Eran Yardeni
Es gibt kaum ein besseres Beispiel für die feige und ängstliche Einstellung der demokratischen Welt zu dem heutigen Kultur-Kampf als die Äußerungen des israelischen Mitgliedes des Internationalen Olympischen Komitees, Alex Gilady, zum Thema Schweigeminute für die israelischen Sportler, die 1972 in München dem mörderischen palästinensischen Terror zum Opfer gefallen sind. Gilady lehnt die Idee der Schweigeminute ab. Seine Position begründet er so: „Ich werde keine Maßnahmen unterstützen, die die Einheit der olympischen Bewegung schaden könnten, und ich werde unseren Feinden keine Gelegenheit geben, die Olympischen Spiele zu boykottieren. Es ist eine sehr schlechte Idee.“ (Maariv, 1. Juni 2012).
Diese Begründung ist mehr als bedenklich. Nach dieser Logik muss man eigentlich den Ausschluss des ganzen israelischen Teams von den Olympischen Spielen fordern, weil es den iranischen Sportlern „die Gelegenheit bietet“, fast jeden Wettkampf gegen israelische Sportler zu boykottieren. Die Idee, dass man sich nicht gegen die Schweigeminute einsetzen soll, sondern ausgerechnet gegen diejenigen, die ständig mit Boykott drohen, scheint dem Herrn Gilady total fremd zu sein. Dass er diese feige Einstellung im Namen der Einheit der Olympischen Bewegung rechtfertigt, zeigt uns ganz genau, was wir von dieser lächerlichen Bewegung und von ihrer Einheit halten sollen. Es geht um Einheit, die nur durch ein Einknicken vor der Boykott-Drohung der islamischen Länder gewährleistet werden kann.
Schlimmer aber sind die moralischen Konsequenzen dieser Einstellung. Diese Denkweise macht jede Boykott-Drohung zum kategorischen Imperativ, den man folgendes formulieren kann: Handele so, dass die islamischen Länder ihre Boykott-Drohung nicht verwirklichen. Und das passiert schon fast täglich. Nur um ein Beispiel zu nennen: Die Boykott-Drohung wegen der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen hat ein paar dänische Firmen dazu motiviert, in verschiedenen Zeitungen Anzeigen zu veröffentlichen, in denen sie sich von dem Inhalt der Karikaturen distanzierten. Was damals aber im Namen enger wirtschaftlichen Interessen vielleicht gerechtfertigt werden konnte, darf in Bezug auf die Olympischen Spiele nicht geduldet werden. Die Letzteren sollten die Botschaft der menschlichen Brüderlichkeit verbreiten. Brüderlichkeit als gegenseitige Anerkennung und nicht als künstliches Produkt von Boykott-Drohungen.
Wir sollen uns aber nicht wundern. Gilady sagt nichts Neues. Europa hat sich diesem neuen kategorischen Imperativ schon vor Jahrzehnten unterworfen. Dass Menschen sowie Regierungen Angst haben, dass Politiker dazu neigen, nur kurzfristig zu planen, ist leider ganz normal. Das Problem liegt aber woanders und zwar in dem Versuch diese feige Weltanschauung mittels pseudo-demokratischer Argumente zu rationalisieren. Wenn Gilady sagt, dass er die Schweigeminute ablehne, weil er „unseren Feinden keine Gelegenheit geben will, die Spiele zu boykottieren“, dann sagt er mit anderen Worten, dass er Angst habe, sich für die symbolische Anerkennung des Leids der Opferfamilien einzusetzen. Bewusst oder unbewusst opfert Gilady die historische Gerechtigkeit auf dem Altar der trügerischen Einheit der Olympischen Bewegung.
Man kann sich nur vorstellen, was passiert wäre, wenn 1972 arabische Athleten von israelischen Terroristen ermordet worden wären. In einem solchen Fall hätte man kein Problem gehabt eine Schweigeminute mit der Einheit der Olympischen Bewegung in Einklang zu bringen.
See also:
There is no limit to the chutzpah and audacity. Jibril Rajoub, who serves as chairman of the Palestinian Olympic Committee and the Palestinian Football Association, sent a thank you letter to IOC President Jacques Rogge in which he praised the latter’s decision not to allow a moment of silence to mark the 40th anniversary of the massacre of Israeli athletes at the Munich Olympics.
http://www.ynetnews.com/articles/1,7340,L-4261565,00.html