Manfred Haferburg / 13.08.2019 / 06:29 / Foto: Tim Maxeiner / 75 / Seite ausdrucken

Energiewende: Hallo Deutschland, Kudankulam is calling

Ich arbeite für ein paar Tage im Kernkraftwerk Kudankulam am Indischen Ozean. Wir sind ein kleines Team – mit dabei sind ein Russe, ein Katalane und ein Holländer – die unseren indischen Kollegen dabei helfen wollen, die besten internationalen Standards der Sicherheitskultur in der Kernenergie kennenzulernen. Das Kraftwerk steht im indischen Staat Tamil Nadu im äußersten Süden des Landes, der parallel zum Urlaubsparadies Kerala liegt, aber wenig touristisch ist.

In Kudankulam produzieren zwei große 1000-MW-Druckwasserreaktoren russischer Bauart WWER 1000 Strom für das energiehungrige Indien. (Um es mal in grüner Terminologie auszudrücken: So ein Reaktor erzeugt Strom für mehr als drei Millionen Haushalte. Ein Windrad von 6 MW schafft in der Praxis Strom für 500 Haushalte). Zwei weitere neue Blöcke gleicher Bauart sind in Kudankulam noch im Bau und noch zwei weitere in der Planungsphase. Die im Bau befindlichen gehen in etwa zwei Jahren ans Netz. Die Lieferung der Anlagen erfolgt komplett aus Russland. Deutschland konnte sowas auch mal bauen, hat es aber vollkommen verlernt. Den Grünen ist der beabsichtigte „Fadenriss“ komplett gelungen. 

Indien betreibt 21 Kernreaktoren an sieben Standorten. Es sind derzeit acht neue Kernkraftwerke im Bau, darunter ein natriumgekühlter schneller Brutreaktor, um den Brennstoffkreislauf zu schließen und für hunderte von Jahren Kernbrennstoff zu haben. Weitere Reaktoren sind in Planung. Die neuartige Thorium-Reaktor-Technologie ist für Indien sehr vielversprechend, da Indien über reiche Thorium-Vorkommen verfügt. Die indische Kernkraftindustrie ist ein Staatsbetrieb, die NPCIL (Nuclear Power Corporation of India Limited). 

Mehr neue Kohlekraftwerke als Deutschland abschalten kann

Indien plant auch neue Kohlekraftwerke, mehr, als Deutschland abschalten kann. Das werden die Deutschen nicht verhindern können, auch wenn die Freitagsdemonstranten noch so hoch hüpfen. Das winzige Deutschland will eine Welt retten, von deren Ausmaßen es nur sehr verschwommene Vorstellung hat. Wer mit eigenen Augen sieht, unter welchen Bedingungen die meisten Menschen in Indien leben, kann dem Land nur Erfolg für sein Energieprogramm wünschen. Ganz nebenbei: in Indien kostet die Kilowattstunde acht Cent. Und das ist schon zu viel für die vielen Armen. In Deutschland sind es 30 Cent mit Tendenz aufwärts. Wir erzeugen gerade die Armut, die andere schon haben.

Indien braucht nichts dringender als Energie. Das Beste ist, wenn diese Energieproduktion auch noch sicher ist. Deshalb bin ich hier – als nuklearer „Entwicklungshelfer“. Damit keine falschen Vorstellungen aufkommen: Ich werde dafür nicht bezahlt. Sie tragen allein meine Reisekosten und füttern mich durch. 

Das Sicherheitsdesign der neuen russischen WWER 1000 ist beispielhaft. Der Reaktortyp verfügt über vier völlig unabhängige, flutsicher gebunkerte Notkühlsysteme – mit jeweils eigenen Dieselgeneratoren, Vorratstanks und Notkühlpumpen. Vier Stück sind vorhanden, obwohl eines dieser Systeme die Anlage im Notfall ausreichend kühlen könnte – das nennt man 4 x 100% Redundanz. Weiterhin gibt es ein stromunabhängiges Nachkühlsystem des Sicherheitscontainments, welches mit natürlicher Konvektion arbeitet. Passive Druckspeicher, die bei einem Leck den Reaktor mit Borsäure fluten und somit abschalten, ohne dass eine Pumpe laufen oder ein Ventil geöffnet werden muss, gehören genauso zum Design wie die heute weltweit üblichen Maßnahmen, die aus Fukushima gelernt wurden: Flutdämme, mobile Dieselgeneratoren und hoch gelegene große Kühlwasservorräte.

