Von Yehudit de Toledo Gruber.
Eine jüdische Seniorin in München erlebte hautnah, welche Begleiterscheinungen die deutsche Asyl-Politik für die Einheimischen und Zugewanderten mit sich bringen kann. Das sich über sieben Jahre hinziehende Drama endete tragisch.
Unser bayerischer Innenminister, Herr Joachim Herrmann, sei – so schrieb er es mir soeben – zutiefst erschüttert über das Ende des hier geduldeten somalischen Flüchtlings, der jahrelang über mir in einer ausgebauten Dachkammer hauste und für Angst und Schrecken sorgte, wie ich 2018 und 2020 in der Jüdischen Rundschau (hier, hier und hier) schilderte. Denn als „wohnen“ konnte man beim besten Willen nicht die Art und Weise seines verpfuschten, kriminellen Lebens hier in München bezeichnen. Unzählige Schlägereien, Drogendelikte, Psychiatrie-Aufenthalte und immer wiederkehrende, notwendige Polizeieinsätze gingen auf sein Konto. Nichts funktionierte, und schon gar nicht die Bereitschaft seitens irgendeines überforderten Mitarbeiters der Ausländerämter und Sozialbehörden.
Meine anfänglichen, umfangreichen Unterstützungsaktivitäten betrachtete ich als Mitzva (Pflicht) und den Versuch, diesem jungen Mann ein bisschen Halt zu geben. Doch nach und nach musste ich leider erkennen, dass ich mich selbst in Gefahr brachte, da der Somali immer öfter vor meiner Wohnungstür lagerte, klingelte – und nicht selten noch seine bekifften aggressiven afrikanischen „Kumpels“ mitbrachte, die unser Treppenhaus bevölkerten. Über mir, in seiner Klause, spielten sich unsägliche Zustände ab, als er später einfach noch eine wesentlich ältere und vollkommen überforderte somalische Freundin (die er hier „auf somalische Art“ geheiratet hätte) miteinquartierte, die nicht nur ein geistig behindertes Kleinkind mitbrachte, sondern mit ihm auch noch zügig einen Sohn zeugte. Wüstes Geschrei, Schlägereien, Möbelwerfen, Drogenqualm – und mittendrin die beiden Kinder. Ich informierte nicht nur die Polizei, sondern auch sämtliche Sozialbehörden, die Pingpong mit mir spielten und sich für gar nichts zuständig fühlten. Jede zweite Ausrede waren der „Datenschutz“ und ihr Paragraphen-Nebel.
Immer wieder „ermahnt“, ansonsten passierte wenig
Erst nach mehrjährigem Briefe- und Mahnschreiben meinerseits sowie einer Anzeige bei der Kinderschutzbehörde (diesen Tipp gab mir die Polizei), wurde diese Somalin mitsamt ihren Kindern endlich aus der Dachkammer geholt und ihr mitsamt den Kindern eine andere Wohnung zugeteilt. Als ich während ihres extrem „lauten Auszuges“ zufällig aus meinem Fenster schaute, drohte sie in meine Richtung noch mit ihrer geballten Faust.
Ich habe nie wieder von ihr gehört, sondern wurde nun erneut von ihrem Ex-Partner belagert, der in regelmäßigen Abständen entweder von der Polizei abgeholt und „ermahnt“ oder gleich in die Psychiatrische Suchtklinik eingewiesen wurde. „Mehr geben unsere Gesetze leider nicht her ...“ antwortete mir die Polizei, wenn ich sie – am Ende meiner Nerven – fragte, weshalb denn dieser drogen- und alkoholabhängige Somali immer nur „ermahnt“ und damit uns überforderten Bürgern überlassen wurde.
Jedes Mal, wenn er völlig unbeeindruckt zurückkam in seine Dachkammer über mir, lebte ich in Angst und Schrecken und traute mich kaum noch aus meiner Wohnung. Ständig bettelte dieser Flüchtling um Geld, um Lebensmittel, nie hatte er Fahrscheine, und die vielen Mahn- und Inkasso-Bescheide konnte er weder verstehen noch nachvollziehen. Eine große Penny-Einkaufstüte quoll fast über vor lauter dort gesammelten und zusammengeknüllten, ungeöffneten Behördenschreiben, die er mir vor die Tür stellte. Nein, meine Rat- und Hilflosigkeit lässt sich nicht beschreiben. Am Ende verwechselte ich die Herzmedikamente, fiel mir der Teller aus der Hand, und ich schreckte zusammen bei jedem Geräusch vor meiner Tür. So vergingen die Monate – bis zum Herbst im vergangenen Jahr.
