Nicht das hastige Ausfliegen der ISAF-Truppen, Diplomaten und NGOs nebst Präsident Ghani erzeugt die Fluchtbewegung aus Afghanistan. Es sind die vorhergehenden Invasionen, die den für die Selbstverteidigung erforderlichen Kampfgeist gelähmt haben. Das beginnt mit Russen, die 1979 in einem gewöhnlichen Bürgerkrieg kurz entschlossen die Fraktion unterstützen, die ihr Töten nicht mit Allah, sondern mit Marx begründet. Moskau sieht einen Glücksfall, weil die nicht einmal den Zaren gelungene Ausdehnung des Imperiums unter dem Deckmantel sozialen Fortschritts betrieben werden kann.
Den Einheimischen, denen der unerwartete Beistand zugutekommt, erscheint er wie ein Wunder. Für sie sterben Jünglinge, die einzige Söhne oder gar einzige Kinder ihrer Mütter sind, obwohl die indigenen Frauen drei bis vier Kämpfer in die Schlacht schicken können, weil sie sieben bis acht Kinder aufziehen. Afghanistans Kriegsindex steht schon 1978 bei 5, wobei 5.000 Nachwachsende im Alter von 15 bis 19 Jahren um die Positionen wetteifern, die 1.000 Männer zwischen 55 und 59 Jahren freimachen.
Nach 14.000 verlorenen Elitesoldaten und einem Jahrzehnt mit weinenden Müttern und Bräuten vor dem Kreml gibt die KPDSU 1989 auf. Danach töten Afghanen einander wieder ohne fremde Einmischung. So marschieren bis 1992 Fromme gegen die weltliche Regierung und errichten den „Islamischen Staat von Afghanistan“. Beim Siegen zu kurz gekommene Studenten (Taliban) beklagen alsbald Verrat am wahren Glauben und etablieren bis 1996 das „Islamische Emirat von Afghanistan“. Weil die Geburtenzahlen hoch bleiben, springt die Bevölkerung zwischen 1989 und Amerikas Einmarsch im Jahr 2001 von 12 auf 22 Millionen. Der Kriegsindex pendelt sich bei einer stolzen 6 ein.
Ein Sieg wird für die Taliban kein Spaziergang
Gegen das „Emirat“ schickt der Westen – nach den erfolgreichen Luftschlägen gegen Al-Qaeda und für das Aufrichten einer „Islamischen Republik von Afghanistan“ – nicht nur 3.500 seiner raren jungen Männer in den Tod. Er bereitet zudem ein weiteres Wunder. Aus Kampfzonen Fliehende dürfen in ISAF-Länder übersiedeln, wo man sie auch dann bezahlt, beschult, heilt und beherbergt, wenn sie auf dem Arbeitsmarkt nicht unterkommen. Vorbildich handelt Deutschland, wo von 270.000 Afghanen (2019) nur ein Fünftel versicherungspflichtig arbeitet.
Obwohl Afghanistan heute sechs und 2030 siebeneinhalb Millionen Männer im besten Kampfalter von 15 bis 29 Jahren aufbieten kann, haben die ausländischen Beschützer seinen berühmten Heroismus für die Revierkämpfe vor Ort schwer beeinträchtigt. Deshalb rechnen „Republik“-Afghanen auch jetzt noch auf westlichen Opfermut. Den Verbänden für ein neues Emirat gibt das Zeit für die schnellen Geländegewinne.
Doch ein Sieg wird für die Taliban kein Spaziergang. Auch diese Revolution frisst anschließend ihre Brüder. Die Inhaber der mit westlichem Geld gepolsterten Positionen mögen fliehen oder kämpfend untergehen. Aber was dann? Um jeden freien Platz rangelt ein halbes Dutzend kampfgestählter Mudschahidin. Schnell finden sich noble Parolen, unter denen die glücklich Aufgestiegenen als Ungläubige dastehen, denen man ihre Pfründen abjagen darf. Gegenüber den dabei unvermeidlichen Grausamkeiten können all die Ermahnungen von der UNO oder aus Washington und Berlin nur läppisch anmuten.
