News-Redaktion / 31.01.2019 / 11:00 / 0 / Seite ausdrucken

„Energiestab“ könnte Erdgasförderung revolutionieren

Kernwaffenspezialisten an der chinesischen Xian Jiaotong Universität haben einen „Energiestab“ entwickelt, der die Erdgasförderung revolutionieren könnte, meldet die South China Morning Post. Wie die Zeitung aus Hong Kong schreibt, soll die neue Technologie bislang unzugängliche Schiefergas-Reserven erschließen.

Schiefergas ist Erdgas, das in undurchlässigem Gestein eingeschlossen ist, und daher durch herkömmliche Brunnenbohrungen nicht erreicht werden kann. China hat die größten Schiefergasvorkommen der Welt. Allerdings macht die einheimische Schiefergasproduktion momentan nur sechs Prozent der chinesischen Erdgasförderung aus. 40 Prozent des Erdgasbedarfs des Landes werden durch Importe gedeckt. Das liegt an der ungewöhnlichen Tiefe der chinesischen Schiefergasreserven. 80 Prozent liegen mehr als 3.500 Meter unter der Erdoberfläche und konnten bisher durch keine Fördertechnologie erschlossen werden.

Die letzte große Innovation in der Erdgasförderung war die Erfindung der hydraulischen Frakturierung (Fracking). Hierbei werden Druckwasserstrahlen genutzt, um Schiefergas freizusetzen. Laut der South China Morning Post steigerte die Einführung des Fracking im Jahr 2007 die amerikanische Erdgasförderung um 40 Prozent und senkte den Preis von Erdgas um mehr als zwei Drittel.

Der neue chinesische „Energiestab“ soll nun in Tiefen vordringen, in denen Fracking physisch unmöglich ist. Er besteht im Wesentlichen aus einer umhüllten Spule, die in Wasser getaucht wird. Die Einleitung eines starken elektrischen Stroms führt zur Bildung einer extrem heißen Plasmawolke, die eine bis zu 50 Meter breite Frakturierungszone im Gestein erzeugt. Wie die South China Morning Post schriebt, ist es dasselbe Prinzip, das bei der Zündung der amerikanischen Atombombe „Little Boy“ über Hiroshima im Jahr 1945 genutzt wurde.

Laut der South China Morning Post wird der „Energiestab“ bereits genutzt, um potentiell gefährliche Gase aus Kohleflözen freizusetzen. Erste Feldversuche in der Schiefergasförderung sollen im März oder April stattfinden. Einige chinesische Forscher betonen die ökologischen Vorteile der Technologie. Im Gegensatz zum Fracking soll bei der neuen Methode kein mit giftigen Chemikalien belastetes Abwasser entstehen. Andere sind skeptischer. Eine ausgiebige Nutzung der Technologie könnte die Geophysik in der Region Sichuan verändern, zitiert die Zeitung den Forscher Chen Qun. Sichuan ist für seine riesigen Schiefergasvorkommen, aber auch für seine tektonische Instabilität bekannt. Laut Professor Chen könnte die „Energiestab“-Methode zu einer Gefahr für Gebäude und Staudämme werden.

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