Der zweite Selbstmordversuch gelang
In Erwartung des Postboten, der mir ein Buch liefern sollte, öffnete ich unüberlegt meine Wohnungstür. Doch leider stand nicht der Postbote davor, sondern der halbnackte, verwahrloste, schwankende Somali. In der Hand eine am Flaschenhals abgeschlagene Bierflasche, mit der er sich vor meiner Tür und vor meinen Augen – so schnell konnte ich das Ganze gar nicht realisieren – aufschlitzte! Der Anblick war entsetzlich. Der von mir herbeigerufene Rettungsdienst sowie auch die Polizei kamen sofort und brachten den sichtlich verstörten und blutüberströmten Somali in die Klinik. Und es versteht sich fast von selbst, dass sich unser städtischer Vermieter GEWOFAG (oberster Dienstherr OB Dieter Reiter) erst nach mehreren Telefonaten, Schreiben und Bitten meinerseits bequemte, mittels eines Sonderreinigungteams die Blutlache vor meiner Wohnungstür und im Treppenhaus zu entfernen.
Erst im Frühjahr sah ich den Flüchtling wieder. Schon als ich ihn nur von weitem erkannte, machte ich einen großen Bogen, um ihm nirgendwo begegnen zu müssen. Und dann wurde es plötzlich ungewöhnlich still in der Dachkammer über mir, was mir erst gar nicht besonders auffiel, doch später allmählich merkwürdig vorkam. Vor allem auch wegen des eigenartigen Geruchs, der durch unser Treppenhaus waberte. Zwar hatte gerade erst eine größere Rohrbruch-Reparatur im Keller unseres Hauses stattgefunden, doch davon konnte der süßliche Gestank nicht herrühren.
Aus diesem Grund kontaktierte ich (nach langen Überlegungen) den Notruf 110, entschuldigte mich schon im Voraus, dass ich möglicherweise umsonst anrufe, aber dennoch besorgt sei und deshalb bitte, dass die Polizei komme, die Wohnungstür des Somalis öffne und nachschaue. Die junge Frau am Notruf-Telefon reagierte sehr unprofessionell, stellte für mein Dafürhalten viel zu viele Fragen, meine Sorgen, Erklärungen und Vermutungen in Zweifel und ließ mich zudem während meines Anrufs ständig warten, weil ihr Computersystem mal funktionierte und dann wieder nicht.
Das nächste Drama steht schon vor der Tür
Irgendwann war ich überfordert, beendete genervt das Telefonat, verließ meine Wohnung und erledigte einen dringenden Einkauf. Als ich zurückkam, wartete schon die Polizei vor der Tür. Letztendlich war man meiner Bitte nachgekommen und hatte eine Streife vorbei geschickt. Der Somali lag tot in seiner Wohnung, er hatte sich umgebracht.
Die darauffolgenden Routine-Arbeiten durch Kriminaltechniker und Leichenbestatter sind für Profis, die ständig damit zu tun haben, natürlich ganz alltägliche Arbeiten.
Mich aber – ich befinde mich im achten Lebensjahrzehnt – hatte dieser Tag, das Ende dieses somalischen Flüchtlings, sein gesamtes Unvermögen, sich hier zu integrieren mitsamt der Behördengleichgültigkeiten sowie der Ablauf meines Notruf-Telefonats sehr erschüttert.
Fast zwei Monate belästigte der durch die Sommerhitze noch verstärkt wahrnehmbare Leichengeruch aus der Somali-Wohnung uns Mieter, weil anschließende, hier vorgeschriebene Behördenabläufe nicht in die Gänge kamen und aufgrund des allgegenwärtigen Personalmangels die Wohnung weder desinfiziert noch gereinigt oder ausgeräumt wurde. Daher verfolgte ich nicht nur am 10. Mai mit großem Interesse den Verlauf (und die Null-Ergebnisse) des enttäuschenden Flüchtlingsgipfels in Berlin, denn auch unser kleines Laimer Stadtgebiet von München ist seit einigen Jahren eine verstärkte Anlaufstelle für die BAMF und hat die Wohnqualität – man muss es aussprechen dürfen – für uns übriggebliebenen, letzten „biodeutschen“ Mieter, sehr verschlechtert.
Und klar ist mir schon heute: Sobald die Dachkammerwohnung über mir generalüberholt und saniert ist, wird dort der nächste Flüchtling einquartiert. Und dann erleben wir hier wahrscheinlich das nächste Drama, abgewälzt auf uns Mit-Mieter, weil es ja noch immer heißt: Wir schaffen das!
Yehudit de Toledo Gruber, Jahrgang 1944, war in Dresden als Dolmetscherin / Übersetzerin (Spanisch-Deutsch) tätig und eine Ansprechpartnerin für kubanische sowie chilenische Arbeiter und Studenten. Ende der 60er Jahre unterrichtete sie an der Universität zu Havanna (Sektion Deutsch) Deutsche Geschichte und Linguistik (die Sozialistische!) und wurde sehr viel später – in den kritischen DDR-Jahren – wegen Aufmüpfigkeit an eine Bohrmaschine für die „Sozialistische Produktion“ des Vorzeigebetriebes Pentacon strafversetzt. Sie lebt heute in München.