Wer schon mal ein indisches Baugerüst gesehen hat...

Die Reise nach Kundankulam war ein Abenteuer der dritten Art. Sechs Stunden Flug nach Dubai und fünf Stunden Flug zum internationalen Flughafen Thiruvananthapu (Das ist Tamil und ich kann es auch nicht aussprechen). Ein besonderes Erlebnis war die Vier-Stunden-Fahrt im Kleinbus vom Flughafen nach Kudankulam. Der Verkehr ist, gelinde gesagt, etwas gewöhnungsbedürftig. Der hier übliche Sicherheitsabstand bei 80 km/h beträgt einen halben Meter, der seitliche Abstand gefühlt einen Zentimeter. Die Straßen sind in katastrophalem Zustand. Auf den Schlaglochpisten wuseln alte Lastwagen, Dreiradtaxis, Motorräder, die mit vier Personen in Flipflops besetzt sind, Kühe, Ziegen und Hunde, Geisterfahrer aller Fahrzeuggattungen und fröhlich telefonierende Barfußgänger in einem absoluten Chaos durcheinander. Polizeikontrollen? – Die haben Besseres zu tun.

Mein Fahrer bahnt sich unter ständigem Hupen in atemberaubendem Tempo den Weg, während ich mich – es gibt keinen Sicherheitsgurt – ängstlich in Flugzeugabsturzposition hinter seinen Sitz drücke und dem heiligen Sebastian eine Kerze nach der anderen verspreche. In Indien sterben 350 Menschen durch Verkehrsunfälle – pro Tag. Das macht 130.000 Verkehrstote pro Jahr. Und wir wollen im Kraftwerk dieselben Leute dazu erziehen, sich beim Treppensteigen am Geländer festzuhalten und eine „Hold-the-handrail-Policy“ durchzusetzen. Wer schon mal ein indisches Baugerüst gesehen hat weiß: Hier eine Sicherheitskultur aufzubauen, braucht Geduld, Beharrlichkeit und Konsequenz. Trotzdem muss es getan werden, damit die Tucktuck-Kultur am Werktor aufgehalten wird.

In meinem Seminar sitzt Führungspersonal aus verschiedenen indischen Kernkraftwerken. Bei meinen Vorträgen pflege ich mich normalerweise auf einige wenige Gesichter zu konzentrieren, um mir anhand des Ausdrucks Feedback zu holen. Das funktioniert hier überhaupt nicht. Die Teilnehmer – es ist auch eine Frau dabei – schütteln ständig lächelnd den Kopf, als würde sie das Vorgetragene ablehnen. Nur, hier in Südindien heißt Kopfschütteln Zustimmung und Nicken Ablehnung. Natürlich weiß ich das, aber es ist trotzdem schwierig, sich umzugewöhnen. Es ist auch mehr als schwierig, die in singendem Indien-Englisch gestellten Fragen zu verstehen. Das indische Englisch ist von der Betonung her eine Mischung aus Englisch, Hindi, Bengali und Tamil. Oft rate ich, was der Fragesteller wissen will. Trotz der Sprachbarriere ist das Interesse enorm, und die Leute sind genauso wissensbegierig, wie sie liebenswürdig sind. Es ist sogar jemand vom KKW Kakrapar im Norden über den ganzen indischen Kontinent angereist.

Mit großem Bahnhof auf die Toilette des Direktors

Es ist Monsunzeit, ein zärtlich-heißer Sturm zerrt am kurzärmeligen Hemd, das hier der Dresscode ist. Lange Hose, keine Sneakers, kein Schlips. Oft schüttet es warmen Regen wie aus Kannen. Hier treffen drei Meere aufeinander: der Indische Ozean, der Golf von Bengalen und das Chinesische Meer. Es gibt keine Jahreszeiten, es ist stets Sommer und daher sommerlich heiß. Die Inder lieben es, ihre Klimaanlagen auf eiskalt einzustellen, was mich oft in geschlossenen Räumen frösteln lässt. Aber Klimaanlagen gelten bei diesen Temperaturen als Luxus, da müssen sie auch ordentlich gebraucht werden. Auch im Hotel ist das Schlafen ohne Klimaanlage nicht vorstellbar.

