Peter Grimm / 23.07.2018 / 10:00 / 18 / Seite ausdrucken

Eine Willkommenslegion für die Bundeswehr?

Die Augsburger Allgemeine erklärte es am Samstag zur Exklusivmeldung: „Angesichts der Personalnot bei den Streitkräften werden im Bundesverteidigungsministerium nach Informationen unserer Redaktion Überlegungen immer konkreter, Ausländer in die Bundeswehr aufzunehmen. Offenbar wird im Berliner Bendlerblock sogar diskutiert, ausländischen Rekruten im Gegenzug zum Eintritt in die Truppe einen deutschen Pass anzubieten. Tenor: Wer bereit sei, für Deutschland sein Leben zu lassen, habe auch die Staatsbürgerschaft verdient.“

Das will man gleich kommentieren, entsteht doch im Kopf sofort das Bild von einer deutschen Fremdenlegion. Andererseits meldet sich das Gedächtnis mit dem Verdacht, so etwas schon einmal gelesen oder gehört zu haben. Ist also die Exklusivmeldung über Fremdenlegionäre für Deutschland doch nur eine olle Kamelle?

Nach kurzer Suche im Internet findet sich nach all den Artikeln diverser Medien, die die obige Meldung der Augsburger Allgemeinen auswerten, tatsächlich diese mehr als eineinhalb Jahre alte Überschrift in der Welt: „Bundeswehr wirbt um Schulabbrecher und Ausländer“. Unter dieser Schlagzeile aus dem Dezember 2016 wird davon berichtet, dass Staatssekretär Gerd Hoofe im Auftrag von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) eine „Personalstrategie der Bundeswehr“ erarbeitet hat.  Ein wesentlicher Inhalt sei die „Öffnung der Bundeswehr für neue Zielgruppen“. Dazu werde man auch die Möglichkeiten „der Öffnung für EU-Staatsbürger als Soldaten“ prüfen.

Also ging es seinerzeit nur um EU-Bürger. Die Pläne, über die die Augsburger Allgemeine ihre Mutmaßungen anstellt, scheinen darüber hinaus zu gehen. Insbesondere, wenn man mit dem deutschen Pass Bewerber in die Truppe locken will. Damit könnte man dann auch im Nachhinein das Soldatengesetz einhalten, das die deutsche Staatsangehörigkeit beim militärischen Dienst vorschreibt.

Ernsthaft diskutierte Idee?

Eine offizielle Bestätigung bekam die Augsburger Allgemeine für ihre Meldung allerdings nicht:

„Auf Anfrage unserer Redaktion sagte eine Sprecherin des Bundesverteidigungsministeriums: ‚Die Bundeswehr wird aufwachsen. Hierfür brauchen wir qualifiziertes Personal. Wir prüfen daher alle möglichen Optionen sorgfältig durch.‘ Zu Einzelheiten wollte sich die Sprecherin mit Verweis auf den laufenden Prozess nicht äußern.“

Dafür erfährt der Leser, wie ungelegen eine Diskussion über eine Öffnung der Bundeswehr gerade für die CSU wäre, weshalb auch Verteidigungspolitiker von CSU und SPD um Stellungnahmen zu dieser Idee gebeten werden. Die Reaktionen waren erwartbar: Natürlich sei das eine interessante und bedenkenswerte Idee, heißt es bei beiden, der CSU-Vertreter muss allerdings doch ein paar Bedenken in Bezug auf das besondere Treueverhältnis zwischen Staat und Soldat geltend machen. Besonders informativ war das nicht, diente aber vielleicht als Beleg, dass die angenommene Idee der Ausländerwerbung in der Tat eine im politischen Raum ernsthaft diskutierte Maßnahme ist.

Ist sie das nun? Bei der zitierten Nachricht handelt es sich ja anscheinend mehr um Spekulation als um gesicherte Information. Plausibel wäre es durchaus. Um deutscher Polizeibeamter zu werden, also die deutsche Staatsgewalt, wenn nötig auch im wörtlichen Sinne, muss man in vielen Bundesländern längst kein Deutscher mehr sein, nicht einmal EU-Bürger. Laut Polizeitest.de kann in Schleswig-Holstein, Hessen, Bremen und Hamburg jeder, der sich legal im Lande aufhält, Polizeibeamter werden. In den meisten anderen Bundesländern ist es für EU-Bürger problemlos möglich, für andere gibt es mehr oder weniger großzügige Ausnahmeregelungen. In Baden-Württemberg können sich Bürger ausgewählter Staaten, genau wie Deutsche, um Aufnahme in den Polizeidienst bewerben. Zu diesen Staaten zählen auch Algerien, Albanien, Kosovo, Irak und Russland.

