Gastautor / 24.03.2019 / 14:00 / 14 / Seite ausdrucken

Eine Streitschrift über den Nationalismus

Von Florian Albrecht.

Welt Online berichtete, dass der deutsche Bundespräsident anlässlich einer Neujahrsansprache vor einem wiedererstarkenden Nationalismus gewarnt hat. Dieser sei ein „ideologisches Gift“, das in Europa aus historischen Gründen („unserer blutigen Geschichte“) bekämpft werden müsse. Auch der dienstälteste Abgeordnete des EU-Parlaments, Elmar Brok von der konservativen EVP-Fraktion, behauptet im Interview mit Zeit Online , Nationalismus könne zu Krieg führen. Bestehende Probleme bedürften einer europäischen Lösung.

Mit „The Virtue of Nationalism“ mahnt Yoram Hazony all jene zur Vorsicht, die unreflektiert solchen Positionen zustimmen wollen. Imperialistischen Tendenzen, etwa dem europäischen Anspruch auf moralische Überlegenheit, tritt er gar entschlossen entgegen.

Zunächst sorgt der Autor für ein sachgerechtes Begriffsverständnis. Er erläutert eingehend, dass zwingend zwischen Nationalismus und Imperialismus unterschieden werden muss. Während sich Nationalisten zuvorderst um die Angelegenheiten ihrer eigenen Länder bemühen, die frei und unabhängig bleiben sollen, geht es den Imperialisten primär darum, dass – wenn möglich – die gesamte Menschheit zu ihrem vermeintlich eigenen Wohle unter einem einzigen politischen Regime vereint wird.

Dieses politische Regime kann dabei durchaus auch eine zwischenstaatliche Institution, beispielsweise die Europäischen Union, sein. Das nationalsozialistische Regime, auf das Steinmeier und Brok mit den vorstehenden Positionen Bezug nehmen, war damit keineswegs ein nationalistisches, sondern vielmehr ein imperialistisches. Gedenken wir insofern nur dem geltend gemachten Anspruch „heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt“.

Der Nationalstaat und die durch brüderlichen Zusammenhalt miteinander verbundenen Angehörigen einer Nation sind, so Hazony weiter, die profundesten Garanten für Rechtstaatlichkeit, Frieden und Freiheit. Denn unter diesen allein gilt, dass soziale Normen vollständig verstanden und umfassend gelebt werden. Abweichende Normverständnisse, wie sie beispielsweise durch eine ungeregelte Migration befördert werden, führen hingegen zwangsläufig zu Rechtsbruch, Kriminalität und letztendlich auch in das Chaos. Als Vorstufe ist in diesem Zusammenhang der Sicherheitsstaat auszumachen, der in multikulturellen Gesellschaften errichtet werden muss, damit das, was von sich aus nicht mehr miteinander verwoben ist, gewaltsam zusammengehalten wird.

Globalisierung ist Imperialismus

Gleichzeitig steht der Nationalismus für äußerste Toleranz gegenüber Andersdenkenden, deren Lebensstil nicht, auch nicht auf der Grundlage einer möglichen moralischen Überlegenheit, in Frage gestellt wird. In diesem Zusammenhang betont der Autor vorsorglich, dass er die Nation keineswegs als rassisches oder biologisches Konstrukt verstanden wissen möchte, sondern vielmehr als eine Konzeption von Bürgern, die miteinander durch ein gemeinsames Verständnis ihrer Geschichte, ihrer gemeinsamen Sprache, Rituale und Religion verbunden sind, welche von den Eltern zu den Kindern weitergegeben werden. Die Nation ist demnach auch für zunächst Fremde aufnahmefähig, sofern diese einen unbedingten Integrationswillen aufweisen. Die Aufnahme von Personen, die nicht integrationswillig oder integrationsfähig sind, muss hingegen zwangsläufig dazu führen, dass erforderliche Bindungen verloren gehen. Sie führt folglich zu einer Erosion des Staatswesens.

