Sie sind mit dem Auto unterwegs, und der Tacho steht auf 80. Das ist Ihre Geschwindigkeit, und die wird in Kilometern pro Stunde angezeigt. Wenn Sie fünf Stunden lang dieses Tempo so ungefähr beibehalten, mal etwas langsamer, mal etwas schneller, dann sind Sie 5 x 80 = 400 Kilometer weit gekommen. Wenn Sie dann abends gemütlich zu Hause sitzen und Sie hätten jetzt so einen Tacho für die Geschwindigkeit, mit der die Elektrizität in Ihr Haus fließt, dann würde der jetzt 1,2 anzeigen: so viel ziehen Fernseher, Kühlschrank und Beleuchtung insgesamt aus den Steckdosen.
Die 1,2 sind jetzt natürlich keine Stundenkilometer, sondern es sind „Kilowatt“. Das ist die Einheit für die Geschwindigkeit, mit der die Elektrizität in ihr Haus fließt. Nach fünf Stunden vor dem Fernseher wären dann 5 x 1,2 = 6 in Ihr Haus geflossen. Aber 6 was? Es sind sechs Kilowattstunden, für die Sie pro Stück 40 Cent bezahlen müssen. Diese Ware, die Ihnen der Stromanbieter ins Haus liefert, wird also in Kilowattstunden abgewogen, kurz kWh. Im Monat kommen Sie da vielleicht auf 250 kWh und im Jahr auf 12 x 250 = 3.000 kWh. Dazu sagt man dann auch 3 Megawattstunden = 3 MWh.
Die Elektrizitätswerke wollen aber außer Ihrer Familie noch andere versorgen, sagen wir eine sehr große Stadt mit einer Million Haushalten. Da müssten dann am Feierabend von irgendwo her eine Million x 1,2 Kilowatt fließen, damit alle fernsehen können und die Gefriertruhen kalt bleiben. Eine Million Kilowatt wird auch als Gigawatt (GW) bezeichnet. Besagte 1,2 GW müssten dann von irgendwo her kommen.
Ein Kernkraftwerk, etwa das in Grafenrheinfeld, hat genau diese Leistung geliefert. Allerdings wurde es 2024 vorsätzlich zerstört. Das war ein sinnloser Racheakt, so wie er bei Ehescheidungen zu beobachten ist, wenn einer der Partner psychopathische Tendenzen hat. Und so wie dem AKW Grafenrheinfeld erging es auch den übrigen 16 Kernkraftwerken, die mit insgesamt 20 Gigawatt Leistung knapp ein Drittel des deutschen Strombedarfs befriedigten. Deutschland hat sich von der Kernkraft scheiden lassen. Der Schaden, den das Land dadurch erlitten hat, wird auf 100 Milliarden Euro geschätzt.
Das ist von einer Größenordnung, wie sie sonst nur in Kriegen zu beklagen ist; wie etwa in der Ukraine: Physische Zerstörung von Infrastruktur und Gebäuden allein wurde laut der Kyiv School of Economics bereits auf rund 170 Milliarden Dollar geschätzt (Stand Ende 2024). Dieser Schaden wurde aber Deutschland in Friedenszeiten zugefügt. Was diesen Racheakt gegen die Kernenergie noch absurder macht, ist die Tatsache, dass die dafür verantwortlichen Entscheidungsträger dem „Klimaschutz“, also der Reduktion von CO2-Emissionen, huldigen wie einem heiligen Gral. Die einzige nachhaltige, CO2-freie Stromquelle ist aber jene Kernenergie, die im vergangenen Jahrzehnt vernichtet wurde.
