Die Leistungsfähigkeit von Organisationen erodiert stark, wenn das Verhalten der Mitglieder von Konsequenzen entkoppelt wird. Je weniger der Einzelne haftbar gemacht wird, um so lässiger geht er mit seiner Verantwortung um. Ein Grundübel der Politik.
Ein Staat ist aus organisationspsychologischer Sicht eine Organisation, wenn auch eine sehr große. Die Leistungsfähigkeit einer Organisation hängt von der Qualität ihrer Führung ab. Die Leistungsfähigkeit kann sich verbessern, aber auch verschlechtern. Leistungsfähigkeit drückt sich in Produktivität und Sicherheit aus. Je besser die Sicherheit, desto höher die Produktivität. Eine gute Führung kann die Organisation zu einer ungeahnten Blüte bringen, wenn die Führung nur weise genug vorgeht. Sie kann aber auch dieselbe Organisation aus einer großen Blüte direkt in eine Katastrophe rutschen lassen, wenn die Dummen ans Steuer kommen. Das gilt für große Unternehmen genauso wie für Staaten.
Sie möchten wissen, was die tieferen Ursachen von Katastrophen wie der Untergang der Titanic (Schiffsunfall, 1.495 Opfer) Tschernobyl (KKW GAU, 56 Opfer), Bhopal, (Chemieunfall, 10.000 Opfer) Piper Alpha (Ölplattformbrand, 167 Opfer) war? Die Grundursache in allen hier als Beispiel genannten Fällen war „Organisationsversagen“, ihre Zahl ist Legion. Solche Katastrophen sind eigentlich gar nicht mehr möglich. Die Sicherheitsregeln und Vorschriften in modernen Gesellschaften sind hochentwickelt und sollten eigentlich Sicherheit garantieren. Die genannten Katastrophen hätten bei strikter Einhaltung des gültigen Regelwerkes nicht eintreten können. Aber so ist das Leben eben nicht.
Natürlich gab es im England des Jahres 1912 eine Vorschrift, die besagte, dass auf einem Passagierschiff für jeden Passagier ein Platz im Rettungsboot vorhanden sein muss. Wozu, fragte die Reederei, wenn doch das Schiff unsinkbar ist und sparte die Hälfte ein. Natürlich gab es im Betriebshandbuch des Tschernobyl-Reaktors eine Vorschrift, die das Blockieren des Reaktorschnellabschaltsystems durch die Mannschaft untersagte. Aber in der Sowjetunion war traditionell die Erfüllung der Aufgabe stets wichtiger als „läppische Sicherheitsvorschriften“. Natürlich gab es auch beim Chemiekonzern Union-Carbide eine Betriebsvorschrift, dass sowohl die Kühleinheit des Gastanks als auch die Abgasfackel des Tanks bei der Synthese von Methylisozyanat in Betrieb zu sein hätten. Aber es war auch ohne diese Komponenten schon immer gut gegangen, und das Personal hatte sich daran gewöhnt. Und natürlich gab es auf Piper-Alpha eine Instandhaltungsvorschrift, die vorsah, dass für das gleiche Anlagenteil nicht zwei unterschiedliche Instandhaltungsfreigaben erteilt werden durften. Nur dem Schichtchef war beim Schichtwechsel durchgerutscht, dass schon eine Freigabe für die Druckerhöhungspumpe draußen war, als er die zweite unterschrieb. Er hatte in dieser Nachtschicht sowieso enormen Stress, weil die Produktion unterbrochen war.
Sicherheit ist kein Zustand, auf den man vertrauen kann, sondern ein Prozess, der ständige Zuführung von Energie benötigt – in Form von Ressourcen, Aufsicht und methodisch ständiger Verbesserung. In unseren Beispielen verlor die Führung das aus den unterschiedlichsten Gründen aus dem Fokus, und die Organisationen ließen ihre Sicherheitssysteme unbemerkt von den Menschen in der Organisation mehr und mehr erodieren. Die Führung beachtete die vielen kleinen Warnzeichen nicht. Und das böse Schicksal ließ alles gut aussehen. Es gab keine Warnungen, bis dann die Katastrophe aus heiterem Himmel eintrat. Nassim Nicolas Talib hat diesen Erosionsprozess in seinem Werk „Der schwarze Schwan“ sehr anschaulich und unterhaltsam dargelegt. Das Buch sollte Pflichtliteratur für jeden Wähler sein.
