Henryk M. Broder / 01.05.2018 / 10:00 / 14 / Seite ausdrucken

Endlich bewiesen: Es gibt keinen muslimischen Antisemitismus!

Die sogenannte „Israelkritik" kommt besonders authentisch daher, wenn sie von Israelis praktiziert wird, frei nach dem Satz von Alexander Roda-Roda: „Aus dem Antisemitismus könnte schon was werden, wenn sich nur die Juden seiner annehmen würden." 

Eine Handvoll jüdischer Intellektueller hat es in dieser Disziplin weit gebracht – Moshe Zimmermann und Moshe Zuckermann, Uri Avnery und Avi Primor, letztens auch Shimon Stein. Sie sind die guten Juden, weil sie genau das sagen und schreiben, was ein Teil des deutschen Publikums hören und lesen will: dass Israel seine Seele verloren hat und wie schlecht es die Palästinenser behandelt, beinah so schlecht wie einst die Nazis die Juden. Wenn nicht noch schlechter.  

Mittlerweile ist „Israelkritik" ein alter Hut, ein Selbstläufer wie das Geschimpfe über Bayern München. Ein neues Thema tut sich auf: Gibt es so etwas wie einen importierten muslimischen Antisemitismus? Vor ein paar Wochen entlud sich ein Shitstorm über Karl Lagerfeld, als er vorsichtig andeutete, dass es so etwas geben könnte. Seitdem haben sogar Angela Merkel und Katarina Barley dazugelernt.

Und prompt betritt ein Israeli die Szene, um die Deutschen darüber aufzuklären, dass der „muslimische Antisemitismus" nur eine Form der „Israelkritik" ist, die sich nicht gegen Juden, sondern gegen die israelische Politik richtet. Er habe, sagt David Ranan, „mehr als 70 Interviews mit jungen muslimischen Studierenden und Akademikern, vor allem in Deutschland, geführt", um „ihre Haltungen und Gefühle zu Juden, Judentum, dem Holocaust und Israel" zu erkunden.

Fünf Bücher und ein Artikel

Mehr als 70 Interviews! Wow! Das würde weder für eine qualitative noch eine quantitative Analyse der Haltungen und Gefühle deutscher Autofahrer zum Parkverbot in Fußgängerzonen reichen, aber für eine Neudefinition muslimischer Judenfeindschaft ist es mehr als genug.

Der Perlentaucher stellt Ranan als Spross einer „einer deutsch-jüdischen Familie" vor, einen „Banker und Unternehmensberater", der „ein Studium der Kultur- und Politikwissenschaft" absolviert hat und heute „als freier Autor in London" lebt. Diese biografische Notiz hat der Perlentaucher wortwörtlich bei Jewiki, der Online-Enzyklopädie zum Judentum abgeschrieben. 

Wer mehr wissen will, wird mit Googles Hilfe schnell fündig. Der freie Autor Ranan hat fünf Bücher und einen Artikel für die SZ über „Das Schweigen der Diaspora" veröffentlicht. Was mich angeht, finde ich sein erstes Buch am spannendsten, eine vergleichende Studie über den Opernbetrieb in Deutschland und England. Es blieb weitgehend unbeachtet, eine deutsche Ausgabe gibt es nicht.

Sein neues Buch über den muslimischen Antisemitismus, der keiner ist, kommt dagegen gut an. Ranan selbst scheint über die positive Rezeption überrascht zu sein. Das Buch, schreibt er auf seinem Blog, „has been getting an enormous amount of media attention". Allerdings, „don’t just hear me on radio interviews or read about the book in the papers. I urge you to go buy a copy for yourselves and a few more as presents. They can be found in all German bookshops and ordered at Amazon".

Besser und authentischer als alle Rezensionen ist ein zwei Minuten und 27 Sekunden langes Video, das die FAZ online gestellt hat. Darin kommt Ranan selbst zu Wort, und was er sagt, könnte dafür sorgen, dass alle Behauptungen über die besondere jüdische Intelligenz ad absurdum geführt werden. Hören und schauen Sie selbst. Es lohnt sich. 

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Leserpost (14)
Ulla Smielowski / 01.05.2018

Sehr, sehr schade wenn gerade Juden sich zu solchen Äußerungen hinreißen lassen…  Selbst der Naivste weiß doch inzwischen, dass Muslime extrem Judenfeindlich eingestellt sind. Was verspricht der o.g. Autor sich von solch einem Buch… Ich werde es auf jeden Fall nicht kaufen.

Wolfram Schmidt / 01.05.2018

Herr Broder, machen Sie uns den Gefallen und rufen Sie nach Hilfe. Ich bin gespannt, ob Frau Merkel Ihnen Gehör schenkt, wie David Ranan es behauptet.

alma Ruth / 01.05.2018

@Jean Pirard—so ist es. Die von Ihnen erwähnte Personen leiden am sogenannten Stockholm-Syndrom, psychologisch gesagt, an der ‘Identifikation mit dem Aggressor’. (Anna Freuds Entdeckung). Das kann, aber muß nicht, mit den Eltern zusammenhängen. Es gibt genug andere Möglichkeiten. lg alma Ruth

Sabine Schönfelder / 01.05.2018

Ach so! Der Muslim kann Israel nicht vom Juden unterscheiden. Deshalb ist er so gemein. Und wer ein bißchen bibelfest ist weiß, daß die Kinder Israels von Abraham und seiner (Ahn) -Frau abstammen, während die Muslime die Nachkommen von Abraham und seiner Magd sind. Ein klarer Fall von Zwei-Klassen- Gesellschaft. Und dann diese unerträgliche Benachteiligung durch Frau Merkel. 2017 waren es 50 Milliarden Euro Benachteiligung und da waren die Milliarden der Benachteiligung noch nicht dabei, die die bereits ansässigen Muslime kosten. Denke Herr Ranan ist auf Droge, das ist schon Paolo Pinkel nicht gut bekommen.

Sebastian Laubinger / 01.05.2018

Ich habe solche Menschen noch nie verstanden. Was erhoffen sie sich von ihrer Haltung? Meinen sie etwa, die Sieger würden sie am Leben lassen, ja belohnen? Wenn man sich die Rethorik der Feinde der einzigen Demokratie im Nahen Osten anguckt, würde ich darauf nicht mein Leben verwetten. A propos Lügner: Bei WELT war kürzlich wieder ein Artikel über die “Vertreibung” (sic!!) der “Pälastinenser” (sic!) durch Israel. Wie war das mit fake news? Diese Leute gingen freiwillig, durch arabische Propaganda überzeugt, dass sie schon bald die Häuser ermordeter Juden würden plündern können… Aber, wenn’s gegen Israel geht, ist keine Lüge zu dreckig und keine Gemeinheit zu schmutzig…

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