In München versammelten sich die politischen Führungen der westlichen Staaten, um über Krieg, Abschreckung und die Zukunft der internationalen Ordnung zu beraten. Offiziell ging es um Waffen, Sanktionen und Bündnistreue. Tatsächlich kreisten die Gespräche um eine stillschweigende Voraussetzung: die Dauer des Krieges hängt nicht nur von militärischen Kräfteverhältnissen ab, sondern von der politischen Zeit in Moskau. Eine russische Delegation war nicht eingeladen. Gerade diese Abwesenheit bestimmte den Rahmen der Gespräche stärker als jede gehaltene Rede.
Uneinigkeit besteht weiterhin darüber, ob und wann eine diplomatische Verständigung möglich ist. Washington und Paris halten eine Übereinkunft für den einzigen Weg, den Krieg zu beenden; andere, darunter Berlin, gehen davon aus, Moskau werde erst unter militärischem und wirtschaftlichem Druck verhandeln. Ähnlich äußerte sich Wolodymyr Selenskyj. Er wies Gebietsabtretungen im Donbass zurück und verwies auf Putins fortgeschrittenes Alter. Gegenüber dem Portal „Politico“ wurde der ukrainische Präsident konkreter: „Glauben Sie mir: Das ist wichtig. Putin hat nicht mehr viel Zeit.“
Damit verschiebt sich die Perspektive. Die Frage lautet nicht mehr nur, ob Russland verhandeln will, sondern ob der politische Adressat eines möglichen Abkommens derselbe bleiben wird. Wie lange wird Putin, der in diesem Jahr 74 Jahre alt wird, noch im Amt bleiben – und wer könnte ihm eines Tages folgen? Für die Unterstützer der Ukraine, deren Abwehrkampf gegen den russischen Angriff bald ins fünfte Jahr geht, entscheidet sich daran, ob der Krieg als Konflikt mit einem Staat oder mit einer bestimmten Form von Herrschaft verstanden werden muss.
Laufbahn nach vertrautem Muster
Die Suche nach einem möglichen Nachfolger gehört seit Jahren zu den festen Routinen politischer Beobachtung. Diplomaten, Nachrichtendienste und Kommentatoren verfolgen Karrieren im Kreml wie Vorboten eines künftigen Machtwechsels. Dahinter steht eine einfache Annahme: Selbst personalistische Systeme müssen Kontinuität organisieren. Üblicherweise zeigt sich daher früh ein politischer Schwerpunkt unterhalb des Herrschers – eine Figur, die Kompetenzen bündelt, ein eigenes Netzwerk aufbaut und zwischen konkurrierenden Machtgruppen vermittelt. Die russische Entwicklung scheint diese Erwartung zunächst zu bestätigen, um sie im nächsten Schritt zu unterlaufen.
Der sichtbarste Kandidat dieser Erwartung war Alexei Djumin. Seine Laufbahn folgt einem vertrauten Muster: persönlicher Sicherheitsdienst des Präsidenten, militärische Verantwortung als General der Spezialkräfte, Gouverneur der Oblast Tula, schließlich Rückkehr in den Machtkern als stellvertretender Verteidigungsminister. In vergleichbaren Systemen mündet eine solche Karriere in die Kontrolle eines Ministeriums, einer Armee oder eines Sicherheitsdienstes – in jedem Fall in eine eigenständige Machtbasis. Djumin erhielt jedoch keinen solchen Apparat. Stattdessen wurde er Sekretär des Staatsrates und zugleich Präsidialberater. Der Staatsrat koordiniert Politikfelder, entscheidet aber nicht selbstständig; Djumin organisiert Abläufe, während strategische Entscheidungen beim Präsidenten verbleiben.
Der scheinbar logischste Nachfolger wird damit zum Koordinator ohne eigenes Machtzentrum. Diese Konstruktion ließe sich erklären, wenn andere Institutionen an Gewicht gewönnen. Doch zeitgleich verlor der Sicherheitsrat an Einfluss. Das Gremium, lange ein Ort strategischer Festlegung, wurde zunehmend repräsentativ tätig, während Koordinationsfunktionen auf andere Strukturen übergingen. Gleichzeitig wurde der Staatsrat in ein System zahlreicher Kommissionen überführt, getragen von Regionalgouverneuren. Macht verschiebt sich damit nicht von Person zu Institution, sondern von Institution zu Netzwerk. Entscheidungen entstehen aus dem Zusammenführen mehrerer Zuständigkeiten, deren Schnittpunkt wiederum die Präsidialebene bleibt.
