Anfang der Woche trafen sich im US-Bundesstaat North Carolina Minister und Regierungsvertreter der G20-Staaten, um über KI und die Wirtschaft der Zukunft zu beraten. Als einen der ersten Gesprächspartner schalteten sie Elon Musk per Videokonferenz dazu. Der SpaceX-Chef hielt den G20-Ministern vor, dass Regulierung Wachstum bremst. Insbesondere seine Warnung vor Stromknappheit traf Deutschland hart.
Bemerkenswert genug. Vertreter der mächtigsten Volkswirtschaften holen sich Rat bei einem Privatunternehmer. Musk kennt Wirtschaft nicht aus Ministerialakten. Allein Tesla und SpaceX beschäftigen zusammen mehr als 157.000 Menschen. Musks geschätztes Privatvermögen von rund 770 Milliarden Euro übertrifft die jährliche Wirtschaftsleistung von 21 der 27 EU-Staaten.
Musks Botschaft war einfach. Neue Dinge müssten zunächst erlaubt sein. In der EU sei es oft umgekehrt. Das hohe Regulierungsniveau verlangsame neue Technologien erheblich. Ein Unternehmer hat eine Idee, baut eine Fabrik, stellt Leute ein und zahlt Steuern. Wartet er jahrelang auf Genehmigungen, entstehen Fabrik, Arbeitsplätze und Steuern eben anderswo.
Musk verglich junge Unternehmen mit kleinen Bäumen. Regierungen gießen oft die alten, großen Bäume. Dabei können aus den Setzlingen Weltkonzerne wachsen.
Auch Kapital sucht das Weite. Anleger gehen dorthin, wo Firmen weniger gegängelt werden und höhere Renditen möglich sind. Dass amerikanische Aktien seit Jahren mehr abwerfen, bestätigt sogar die EZB. Rund 300 Milliarden Euro europäischer Ersparnisse werden jährlich außerhalb der EU angelegt. So finanziert europäisches Geld jene amerikanischen Unternehmen, die Europa fehlen.
Ohne Strom keine KI
Die von 15 Ländern gemeinsam betriebene Internationale Raumstation ISS braucht einen Taxiservice. Astronauten müssen hinauf gebracht und wieder abgeholt werden. Einen Teil dieses Fahrdienstes hat die NASA bei Musks Firma bestellt und das Privatunternehmen liefert. Auf der ISS arbeiten derzeit sogar drei russische Kosmonauten neben Amerikanern und Europäern. Unten streiten die Regierungen, oben arbeiten sie zusammen. Und inzwischen reden sogar die Regierungen wieder miteinander. Russlands Finanzminister Anton Siluanow saß erstmals seit 2022 wieder persönlich bei einem G20-Finanzministertreffen.
Musk erwartet durch KI weltweit 20 bis 30 Billionen Dollar zusätzliche Wirtschaftsleistung pro Jahr. Danach kommen seine menschenähnlichen Roboter: zwei Beine, zwei Arme, zwei Hände. Sie sollen in Fabriken, Lagern und später sogar im Haushalt arbeiten. In zehn Jahren erwartet Musk mehr als eine Milliarde solcher Roboter. Selbst wenn er sich bei der Anzahl kräftig verschätzt, entsteht hier eine Industrie, um deren Arbeitsplätze und Steuereinnahmen sich Staaten eigentlich reißen müssten.
Doch KI braucht Rechenzentren, und die brauchen Strom. Musk erwartet 2027 außerhalb Chinas rund 15 Gigawatt fehlende Leistung für KI-Rechner. Für Deutschland bekommt die Warnung eine besondere Note. Musk bezeichnete schon 2022 das Abschalten deutscher Kernkraftwerke als extrem verrückt. Im April 2023 gingen die letzten drei vom Netz.
Nun beginnt aber weltweit der Wettlauf um genau jene Industrien, die immer mehr Elektrizität benötigen. Wirtschaftlich bekommt das Züge von Partisanentätigkeit im eigenen Land. Früher sprengten Partisanen Eisenbahnbrücken. Heute legt man funktionierende Kernkraftwerke still und bombt sie anschließend zu Staub.