Berliner Erfahrungen

Die Erfahrungen, die man in Berlin insbesondere mit türkischen und arabischen Polizeischülern an der Polizeiakademie gesammelt hat, könnten eigentlich ernüchternd wirken. Nicht nur der Umstand, dass offenbar kriminelle arabische Clans versuchten, einige ihrer Sprösslinge in den Polizeidienst zu schicken, machte im Herbst letzten Jahres Schlagzeilen. Auch die klare Diagnose eines Polizeiausbilders gelangte damals an die Öffentlichkeit:

„Deutschen Kollegen seien von Schülern ‚Schläge angedroht‘ worden. Er habe ‚wirklich Angst vor denen‘. Die Klage des – wirklichen oder vermeintlichen – Ausbilders gipfelt in dem Fazit: ‚Das wird ’ne Zwei-Klassen-Polizei, die korrupt nur sein wird.“ Und: „Das sind keine Kollegen, das ist der Feind. Das ist der Feind in unseren Reihen.“

„Der Feind in unseren Reihen“ sollte eigentlich kein erstrebenswertes Modell sein, doch die Werbung um mehr Migranten im Polizeidienst, gern auch mit Abstrichen bei den Einstellungsvoraussetzungen, ist in Deutschland weiterhin vielerorts politisches Programm. Die Berliner Vorgänge seien eben, wen wundert es, „Einzelfälle“.

Doch jetzt ging es ja um die Bundeswehr. Da wird dann bestimmt im Vorfeld besser überprüft, als bei der Berliner Polizei, denn der „Feind in den eigenen Reihen“ ist auch beim Militär alles andere als erstrebenswert. Wenn schon die Panzer und Schiffe nicht richtig fahren, die Hubschrauber und Flugzeuge nicht richtig fliegen können, dann sollte doch wenigstens in der Mannschaft alles stimmen.

Eine ernste Frage

Aber gibt es nicht auch Vorteile, wenn man nun wirklich unter den vielen, vielen Ausländern, die zu uns gekommen sind, um Rekruten werben würde? Manche der vielen jungen Männer zeigen ja schon tagtäglich ihre Kampfbereitschaft auf deutschen Straßen. Die könnten sie in der Truppe vielleicht sinnvoller einsetzen. Und bei dem einen oder anderen Auslandseinsatz wäre durchaus auch eine heimatnahe Verwendung möglich. Aber das sähe dann wirklich nach einer deutschen Fremdenlegion aus. Dieser hässliche Name ginge gar nicht. Wie wäre es stattdessen mit „Willkommenslegion“?

Aber genug mit solch unernsten Gedanken. Die Idee, die Willkommenskultur auch innerhalb der waffentragenden Vertreter der Staatsmacht und in der Bundeswehr auszurufen, könnte leider am Ende nur allzu ernst gemeint sein. Warum muss man von dem sinnvollen Grundsatz abweichen, dass jemand, der den deutschen Staat vertritt, auch dessen loyaler Bürger sein sollte?

Der Beitrag erschien auch hier auf sichtplatz.de

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Leserpost

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Gabriele Schulze / 23.07.2018

Wieso, da eh alles aufgeweicht wird, inclusive der Staat und seine Hoheit, kann man auch die Landesverteidigung komplett zur Lachnummer machen! Blöd nur, daß der Schuß im übelsten Sinne nach hinten losgehen könnte. Wie er es ja schon bei den Polizeischülern tut. Sind die “da oben” eigentlich wahnsinnig?

Matthias Gerber / 23.07.2018

Ich wäre sehr für eine Fremdenlegion auch in Deutschland, sofern diese sich auch vom Aufbau und der Ausbildung her an der Fremdenlegion orientiert. Allerdings weist die Fremdenlegion über 90% der Bewerber ab, hat eine sehr lange und knallharte Ausbildung, und ist von der ganzen Kultur her deutlich weniger lieb als das THW unter Waffen. Die würden sich verarscht vorkommen, wenn man ihnen im Einsatz regelmäßig verbietet, auf Menschen zu schießen, und die verehren ihre Vorgänger aufs Äußerste. Dass man dort erstmal einen neuen Namen bekommt, und keinen Kontakt mehr zu Familie und Freunden aus dem alten Leben mehr haben darf, ist auch so ein leistungssteigernder psychologischer Faktor, den ich mag. Aus diesen Gründen würde eine Fremdenlegion, die sich am Vorbild orientiert, wahrscheinlich eher nicht die Probleme der Bundeswehr lösen. Diejenigen, aus deren Reihen man rekrutieren will, mögen zwar gewaltaffin sein, aber das Zeug zum Elitesoldaten haben sie nicht.

