Was wollte die Messerstecherin von Hamburg mit ihrer Tat beweisen?
Die 39-jährige weiße deutsche Frau, die im Getümmel des Hamburger Hauptbahnhofs unter Einsatz eines Messers 15 Menschen verletzt hatte, einige von ihnen lebensgefährlich, ist in einer geschlossenen Anstalt untergebracht worden. Es heißt, ihre psychische Verfassung sei den Behörden, auch der Polizei, bekannt gewesen, ein politischer oder gar terroristischer Hintergrund liege nicht vor, dennoch werde „in alle Richtungen“ ermittelt.
Es ist zwar viel Blut geflossen, aber kein Mensch zu Tode gekommen, die „mutmaßliche Täterin“ ist eine Bio-Deutsche und keine Zugewanderte, wenn auch psychisch gestört, was allenfalls zu der Frage führen könnte, welcher Gutachter bescheinigt habe, dass von ihr keine Gefahr für die Allgemeinheit ausgehe. War es vielleicht ein Orthopäde oder ein HNO-Arzt?
Der Fall hat freilich eine Seite, die bis jetzt nicht thematisiert wurde. Man weiß, dass Frauen ein geringeres Aggressionspotenzial haben als Männer, aber auch gewalttätig werden können, wenn es die Umstände erfordern, wie es in deutschen Konzentrationslagern und sowjetischen Gulags der Fall war. Da erwies sich auch das vermeintlich schwache Geschlecht als sehr gewaltaffin.
Dennoch bleibt eine Frau, die mit einem Messer losläuft, um wahllos Menschen abzustechen, eine Ausnahme. „Der Messerstecher“ hat sich umgangssprachlich etabliert, „die Messerstecherin“ nicht – mangels Masse. War es vielleicht das, was die Frau zu ihrer Tat im Hamburger Hauptbahnhof bewogen hat? (Am Rande bemerkt: Es gibt auch nur „Amokläufer“, keine „Amokläuferinnen“, nicht einmal „Amoklaufende“.) Wollte sie als „erste Messerstecherin“ Geschichte schreiben?
Vielleicht hatte sie Adelheid S. vergessen. Es ist ja auch schon 35 Jahre her, dass diese Frau den damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Oskar Lafontaine bei einer Wahlkampfveranstaltung mit einem Messer niedergestochen und lebensgefährlich verletzt hat. Und seither hat kaum eine Messerstecherin für überregionales Aufsehen gesorgt, im Unterschied zu vielen männlichen Messertätern. Das ist jetzt vielleicht ein wenig anders geworden.
In einem atemberaubenden Tempo haben Frauen in fast allen ehemaligen Männerdomänen ihren Anteil erobert. Die Älteren unter uns werden sich noch an Irene Koss erinnern, die 1950 beim damaligen NWDR als erste Fernsehansagerin der Bundesrepublik ihren Dienst aufnahm. Oder Wibke Bruhns, die 20 Jahre später als erste Frau eine Nachrichtensendung im ZDF moderieren durfte. Wegweisend auch die studierte Anglistin, Germanistin und Pädagogin Carmen Thomas, die erste Sportmoderatorin im Aktuellen Sportstudio des ZDF, wo ihr der bis heute unvergessene Versprecher „Schalke 05“ unterlief.
Geht man weiter in der Geschichte zurück, findet man Johanna Kappes, die erste „regulär zugelassene“ Studentin der Medizin, sie wurde 1899/1900 an der Universität Freiburg immatrikuliert. Oder Maria Hagemeyer, die zu einer Zeit, als es das Wort „Richterin“ noch nicht gab, 1924, ihr Assessorenexamen bestand und vier Jahre später eine Richterstelle bekam. Und Lotte Specht, die 1930 in Frankfurt/M. den ersten „Damen-Fussball-Club“ ins Leben rief, nachdem sie eine Zeitungsanzeige in den Frankfurter Nachrichten aufgegeben hatte, weil sie beweisen wollte: „Was die Männer können, können wir auch.“
1963 drehte die erste Frau ein paar Runden im Weltraum, die sowjetische Kosmonautin Valentina Tereschkowa; als Bundesfamilienministerin Franziska Giffey Anfang 2019 in einem orangenen Overall der Berliner Stadtreinigung auf einem Müllwagen durch Wilmersdorf mitfuhr, um „mit den Rollenklischees“ aufzuräumen und zu zeigen, dass Frauen „alles können“, als „Vorstandsvorsitzende, Bauingenieurin, IT-Expertin – und eben auch Müllwerkerin“, da schaute kaum noch jemand hin, die Botschaft, obwohl perfekt medial inszeniert, war weder neu noch aufregend.
Und so gibt es heute praktisch nur noch drei frauenfreie Männer-Domänen: Das vatikanische Konklave, das den Papst wählt, die Mensuren schlagenden studentischen Verbindungen und die Formel Eins, wo Frauen nur als Boxenluder geduldet werden. In allen anderen Bereichen der Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und Politik performen Frauen ebenso gut wie Männer, manchmal sogar besser, von wenigen Ausnahmen abgesehen, wie den drei Vorgängerinnen von Boris Pistorius (von der Leyen, Kramp-Karrenbauer, Lambrecht) im Amt des Verteidigungsministers.