Afghanistans Kriegsdemografie wird mit den Taliban und ihren Kontrahenten also mindestens so hart umgehen wie mit Russen oder Amerikanern. 2030, wenn die Bevölkerung mit 47 Millionen viermal stärker dasteht als bei Gorbatschows Abzug von 1989, wird man immer noch kämpfen. Der Kriegsindex wird zwar leicht nachgeben, mit 5 aber Deutschland (0.7) oder die USA (1.1) weiterhin um ein Vielfaches übertreffen.
Die nächste Generation dürfte das Emiratsziel durch ein viel weiter ausgreifendes Kalifatsbegehren ersetzen. Für eine Zukunft unter dem Grün des Propheten hat allein Afghanistan momentan bald 9 Millionen Jungen unter 15 Jahren. Im südlich benachbarten Pakistan sind es 40, weiter westlich im iranisch-arabischen Raum 84 und in Subsahara sogar 242 Millionen.
In der Bundesrepublik mit mehr als doppelt so großer Bevölkerung wie am Hindukusch sind es nicht einmal 6 und in der Gesamt-EU 35 beziehungsweise 25 Millionen ohne Migranten (2020er Zahlen). Wer bei derartiger Anämie Truppen in Afrika hat, Kabul von neuem beglücken will und den 375 Millionen Entwicklungshilfe oder hiesiges Hartz-IV anbietet, bekommt richtig zu tun.
Gunnar Heinsohn hat von 1993 bis 2009 an der Universität Bremen Europas erstes Institut für Genozid-Forschung geleitet. Am NATO Defense College (NDC) in Rom hat er 2011 die Kriegsdemografie eingeführt und bis 2020 gelehrt.
Beitragsbild: Andy Dunaway/U.S.A.F defenseimagery via Wikimedia Commons

Vergeblich. In einem moslemischen Land eine Demokratie installieren zu wollen, ist ein Unding. Die Religion beruht auf Überzeugungen aus dem 7. Jahrhundert und das bleibt unverändert. Es gab keine „Aufklärung“ wie im Christentum. Moral, Ethik und Rechtsprechung basieren auf diese Zeit und auf Clanstrukturen. Nicht sie nähern sich der Demokratie an sondern wir dem 7. Jahrhundert. Wo Ideologie das Denken bestimmt und die Führung (Eliten) die Justiz lenkt, anders denkende der Ketzerei beschuldigt, nähert man sich dem an. Das kann manchmal auch innerhalb 16 Jahren passieren.
Und die CDU faselt in Gestalt von Norbert Röttgen, kaum dass die Truppen wieder in der Heimat sind, von einem Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan gegen die vorrückenden Taliban, aber ohne den Truppenabzug rückgängig zu machen. AKK als eigentlich zuständige Ministerin sagt dazu: Mal wieder Nix. Ein Tollhaus. Zahlen und Fakten, Logik und Stringenz interessieren da niemanden mehr.
Rette sich wer kann vor den Taliban. Niederlage heißt jetzt Sieg und die Jubelpresse hat den großartigen den Plan, Frauenhäuser zu errichten, damit die Demokratie in Afghanistan gefestigt bleibt. / Die Nachrichtenlage hätte schon lange meterhohe Empörungswellen durchs Land jagen sollen und die Bundesbrunft aus ihrem realitätsverzerrten Muff vertreiben. Man stelle sich nur vor, in UK halbieren sich in zwei Wochen die Indikatoren, nachdem alle Maßnahmen beendet worden sind. Aber wir Deutschen sind wie die Zirkustiere, wenn uns die Tagesschau kein Signal zur Empörung sendet, dann tragen wir freiwillig den Clownshut, die rote Pappnase und wohnen im Käfig. / Wer die Waffen, die Munition, die Lager und die Versorgung der Taliban finanziert, habe ich noch immer nicht verstanden?