Das Essen ist vor allen Dingen eines – scharf. Die meist vegetarischen Gerichte treiben einem Schweißtropfen auf die Stirn. Wer Fleisch mag, bekommt „Chicken 65“. Das sind höllenscharfe Stücklein eines Huhns, von dem ich annehme, dass es auf eine Landmine getreten ist. Jedenfalls besteht es aus Stücklein einer Mischung von Knochen, Knorpel und Fleisch, von roten Gewürzen ummantelt. Zu allem Übel, Tamil Nadu ist ein trockener Staat, es gibt nicht mal Bier zum Wegspülen der Schärfe.

Ich bin vom Abend zuvor schwer unterhopft und habe wohl zu viel vom Chicken 65 zum Frühstück genascht. In meinem Bauch tobt jedenfalls ein Tsunami, es ist Vormittag, und wir sind mitten beim Kraftwerksrundgang. Im Informationszentrum entwische ich diskret der Gruppe. Immer der Nase nach. Als ich das Örtchen gefunden habe, ist plötzlich die Not nicht mehr so groß, mir vergeht förmlich alles. Doch der Schock ist nicht nachhaltig und ich muss mich notgedrungen und möglichst diskret meinem Betreuer offenbaren. Der Kollege erklärt mir den kulturellen Unterschied: „Indische Menschen benutzen normalerweise kein Toilettenpapier, sondern Wasser“.

Dann telefoniert er eilig umher und sie fahren mich – wie peinlich – ins Verwaltungsgebäude. Dort werde ich mit großem Bahnhof auf die Toilette des Direktors gebracht, der somit nunmehr auch detailliert Bescheid weiß.  Als wir ankommen, wienert ein Reinigungstrupp das Örtchen. Leider funktionierte die wichtigste Informationskette nicht schnell genug, um Papier herbeizuschaffen. Mir bleibt nur das Motto des heiligen Augustinus: „Wenn du in Indien bist, mach es wie die Inder“. Als ich etwas blass und untenrum ziemlich benässt wiedererscheine, überreicht mir der Direktor coram publico mit stolzem Handschlag eine Rolle Toilettenpapier. Komme ich jetzt womöglich im tamilischen Fernsehen?

Um das Kernkraftwerk herum hunderte von Windrädern

Interessant ist, dass um das Kernkraftwerk herum hunderte von Windrädern stehen – Kudankulam ist eine windreiche Gegend. Die Inder denken nicht daran, den großen deutschen Energiewendern zu folgen und Ihre Kernkraftwerke abzuschalten. Sie nutzen lieber alle Energiequellen, derer sie habhaft werden können. Atom- Solar- und Windkraft dienen als kohlenstofffreie Technologie. Indien baut aber auch Kohlekraftwerke.

Viele Menschen in Indien sind sehr arm. Die Bevölkerung wuchs in den letzten 50 Jahren von einer halben Milliarde auf 1,3 Milliarden. Dieser Zuwachs braucht Energie – für Nahrung, Güterherstellung, Transport, Kommunikation, Klimatisierung und vieles andere mehr. Und ja, sie möchten auch gerne einen kleinen gebrauchten Tata oder Maruti-Suzuki fahren, wer kann es ihnen verdenken? Die deutschen Grünen können es jedenfalls nicht verbieten, es sei denn, sie lassen die Bundeswehr einmarschieren. Dazu müsste die aber erst noch ein bisschen aufrüsten. In Deutschland ist sich offenbar kaum jemand bewusst, dass sich der weltweite Energiebedarf in den nächsten 40 Jahren verdoppeln wird und dass der Klimawandel in Asien und Indien irgendwie nicht stattfindet, weil die Leute dort ganz andere Sorgen haben.

Indien steht vor gigantischen Aufgaben. Gegenwärtig arbeitet die Regierung an einer Initiative, die „Sauberes Indien“ heißt. Das ist bitter nötig. Es muss landesweit eine funktionierende Müllabfuhr organisiert werden, es muss für alle Inder einen Zugang zu hygienischen Toiletten geben. Indien bemüht sich um Umweltschutz – Plastiktaschen wurden gerade verboten. Nur muss man sich mal die Schwierigkeit der Durchsetzung eines solchen Verbotes für 1,4 Milliarden Menschen vergegenwärtigen. Es muss vor allem die Kultur des „retired in place“ überwunden werden. Das heißt, dass künftig nicht mehr benötigtes Material oder Abfall aller denkbaren Art nicht einfach in Haufen und Halden liegen bleibt, sondern abtransportiert wird. 