Der Eimer und die Tasse
Von Menschen gemachtes CO2, etwa durch Verbrennen von Kohle, Gas oder Öl, entweicht in die Atmosphäre, verteilt sich im Laufe der Zeit über den Globus, egal wo es herkommt, und vermischt sich mit dem bereits vorhandenen. Nun gibt es die Behauptung, dass die Zunahme von CO2 in der Atmosphäre zu deren Erwärmung führt. Wir wollen diese These an dieser Stelle nicht diskutieren, es gibt auf jeden Fall internationale Vereinbarungen, in denen sich Staaten verpflichten, ihre CO2-Emissionen zu begrenzen.
Deutschlands Beitrag zum globalen CO2 beträgt rund zwei Prozent; das wäre der Inhalt einer Kaffeetasse im Vergleich zu einem stattlichen Wassereimer. Wenn diese zwei Peozent auf null gebracht würden, dann hätte es keinerlei Effekt auf das Klima. Nichtsdestotrotz ist die Senkung der CO2-Emissionen das zentrale Thema der deutschen Politik. Das ist umso absurder, als die CO2-Giganten China, Indien und USA keinerlei Anstalten machen, sich einzuschränken. Die Stromerzeugung in den uns verbleibenden, vom Wetter unabhängigen Kraftwerken erfolgt also über folgenden Prozess: Verbrennung > Hitze > Dampf > Turbine > Generator > Stromnetz. Bei der Verbrennung, also der chemischen Reaktion von Sauerstoff aus der Luft mit dem Brennstoff, entsteht CO2. Nun wäre es interessant zu erfahren, wie viel CO2 so ein Kraftwerk ausstößt, wenn es eine Kilowattstunde erzeugt. Das ist unterschiedlich, je nach Brennmaterial. Die Brutto CO2-Emissionen der verschiedenen Brennstoffe sind:
- Braunkohle 1.250 Gramm pro kWh
- Steinkohle 950 Gramm pro kWh
- LNG 700 Gramm pro kWh
„Brutto“ schließt hier auch die CO2-Emissionen ein, die beim Transport des Brennstoffs zum Kraftwerk anfallen. In den eingangs beschriebenen fünf Stunden vor dem Fernseher hatten Sie ja sechs Kilowattstunden verbraucht. Wenn die aus einem Steinkohlekraftwerk kamen, dann haben Sie sich also mit 6 x 950 Gramm = 5,7 Kilogramm CO2 an der Erderwärmung beteiligt.
Der Feind, auf den man nicht verzichten kann
Man sieht sofort, dass Braun- und Steinkohle auf wenig Wohlwollen bei der klimafreundlichen Bundesregierung stoßen, und so hat man sich schon einmal daran gemacht, Kohlekraftwerke mit einer Gesamtleistung von acht Gigawatt zu zerstören. Man hat sie nicht einfach abgeschaltet, sondern tatsächlich für immer unbrauchbar gemacht, darunter das neue und moderne Kraftwerk für Steinkohle in Hamburg-Moorburg, welches 1,6 Gigawatt ins Netz speisen konnte. Damit wurden insgesamt nochmals Werte in zweistelligem Milliardenbereich in die Tonne getreten. Heute sind in Deutschland noch Kraftwerke mit folgenden Gesamtkapazitäten installiert:
- Braunkohle: 15 GW
- Steinkohle: 16 GW
- Erdgas: 36 GW
Macht gesamt 67 GW. Diese Summe von 67 Gigawatt reicht für den typischen deutschen Gesamtverbrauch aus, sofern die Kraftwerke in der Lage sind, alles zu geben und auch Wind oder Sonne einen Beitrag leisten. Anderenfalls müssen ein paar Gigawatt zu horrenden Preisen importiert werden, oft aus Frankreich oder Polen. Siehe auch Rüdiger Stobbes wöchentliche Kolumne auf Achgut.com „Woher kommt der Strom?“. Offensichtlich ist man also auf den Feind Kohle immer noch angewiesen.
