Henryk M. Broder / 06.11.2013 / 03:44 / 4 / Seite ausdrucken

Elmar, Barack, Michelle and Me

Es ist noch nicht einmal eine Woche her, seit der Vorsitzende des Außenpolitisches Ausschusses des Europäischen Parlaments, Elmar Brok, in einem Interview mit dem heute journal gesagt hat, er habe bei seinem Besuch in der amerikanischen Hauptstadt “Problembewusstsein im Weißen Haus, im State Department und bei einigen Teilen auf dem Capitol Hill…” festgestellt.

Geht man in diesen Tagen durch Washington, muss man Broks Eindruck bestätigen. Problembewusstein wohin man schaut. Rund um das Weiße Haus, das State Departent und natürlich bei einigen Teilen auf dem Capitol Hill. Außerdem in China Town, in Georgetown, am Dupont Circle, in Tenleytown, Foggy Bottom, Adams Morgen und Pleasant Hill. Nichts ist mehr so, wie es noch vor ein paar Wochen war. Die Amis schämen sich in Grund und Boden. Und gibt man sich irgendwo als Deutscher zu erkennen, werfen sich die Menschen vor einem in den Staub und rufen: “Oh Lord, forgive us!”

Als ich gestern das Weiße Haus besuchen wollte, das nach acht Monaten wieder für Besucher geöffnet wurde, musste ich nur meinen deutschen Pass zeigen, um vom Ende der Schlange an den Anfang vorgelassen zu werden. Und kaum hatte ich die Security passiert, wer kam mir da entgegen? Der Präsident und die First Lady!

“Do you really come from Germany?” wollte Obama wissen. “Yes, Sir, I do!”, antwortete ich. “Then I have am message for your Chancellor”, sagte Barack und übergab mir einen Umschlag, als habe er mich erwartet. Ich war so aufgeregt, dass mir die Situation nicht bewusst wurde.
Können die Amis Gedanken lesen? Arbeitet Chico für einen der Geheimdienste? Er war der Einzige, dem ich erzählt hatte, dass ich das Weiße Haus besuchen wollte. Das muss ich unbedingt Elmar Brok erzählen, wenn wir uns das nächste Mal in der Brasserie de la paix in Anderlecht treffen.

Dann werde ich ihm auch berichten, wie sehr das “Problembewusstsein” inzwischen um sich gegriffen hat. Mit einigen wenigen Ausnahmen, wie diesem Max Boot, der wirklich nichts begriffen hat:

“I have a word of advice for American allies outraged by alleged NSA spying on their leaders: Grow up. That means you Germany. You, too, France. And you, Brazil. Mexico, too. Also the EU and the UN,” blogged Max Boot in Commentary, referring in the two latter instances to the European Union and United Nations. “Does the NSA spy on your leaders? Probably. Do you spy on leaders of allied states including the United States? Probably. You just don’t have the resources or capability to spy as effectively as the NSA does. But if you did, you would.”

Siehe auch
Die US-Regierung will die Arbeit ihres Geheimdienstes NSA vorerst kaum einschränken. Die Obama-Regierung erwägt… lediglich, diese Daten statt für fünf nur noch für drei Jahre zu speichern. Auch sollen neue Technologien erforscht werden, mit denen die Datensätze von Telefon- und Internetanbietern direkt durchsucht werden können, statt sie auf Servern der Regierung zu speichern. NSA-Chef Keith Alexander geht laut dem Bericht aber davon aus, dass eine neue Technologie frühestens in drei Jahren einsatzbereit sei. http://www.spiegel.de/politik/ausland/nsa-affaere-us-regierung-will-spionage-hoechstens-in-details-aendern-a-931801.html

 

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Leserpost

netiquette:

Sven Jordan / 07.11.2013

Warum sollten die USA auch nicht weiterhin “spionieren”? In der Tat haben sie die Ausrüstung, die Möglichkeiten und die Macht, wenn dann noch ein wenig politische Weitsicht und Sicht auf die Welt, wie sie ist (und nicht wie sie sein sollte), dazu kommt : JA, WARUM DENN NICHT! Europa, Deutschland: Werdet erwachsen, bitte. Laßt eure Kinderreien, die Berufung auf euren Idealismus, der nichts anderes ist als Unwillen und Unvermögen und seht die Realitäten. Die 9/11-Verantwortlichen kamen auch aus Deutschland, und, wieder mal hat keiner hingeschaut. Warum sollten die Amerikaner das vergessen oder sich auf unsichere “Verbündete” und “Freunde” verlassen? Politik ist ein Handwerk, das man lernen kann und sollte, kein Wunschkonzert. Die Amerikaner spähen uns aus? So what! Tun Eltern nun mal, wenn die Kinder unreif sind. (Und die Kanzlerin hat kein abhörsicheres Handy, keine Fachleute die sowas verhindern können? ...)

Reimund Weismar / 06.11.2013

“Und gibt man sich irgendwo als Deutscher zu erkennen, werfen sich die Menschen vor einem in den Staub und rufen: “Oh Lord, forgive us!” “ Stimmt das auch wirklich so, Herr Broder? Den Schlagzeilen auf SpOn zufolge wird es wohl eher schon bald einen Krieg gegen die USA geben (“Deutsch-amerikanische Eiszeit: Merkels kalter Zorn”), Jakob Augstein hat bereits “einen neuen Kalten Krieg” ausgerufen und Sascha Lobo hat ultimativ gefordert: “Die Angriffe der NSA müssen Konsequenzen haben”! Der deutsche Nationalstolz ist sehr sehr tief verletzt worden, interessanterweise auch und gerade bei solchen Menschen, die ansonsten jegliche nationalen Regungen so vehement ablehnen und verdammen. Täglich erwarte ich deshalb die allgemeine Generalmobilmachung. Ich weiß natürlich, dass es sich in diesem Fall um einen guten und gerechten Krieg handeln würde - und trotzdem möchte ich ihn nicht so gerne. Bitte bestätigen Sie, dass es sich nicht um eine Schmonzette handelt sondern dass der Ami tatsächlich kapituliert hat: “Oh Lord, forgive us!” und dann sagen wir: ‘Yes we can’ - get Reparationszahlungen from you bad guys!

Maria van der Velde / 06.11.2013

Nun haben wir zwei Briefträger. Aber das unser Danke, Danke,Danke Herr Broder sich als Briefträger andient, bei einem Präsidenten, den er noch vor einigen Wochen als einen Präsidenten, der es nicht könne, “gepriesen” hat. Es gibt halt auch unter den Menschen das eine oder das andere Chamäleon. Au Backe.

Gunter Frank / 06.11.2013

Was war denn nun in dem Umschlag ?-)

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