Manfred Haferburg / 06.03.2017 / 06:15 / Foto: Clay Junell / 10 / Seite ausdrucken

Elektromogelität: Die nachhaltige Möhre

Und wenn der ganze Globus brennt, in Deutschland wird der Müll getrennt. Weil die Mülltrennung und Energiewende deutsche Erfolgsrezepte sind, haben sich die vereinigten politischen Parteien der Bundesrepublik Deutschland im Wahljahr 2017 die Verkehrswende auf die Fahnen geschrieben. Nachhaltige Fahrt für nachhaltige Bürger: vorwärts immer, rückwärts nimmer, wir schaffen das.

Deutschland - als das Land, in dem das erste Auto gebaut wurde - soll bei der Elektromobilität ganz vorne mit dabei sein, so Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Zukunft des Automobils ist elektrisch, ohne klimaschädliche Abgase unterwegs, und stets mit dem Smartphone online.  Eine Million E-Autos bis zum Jahre 2020 ist das ehrgeizige Ziel der Groko. Da macht man schon mal ein paar hundert Steuermilliönchen für locker, Kaufprämie für den E-Zweitwagen und Ladesäulen-Subvention inklusive. Leise schnurrend, souverän lächelnd fährt der mülltrennende und elektromobile Bürger guten Gewissens an der Tankstelle vorbei in die Stadt hinein, wo kein Stinker mehr reindarf.

Eine bekannte -, demnächst zu verkaufende - Autofirma wirbt für ihr neuestes Elektrofahrzeug mit einer Reichweite von 520 km mit einer Batterieladung. Da legt sich der Tesla nieder. Die grüne Regenbogenpresse jubiliert: „Durchbruch, Revolution“. Gemessen wurden die 520 km wohl von ADAC-Experten im NEFZ-Zyklus (alleine im Auto, bei 20 – 30°C auf ebener Strecke ohne Gegenwind für 20 Minuten nur geradeaus mit 34km/h und keine elektrischen Verbraucher einschalten) … und berechnet mit einer Software von VW…

Etwas kleinlauter kommt dann die zweite Aussage daher: im realitätsnäheren WLTP-Zyklus (30 Minuten bei 14 – 23°C mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 47km/h mit 9 mal bremsen und beschleunigen) sind es immer noch stolze 380 Kilometer. Allerdings hat die 380 km bisher nur der Hersteller bestätigt. Wie weit der Fahrer im Winter bei Frost kommt, wird wohl erst bekannt, wenn sich ein paar tausend Kunden im guten Glauben an die Herstellerangaben bekauft haben. Schon der alte Ampera war so ein Riesenerfolg, weil er laut Werbung mit 1,1 Liter auf 100km auskam.

Auch wenn die Reichweite nur 200km sein sollte, bleibt immer noch das Argument der Emissionsfreiheit – ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen. Wo aber kommt der emissionsfreie Strom denn her? Erst mal aus der Steckdose. Aus der Steckdose kommt optimistisch gesagt ein Drittel der Energie von den Erneuerbaren und somit fast emissionsfrei. Zwei Drittel kommen aus Braunkohle, Steinkohle und Kernenergie. Kohle ist bekanntlich nicht so ganz emissionsfrei, vom Feinstaub gar nicht zu reden.

Der Staat zahlt nicht, niemals. Auch nicht für enteignete Dieselfahrzeuge.

Außerdem muss man wissen, dass lediglich 25% des Feinstaubs aus dem Auspuff der Fahrzeuge kommen. Ungefähr genauso viel Feinstaub kommt von den Bremsen und Reifen oder wird aufgewirbelt. Und es ist nicht bekannt, dass Elektroautos ohne Räder, Bremsen und Reifen auskommen. Da gefriert dem elektromobilen Bürger doch das überlegene Lächeln glatt auf dem Gesicht.

Und wer weiß schon, ob sich die Grünen nicht übermorgen aufs Elektroauto einschießen. Schließlich haben sie vor ein paar Jahren ja auch noch für den Dieselmotor gekämpft, von wegen weniger CO2 und so…

Jetzt kommt also erstmal die kalte Enteignung von fünfzehn Millionen Dieselfahrzeugen, die von den Bürgern in gutem Glauben an den Bestand ihrer staatlichen Zulassung gekauft wurden und deren Verbot nun die umweltbewegte Union aller Linkskräfte (uUaL) fordert. Dass in einem Rechtsstaat so eine Politik möglich ist, zeigt der Kernenergieausstieg. Die AKW hatten ja auch eine staatliche Betriebsgenehmigung, die einfach mal ebenso für den guten Zweck einkassiert wurde. Geld werden die Energieversorger trotz Obsiegens vor dem Verfassungsgericht nie sehen. Der Staat zahlt nicht, niemals. Auch nicht für enteignete Dieselfahrzeuge. Die sind nämlich „umweltschädlich“. Zur Not bestätigt das der Regierung auch eine Ethikkommission, bestehend aus Bischöfen, Soziologen und SPD-Gewerkschaftlern.