Beitragsbild: Pixabay
Lagerhaft mit erzwungener Entziehung, dann Abschiebung (von mir aus sediert und in Zwangsjacke) mit einer angemessenen finanziellen Starthilfe. Wäre für alle Beteiligten besser gewesen.
@Volker Kleinophorst …………. Der Führerbefehl von „Mutti ohne Kind und Volk“, kam der aus dem Nichts? Das Nichts ist nicht … Nichts! Na Donnerwetter, ja wo laufen die $$$-Gespenster denn?
@I. Grimm, Sie schreiben mir „Wie kommen Sie darauf, dass die Küchenhilfe “fromm„ ist?“ Nun ja. Eigentlich reagiere ich nicht auf Ihre Postings. Sie wissen, warum. Durch den Kommentar einer Foristin hier stieß ich allerdings darauf, dass Sie mir die fromme Helene KG-E _wörtlich_ abgenommen haben, und ich könnte heute nicht schlafen, wenn ich dieses Missverständnis Ihrerseits nicht zuvor gerade rücken würde. Also zu Ihrer freundlichen Beachtung: hinter meiner Bemerkung steckte und steckt der pure, reine, unverwässerte, blanke, höhnische Spott. Etwas anderes fällt mir zu dieser Frau auch beim besten Willen nicht ein. Sláinte! (<-an Stelle eines Bibelspruches)
@D.Volk : brilliant ! Gratulation ! ( ich bete , dass dieses Gesetz verhindert bleibt).
An die Autorin. Schlimmer kann es einen eigentlich nicht mehr erwischen. Wir hatten mal paar schöne Assis, sprich professionelle Säufer im Haus. Die haben auch alle terrorisiert und es dauerte sehr lange, bis die Hausgemeinschaft die wieder los war. Die psychische Belastung und die dauerhafte Zerstörung des sozialen Friedens im Haus hat auch allen viele Nerven gekostet. Mit denen konnte man aber wenigstens deutsch und Klartext reden. Wenn ich mich jetzt mit 80 in Ihrer Situation sehen würde, unvorstellbar! Was für ein Kampf jeden Tag! Und dann noch zu wissen, das genau diese Vorzeigefälle, die aber eben keine Einzelfälle sind, für das Land als Menschen und für die Gemeinschaft, völlig nutzlos sind. Niemand braucht die und denen tut man damit auch keinen Gefallen. Was ist denn das für ein Leben, was man vorn und hinten nicht versteht? Davon gibt es aber inzwischen locker zwei Millionen. Selbst wenn sie es wöllten, sie könnten sich garnicht integrieren. Ein von oben, EU und Bundesregierung, verordneter Plan, wird auf kommunale Behörden und die Bürger als Problem abgewälzt. Es kann nicht funktionieren. Ich hoffe nur, dass Sie etwas Glück haben werden und die Wohnung erstmal lange leer steht. Und dann irgendwas zivilisiertes. Ich drücke Ihnen auf jeden Fall die Daumen! Noch nebenbei: Pentacon am Friedhof oder Altenberger Platz. Habe als Schüler dort PA gehabt und glaube Sie von daher zu kennen. Beste Grüße! Venceremos!
@A. Ostrovsky: Sie haben da was in den falschen Hals gekriegt und bereiten das polemisch auf – so wie Sie das darstellen war das nicht geschrieben und auch nicht gemeint: Ich werde das nicht neu ausführen – ich bitte Sie nur, genau zu lesen. Sie werden merken, dass es sich in erster Linie auf Grundsätzliches bezieht sowie auf das Ausbleiben der Hilfe für Frau Gruber. Der Somali kümmert mich einen feuchten Kehricht, das sollten Sie auch aus anderen Zuschriften von mir ersehen können. Ich kann nicht nachvollziehen warum es Ihnen wichtig scheint – das Wort im Mund rum zu drehen.
@Thomin Weller : >>Was ist bei der UN passiert?<< Seltsame Frage. Das sieht man doch. Die Gegenseite hat übernommen, mit viel Geld, womit denn sonst. Einige sagen, es sind die Marxisten. Aber Sie kennen ja meine Meinung. Ich vermute es sind die Feudal-Neo-Faschisten oder die Neo-Feudal-Faschisten. Davos, Sie wissen schon. Und Seattle. Eigentlich sollte die Zentrale auf Little Johns Hopkins verlegert werden, aber da gab es Schwierigkeiten mit den Namensrechten. Dann sollte es Little Saint James werden. Ging auch schief.. Jetzt wird es wahrscheinlich der Mount Wyss (Antarctica), Sie wissen schon, da wo die Reichsflugscheiben gebaut werden.