Könnte es sein, wäre es denkbar, dass die Frau, die das Blutbad im Hamburger Hauptbahnhof angerichtet hat, die Vorherrschaft der Männer in der Disziplin „Messerstecherei“ brechen und mit veralteten „Rollenklischees“ aufräumen wollte, um zu zeigen, „dass Frauen alles können“, auch Messerstechen?
Eine spekulative Überlegung, gewiss, aber nicht spekulativer als die Fragen nach den „Motiven“ der Täter, die sich im Internet „radikalisiert“ haben. Bis jetzt waren es lauter Männer. Könnte die erste aktenkundige Messerstecherin des 21. Jahrhunderts zu einem Vorbild für andere Frauen werden, wie die 1944 in Haifa geborene Palästinenserin Leila Chaled, die sich einen Namen als „eine der ersten Flugzeugentführerinnen der Geschichte“ (Wikipedia) gemacht hat? Ende August 1969 nahm sie an der Entführung einer Boeing 707 der Fluggesellschaft TWA teil, die auf dem Weg von Rom nach Tel Aviv von einem PFLP-Kommando gekapert und nach Damaskus „umgeleitet“ wurde. Auch das war ein Bruch mit allen veralteten Rollenklischees und ein Beweis dafür, dass Frauen alles können, auch Flugzeuge entführen.
In diesem Zusammenhang muss an ein Buch erinnert werden, das am 1. April (!) 1987 als Taschenbuch im Fischer Verlag erschienen ist: „Die friedfertige Frau – Eine psychoanalytische Untersuchung zur Aggression der Geschlechter“, geschrieben von Margarete Mitscherlich, einer renommierten Psychoanalytikerin und bekennenden Feministin. In der dazugehörigen Verlagsmitteilung war zu lesen, es gehe um „das unterschiedliche Aggressionsverhalten der Geschlechter auf den verschiedenen Ebenen“. Die Autorin räume „mit dem Mythos auf, der uns weismachen will, die Frau sei von Natur aus friedfertig, der Mann hingegen gewalttätig“. Die „Friedfertigkeit“ der Frau sei „anerzogen, mit Bedacht anerzogen, denn sie hindert die Frau daran, gegen die vermeintlich naturgegebene männliche Herrschaft und Unterdrückung zu rebellieren“. Das Buch wurde schnell zu einer Art Katechismus der Frauenbewegung, es fand seinen Platz in den Buchregalen neben den Werken von Simone de Beauvoir („Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau“) und Alice Schwarzer („Der kleine Unterschied und seine großen Folgen“).
Man kann davon ausgehen, dass die „mutmaßliche Täterin“ vom Hamburger Hauptbahnhof keines der genannten Bücher gelesen hat. Wahrscheinlich kennt sie nicht einmal die Namen der Autorinnen. Ganz ohne fremde Hilfe hat sie zwei Vermutungen bestätigt: Das „andere Geschlecht“, ist nicht viel anders und der „kleine Unterschied“ zwischen den Geschlechtern noch kleiner als bisher gedacht.
Henryk M. Broder ist einer der Herausgeber der Achse des Guten.

@Barbara Strauch Doch, es gibt ein kurzes Video von der Festnahme – man sieht eine Person im „Talahon“-Look gekleidet, die von der Polizei abgeführt wird. Die Bekleidung dürfte einer der Gründe sein, warum zunächt ein Gerücht kursierte, die Festgenommene sei ein Mann. Übrigens entstehen solche Gerüchte auch durch Versagen der Presse, die brav jeden biologischen Mann eine Frau nennt, der angibt, sich so „zu fühlen“, auch wenn er noch nicht einmal eine amtliche „Anerkennung“ als Frau hat. (Vgl. den Fall „Cleopatra“.) Daher wird bei Verbrechen, die statistisch gesehen eher selten von Frauen verübt werden (sexuelle Übergriffe, Messerattentate) dann sofort vermutet, der Täter müsse ein Mann sein, der von der Presse als Frau bezeichnet wurde. Ich sehe hier eine Verantwortung der Presse, ihre Berichterstattung wahrheitsgemäßer zu gestalten.
Ich bin der Ansicht*:Inn, dass das einheimisch sozialisierte Wesen weder strukturkulturelle Besonderheiten noch Alleinstellungsmerkmale hinzugekommener Eigenarten übernehmen sollte. Und, Das meine ich nicht nur in Bezug auf schneidiges Küchenwerkzeug. Davon ab, hatte sich ja gerade Herr Broder in den unmittelbaren 2015er Folgejahren verwundert gezeigt, warum die Hiesigen DasAlles™ so genügsam hinnehmen und nicht blödspielen und freidrehen. Offenbar braucht auch Das eben seine Zeit?
