten etwa 100.000 Menschen in dieser Branche. Mit dreizehntem Monatsgehalt und Rentenanspruch. Da wäre es doch ganz schön blöd, wenn die Armut plötzlich verschwinden würde. Wer schafft sich schon gerne selbst ab?
In dem kürzlich erschienen Buch „Afrika wird armregiert“ schreibt der Autor Volker Seitz: „Wir retten die Welt zu Tode. [..] Der verheerende Drang, Gutes zu tun, untergräbt die Entwicklung eines kompetenten, unbestechlichen Staatsapparates und unterstützt stattdessen Regimes, die raffgierig, faul und größenwahnsinnig sind. Wir investieren seit Jahrzehnten in scheiternden Systeme, werfen korrupten Staatsmännern und inkompetenten Bürokraten Geld in den Rachen ohne auch nur im Ansatz eine Erfolgskontrolle einzufordern.“ Kein Empfängerland muss belegbar nachweisen, ob und wie Strategien gegen Armut und Not umgesetzt werden. Gleichzeitg vergibt die Weltbank Darlehen in Milliardenhöhe, die von den Empfängern vereinbarungsgemäß dann zurückgezahlt werden, wenn der Papst aus dem Koran predigt.
Der einzige, echte Test jeder Entwicklungshilfe sollte lauten: Würden Sie selbst jemandem so helfen? Falls nicht, warum lassen wir dann zu, dass EU und UNO so unnütz unsere Milliarden ausgibt? Wenn man jemandem Geld leiht, um eine schwachsinnige Idee zu verfolgen – beispielsweise eine Eisdiele mit Eiscreme in der Geschmackrichtung „Kalbsleberwurst“ – dann verschwendet man nicht nur sein eigenes Geld, sondern man tut auch noch dem Kreditnehmer keinen Gefallen. Volker Seitz jedenfalls bringt es auf den Punkt: „Die Verantwortung für Afrika liegt zunächst bei den Afrikanern selbst. In Wirklichkeit ist das fehlende Zutrauen des Westens in Afrika verkappter Rassismus.“
Deshalb braucht Afrika keine Entwicklungshilfe sondern Direktinvestitionen. Die fließen aber nur dann, wenn es ein Land aus sich selbst heraus schafft, sein Rechtssystem zu reformieren und demokratische Strukturen aufzubauen. Aber das ist zu kompliziert für Leute wie Grönemeyer. Der war ja schließlich mal in Ruanda und weiß deshalb bescheid. Da gibt die Kanzlerin schnell mal 700 Millionen, damit der Herbert ja Ruhe gibt und nicht um Himmels willen wieder zu singen anfängt.
In Kamerun lautet ein bekanntes Sprichwort: „Man wäscht niemandem den Körper, der sich nicht selber wäscht.“ Aber welche Rolle spielen schon die Meinungen der Afrikaner, wenn weiße Wohltätigkeitsaktivisten beschließen, ihnen zu helfen.

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