Mit den sozialen Bindungen geht also die Stärke und die Beständigkeit eines Gemeinwesens verloren, das auf die Identifikation der Bürger mit seinen Zielen und Interessen angewiesen ist. Als besonders schwache Staatsform kann dann oftmals eine Gemeinschaft ausgemacht werden, die beispielsweise durch finanzielle Anreize, wie sie etwa in sozialstaatlichen Segnungen zu sehen sind, zusammengehalten wird. Solche Staaten können nicht von Dauer sein. Der Grundstein für einen erfolgreichen Staat sind hingegen starke Bindungen, wie sie etwa in Familien vorkommen, die über Jahrzehnte hinweg gegenseitige Loyalität entwickelt haben („[they] are the bedrock of all political order“).

So wie Eltern ihre Kinder als Teil von sich selbst sehen, so soll der Staatsbürger sich auch gegenüber seiner Nation verpflichtet fühlen. Dies kann zwangsläufig nur im Nationalstaat gelingen. Der auf starken sozialen Bindungen beruhende Nationalstaat ist dabei nicht nur der Grundstein eines gesunden und beständigen Staatswesens, sondern auch die Voraussetzung für einen fairen Wettbewerb unter freien unabhängigen Nationen. Der Nationalismus wird in diesem Zusammenhang als Voraussetzung für Experimente, Innovationen und den Fortschritt der Menschheit insgesamt beschrieben.

Mit dem Nationalsozialismus befasst sich der Autor, der auch President of The Herzl Institute in Jerusalem ist, eingehend. Er stellt insoweit fest, dass es diesem vor allem darum ging, die Unabhängigkeit und Selbstbestimmung der Völker von Europa und letztendlich wohl auch weltweit zu beseitigen. Adolf Hitler strebte mithin ein „universal empire“ an. Nicht der (deutsche) Nationalismus ist es demnach also, der Anlass zur Sorge geben sollte, sondern vielmehr der Universalismus und der Imperialismus, die ein vereintes Europa unter deutscher Führung errichten wollten. Parallelen mit aktuellen Entwicklungen werden insoweit aufgezeigt. Genannt werden in diesem Zusammenhang insbesondere aktuelle europäische Entwicklungen. Hazony rechnet den Glauben, es gäbe eine Menschheit, der nur eine globalisierte Welt oder eine „Union“ das Heil bringen kann, maßgeblich den imperialistischen Strömungen zu.

So muss etwa der lediglich in der Theorie edle Gedanke, es gäbe nur eine „vereinte Menschheit“, wie er etwa von Anhängern des moralischen Universalismus (siehe hierzu Lothar Fritze, „Kritik des moralischen Universalismus“, 2017) vertreten wird, zur Spaltung und zu Konflikten führen. Schließlich kann es in solchen Gedankenwelten nur Anhänger der eigenen Ideologie einerseits und Außenseiter andererseits geben. Diese Außenseiter sind dann selbstverständlich besonders verachtenswert, weil sie sich mit ihren nationalistischen Bestrebungen gegen das Wohl der Menschheit insgesamt stellen. Folglich müssen sie von den Imperialisten bekämpft werden. Diesbezüglich verweist Hazony etwa auf osteuropäische Staaten der Europäischen Union, die nun gegen ihren erklärten Willen gezwungen werden sollen, Migranten aus fernen Ländern aufzunehmen, zu welchem Zwecke ihnen insbesondere auch moralische Vorhalte gemacht werden.

Nationalismus als Lehre aus Weltkriegen

Die aktuellen Entwicklungen der Europäischen Union werden insgesamt als imperialistisch und mithin auch gefahrenreich bezeichnet. Zunehmend, so stellt Hazony fest, erhebt diese Ansprüche auf „Uniformität“ der in ihr zusammengeschlossenen Nationen sowie auf eine Art Erleuchtungslehre („the Enlightenment doctrine of a universal reason, wich dictates a single evident political truth for all mankind“), der alle zu folgen haben, wenn sie sich nicht zum Außenseiter machen wollen, der dann eben gemaßregelt werden muss. Weil ein Imperium einen Anspruch auf moralische Überlegenheit erheben muss, um seine Expansionsbestrebungen rechtfertigen zu können, ist es besonders wichtig, dass abweichende Meinungen und Ansichten unterdrückt und als falsch gebrandmarkt werden.