Nummer 65 auf dem Ernährungsplan der indischen Armee

Sicher wird die nächste Großaktion der Regierung auch versuchen, das Verkehrschaos in den Griff zu bekommen. Gleichzeitig müssen die Sozialsysteme und die Infrastruktur verbessert, Wohnungen, Straßen und Fußwege müssen gebaut werden. Alles Dinge, die es heute nur unzureichend gibt. Hinzu kommen die schwelenden Konflikte mit Kaschmir und Pakistan. Glaubt wirklich jemand, dass sich Indien angesichts solcher Aufgaben mit einem Kernkraftausstieg, der Dekarbonisierung und Feinstaubmessung von Millionen von Tucktucks herumschlagen kann? 

Erst kommt nämlich das Fressen und dann kommt die Moral. Das Brecht-Zitat gilt besonders für Länder, in denen nicht für alle Einwohner genug da ist. Und wir deutschen Weltretter – hoffen wir darauf, dass uns unser moralischer Anspruch nicht auf die Füße fällt .

Zum guten Schluss möchte der geneigte Leser sicherlich noch wissen, warum das teufelsscharfe Hühnchen denn nun „Chicken 65“ heißt. Es sind zwei Erklärungen überliefert. Entweder, das Hühnchen kostet genau 65 Rupien oder das Gericht hatte die Nummer 65 auf dem Ernährungsplan der indischen Armee. Nur Lakshmi, die vierarmige Fruchtbare, wird es genau wissen.

 

Manfred Haferburg ist der Autor des autobiografischen Romans „Wohn-Haft“. Als Schichtleiter im Kernkraftwerk kämpft er gegen Macht und Dummheit der Bonzen. Es macht ihn verdächtig, weil er sich der Einheitsbreipartei verweigert. Hexenprobe der Stasi ist eine erfolglose Anwerbung als Spitzel. Bald steht er auf allen schwarzen Listen seines Heimatlandes. Eine Flucht misslingt und eine Odyssee durch die Gefängnisse des „sozialistischen Lagers“ beginnt. Der Mauerfall rettet ihm das Leben und ein neues Leben in Paris wird aufgebaut, während sich in Deutschland die Spitzel im Bundestag breitmachen und die ehemaligen Genossen sich gegenseitig ums SED-Erbe den Schädel einschlagen. Ein Buch, dass den Leser schier atemlos umblättern lässt. (47 Kundenbewertungen, 4,6 von 5 Sternen)

Foto: Tim Maxeiner

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Horst Hauptmann / 13.08.2019

Lieber Herr Haferburg, aufgrund meine Indien-Erfahrung (Bau eines Kraftwerkes in Rajasthan) empfehle ich dringend, gegen die Schärfe der Mahlzeiten auf Bier zu verzichten. Nehmen Sie Joghurt oder Lassi. Und essen Sie Obst, aber nur solches mit Schale. Ich kam tagsüber am Besten mit Fasten durch sowie morgens und abends im Hotel auf Vorrat zu essen. In die “Kopf-Wiege-Falle” bin ich anfänglich auch getappt - interkulturelles training gab es erst später. Auch den Verkehr habe ich bei mehreren Reisen gut überlebt, man darf sich allerdings nicht so viele Gedanken machen und muss sich einfach seinem Schicksal anvertrauen. Mit den Indern habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht, es ist sogar eine langjährige Freundschaft daraus entstanden. Sehr schön Ihre Beschreibungen der indischen Verhältnisse und dann dieser Satz, der unser Dilemma und seine Ursache auf den Punkt bringt: “Das WINZIGE Deutschland will eine Welt retten, von deren Ausmaßen es nur sehr verschwommene Vorstellung hat.” Schicken Sie den mal an Herrn Altmaier, der mit seinen verschrobenen Konzepten die USA und China bekehren will - wie anmaßend sind wir eigentlich schon wieder? Würden wir mehr von der Welt verstehen, dann würden wir statt der Energiewende in Deutschland den Indern helfen, saubere Kohlekraftwerke zu bauen, den Polen helfen, ihre Kohleheizungen abzuschaffen, Bolivien jede Menge Regenwald abkaufen. Es gilt, wie bei der Flüchtlingshilfe: die enormen Mittel, die wir im Inland verplempern, könnten im Ausland ein VIELFACHES bewegen. Aber dazu ist der Deutsche, in Binnengrenzen denkend verhaftet, zu DOOF. Traurig und schade.