Kinder, Verwandte oder enge Vertraute bestehender Machtträger
Ein Nachfolger könnte sich dennoch aus der Regierung entwickeln. In vielen politischen Ordnungen bildet das Kabinett den Übergangspunkt, weil dort Verwaltungskompetenz und institutionelle Autorität zusammenfallen. Die russische Regierung entwickelt jedoch kein eigenes politisches Gewicht. Programme werden über parallele Aufsichtsgremien gesteuert, Zuständigkeiten überlagern sich, mehrere Koordinatoren kontrollieren denselben Bereich. Minister können Maßnahmen umsetzen, aber keine politische Richtung etablieren. Die Position, aus der ein Regierungsnachfolger entstehen könnte, bleibt organisatorisch bestehen und politisch leer.
Ein weiterer Übergangspfad wäre eine dynastische oder patronale Linie. Tatsächlich rückt eine jüngere Generation nach, häufig Kinder, Verwandte oder enge Vertraute bestehender Machtträger. Doch diese Form der Vererbung erzeugt keine konkurrierenden Linien. Die neuen Akteure erhalten Positionen, aber keine unabhängigen Unterstützer. Sie können Einfluss ausüben, aber keine Macht bündeln.
Die Behandlung Dmitri Patruschews verdeutlicht dies. Eine mögliche Ernennung zum Regierungschef hätte ihn automatisch in eine verfassungsrechtliche Nachfolgerposition gebracht. Stattdessen erhielt er lediglich einen stellvertretenden Posten. Damit verschwand nicht der Kandidat, sondern die institutionelle Funktion, aus der Nachfolge hätte entstehen können.
Bleibt der Sicherheitsapparat. In vielen autoritären Staaten garantiert er Kontinuität, weil er organisatorische Geschlossenheit besitzt. Die russische Entwicklung verläuft entgegengesetzt. Führungsrollen werden verteilt, Kompetenzen überlagert, mehrere Koordinatoren überwachen denselben Bereich. Sicherheit bleibt zentral, aber ohne Zentrum unterhalb der Spitze. Ein Machtwechsel könnte hier nicht entstehen, weil keine Einheit existiert, die ihn tragen könnte.
Keinen echten Nachfolger, sondern einen Kreis möglicher Kandidaten
Auch wirtschaftliche Netzwerke könnten eine Übergangsrolle spielen. Häufig bündeln wirtschaftliche Gruppen Einfluss, wenn politische Autorität schwächer wird. In Russland werden wirtschaftliche Ressourcen jedoch zunehmend an persönliche Loyalität gebunden, unter anderem durch Vermögensverschiebungen innerhalb der Elite. Wirtschaftliche Stärke bleibt bestehen, politische Selbständigkeit verschwindet.
Parallel verändert sich die Rekrutierung politischer Führung. Programme zur Auswahl junger Funktionsträger ersetzen traditionelle Karrierewege. Militärveteranen, Technokraten und Verwaltungsabsolventen gelangen über zentral gesteuerte Verfahren in Führungspositionen. Aufstieg erfolgt über Auswahl, nicht über Gefolgschaft. Verwaltung entsteht, Gefolgschaft nicht. Wie die Politologen Wladimir Pastuchow und Nikolai Petrow formulieren, liegt der Wert solcher Aufsteiger gerade darin, „dass sie keiner eigenständigen Machtinstitution angehören und ausschließlich dem Zentrum loyal sind“.
Diese institutionellen Veränderungen gehen mit einer Verschiebung der Zeitstruktur einher. Strategische Programme reichen weit über den üblichen politischen Zyklus hinaus. Regierung organisiert Gegenwart, während die Spitze Zukunft interpretiert. Ein Machtwechsel wäre ein Ereignis; die Planung richtet sich auf Dauer.
Die einzelnen Beobachtungen folgen derselben Logik. Jeder klassische Nachfolgepfad bleibt formal bestehen, wird aber funktional entleert: Militär ohne Block, Regierung ohne Autorität, Familie ohne Unabhängigkeit, Wirtschaft ohne Autonomie. Die Struktur verhindert nicht einzelne Kandidaten, sondern die Voraussetzungen jeder Kandidatur. Pastuchow und Petrow sprechen deshalb von einem Übergangsmodell, das „keinen echten Nachfolger vorsieht, sondern einen Kreis möglicher Kandidaten erzeugt, der den politischen Hintergrund bildet“.
