Gastautor / 09.04.2008 / 14:06 / 0 / Seite ausdrucken

Ellahe Bograt: Nationalislamismus

Glücklicherweise sind alle einer Meinung, dass es ein Problem im Iran gibt. Auch der iranische Staat ist damit einverstanden. Der Staat selbst ist das Problem. Auch die islamische Regierung hat kein anderes Problem als das Regieren. Der Unterschied besteht nur darin, dass für die Einen das Regieren das Problem ist und für die anderen die Konstruktion der Regierung. Und solange dieses Problem nicht gelöst ist, wird auch das Hauptproblem der Iraner nicht gelöst sein: Nationale Souverenität.

In der islamischen Regierung ist der „Velayat-e-Faghih“ das politische- und religiöse Haupt des Landes. Gemäß der Verfassung steht seine Rolle und seine Macht über allen gewählten und ernannten Behörden und Institutionen. Die verschiedenen Gruppierungen innerhalb des Klerus und des Militärs (Sepahe Pasdaran= Schutzstaffel) sind auch in die führenden Wirtschaftseliten eingebettet.

Die islamische Ideologie treibt dieses Kollektiv zur Verbreitung des Islam in alle Welt, um sie auf das Kommen des Mahdi (des islamischen Messias) vorzubereiten. Sie glauben wie Kommunisten und Faschisten an ein Utopia, in dem nicht eine bestimmte Klasse (die Proletariat) und nicht eine bestimmte Rasse (Germanen), sondern die Moslems die Sieger sind und regieren. Das ist der Gedankengut des Nationalislamismus. Der Gottesstaat im Iran ist fest davon überzeugt,  zur Führung dieser göttlichen Mission bestimmt worden zu sein.

Vorher hat die Welt die europäische Version dieser Ideologien (Faschismus, Nationalsozialismus und Kommunismus) erlebt. Deren nahöstliche Version der politischen Religion sollte mit der Geschichte und Kultur der Region übereinstimmen und genau wie die europäische Version ein einzigartiges Beispiel im Nahen Osten sein.

Und wenn der europäische Geist seine Erlösung in der Vernichtung des Kapitalismus und des Sieges des Übermenschen gesucht hat, wird im Nahosten alles daran gesetzt, den Mahdi zur Rückkehr zu bewegen, um die Welt zu erretten.

Die Wurzeln des Gottesstaates als Verwirklichung des Nationalislamismus muss man in den politischen Religionen (Kommunismus und Faschismus) suchen, die trotz ihrer weltlichen Erscheinungen vollkommen religiös sind. Der Gottesstaat im Iran hat sich von beiden etwas zu Nutze gemacht: Vom Kommunismus die Einteilung der Welt in verschiedene Schichten( Das kommunistische Proletariat wird als „Mostazaafin“ bezeichnet, dem arabischen Wort für „die Schwachen“) und den religiösen Übermut von einer „überlegenen Rasse“ vom Faschismus. Ihr eigenes Element ist nun Religion. Das ist der Höhepunkt in der Geschichte der politische Religionen. Diejenigen, die versuchen eine „neue Interpretation“ des Islam vorzulegen oder ihn neu auszulegen, machen nichts anderes, als eine politisch-religiöse Ideologie zu interpretien! Als ob man versuchen würde, dem Kommunismus und dem Faschismus eine neue,  eine gute Interpretation zu verleihen. Eine Religion kann man sich nicht „neu“ ausdenken. Dazu ist ein neuer Prophet notwendig.

Obwohl die heutige Welt anders ist als damals, als Kommunismus und Faschismus Millionen Menschen zu Opfern ihre Illusionen gemacht haben, haben Iraner mehr Schwierigkeiten als die europäischen Nationen damals. Sie müssen gegen eine Ideologie kämpfen, die sich zur Erfüllung ihrer Mission von Gott bestimmt sieht und alle weltlichen Potentiale in sich gesammelt hat. Diesmal ist keine weltliche Ideologie zur Religion geworden, sondern eine Religion ist zur weltlichen Ideologie geworden, damit die religiösen- und weltliche Kräfte zusammen zu Gunsten einer Gruppe wirken, die den Aufbau ihrer Utopie auf Basis der Vernichtung der Anderen und der Zerstörung des Restes der Welt verwirklicht sieht. Das ist Nationalislamisus. Und das braucht keine Übersetzung.

Ellahe Bograt arbeitet für eine iranische Exilzeitung in London.

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