Gerd Buurmann / 09.11.2022 / 15:30 / Foto: achgut.com / 39 / Seite ausdrucken

„Einmal Reichspogromnacht mit Hühnchen, bitte“

Heute, am 9. November 2022, wurde diese Push-Up-Benachrichtigung von KFC Germany an die Nutzer ihrer Smartphone-App verschickt:

„Gedenktag an die Reichspogromnacht - Gönn dir ruhig mehr zarten Cheese zum knusprigen Chicken. Jetzt bei KFCheese!“

Bei so einer Werbeaktion stellt sich die Frage, ob KFC noch alle Hühner auf der Stange hat, aber schon ungefähr 45 Minuten nach der Werbeaktion kam eine weitere Nachricht mit der Bitte um Entschuldigung. Sie wurde offenkundig hastig verfasst, da sie einen grammatikalischen Fehler aufweist:

„SORRY, UNS IST EIN FEHLER PASSIERT

Durch einen Fehler in unserem System haben wir eine inkorrekte und nicht angemessene Nachricht über unserer (sic!) App verschickt. Dies tut uns sehr leid, wir werden unsere internen Prozesse umgehend überprüfen, damit dies nicht noch einmal passiert. Bitte entschuldige diesen Fehler. Team KFC.“

Screenshots finden Sie hier.

 

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Bertram Scharpf / 09.11.2022

Als Softwareentwickler weiß ich, wie solche Fehler zustandekommen, und dann vergeht mir ein wenig das erstmal sehr herzhafte Lachen.

Thomas Hechinger / 09.11.2022

Mit uns, sehr geehrter Herr Buurmann, stirbt die Generation der Gebildeten aus. Das klingt entsetzlich arrogant, ist aber nichtsdestoweniger richtig. Bildung (hier mal abgesehen von naturwissenschaftlicher Bildung) heißt nicht Allwissenheit und schon gar nicht Fehlerfreiheit, bedeutet aber ein belastbares Hintergrundwissen über geschichtliche Zusammenhänge und kulturelles Erbe, ein Eingebundensein in eine Gesellschaft, ein Wissen, woher man kommt und wozu man gehört, um zu verstehen, wohin es gehen soll, ein Lernen aus der Vergangenheit für die Zukunft. Die junge Generation hat das heute schlicht nicht mehr. Wenn man in einem Satz, der einem anderen nicht paßt, das Wort „Jude“ verwendet, wird man als antisemitisch beschimpft, selbst wenn „Jude“ in keinem negativen Kontext steht. „Antisemitisch“ hat sich bei der Mehrzahl der unter Vierzigjährigen zu einem Füllwort in Beschimpfungsorgien entwickelt und ist seiner ursprünglichen Bedeutung, die man nur versteht, wenn man die Geschichte des christlichen Europa und des angrenzenden Islam und ihren ungeheuren Exzeß im National-Sozialismus vor seinem geistigen Auge hat, verlustig gegangen. Und „Reichspogromnacht“? Unterstellen Sie dem KFC-Mitarbeiter, der die Nachricht verfaßt hat, keine bösen Absichten, sondern einfach nur fehlende Bildung. Das hat der auf seinem Mobiltelefon im Kalender gelesen, so wie Halloween oder Weihnachten oder 1. Mai. Und wenn schon Gedenktag, dann muß das auch ordentlich gefeiert werden. Und er wäre ein schlechter KFC-Angestellter, wenn ihm dabei nicht einfiele, daß man das mit nichts besser feiern könnte als mit einem Knusperknusper-Chicken und zart schmelzendem Käse dazu. So sieht es aus. Es ist alles furchtbar traurig.

Gudrun Meyer / 09.11.2022

Das geht ja noch. Die reagieren wenigstens auf Beschwerden und scheinen auch zu ahnen, dass die Beschwerden sehr, sehr berechtigt sind. Das ist schon mehr, als ich im besten Deutschland der Welt manchmal mitbekomme. Besonders, wenn die Antisemiten Muslime sind, kennt die Toleranz (“Wir verurteilen jeden Rassismus, Antisemitismus und Fremdenhass, von welcher Seite auch immer. Und gehen Sie bitte weiter, hier gibt es nichts zu sehen.”) einfach keine Grenzen.

Matthias Graubarth / 09.11.2022

es gäbe nur eine akzeptable Entschuldigung dafür: der Account wurde gehackt. Wenn das nicht der Fall ist, wäre das eine widerwärtige verbale Entgleisung, für die sich sogar fast die Grünen schon schämen würden.

Martin Schmitt / 09.11.2022

Das Arbeitsverhältnis des Verfassers dieser (Werbe-)Nachricht bei KFC muß SOFORT beendet werden - es wartet eine große Karriere beim deutschen Staatsfunk.

Hartmut Laun / 09.11.2022

9. November 1989! verkündete das DDR -Politbüro-Mitglied Günter Schabowski die “unverzügliche” Öffnung der Mauer, die seit August 1961 das Symbol der deutschen Teilung war. Zehntausende Menschen strömten an die Grenzübergänge in Ostberlin, die schließlich kurz vor Mitternacht geöffnet wurden. Große Freude.

Anneliese Bendit / 09.11.2022

Heute ist in der Tat ein historischer Tag: 9.11.1918 Kaisers Abdankung 9.11.1923 Hitler-Ludendorff Putsch 9.11.1938 Reichskristallnacht 9.11.1989 Fall der Mauer

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