Das System erzeugt Verantwortung, aber keine Macht
Ein Nachfolger benötigte institutionelle Stellung, Unterstützer und Vermittlungsfähigkeit zwischen Eliten. Keine Figur vereint diese Elemente. Djumin besitzt Zugang ohne Netzwerk, Technokraten besitzen Ämter ohne Gefolgschaft, politische Familien besitzen Beziehungen ohne entscheidende Stellung. Das System erzeugt Verantwortung, aber keine Macht.
Verbindungen bestehen quer durch das System, ihre Vermittlung erfolgt jedoch über das Zentrum; ohne dieses zerfallen sie. Der Präsident fungiert damit nicht nur als oberster Entscheider, sondern als strukturelle Verbindung zwischen Entscheidern. Ohne diese Funktion bleiben Gruppen bestehen, aber keine Ordnung.
Damit verändert sich die Bedeutung der Ausgangsfrage. Ein Nachfolger würde voraussetzen, dass unterhalb der Spitze eine Position existiert, die Macht bündeln kann. Genau diese Position wird systematisch verhindert. Stabilität entsteht nicht trotz fehlender Nachfolge, sondern durch deren Ausschluss. Djumin verkörpert diese Konstruktion: Er ist nahe genug, um das System zu betreiben, aber nicht frei genug, um es zu übernehmen. Seine Rolle beantwortet nicht die Frage, wer folgen wird, sondern warum die Rolle eines Folgenden in dieser Ordnung nicht vorgesehen ist. Entscheidend ist, dass der Aufstieg einzelner Akteure innerhalb der russischen Elite vor allem der Reproduktion der Nomenklatura dient, ohne in eine Strategie eingebettet zu sein, die einen Machtübergang vorbereitet.
Diese Logik zeigt sich auch im Generationswechsel der Elite. Der Aufstieg jüngerer Funktionsträger bedeutet keinen Übergang der Macht, sondern ihre Absicherung. Mikhail Zygar beschreibt, dass Putin ältere Weggefährten schrittweise ersetzt, sich zugleich jedoch als unersetzlich versteht und eine jüngere Generation heranzieht, die sein politisches Erbe fortführen soll. Der Nachwuchs tritt damit nicht als Alternative auf, sondern als Verlängerung: Er stabilisiert die bestehende Ordnung, ohne je die Position einzunehmen, aus der sie neu begründet werden könnte.
Keiner Person jenseits der Macht-Vertikale überlebte diesen Status
Diese Konstellation macht verständlich, weshalb die Nachfolgefrage in personalisierten Herrschaftssystemen regelmäßig ins Leere läuft. Herfried Münkler beschreibt Diktaturen als den Versuch, politische Konflikte durch Entscheidung zu ersetzen: Verfahren werden verkürzt, Aushandlung durch Autorität ersetzt. Stabilität entsteht so nicht aus Institutionen, sondern aus der fortdauernden Präsenz einer Person. Gerade darin liegt ihre Grenze. „Mit der Tyrannis lässt sich auf Dauer kein Staat machen“, schreibt Münkler – nicht, weil sie keine Ordnung hervorbringt, sondern weil sie keine Form entwickelt, in der diese Ordnung ohne ihren Träger fortbestehen kann.
Die russische Konstellation erscheint damit weniger als Sonderfall, denn als konsequente Ausprägung dieses Prinzips. Je erfolgreicher die Politik auf eine Instanz konzentriert wird, desto schwieriger wird ihre Übertragung. Die Frage nach einem Nachfolger bleibt daher offen, weil sie auf eine Position zielt, die im System selbst gar nicht mehr vorgesehen ist.
Wie aber reagierte das System auf Personen, die zu politischen Bezugspunkten jenseits der Machtvertikale werden konnten? Diese Frage besitzt analytisches Gewicht, weil sie zeigt, wie wenig differenziert das Regime auf unterschiedliche Herausforderungen reagiert. Der Umgang mit Boris Nemzow, Jewgeni Prigoschin und Alexej Nawalnyj verdeutlicht dies. Herkunft, Einfluss und Strategie dieser Figuren unterschieden sich grundlegend – der liberale Oppositionspolitiker, der militärische Unternehmer, der Antikorruptionsaktivist. Gemeinsam war ihnen allein, dass sie Loyalitäten außerhalb des Zentrums bündeln konnten. Keiner überlebte diesen Status. Die Reaktion galt daher weniger ihren konkreten Handlungen als der strukturellen Gefahr, die sie verkörperten: der Möglichkeit, zu alternativen Bezugspunkten politischer Orientierung zu werden.