Da gab es nun die geniale Idee, den Strom aus Wasserstoff zu erzeugen, sei es als Brennstoff in einem Gaskraftwerk oder auf anderem Wege durch „Brennstoffzellen“. Bei diesem Prozess wird keinerlei CO2 erzeugt, sondern nur H2O – und das ist ja harmlos. Worauf warten wir noch? Das Problem: Im Gegensatz zu Kohle oder Erdöl gibt es auf Erden keinen Wasserstoff. Man könnte ihn zwar durch Elektrolyse aus Wasser erzeugen, aber dazu muss man mehr Energie investieren, als man zurückbekommt. Gut, da böte es sich natürlich an, die überschüssige Energie aus den alternativen Quellen an windreichen Sommertagen für die Herstellung von Wasserstoff zu nutzen. Das ist eine gute Idee – man darf nur nicht anfangen zu rechnen. Und das haben wir hier für Sie getan.
Pünktlich und kontrolliert zum Einsturz
Wasserstoff ist also auch nicht die Rettung, weil er eben nicht auf Erden vorkommt. Was aber aus dem Inneren der Erde hervorkommt, ist Methan CH4 – ein Kohlenstoff-Atom, das mit vier Wasserstoff-Atomen einen kleinen Tetraeder bildet. Würde man unsere Kraftwerke mit Methan betreiben, dann würden pro Kilowattstunde nur 400 Gramm CO2 emittiert, also weniger als die Hälfte der Emissionen beim Betrieb mit Steinkohle. Zwar nicht ganz grün, aber doch weniger schwarz.
Dieses Gas sollte uns ursprünglich in großen Mengen durch die „Nordstream“-Leitungen aus Russland zufließen. Doch diese Leitungen wurden auf mysteriöse Weise zerstört, und außerdem wollen wir jetzt mit den bösen Russen sowieso keine Geschäfte mehr machen. Da bietet sich nun das „Liquefied Natural Gas“, kurz LNG, aus den USA an. Unterwasser-Leitungen für Gas nach USA, also „Weststream“, zu bauen, wäre zu aufwändig. Stattdessen kühlt man das Zeug auf -162°C ab, dann wird es flüssig und kann per Tanker transportiert werden. Das macht die Sache nicht billiger und braucht viel Energie. Daher werden in der Gesamtbilanz aus den erwähnten 400 Gramm/kWh dann die 700. Das ist kein großer Unterschied mehr zu Kohle, aber immerhin wieder was Neues. Dazu baut Deutschland jetzt eifrig LNG-Importterminals an der Nord- und Ostsee, an die die LNG-Tanker dann andocken und erweitert die Gasnetze und Speicher, um das kostbare Gas zu bunkern und um 250 Gramm CO2 pro kWh gegenüber Kohle einzusparen.
Der Homo sapiens ist angeblich mit Intelligenz ausgestattet, also der Fähigkeit, Projekte im geistigen Probehandeln zu durchlaufen, um so die Konsequenzen seines Vorhabens abschätzen zu können, bevor es Wirklichkeit wird. Dieses geistige Probehandeln sollte ganz offensichtlich vor der Realisierung des jeweiligen Projektes stattfinden. Kürzlich kam unser Kanzler Friedrich Merz nun zu dem Schluss, dass es „ein schwerer strategischer Fehler war, aus der Kernenergie auszusteigen“. Ach so? Noch ein Vierteljahr zuvor wurde doch unter seiner Kanzlerschaft das AKW Gundremmingen zerstört. Die offizielle Verlautbarung dazu: „Die beiden rund 160 Meter hohen Kühltürme wurden am 25. Oktober 2025 pünktlich um etwa 12 Uhr mittags mit Sprengladungen kontrolliert zum Einsturz gebracht.“ Und so wird derzeit auch ganz Deutschland pünktlich und kontrolliert zum Einsturz gebracht.
Hofmann-Reinecke ist Autor des Bestsellers „Grun und Dumm“, hier erhältlich.