Richard Löwe / 23.07.2018

Ich bin seit über 30 Jahren Reservist und bei meiner letzten Wehrübung im Ministerium waren alle Offizierskameraden einer Meinung: die BW soll seit Jahrzehnten systematisch zerstört werden. Mit verfassungswidrigen Abschaffung der Werpflicht (alle Liegenschaften sind schnell verhökert worden) durch den Stabsunteroffizier dR Guttenberg war ein großer Schritt getan, mit der Berufung der offensichtlich inkompetenten und Soldaten hassenden (das Sentiment wird intensiv erwidert)  Flintenuschi soll dann das Projekt abgeschlossen werden. Wenn man sich Uschis persönlichen Stab ansieht, weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll.

Burkhart Berthold / 23.07.2018

Nichtdeutsche in deutscher Uniform gab es in früheren Zeiten bereits, und zwar zu Zehntausenden. Ob man sich allerdings gerade daran ein Beispiel nehmen mag? Ernsthaft könnte man natürlich über eine deutsche Fremdenlegion nachdenken. Die französische funktioniert prächtig. Allerdings pflegt die Legion eine Form des Miteinanders, die jedem wackeren Bundesdeutschen die Haare zu Berge stehen lässt - aber aus den vielen Verschiedenen eine Einheit macht. Die Bw wird eher in Richtung von “Massen-Inklusion”  denken,  wenn man das Anstellen solcher Überlegen als “denken” bezeichnen möchte. Die Inklusion einzelner Soldaten mit Migrationshintergrund hatte zwar in der “alten Bw” gut funktioniert, ich kenne zahlreiche Einzelfälle aus eigener Erfahrung. Wenn aber die Bw im großen Stil mit nichtdeutschen Soldaten aufgefüllt würde, gäbe es einen gewaltigen Verhau, weil die Bw eben nicht in der Lage wäre, aus den vielen Verschiedenen eine Einheit zu machen. Wo aber die Soldaten nicht zusammenhalten, da kämpfen sie auch nicht. Nein, die Deutschen werden sich schon selbst verteidigen müssen. Wenn sie das nicht mehr wollen - Pech für die Kuh Elsa.

Rolf Menzen / 23.07.2018

Erinnert an die Zeit der Mamelucken und ähnlicher Militärsklaven. Irgendwann haben die dann selber die Macht übernommen.

Frank Box / 23.07.2018

“Eine deutsche Fremdenlegion nach französichem Vorbild”? - Eine super Idee! Haben wir hier doch tausende junge, gesunde Moslems zwischen 20 und 30, die sich in unseren Innenstädten langweilen. Warum geben wir ihnen nicht eine sinnvolle Aufgabe am “Hindukusch”? Die sind doch alle bestens geeignet um in islamischen Ländern unsere “Sicherheit” “zu verteidigen” - oder?

Klaus Dodel / 23.07.2018

@Mike Scholz Warum schlechter Scherz? Eine Armee kann man nicht mit Sicherheitskräften vergleichen die für Inneres zuständig sind. Zumindest dann nicht wenn man unser Grundgesetz zugrunde legt. Den Gedanken mit der Fremdenlegion finde ich nicht verkehrt. Ja, es könnte sogar eine Lösung für Integration sein. Hat man in jüngerer Zeit gehört daß ein ehemaliger Legionär in Frankreich ein politisch motiviertes Attentat verübt hat? Wer dort im wahrsten Sinne überleben möchte muß sich integrieren. Das hat Tradition und sich bestens bewährt. Natürlich ist mir bewußt daß eine Legion nach französischen Vorbild gegen alle Prinzipien der Gutmenschen in Deutschland verstößt. Vielleicht sogar gegen das Grundgesetz.  Aber soll uns das daran hindern den gesunden Menschenverstand zu nutzen? Frankreich kann mit der Legion bestens leben. Sie hat sich bewährt. Selbst die Prügelstrafe (gibt es offiziell in der Légion étrangère nicht mehr) und andere Zwangsmaßnahmen schreckten keine Bewerber ab. Es gab und gibt mehr Bewerber als freie Stellen. Um auf ihre „Schneeflöckchen“ zurückzukommen. Mir, als ehemaliger Offizier (der Reserve), würde es im sog. V-Fall immer leichter fallen einen Söldner in den sicheren Tod zu schicken als Wehrpflichtige bzw. unfreiwillig Rekrutierte.

Mike Scholz / 23.07.2018

Statt im Zweifel die Wehrpflicht wieder einzuführen, wird -trotz oder gerade wegen? -  der Erfahrung zb. bei der Polizei, ernsthaft überlegt, ob Ausländische Staatsbürger die Freiheit und Demokratie des deutschen Volkes verteidigen. Schlechter Scherz oder? Wohl eher werden die Teilnehmer eines zukünftigen inneren Konfliktes an schweren Waffen ausgebildet, während die meisten “Schneeflöckchen” hier nicht mal in der Lage sind, einen G3 Magazin- Wechsel unverletzt hinzubekommen. Wer sich nicht verteidigen kann, oder will, wird wohl früher oder später auf seine Freiheit verzichten müssen. Ein Zufall?

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