Perseida Theodora / 13.08.2019

Uwe Stegemann / 13.08.2019: ” Wenn wir das akzeptieren und uns dann vor Augen führen, dass der Pro Kopf Ausstoß in Deutschland noch um ein Vielfaches über dem Pro Kopf CO2 Ausstoß eines Inders liegt,” Da ist er wieder, der Pro-Kopf-Verbrauch. Dieser Wert ist absolut nichtssagend und irreführend. In Indien und China, beide Ländern mit der höchsten CO2 Emission, partizipiert nur ein Bruchteil der Bevölkerung real an dem emittierten CO2 - bedeutet, würden alle Chinesen und Indern gleichermaßen CO2 forcieren, wäre der Wert beider Länder noch um ein Vielfaches größer. Deutschland ist ein recht kleines Land mit einer relativ homogenen Gesellschaft. Heißt, jeder partizipiert, auch dank des guten Sozialsystems, gleichermaßen an den CO2 Emissionen. Dieses trifft auf die beiden bevölkerungsstarken Länder nicht zu. Z.B. ist aus dem Artikel oben zu entnehmen, dass nicht mal jeder Haushalt sich den Strom in Indien leisten kann - auch Autos sind da ein Luxusgut - steht alles oben. Dieser CO2-Pro-Kopf-Vergleich soll ausschließlich dem Zweck dienen, dem deutschen Michel ein schlechtes Gewissen einzureden. Brauchbar für irgendwelche Vergleiche ist er in keinster Weise. Wenn Sie mir das nicht glauben, können wir uns ja mal in Berlin zur schlimmsten Rushhour an einem Stau-Brennpunkt treffen - und im nächsten Monat treffen wir uns desselben in Peking. DER Vergleich käme einem realen Vergleich der Tatsachen näher.

Volker Kleinophorst / 13.08.2019

Als ich das erste Mal nach Indien reiste, nahm ich drei Rollen Klopapier mit. Für den Einstieg. Seine erste indische Toilette vergisst man nie. (Den ersten Metzger auch nicht.) Schnelle Klo-Erkenntnis: Das mitgebrachte Papier kann ich ja jetzt schon vergessen. Denn hier steht kein Eimer. Runtergespült werden kann da auch nichts. Rohre zu klein. Der Wasserhahn und das kleine Pöttchen (Wir nannten es später: Lothar) machte klar. So läufts. Und zwar mit Links. In dem Fall wirklich nachvollziehbar, dass die linke Hand als unrein gilt. Greife in Indien nie beim Essen oder auf einem Markt mit links zu. Das ist echt gewöhnungsbedürftig, wenn man das nicht von klein auf drin hat. Doch man ist eben hinterher gewaschen. Besser als Feuchtücher. Wenn man so ein indisches Männerröckchen den Lungi trägt, ist es auch einfach zu handeln. Daheim musste ich mich nach einem halben Jahr wieder umgewöhnen. Nicht zuletzt nach einem interkulturellen Gedankenaustausch. Inder: “Stimmt das? Wenn ihr in Europa auf dem Klo wart, dann verwischt ihr den “Rest” auf eurem Hintern.” Entrüstet wies ich das zurück. Aber dann ehrlicherweise… Ich versuchte, es ihm zu erklären. Bei ihm kam nur “Ja” an. DIE MACHEN ES WIRKLICH. Und es stimmt faktisch ja auch. PS.: Als ich 1982 das erste Mal in Indien war, lag die Bevölkerung bei ca. 800.000. Heute 1,4 Milliarden. Dass die das überhaupt hingekriegt haben, denn Indien damals war deutlich elender, als Indien heute, ist ein Wunder. Und eben auch eine stattliche Leistung. Besonders wenn man Deutschland betrachtet, das genau den umgekehrten Weg geht. Weniger Deutsche, weniger Wirtschaft. Und trotzdem pleite. Kleiner Schlaumeier: Thiruvananthapuram hieß als ich da war noch Trivandrum. Es liegt in Kerala, da ist eine der Sprachen Malayalam und der Name ist in dieser Sprache. Kudankulam liegt allerdings in Tamil Nadu, grenznah zu Kerala. Der Name ist in Tamil. War schon oft in Indien. Da kann man sensationell essen auch günstig. Da haben Sie was falsch gemacht.

