Wie wird die Welt aussehen, wenn Frauen den Journalismus dominieren? Diese furchterregende Frage stellte unlängst im Magazin der Süddeutschen Zeitung Else Buschheuer. Zur Erinnerung: Frau Buschheuer war eine der führenden Spaßtanten aus der Fraktion der Thirtysomethings um die Jahrtausendwende. Sie hat den Zeitgeist ausatmende Romane wie „Ruf! Mich! An!“ verfasst und war auch sonst führend in der Durchsetzung des posthistorischen Gedankens, der unumwunden besagte, die Frau möge Spaß haben, egal worum es geht, und in der Sache wohl annahm, dass es ohnehin nur um den Kerl geht, der nicht ganz dem entspricht, was die Frau sich mit ihm vorgenommen hat.
Dass es von diesem Alltagsdilemma bis zur Frage nach der Einrichtung der Welt nicht weit sein kann, und dass Frauen sich gleichermaßen als Innenarchitektinnen der eigenen Wohnung und der Utopie verstehen, wobei sie wohl zu beidem ein Mietverhältnis haben, wissen wir spätestens seit Alice Schwarzer und ihrer „Emma“. Wir wollen uns aber nicht mit Nebenschauplätzen aufhalten, und auch gar nicht erst fragen, warum in „Emma“ der Journalismus so wenig Glanz verbreitet, sondern ganz bei Else Buschheuer und ihren Thesen bleiben.
Sie tritt uns in ihrem Plädoyer für das weibliche Schreiben gleichzeitig als Veteranin und Avantgardistin des Netzes entgegen. Beides trifft zu, und zwar mit dem gleichen Ergebnis. Wenn sie als frühe Bloggerin uns ihr Leben als urbane Single- Frau ausbreitete, so war dabei zunächst einmal ein gewisser weiblicher Mehrwert nicht von der Hand zu weisen. Wo die Freundin sich der Frage, wie der Neue denn im Bett sei, hingibt, genügt dem Freund meistens die lapidare Auskunft, dass die Betreffende tatsächlich in seinem Bett war. Während die Männer dem kaum etwas hinzuzufügen haben, geraten die Frauen zunächst ins Schwärmen und bald danach in Erklärungsnot.
Über die zwischen den Geschlechtern herumgeschubste Lebenslage ist im Übrigen längst alles gesagt. In einem Klassiker: „Gefährliche Liebschaften“. Von einem Mann.
Wie es aber um den Journalismus bestellt ist, wenn ihn Frauen übernehmen, lässt sich heute schon beim Fernsehen beobachten. Die gesamte Riege der Klatschformate in den privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern ist in der Tat, ohne die dort arbeitenden Frauen nicht denkbar. Der gesamte Mittelbau der Sender befindet sich mittlerweile in der Hand von Frauen, und was hat sich geändert?
Wenn Else Buschheuer, die Avantgardistin, uns verrät, dass sie und die Schriftstellerin Sibylle Berg einander per Twitter begleiten und sich so die Leser gegenseitig zuführen, und das in bewährter weiblicher Solidarität, die den männlichen Hang zum unlauteren Wettbewerb angeblich konterkariert, sind wir damit woanders als an der ewiggleichen Stelle der falschen Annahme, Frauen würden alles besser machen? Machen sie aber nicht. Jedenfalls nicht per se.