Nemzow, Navalny, Prigoschin
Boris Nemzow stand für die klassische politische Opposition der 1990er-Jahre: ehemaliger Vizepremier, liberaler Reformer und Kritiker der außen- wie innenpolitischen Entwicklung Russlands. Er verkörperte die Möglichkeit einer politischen Alternative innerhalb des staatlichen Rahmens – die Rückkehr zur Konkurrenz politischer Programme. 2015 wurde er wenige Schritte vom Kreml entfernt erschossen. Der Ort machte die Botschaft deutlicher als jedes Motiv: Entscheidend war nicht die einzelne Kritik, sondern ihre öffentliche Anschlussfähigkeit.
Alexej Nawalnyj repräsentierte einen anderen Typ Herausforderung. Er trat nicht als Vertreter eines alten politischen Lagers auf, sondern als Mobilisator gesellschaftlicher Legitimität. Seine Antikorruptionsrecherchen zielten weniger auf Ideologie als auf moralische Autorität; sie schufen eine Beziehung zwischen Führung und Bevölkerung, die nicht über staatliche Institutionen lief. Nach einem Giftanschlag überlebte er zunächst, kehrte nach Russland zurück, wurde inhaftiert und starb schließlich in Haft. Sein Tod bestätigte damit eine Vermutung, die das System bereits zuvor nahegelegt hatte. Mit ihm verschwand nicht nur eine Stimme, sondern ein möglicher Bezugspunkt politischer Loyalität.
Jewgeni Prigoschin wiederum stellte keine oppositionelle Öffentlichkeit dar, sondern ein Machtzentrum eigener Art. Als Unternehmer militärischer Gewalt verfügte er über reale Gefolgschaft und organisatorische Ressourcen. Sein kurzer Aufstand richtete sich weniger gegen das System als gegen dessen Hierarchie – und zeigte damit, dass Macht auch außerhalb der staatlichen Struktur gebündelt werden konnte. Wenige Wochen später kam er bei einem Flugzeugabsturz ums Leben, die ihm gegenüber loyale Gruppe Wagner wurde in andere Formationen integriert.
Systeme ohne Nachfolge kennen daher keinen geordneten Wandel
Die drei Fälle unterscheiden sich vollständig in Ideologie, sozialer Basis und Handlungsspielraum: politisches Programm, gesellschaftliche Mobilisierung, militärische Gefolgschaft. Gleich ist allein das Ergebnis. Entfernt wurde jeweils nicht eine konkrete Handlung, sondern die Möglichkeit, dass sich außerhalb des Zentrums dauerhafte Loyalität bildet. Die Reaktion folgte keiner politischen Logik im engeren Sinn, sondern einer strukturellen: Wo ein alternativer Bezugspunkt entstehen konnte, endete seine Existenz.
Dennoch liegt gerade darin eine historische Erfahrung personalisierter Herrschaft. Auch in der späten Stalinzeit existierte kein vorgesehener Nachfolger; Rivalen waren ausgeschaltet, Institutionen entleert. Der Übergang entstand erst im Moment des Wegfalls der Spitze – nicht vorbereitet, sondern erzwungen. Mit Nikita Chruschtschow setzte sich kein designierter Erbe durch, sondern derjenige, der innerhalb der bestehenden Strukturen Handlungsspielraum gewann. Systeme ohne Nachfolge kennen daher keinen geordneten Wandel. Aber sie kennen den Punkt, an dem Wandel unvermeidlich wird – die Voraussetzung für einen politischen Neubeginn nach Putin.
@Michael Scheffler, „Russland war zu Corona-Zeiten viel liberaler aufgestellt als Deutschland.“ —
Ganz genau! Gab’s da nicht sogar ein Lied von Pussy Riot?
@Ilona Grimm, „Was wird aus diesem einst so schönen und l(i)ebenswerten Land und den Resten seines Wohlstands und seiner Potentiale?“ —
Jetzt mal ernsthaft: Wann soll das gewesen sein? In den 80er Jahren wurde das Ende der fetten Jahre bereits in der Schule vermittelt, zumindest in Bayern. Und dabei kam Norbert „dierenteistsicher“ Blüm noch nicht mal aus Bayern, iirc.
„Das System ist so angelegt, dass sich kein potenzieller Putin-Nachfolger in Position bringen kann…“ Wieso? Putins Bluthund Medwedew durfte als MP doch schon mal 8 Jahre üben.