Stammes- „Bürger-“, „Befreiungs-“ und Religionskriege in der Dritten Welt sind hochgradig irrational, also weder durch Apelle oder Verhandlungen bzw. Argumente noch mit den Mitteln westlicher, „humanistischer“ Kriegführung zu beenden. Sie enden erst, wenn überhaupt, wenn den Kriegsparteien die Kämpfer ausgehen. Darauf sollten evtl. Eindämmungsmaßnahmen abzielen: nämlich dass man alle beteiligten Parteien großzügig mit Mitteln für die gegenseitige Vernichtung ausrüstet. Außerdem ist es ein gutes Geschäft. Es scheint Leute zu geben, die das kapiert haben: kein Fernsehbild aus einem shithole-Krieg ohne eine Kalashnikov und einen Toyota-Pickup.
Je schlimmer das Gemetzel, desto schneller ist es vorüber und desto länger hält seine erzieherische Wirkung an.
Als der selten dämliche Spruch„Unsere Sicherheit wird nicht nur, aber auch am Hindukusch verteidigt.“
von Peter Struck fiel , dachte ich mir : jetzt sind sie völlig durchgeknallt . Eine der mächtigsten Armeen der Welt , die russische Armee , holt sich nach Jahren verlustreicher Kämpfe eine blutige Nase in Afghanistan und zieht ab . Und Deutschland zusammen mit den USA übernimmt den Part des demokratischen Weltretters . Demokratie in einem archaischen islamischen Land zu errichten , ist in etwa so , als wenn man in der Antarktis grünen Rasen ansäen möchte . Ich hatte in einem uralten Leserbrief einmal gefragt : hat man diese Menschen überhaupt einmal gefragt ob die das wollen ? Wie das mit der Demokratisierung klappt kann man doch wunderbar in allen deutschen Großstädten besichtigen . Wenige sogenannter Einwanderer arbeiten als Hilfskräfte , der Rest wird von der Bevölkerung mit wachsender Begeisterung alimentiert . Egal , rund 3 Millionen Mitarbeiter der Sozial – Migrations und Asylindustrie haben eine Menge Arbeit und würden ganz gern noch ein paar Millionen Afghanen aufnehmen . Pecunia non olet. Oder ?
Genau auch meine Sichtweise. In ihrer Darstellung finden sich auch einige meiner Argumentationen gegenüber Afghanistan. Warum sollten afgh.Mütter in den Bruderkrieg schicken wenn die Ungläubigen ihr Leben opfern. Aber westliche Politiker rennen ja mit Scheuklappen durch die Gegend, ohne Bezug zur Realität. Wer die Ereignisse aus Vietnam nach Abzug der USA kennt, weiß, wie schnell ein künstlich am Leben gehalten westliche Regime zusammenb brechen kann. Saigon wurde sehr schnell von den Nordvietnamesen erobert, da die Truppen des Süden sehr kampfunfähig waren. Parallelen zu Afghanistan tun sich hier auf, da die afgh. Truppen mehr zur Parade taugen als zum Kämpfen. Und der Westen muß diese Clanstreitigkeiten ausbaden, dank samariterbeseelter Politiker. Auf das die Zugezogenen ihre Zwistigkeiten auch auf deutschem Boden weiterfechten können. Ein weiterer Schritt zurück in die„ Steinzeit.“ Die urbane Infrastruktur muß dann halt finanziell zurückstecken.
Wir haben live im Fernsehen gesehen, was Machtvakuum bedeutet. Flupp und die Taliban stehen in Kabul. Trotz der (relativ) hoch gerüsteten „Afghanischen Armee“ und einer „demokratisch gewählten“ Regierung. Der beste Witz, der so im Fernsehen kolportiert wurde, ist dass man Umfragennin der Bevölkerung machen müsste um zu wissen ob die Taliban wirklich einen Ruckhaltin der Bevölkerung hätten. Fragt die Stammesältesten dann wisst Ihr wer unterstützt wird. Alte Männer mit langen zerzausten Bärten, denen es schon lange ein Dorn im Auge ist, dass Kinder (vor allem Mädchen) in die Schule gehen. Joe Biden sei Dank. „Ortskräfte“, Lehrer, Christen, Freidenker. Kaum einer hatte Zeit sich darauf vorzubereiten.