Ilona G. Grimm / 13.08.2019

Hallo, Herr Haferburg, Gruß zurück nach Kudankulam! Als vom CO2-Fieber geplagter deutscher Unmensch packt mich eine große Sehnsucht nach WWER1000. Warum lassen wir uns moderne Technologien verwehren? Warum marschieren wir ins 18. Jahrhundert zurück und lassen uns unsere Landschaften und die Biodiversität bereitwillig versauen? Man tut so, als ob wir zum Leben nur eine CO2-freie Atmosphäre benötigen würden aber ohne gesunde Biosphäre auskommen könnten. Wie konnten wir nur so dermaßen verblöden? Ja, Tschernobyl hat mich damals auch geschockt. Aber das ist immerhin mehr als 30 Jahre her und es hat seither beträchtliche Fortschritte gegeben. Praktisch überall, nur nicht in Deutschland. Wegen unserer Klimakanzlerin-Physikerin und ihren stummen Dienern. Risikofreies Leben gibt es aber nicht! Nirgendwo!// GEO Magazin 08/2019 behandelt das Thema Windenergie sehr nüchtern – und ebenso ernüchternd. Trotz enorm gestiegener Effizienz brauchen wir statt bisher 35 Tsd. Windrädern mindestens 60 Tsd. um den Energiebedarf auch nur annähernd zuverlässig zu decken. Wie viele Fledermäuse*, Vögel und Insekten dann noch übrig bleiben (Artenvielfalt!?), mag sich jeder selber ausmalen oder mal im Umfeld solcher Anlagen spazieren gehen (sofern erlaubt). // Dass die gigantischen Rotoren in solch großer Zahl keinen Einfluss auf unser Wettergeschehen (Windentwicklung) haben, kann ich mir übrigens auch nicht vorstellen; bin aber Laie. // Kommen Sie gesund wieder heim! Und halten Sie uns auf dem Laufenden. // P.S.: „Wohn-Haft“ habe ich mir gerade eben bestellt. Als Wessi bin ich besonders gespannt darauf. // PPS*: Ihr Sonarsystem würde Fledermäuse schützen; aber der im Bereich der Rotoren herrschende Unterdruck zerfetzt ihre inneren Organe!

Johannes Herbst / 13.08.2019

Wieder einmal gibt es hier eine Gruppe von Schreibern, die die Rettung der Welt nur in Geburtenkontrolle, also der Verhinderung menschlichen Lebens sehen. Dabei ist es seit dem Nobelpreisträger Amartya Sen längst amtlich: Solange es eine echte Demokratie gibt, werden die entsprechenden Länder nicht hungern. Wenn Menschen Freiheit zum Handeln gegeben ist, werden sie überleben. Wobei die eine oder andere Hungersnot unseren westlichen Fettsäcken auch nicht schaden würde. Bekanntlich war kein KZ Insasse oder Kriegsgefangener adipös oder hatte Diabetes.

Uwe Stegemann / 13.08.2019

@ Leo Hohensee : Ich habe versucht in kurzen Sätzen darzustellen, dass es auch andere mögliche Sichtweisen gibt. Ich kann jetzt einige hundert Zeilen schreiben, aber wir werden vermutlich nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Zumal bei allen Vergleichen am Ende oft genug Ermessensfragen übrig bleiben. Ist die optische Verschandlung der Windräder schlechter, als eine Umweltzerstörung durch CO2-Ausstoß? Die Entscheidung muss vermutlich jeder für sich selbst fällen. Zu den konkreten Fragen: a) Atomenergie: Dass man Atomenergie ablehnt, muss man in meinen Augen nicht begründen - schließlich hat noch niemand ein Endlager für den entstehenden Müll und das Risiko eines Unfalls mit geographisch weitreichenden Folgen ist auch nicht absolut auszuschließen. b) fossile Energie: Umgekehrt muss man meiner Meinung nach aber nicht für Braunkohleverstromung sein, bloß weil man Atomenergie ablehnt. c) Mit dem “Frösche fragen” meine ich, dass man die begeisterten Anhänger der Großkraftwerke (und speziell nicht RWE und Co.) fragen darf, ob man ohne Großkraftwerke auskommt. Vor Fukushima gab es die Aussage, dass in Deutschland das Licht ausgeht, wenn die Laufzeiten der Atomreaktoren nicht verlängert werden würden. Direkt nach Fukushima wurden acht große Blöcke sofort vom Netz genommen und der Strom ist nicht ausgefallen. Daher ist die Drohung des Stromausfalls bei Abschalten der Großkraftwerke nicht plausibel, zumal Deutschland im Durchschnitt noch immer Strom exportiert. Wer ein mal lügt, dem glaubt man halt nicht. Beste Grüße Uwe Stegemann