@A. Ostrovsky, „Da sind Sie mit der Erkenntnis, dass wir Uran vielleicht gar nicht im Überfluss haben (…) vielleicht näher an der Wahrheit, …“
Der hier kürzlich so diffamierte ‚Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages‘ — und machen wir uns nix vor, das sind auch nur Menschen, die ihre Infos aus Studien, Wikipedia, Google und bald vielleicht KI-Chatbots beziehen — hat 2006 in WF VIII G – 069/06 „Uran als Kernbrennstoff: Vorräte und Reichweite“ auf bundestag_de veröffentlicht. Im Kapitel „3.2. Reserven und Ressourcen“ zitierten sie die damalige Einschätzung der NEA/IAEA 2004 in Tabelle 1. Die Spannbreite betrug 25 Jahre bis 166 Jahre, wobei unterschieden wurde nach A) „hinreichend gesicherte Vorräte“ – „plus geschätzte zusätzliche Vorräte“ – „plus spekulative Vorräte“ sowie B) „zum gegenwärtig wirtschaftlich abbaubarem Marktpreis 40$/kg“ – „zum wirtschaftlich abbaubarem Marktpreis von max. 130$/kg“. Bei Annahme des kleinsten Werts (25 Jahre, also bis 2029) würde kein vernünftiger Investor jetzt (2026) in neue Atomkraftwerke investieren, außer er spekuliert auf staatliche Subventionen, die er irgendwie „anders“ kanalisieren kann. Andererseits, 166 Jahre kann (wirtschaftlich) schon Sinn machen. Und letztendlich ist der jährlich erscheinende Bericht des NEA/IAEA auch nur die jeweilige Momentaufnahme.
Kalkar ist heute ein Freizeitpark, der nicht gesprengte Kühlturm eine Kletterwand. Glückwunsch: 7 Mrd. DM investiert, 5 Mio. DM erwirtschaftet.
So, das sind also jetzt die letzten Patronen des Qualitätsjournalismus: Wenn Putin stürbe, wäre alles gut.
Und das ist auch noch gelogen.
Gut beobachtet. Systeme, die auf eine ganz bestimmte Führungsfigur ausgelegt sind, haben die geplante Obsoleszenz eingebaut und wandeln sich nach dem Ableben der Identifikationsfigur häufig in etwas anderes.
Manchmal geht das direkt, manchmal braucht es zwei, drei Generationen bis der Wandel da ist. Geht auch anders: Indem das System nicht auf eine ganz bestimmte Person geeicht wird, sondern auf ihre repräsentative Funktion für das Land, die die jeweils als Führungsperson tätige Person dann korrekt ausführen muss. Einfach gesagt: Man muss als Staatenlenker dazu befähigt sein. Wie bekommt man das hin? Indem man nach qualifizierten Nachfolgern sucht, oder sie sogar extra heranzieht.
Da wären wir dann bei der Elitenbildung. Dummerweise kann man das Wort „Elite“ mal so oder so verstehen. Und wenn man nicht aufpasst, hat man am Ende keine Elite die ein Volk führen kann, sondern einen Haufen moralisch verkrüppelter Systemlinge, die vom Apparat monetär gepämpert, permanent kontrolliert und erpresst werden. Nein, ich meine jetzt nicht Russland. Aber die USA sind für Elitenbildung kein Vorbild, sondern eher Abschreckung. Vor ewigen Zeiten, als die Menschen bei uns noch in Zelten hausten, gaben die Stammesältesten ihr über ihr langes Leben erlangtes Wissen an den Nachwuchs weiter, der dann aus genau dieser weitergegebenen Erfahrung seine Führungsfähigkeiten entwickeln konnte. Da muss es wieder hingehen.
In den USA haben wir das nicht und in Russland auch nicht. Da geht es mehr darum, natürlich erlangtes Wissen und die Nachfolge bestehender Führungsstrukturen möglichst zu verhindern, weil das als Konkurrenz bzw. Gefahr für die bestehenden Machtverhältnisse gesehen wird.
Im Endeffekt ist das ein Folge des Kalten Krieges, in der die Obrigkeit ihre Macht permenant absichern musste, um nicht von U-Booten im Apparat weggeputscht zu werden. Dieses System existiert immer noch. Und dummerweise auch in Deutschland.
Herr Schmidt, ein wenig Geschichtskenntnis wäre so schlecht nicht. Stalin hat so um die 30 Millionen Menschen umgebracht (Putin auch?). Übrigens unter tätiger Mithilfe diverser ukrainischer Kommunisten. Wie Hitler ukrainische Juden umbrachte, dieser wiederum unter Mithilfe von Bandera, der sich zum Lohn dafür nach dem WK II in München niederlassen durfte. Und Chruschtschow hat seine Raketen auf Kuba stationiert, weil die USA Jupiter-Raketen in der Türkei stationiert hatten. Diese wurden nach der Kuba-Krise abgezogen. Chruschtschow hatte seinen Deal.