Neu ist, dass sich das IfW endlich des Themas angenommen hat. Heidland möchte einen messbaren Effekt für das Partnerland und einen messbaren Vorteil für das Geberland, insbesondere für die jeweilige Bevölkerung. Man wisse sehr genau, was funktioniert und welche Rolle der Kontext vor Ort spiele. Als Beispiele nennt er die sogenannten Aid-for-Trade-Programme: Hafenbauprojekte, verbesserte Zollabfertigung oder bessere Straßen. Solche Programme hätten messbare Effekte auf Beschäftigung und BIP der Länder, hätten aber auch Vorteile für das investierende Geberland.
Für Praktiker mit Ortskenntnissen ist die Erkenntnis nicht neu: Entwicklungsarbeit ist nur dann wirksam, wenn die lokale Regierung gut mitarbeitet. Endlich wird klar ausgesprochen: „Die Mittel sind dort besser eingesetzt als in Kontexten, die vor allem von Bürokratie und Korruption geprägt sind. Das sind harte Abwägungsentscheidungen, aber wir müssen sie treffen.“
Ich kann nur hoffen, dass sich die neue Entwicklungspolitik des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) wirklich in eine transparentere Richtung entwickelt, dass die Mittel gezielt als Reformhebel eingesetzt werden, um Länder zu belohnen, die Reformen zugunsten ihrer Bevölkerung umsetzen. Alle Programme, die bislang keine Wirkung entfaltet haben, sollten zügig eingestellt werden. Auch Programme z.B. von fragwürdigen NGOs, die in Afrika als moralisierend wahrgenommen wurden, sollten beendet werden (vgl. Achse vom 04.11.2025, Entwicklungshilfe: Wann geht das Belehren und Moralisieren zu Ende?).
Sich selbst erhaltende Hilfswerke
Das Afrika-Bild darf nicht weiter von sich selbst erhaltenden Hilfswerken, die die Hilfe als Lebensjob betreiben, geprägt werden. Niemand außer den Afrikanern selbst wird Afrika entwickeln. Entwicklungshilfe und ausländische Investitionen können dabei unterstützen, aber nur die Afrikaner selbst können zu Wohlstand und Stabilität beitragen.

Irgendwo am @rsch der Welt finanzieren wir sogar schon Kühlschränke… unfassbar… und wenn ich für 60 Euro vom Amt einen neuen 2-Plattenherd brauche? NEIN!
Sehr geehrter Herr Seitz,
vielen Dank für den interessanten Artikel. Kurze Frage: Wie würden Sie die Situation in Botswana einschätzen? Auf dem CPI von TPI liegt das Land gleichauf mit Portugal, was nicht allzu schlecht klingt. Wäre Botswana ein Modell für andere afrikanische Länder?
Mit freundlichen Grüßen
Tobias Budke
Herr Botschafter a.D. Seitz, wer half Deutschland nach den Angriffs-Kriegen der Alliierten im letzten Jahrhundert? Genau, niemand. Warum sollte Deutschland anderen helfen? Wenn man Diktatoren & Warlords schmieren will, sollte man das auch so verbuchen. Wenn man Israel unterstützen will, dann doch nicht wegen einer Schuld, die kein Lebender erlebt hat. Und auch die Gläubiger hatten Schuld, aber aus dieser Zeit lebt erst Recht keiner mehr. Man unterstützt also Israel, weil man den Islam zurückdrängen will. Dann kann man auch genau den Return der Investition bemessen & bewerten. Ansonsten haben Ihre Hanswurst-Minister, wie Radovan, einen Eid geleistet, den Wohlstand des Deutschen Volkes zu mehren & nicht den Wohlstand des Peruanischen Volkes. Für diesen Eidbruch, müßte Frau Minister Radovan sofort einfahren. Es gibt auf staatspolitischer Ebene keinen größeren Rechtsbruch. Darauf muß lebenslänglich stehen. Wer andere entwickeln will, muß das aus seiner Privatschatulle begleichen.
Passt doch:
Und so haben sich diese Politiker selbst, in die dritte Kategorie der von Machiavelli definierten dreigeteilten menschlichen Ordnung eingeordnet. Die, die verstehen, ohne dass sie es erklärt bekommen, die, die verstehen, nachdem es erklärt wurde und zuletzt die, die auch nachdem es erklärt wurde, nichts verstanden haben.
Die Frage muss also lauten WEM die Entwicklungshilfe WIRKLICH dienen soll. Vordergründig-selbstlos den Entwicklungsländern – oder hinterzimmerig Gruppen, die nach dem (J.Fischer möglicherweise angedichteten) Motto handeln:
„Deutschland ist ein Problem, weil die Deutschen fleißiger, disziplinierter und begabter als der Rest Europas (und der Welt) sind. Das wird immer zu ‚Ungleichgewichten‘ führen. Dem kann aber gegengesteuert werden, indem so viel Geld wie nur möglich aus Deutschland herausgeleitet wird. Es ist vollkommen egal wofür, es kann auch radikal verschwendet werden – Hauptsache, die Deutschen haben es nicht. Schon ist die Welt gerettet.“
In vielen afrikanischen Gesellschaften wäre eine solide Entwicklung zum vergleichbar mittelalterlichen Handwerk schon ein guter Fortschritt. Ein Schmied, der den Pflug selbst herstellt, der von Ochsen gezogen wird. Besser als ein modernes Gerät, das anschließend auf dem Feld vergammelt, weil es keiner reparieren kann. Solider Häuserbau aus Lehmziegeln, um die vielerorts dominierenden Wellblechhütten abzulösen. Nur Beispiele. Man könnte in die europäische Geschichte gehen und Methoden suchen, die geeignet sind. Entscheidend ist, sie können es umsetzen und sie tragen die Verantwortung selbst und lernen. Und kommen aus der Passivität heraus, in der andere für ihre Ernährung und insgesamt für ihr Wohlergehen verantwortlich sind. Jede Gesellschaft braucht ihre eigene Entwicklungsform und man muss die Menschen mitnehmen. Und Bildung kann vielleicht mit der Zeit das unsägliche Stammesdenken ablösen, das ständig zu Kriegen führt und Frauen zu mehr Gleichberechtigung verhelfen. Man muss sich mit einem Afrikaner unterhalten, um die Probleme zu verstehen. Afrika muss selbst laufen lernen.
Sehr geehrter Herr Budke,
Ihre Frage beantworte ich sehr gerne und kurz mit Ja.
Ich habe ausführlich (und mit jeder Neuauflage aktualisiert) in meinem Buch über das positive Beispiel Botswana geschrieben.
Herzliche Grüße
Volker Seitz