Das Verwenden von Messern scheint nun auch in Deutschland zu einer Art Kommunikation untereinander geworden zu sein. So wie in anderen Ländern zusätzlich noch Kindesentführungen. Marion Gräfin Dönhoff schreibt in ihrem Buch „Der Effendi wünscht zu beten“, sinngemäß Folgendes über eine wahre Begebenheit in Marokko, das sie wohl in den 50er oder frühen 60er-Jahren bereiste: Ein Richter, dessen Urteil einem einflussreichen Verurteilten missfiel, sollte eine Abreibung erhalten. Es wird ein junger Nobody gerufen, der den Richter zusammenschlagen soll. Der Nobody ist rasch gefunden. Es gibt dafür genug Handlanger. Der Richter wird auf seinem Nachhauseweg abgepasst. Er wehrt sich. Nun Dönhoff: Wie es so ist, das Messer ist schnell zur Hand. //Aus der Abreibung wird ein Abschlachten. Der Richter kann sich nach Hause schleppen und verblutet dort. Der junge Mann, der zu nichts weiter – in dieser Gesellschaft – nutze war als für diese Aufgabe, er wird gefasst. Innert 24 Stunden wird er gehängt. Dem Auftraggeber, weil einflussreich passiert wenig. Wie erwähnt, es ist nun fast 70 Jahre her, als dieses Buch erschien. Die Gegenwart, die dort seit Jahrhunderten/Jahrtausenden besteht, hat uns hier eingeholt. Betrachtet man die Protagonisten dieser wahren Geschichte: Wen möchten Sie sein? Der Richter, der jederzeit in seinem Leben bedroht werden kann (er hat Familie). Der Verurteilte, der sich ob des Urteils in seinem Hass, Wut und verletzter Ehre gezwungen sieht, sich zu rächen (er hat Familie). Oder der – aus meiner Sicht – arme Tropf, der die Tat ausführt und dafür gehängt wird (auch er hat Familie). Und immer das Messer. Wer gewinnt in so einer Welt? Wer möchte freiwillig in so einer Welt leben? Wenn er bereits ein anderes Leben erfuhr?
@Barbara Strauch: Gibt Video von der Festnahme „Hamburg Frau nach Messerattacke festgenommen“ YouTube Bild 24.5.25.
@Barbara Strauch: Ja, alles ist „seltsam“.Aber es passt haargenau in die Narrative, an die wir uns gefälligst gewöhnen sollen. Mich wundert gar nichts mehr. Ich halte mich „woanders“ fest.
Sehr nützliche Informationen; die Sphäre der Messerstecher erstklassig thematisiert. Vielen Dank. Alleine, ob es eine Bio-Deutsche und keine Zugewanderte war, wage ich nach den anfänglichen Verlautbarungen und deren schwammigem Inhalt zu bezweifeln. Jedenfalls wurde belastbares Material dazu nicht öffentlich gemacht. Ich meine sogar anfangs auf der offiziellen Polizeiseite einen Text gesehen zu haben, „die Zuwanderung – woher auch immer – läge mehr als 20 Jahre zurück und sei somit unerheblich“. Hier besteht in mehrfacher Hinsicht Erklärungsbedarf. Weder in der einen, noch anderen Richtung wurden Belege beigebracht.
Um die Geschichte abzurunden: die Parteien, die in der Regierung sind, sind verfassungswidrig. Die haben sich de facto mit der Manipulation der Verfassung 1991, der Tilgung des Art. 23 und der Einsetzung des Europaartikels selber delegitimiert. Die sind illegal. Die halten die Verfassung ohnehin für ihre Wunschliste und manipulieren darin nach Guteherrenart herum, als gehöre ihnen die ganze Welt. „Art. 21, 2) Parteien, die nach ihren Zielen oder nach dem Verhalten ihrer Anhänger darauf ausgehen, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen oder den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu gefährden, sind verfassungswidrig.“ – Der läßt keine Fragen offen. Auch das Verhalten der Anhänger von SPD, Grünen und Linkspartei läßt keine Fragen offen. „Art. 21, 3) 1Parteien, die nach ihren Zielen oder dem Verhalten ihrer Anhänger darauf ausgerichtet sind, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen oder den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu gefährden, sind von staatlicher Finanzierung ausgeschlossen. 2Wird der Ausschluss festgestellt, so entfällt auch eine steuerliche Begünstigung dieser Parteien und von Zuwendungen an diese Parteien.“ – Der Artikel ist ebenfalls ein Bedürfnisartikel, der die eigene Besetzung absichern soll und hat in der Verfassung nichts verloren. Zudem scheint man entweder selber geistig verödet zu sein, oder man hält alle andere für beknackt, denn der Artikel besagt, daß SPD, Grüne und Linkspartei von der Finanzierung ausgeschlossen sind. Im übrigen kann auch ein BVerfG so verrotten, daß es sich selber abschafft und das gar nicht bemerkt, nämlich mit Art. 23 GG. Das GG ist ein „Gesellschaftsvertrag“, an den sich die Parteien zu halten haben. Die sind unsere Vertragpartner und nicht die Spender irgendwelcher Rechte, für die wir dankbar auf den Knien rutschen müßten. Halten sie sich nicht dran, ist das Vertragsbruch und kann mit Ausschluß und Strafe sanktioniert werden!