Selig lächelnd an der Tankstelle vorbeifahren… der Traum jedes elektomobilen Bürgers. Aber leider muss auch Elektromobilität mal an die Tanke… ähhh Dose. Und dann wird es wohl dicke kommen, den Strom gibt es nämlich nicht für eine Kugel Eis. Der FOCUS schreibt: „20 Euro für 100km, Strom teurer als Benzin: 100 Kilometer kosten 20 Euro: Ladesäulen-Anbieter zocken Elektroauto-Fahrer ab“.  Natürlich hat die Politik eine Entschuldigung parat: „Die Stadt Berlin verteidigt sich: Die teure Infrastruktur werde andernfalls nicht nur zum Laden, sondern auch zum Gratisparken genutzt“, so Herrmann Blümel von der Berliner Senatsverwaltung. Stimmt, zum Laden während der Fahrt sind die Ladekabel eben einfach zu kurz.

Hat eigentlich schon mal jemand darüber nachgedacht, was es für den Staatshaushalt bedeutet, wenn sich die Elektromobilität wirklich durchsetzt? Der Staat nimmt heutzutage mehr als 40 Milliarden Euro pro Jahr aus der Steuer auf Kraftstoffe ein – der Autofahrer war schon immer die Melkkuh der Nation. Glaubt irgendjemand, das würde sich ändern, wenn jetzt alle elektrisch fahren? Ich sehe schon die Forderung der Grünen: „eine Kilowattstunde Strom muss schrittweise auf fünf Euro angehoben werden“.

Manfred Haferburg ist der Autor des Romans „Wohn-Haft“ mit einem Vorwort von Wolf Biermann

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Leserpost (10)
Matthias Haus / 06.03.2017

Danke Herr Haferburg für diesen lustigen Exkurs in die E-Technik sowie in die Schwachstromköpfe unserer Politik Eliten. Sicher kennen auch Sie noch den SED Slogan von damals -überholen ohne einzuholen - hurra da sind wir wieder ,nach fast 30 Jahren. Beste Grüße aus dem Ruhrgebiet Wo es auch demnächst nur so schnurren wird auf den Straßen, bisher aber nur beim Stau stehen

Rainer Küper / 06.03.2017

Und nach Feierabend ab in die Tiefgarage der Wohnungsbaugenossenschaft, das E-Mobil elektrisch betanken. Nur dumm, dass es keinen Anspruch auf Steckdosen am Parkplatz gibt.

U. Rossdeutscher / 06.03.2017

Lieber Herr Haferburg, vielen Dank für die Beleuchtung dieser Mogelpackung von der energetischen Seite. Aber wie leider viele Autoren vergessen Sie hier auch eine andere negative Seite der Elektrofahrzeuge: Man ist mit einer sprichwörtlich “bleischweren” Ladung “seltener Erden” unterwegs. Diese Batteriefrage spielt doch eine gewichtige Rolle bei der Umwelt- und Energiebilanz.

Martin Schmidt / 06.03.2017

“Hat eigentlich schon mal jemand darüber nachgedacht, was es für den Staatshaushalt bedeutet, ...“ Ja. Ich! Ich habe die Grünen 2013 angeschrieben und gefragt wer den Ausfall von über 40 Mrd. Euro/Jahr bezahlen soll. Es sind ja deutlich mehr als 40 Mrd. Euro/Jahr, denn die Grünen wollten jeden PKW der weniger als 50 g/km CO2 ausstößt mit Zuschüssen fördern. Ich fragte ob eine Strom Steuer für E-PKW kommt und ich fragte auch wie sie z.B. verhindern wollen das E-PKW dann an der eigenen Solar Station kostenlos tanken. Antwort der Grünen. Darüber muss sich der dann zuständige Finanzminister Gedanken machen. Fazit: Im ruinieren des Staates sind die Grünen Spitze. Lösungen haben sie noch nie angeboten.  

Heiko Stadler / 06.03.2017

Jedes zusätzliche Kilowatt Strom wird in Deutschland zu 100% aus Gas oder Kohle mit etwa 40% Wirkungsgrad gewonnen. Bei der Übertragung und Transformation gehen 10 bis 20% verloren. Beim Laden und Entladen des Akkus gehen weitere 40% verloren. Für die Fahrgastraum-Heizung kann nicht die Abwärme des Verbrennungsmotors genutzt werden. Fazit: Wer umweltschonend Autofahren will, verschrottet sein Elektroauto und steigt auf den Verbrennungsmotor um

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