Beitragsbild: Ralf Roletschek / Ralf Roletschek - Selbst fotografiert, GFDL 1.2, via Wikimedia Commons

@Bernd Lauert, „weil Menschen in Deutschland halt dumm sind, klatscht man halt “Watt„ da hin, wo Ampere stehen müsste. Ein Ampere entspricht einer Zahl von Elektronen, die sich von Minus nach Plus bewegt haben.“ —
Interessante These. Ein Ampere für die Dauer einer Sekunde (z.B. eine 230W Birne, die eine Sekunde lang leuchtet) sind also in Summe genau so viele (6,2 Trillionen) Elektronen wie ein Ampere für die Dauer eines ganzen Jahres (eine 230W Birne, die ein Jahr lang leuchtet)? Da muss ich wohl mit meinem Stromanbieter nochmal ein ernstes Wort sprechen. Elektronen sind sowas von zeitlos!
Gerade habe ich meiner Wasserstoffqueen aus Namibia einen Antrag gemacht und schon kommt diese LNG daher geschwommen und zerstört unser junges Glück.
@M.Brüggemann. „Herr Hoffmann-Reinecke ich als Chemiker erwarte von einem promovierten Physiker mehr Tiefe und Sachverstand. … “ Widerlegen Sie gefälligst den Artikel mit physikalischen Fakten. Ein Kindergarten ist ihr Kommentar.
Aber nun weiß doch jeder, daß Putin und die Ukraine schuld sind an unseren hohen Strompreis. Das hat Habeck ja selbst gesagt.
Das kann man glauben. Oder besser nicht.
Ich bin kürzlich durch das deutsch-dänische Grenzgebiet gefahren. Beiderseits der Grenze. Von Dänemark konnte ich aber den genauen Grenzverlauf schon von weitem erkennen. Dänemark: winterliche Landschaft pur; Deutschland: Windmühlen, so weit das Auge reicht. 50, 60 oder 70 werden es wohl gewesen sein.
Deutschland: 0,40€/kWh.
Dänemark: mindestens 0,11€/kWh, maximal 0,17€/kWh, je nach Nachfrage.
Für 17 €-Cent bekommt man hier nicht einmal eine Kugel Trittin-Eis…
Es gibt eine alte Regel für „Trainer“ in dem Erwachsenen-Schulungswesen: >>Wenn du nicht überzeugen kannst, versuche wenigstens zu verwirren.<< Herr Hofmann-Reinicke, sie schulden uns noch die Berechnung, wie viel Wasser uns die Sonne pro Jahr mit den Nordlichtern sendet. Habe ich Ihre Berechnung überlesen? Möglich wärs, weil ich in der Mitte zwei Mal leicht eingenickt war. Man soll nicht ungeduldig sein. Aber bitte auch nicht allzuweit vom Thema abkommen. Und bitte, Nordlichter sind nicht die Südschweden. Ich meine die, die meistens grün aussehen.
@Bernd Lauert: Adrenalin im Text ist schön, aber kein Erkenntnisgewinn und auch sprachlich kein Hochgenuss. – RMS (root mean square) kann auf verschiedene Energiegrößen angewandt werden. Klar ist unter „voltage clamp“ auf 230 V nur die Ampèrezahl variabel – aber bei Wechselstrom auch die Frequenz; Manfred Haferburg hat in diesem Blog oft genug darauf hingewiesen, dass zuerst die Frequenzschwankungen das Signal eines instabilen Netzes sind, bevor es in die Knie geht. Ferner hat RMS nur Bedeutung für den mittleren Energieumsatz (nicht für anders einzukalkulierende Extremsituationen), und den misst man – als Leistung – nun einmal in Watt. – Sie haben sicher sehr deutlich mehr Ahnung davon als ich; und genau von der hätte ich gern mehr profitiert.
Ihr Bericht lässt nur den Schluss zu, dass manche Homo sapiens eben nicht mit jener Fähigkeit der Vorausschau gesegnet sind. Leider scheint das Fehlen dieser Eigenschaft Voraussetzung zu sein für ein politisches Amt