Organisationsversagen
Organisationelle Leistungsfähigkeit erodiert immer dann besonders stark, wenn das Verhalten der Mitglieder der Organisation von Konsequenzen entkoppelt wird. Je weniger der Einzelne für sein Verhalten zur Verantwortung gezogen wird, um so lässiger geht er mit seinem Verantwortungsbereich um. Und natürlich gibt es jede Menge Kräfte, die darauf drängen, dass Verhalten ohne Konsequenzen bleibt. In der Schule beginnt es schon, wenn die Noten oder überhaupt die Bewertung abgeschafft werden soll. Eltern stellen sich schützend vor ihren durch und durch rüpelhaften Nachwuchs, ohne die dadurch verhinderte Konsequenz durch eigene zu ersetzen. Am Arbeitsplatz verteidigt die Gewerkschaft auch den Schludrigsten im Umgang mit den Sicherheitsvorschriften bis aufs Messer – Führungskräfte können ein Lied davon singen. Auf den Ämtern hackt keine Krähe der anderen ein Auge aus. Selbst Mördern gesteht man gern zu, dass ja eigentlich die Gesellschaft für ihr böses Handeln verantwortlich ist. Konflikt-Scheuheit, Gleichmacherei, lang anhaltender Erfolg, Kaputtsparen und ein Zeitgeist mit einem verdrehten Menschenbild sind Treiber, die das Verteilen der individuellen Verantwortung auf die Schultern der Allgemeinheit forcieren. Doch wenn alle für etwas verantwortlich sind, ist leider eben keiner dafür verantwortlich
Eltern haften für ihre Kinder
Die meisten Menschen haben eine innere Stimme, die ihnen genau mitteilt, wenn sie etwas Falsches oder Böses machen, aus welchen Gründen auch immer. Aber sie wittern auch treffsicher ihre Chancen, damit durchzukommen. Deshalb gilt ganz grundsätzlich:
Immer, wenn man menschliches Verhalten und die aus diesem Verhalten entstehenden Konsequenzen für den Verursacher voneinander entkoppelt, droht Verderben.
Dies ist die wichtigste Erkenntnis, die ich beim Untersuchen von vielfältigen Ereignissen, die auf Organisationsversagen beruhen, gewonnen habe. Ich habe Arbeitsunfälle und Brände, Zerstörung von Anlagen, Vernichtung des guten Rufes einer Firma in Risikoindustrien untersucht. Stets trug die Abwesenheit von Konsequenzen für diverse Falschmacher signifikant zu den Ereignissen bei.
Überhaupt für irgendetwas zu haften, ist sehr aus der Mode gekommen. „Eltern haften für ihre Kinder“, heißt ein inzwischen fast vergessener Spruch. Gemeint war damit, dass die Eltern den eventuellen Schaden von ihrem eigenen Geld bezahlen müssen, den ihr ungeratener Nachwuchs angerichtet hat. Heute heißt es bei pädagogisch-modernen Eltern höchstens: „Malte-Sören, du sollst doch dem Herrn nicht deinen Ball immer wieder auf den Suppenteller werfen. Sieh mal hin, er ist ja schon von oben bis unten bekleckert!“ Und wehe, der „Herr“ beklagt sich, dieser rechte Kinderhasser. Malte-Sören wird schließlich nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen antiautoritär erzogen. Und da kommt Konsequenz für Fehlverhalten nicht vor.
Teil 3
Manfred Haferburg wurde 1948 im ostdeutschen Querfurt geboren. Er studierte an der TU Dresden Kernenergetik und machte eine Blitzkarriere im damalig größten AKW in Greifswald. Wegen des frechen Absingens von Biermannliedern sowie einiger unbedachter Äußerungen beim Karneval wurde er zum feindlich-negativen Element der DDR ernannt und verbrachte folgerichtig einige Zeit unter der Obhut der Stasi in Hohenschönhausen. Nach der Wende kümmerte er sich für eine internationale Organisation um die Sicherheitskultur von Atomkraftwerken weltweit und hat so viele AKWs von innen gesehen wie kaum ein anderer. Aber im Dunkeln leuchten kann er immer noch nicht. Als die ehemalige SED als Die Linke in den Bundestag einzog, beging er Bundesrepublikflucht und leckt sich seither im Pariser Exil die Wunden. In seiner Freizeit arbeitet er sich an einer hundertjährigen holländischen Tjalk ab, mit der er auch manchmal segelt. Im KUUUK-Verlag veröffentlichte er seinen auf Tatsachen beruhenden Roman „Wohn-Haft“ mit einem Vorwort von Wolf Biermann.
Beitragsbild: Alice Wiegand - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Oh Herr Haferburg, da haben Sie ein Thema angesprochen, das ganze Bände füllt. Ich war früher für IT Sicherheit und Revision auch im Klinikbereich tätig. Es gab da eine Klinik, deren IT Sicherheit bei deutlich unter Null lag. Am Schluss meiner Kontrolle machte ich die Klinik auf die Risiken ihres nichts Tuns aufmerksam. Es passierte nichts. 4-6 Wochen später waren deren Daten verschlüsselt und die Klinik nicht mehr arbeitsfähig und wissen Sie wem man die Schuld gab? Mir, dem Kontrolleur, natürlich ! Ich hätte als einzigster die Schwachstellen gekannt und sie hemmungslos ausgenutzt. Die Führung der Klinik stellte sich taub, ich wurde in einen anderen Bereich versetzt. Die Klinikchefs die meinen Empfehlungen nicht gefolgt sind waren immer noch im Amt und Würden und ich nehme an für weit mehr als x Millionen Euros wurden sie von einer Unternehmensberatung beraten. Heutiger Stand, nach Auskunft eines Kollegen, gerade die Null-Linie überschritten. Der nächste Blackout ist schon vorgezeichnet. Passieren tut da nichts. Warum auch ! Die Führung wird nicht nach Fachwissen bestellt, sondern Partei und Geschlechtsmerkmalen (Frau). Der Staat ist Beute von den Systemparteien geworden und dies ändert sich erst nach einem Totalcrush des Staates. Vorher wird sich nichts ändern. Die Haftungsfrage ist dabei unbedeutend
„Natürlich gab es im England des Jahres 1912 eine Vorschrift, die besagte, dass auf einem Passagierschiff für jeden Passagier ein Platz im Rettungsboot vorhanden sein muss.“ Nein, die gab es nicht.. Die Anzahl der Rettungsboote richtete sich damals an der Tonnage und war gesetzlich ausreichend. Auch die Offiziere haben gegen keine Gesetzte verstossen. Sie waren schlichtweg Leichtsinnig und hatten einfach Pech.