HaJo Wolf / 13.08.2019

Das ganze linksgrüne Gutmenschenpack gehört eingesammelt und nach Indien geschickt, ein Jahr Arbeisdienst an denen, die sie retten wollen. Im Ernst: man darf nicht darüber nachdenken, was die “Energiewender” hier anrichten. Noch mehr Gesetze, noch mehr Verbote, noch mehr abschaffen und durch Unsinn ersetzen. Es sind schlicht und ergreifen Kriminelle, die uns terrorisieren. Weg damit. Und was der Bericht auch wieder mal aufzeigt: die wirkliche Ursache, das tatsächliche Problem der Menschheit ist die Überbevölkerung, die auch noch Jahr für Jahr zunimmt. Es ist weder faschistisch noch rassistisch noch inhuman, wenn man dort ansetzt, um das Problem der Energie- und Nahrungsversorgung zu lösen. Und man komme mir nicht mit dem dämlichen Spruch, dass die Erde genug hat um auch 20 Mrd Menschen zu ernähren. Das ist Pipi Langstrumpf! Die Weltbevölkerung muss reduziert werden und begrenzt auf 5 bis 6 Mrd.

Tobias Kramer / 13.08.2019

@Thomas Lescheck: Naja das mit der viertgrößten Volkswirtschaft würde ich so nicht in Beton gießen. Deutschland ist fast ausschließlich eine Export-Nation und ist die letzten Jahrzehnte damit gut gefahren. Haupteinnahmequelle war und ist der Export. Bricht er weg, dann sind wir ganz schnell dritte Liga. Die Binnenwirtschaft wird das niemals ausgleichen können. Die hat man über viele Jahre ausgemolken und immer höheren Steuern kaputt gemacht. Und man merkt doch jetzt schon, dass wegen dem Handelskrieg China-USA die Nerven blank liegen. Wenige Prozent Exporteinbruch sind gleich Milliarden weniger Staatseinnahmen. Und wie man an der CO2-Steuerdebatte sieht, der Staat braucht jeden Cent.

Uwe Stegemann / 13.08.2019

@ Leo Hohensee, wie geht es Ihnen? Sie wollen sich also einmal mehr mit mir auf intellektueller Augenhöhe duellieren. Das ist mutig. Leider stelle ich fest, Sie sind noch immer unbewaffnet. (Metapher). Studieren Sie gleichwohl weiter aufmerksam alle meine Tweets. Das bildet Sie. Deo volente.

freier Mensch / 13.08.2019

Indien schafft das locker. Ich war 1985 für 3 Monate dort und als ich mal telefonieren wollte, musste ich in die nächste größere Stadt fahren. Dort wurde ich noch verbunden von einem Inder hinter einem Gerät welches von 1900 zu sein schien. Ich habe mir dann Geld schicken lassen welches ich 3 Tage später vom Postboten ausgezahlt bekam. Und die Summe, es waren 1000 DM war für den Postmann wohl ein Vermögen welches er noch nie gesehen hat. Als ich dann 8 Jahre später nochmal dort war, gab es in jedem Dorf bereits Internetcafes und die waren besser als die welche es hier bei uns in Deutschland gab zu anfang der 1990er Jahre. Der Ausbau ging dort so schnell, das hätte ich nie erwartet. Ich mag Indien sehr und deshalb weil ich das erlebt habe sage ich, die schaffen das mit dem Ausbau all der Projekte wie oben genannt locker.

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