Musks Lektion war einfach: Bevor der Staat Geld verteilen kann, muss irgendwo jemand stehen, der es verdient. Die G20-Minister hörten wohl diesmal die Signale.
Meinrad Müller ist ehemaliger Unternehmer und betrachtet das Zeitgeschehen gerne mit etwas Abstand.
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Die Welt braucht einen Lichtschalter, den man je nach Bedarf mal an, mal ausschalten kann. Oder eine Fernbedienung wo man nur noch die 666 eintippen muss. Meine Augenklappe liegt hier bereits griffbereit…
„H.Reichmuth / 04.09.2026
Vor Jahren las ich, dass Russland das BSP von Spanien habe. Das muss man sich vorstellen: Ein Drittwelt-Land kämpft gegen die ganze NATO – in der “Giganten„ wie die USA, Deutschland, Frankreich oder Grossbritannien vereint sind – und kann sich vier Jahre lang behaupten!“ – Vielleicht ist die Aussagekraft des BSP das Problem.
>>heute sprengt die Regierung funktionierende Kernkraftwerke in die Luft.<<
Herr MMüller, sie verhöhnen wohl die Leute? Dieses Nach-dem-Maule-Reden ist einfach schlimm.
Es wurden keine Kernkraftwerke gesprengt, sondern ein Kühlturm der bereits mehr als 10 Jahre still vor sich hin rostete. Es war nur immer die absolute Ignoranz in den Berichten von beiden Seiten. Bleibt einfach bei der Wahrheit, sonst müsst Ihr euch nicht wundern, wenn es niemand glaubt.
Man kann einer Unwahrheiten nicht mit Lügen begegnen. Das begreifen aber die nicht, die lügen.
Was ist schon ein Elon Musk gegen z.B. eine Andrea Nahles von der ökonomisch überaus potenten SPD, die uns seinerzeit alle zu Finanzthemen erstaunlich belehrte: „was wollen Sie denn, das Geld ist doch da“. Na also. Das Geld „ist da“ in Deutschland. Und Musk bemerkt es nicht. Hat keine Ahnung, der Mann.
Gibt es jetzt hier eine neue Religion und Musk ist ihr Prophet? Anders kann ich einen solch unkritischen Jubelartikel nicht bewerten, der große Teile der Realität ausblendet. Musk Kritik an der Energiepolitik in Deutschland und der EU ist richtig. Aber KI ist nach wie vor ein enormes Risikogeschäft. Zum einen, weil die Gewinne durch KI längst nicht die Investitionen erreichen. Dann regt sich in den USA ernsthafter Widerstand gegen die energieintensiven Rechenzentren allerorten und in den USA ist man auch nicht allzu begeistert, dass man ihre Arbeitsplätze durch KI ersetzen will, weil wovon sollen sie dann leben? Folge wäre auch eine weitere Konzentration von Vermögen bei wenigen Spielern, niemand kann das ernsthaft wollen. Dann ist das nächste Risiko das der Kontrolle der immer mächtiger werdenden Systeme. Die ausgebrochenen autonomen Agenten von OpenAI diesen Sommer sind hier ein deutliches Alarmzeichen. Und die KIs werden nicht nur immer intelligenter durch Training und Rechenleistung, sondern man konstruiert sie zunehmend so, dass man immer weniger Einblick in ihre Denkvorgänge hat. Eine Entwicklung, vor der OpenAI neulich noch selbst gewarnt hatte. Sie spielen Vabanque.
Genosse Lars Klingbeil hat wohl eher nicht verstanden!
Es gibt Politiker, die glauben, dass erfolgreiche Unternehmen lediglich eine Einnahmequelle für den Staat darstellten, die es besteuert zu besteuern gilt.
Man schafft aber keinen Wohlstand, indem man diejenigen schwächt, die ihn erwirtschaften.
Man braucht vielmehr ein Umfeld, wohin das Kapital von selbst erfolgversprechend fließt:
So befanden sich 2023 nur noch so 30% (!!!) der Vermögenswerte (Immobilien, Fabriken, Maschinen, Büros usw.) der DAX-Unternehmen in Deutschland.
Was hat der DAX noch mit Deutschland zu tun?