@ Jochen Lindt. „Das Organisationsversagen wäre/ist in diesem Falle die Demokratie seit 2015. … “ Das für jeden sichtbare Staatsversagen läuft seit 1992 (Maastricht Vertrag). Danach Euro-Einführung (1999 als Buchgeld), das Erneuerbare Energie Gesetz (2000), Griechenland Rettung (2010), hochlaufende Target2 Salden (Verlust 1070 Milliarden Euro), Staatsfinanzierung durch das „Gelddrucken“ der EZB, ständig steigende Steuern und Abgaben, Energiewende inclusive Abschalten von 20 erstklassigen KKWs, und so weiter. Was ab 2015 läuft ist die logische Fortsetzung von dem, was vorher gelaufen ist. ++ Laut aktueller Umfrage krebst die AfD bei 25% rum, der Linksblock (SPD, Grüne, Linke, BSW) hat 40%. Aber das Beste: Die SPD hat immer noch 15%. Es wird sich nichts ändern.
@ Ilona Grimm. „zur abiotischen Entstehung von Erdöl: Diese Theorie wurde von Sowjet-Forschern entwickelt. … Sowjet-Forscher begannen Ende der 40er Jahre am Geophysikalischen Institut der Russischen Akademie der Wissenschaften sowie am Institut für Geologie der Ukraine die Herkunft des Öls zu untersuchen. … “ Sowjet Forscher haben um 1945 herum auch die ruhmreiche Theorie des Lyssenkoismus entwickelt. ++ Nochmal kurz zur „abiotischen Theorie“ von Thomas Gold. Wie man in [Wikipedia: Thomas Gold] nachlesen kann: „Seine Hypothese versuchte er 1986 bei einer Probebohrung in Schweden (im Siljansring, einem alten Meteoritenkrater) zu beweisen, die aber nicht die erforderlichen eindeutigen Nachweise liefern konnte. Seine Erdöl-Entstehungstheorie wird von der Mehrheit der westlichen Geologen nicht beachtet. Zwar steht mittlerweile außer Frage, dass es eine “tiefe Biosphäre„ gibt, jedoch gibt es keine Belege dafür, dass sie in wesentlichem Maße etwas mit der Entstehung von Erdöllagerstätten zu tun hat.“ ++ Sie werden jetzt hoffentlich nicht behaupten wollen, dass Wikipedia in diesem Fall lügt. Der empirische Nachweis der „abiotischen Theorie“ ist gescheitert.
Wie hiess doch nochmal dieser SF-Roman von Aldous Huxley ? Schöne neue Welt ? Kommt Heute als Update mit einem modifizierten Titel : Nueva Intelligencia ( natürlich KI-Gestützt ) ? Gegen unsere neuen Polit-Fachleute ist Widerstand absolut zwecklos … Die hält Niemand und Nichts mehr auf. Es „ Läuft “ nichts mehr ausser einem Total-Reset.
@Volker Kleinophorst: Bei meinem fünf Jahre jüngeren Bruder und mir war es genau umgekehrt. Und zwar bis zu allerletzt. – - – Danke für den gestrigen Hinweis auf das Gespräch zwischen Tucker Carlson (großartig) und Paul Ronzheimer (BILD dir meine Meinung).
@Winston Smith et alii, zur Theorie über die abiotische Entstehung von Erdöl: Nachstehend ergänzende Infos – keine „Verschwörungstheorien“- dazu: ♦konrad-fischer-info Punkt de / 8buch22.htm (sehr ergiebig!) Bitte Seite unten beachten: „Ergänzend hierzu ein aufklärerischer Text von Dipl.-Ing. Thomas Göhler: “Die globale Erdöl-Verblödung – Wussten Sie , dass …„ (goehlergruppe.de) 14.07.2007 ♦eike-klima-energie eu … oel-und-erdgas-ohne-ende… (08.02.2010) – - – Spannendes Thema! – - – Und ich wiederhole: Ein wirklich “aufgeklärter„ Mensch prüft grundsätzlich alles ohne Voreingenommenheit. Egal, wie “irre„ eine Theorie ihm vorkommen mag. – - – Zum gepflegten Umgang von JHG mit Foristen, die ihm widersprechen, schweige ich lieber.