Israel hingegen, so stellt es Hazony dar, folgt weitestgehend dem Vorbild des von dem Autor präferierten Nationalstaates. Folglich begibt sich der Staat per se in einen Konflikt mit imperialistischen Regimen und muss, angesichts deren behaupteter moralischer Überlegenheit und deren Anspruch, der Heilsbringer der Menschheit zu sein, deren Kritik auf sich ziehen. Der Autor wirft in diesem Kontext die Frage auf, weswegen sich diese oftmals stark ausgeprägte Abneigung nicht auch gegen arabische oder afrikanische Staaten richtet, zumal dort oftmals Gräueltaten begangen werden, die hinsichtlich ihrer Tragweite diejenigen Maßnahmen bei weitem übertreffen, die Israel zum Schutze seiner nationalen Interessen ergreifen muss. Maßgeblich sei insoweit, dass solche Staaten, nach westlichem Verständnis, noch nicht moralisch ausgereift sind. Kriege und Gräueltaten werden daher als notwendiges Durchlaufstadium angesehen. Dem Kind muss man also seine Entwicklung lassen, wohingegen es Israel – als Erwachsener –besser wissen müsste.

Im Ergebnis ist der Nationalismus nach Hazony die alleinige richtige Lehre, die man aus Weltkriegen und der Zeit des Nationalsozialismus ziehen sollte. Nach dem von ihm vertretenen Verständnis ist der Nationalstaat die beste Staatsform, die, weil sie keinen universellen Geltungsanspruch erhebt, Frieden und Freiheit weitestgehend ermöglicht. Imperialistische Positionen, wie sie hingegen beispielsweise auch von der Europäischen Union vertreten werden, müssen hingegen zwangsläufig Hass und Konflikte nach sich ziehen, weil es immer Menschen und Völker geben wird, die den regelmäßig in diesem Zusammenhang vertretenen und moralisch aufgeladenen Positionen nicht folgen wollen.

Nicht unterschlagen wird dabei allerdings, dass auch der Nationalstaat zu kriegerischen Handlungen neigt, nämlich dann, wenn seine Unabhängigkeit oder seine Freiheit bedroht sind. Anders als bei kriegerischen Akten eines Imperiums sind solche Aktivitäten aber auf enge regionale Ereignisse beschränkt. Abenteuer- oder Eroberungsfeldzüge lehnt der Nationalstaat hingegen ab. Gegenüber dem Imperialismus beziehungsweise dem in ihm zum Ausdruck kommenden moralischen Universalismus verkörpert folglich der Nationalismus geradezu eine Tugend, die auf Toleranz beruht und alternative Wahrheiten und Lebensweisen zulässt.

„The Virtue of Nationalism” ist eine Streitschrift, die politisch interessierte Menschen unbedingt gelesen haben sollten. Diese ermöglicht einerseits ein tieferes Verständnis über die Entstehung des Staatswesens an sich und liefert andererseits einen wichtigen Beitrag zur Bewertung der nicht unproblematischen aktuellen europäischen Einigungsbestrebungen. Darüber hinaus ist das Werk ein wertvoller Leitfaden für die Ausgestaltung eines erfolgreichen Gemeinwesens, das durch übermäßige Zuwanderung und gescheiterte Integration zugrunde gerichtet werden kann.

Florian Albrecht ist Hochschullehrer und juristischer Berater. Er publiziert regelmäßig zu Themen mit Bezug zu Freiheitsrechten und Demokratie. Der Beitrag wurde nicht in dienstlicher Funktion verfasst.

Yoram Hazony: „The Virtue of Nationalism”, Basic Books, New York 2018, 304 Seiten, ISBN-13: 978-1541645370, 23,76 €. Hier bestellbar.

Foto: Pixabay

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Rolf Menzen / 24.03.2019

Unsere Moralimperialisten teilen die Menschen ein in Gläubige und Ungläubige. Warum kommt mir das nur so bekannt vor?

Ester Burke / 24.03.2019

Der Mensch ist verwandelte Erde. Das Land mit seinen biologischen-topografischen- klimatischen Bedingungen ermöglicht - auch- menschliches Leben :  in der Bearbeitung, Kultivierung, Pflege des Bodens entstehen/entstanden die Güter, die zum Leben erforderlich sind ,entstand Kultur. Durch die selben Prozesse wird das Lend gestaltet und verändert - ein wechselsetiger Prozess , der beide Seiten betrifft .  Wenn Menschen in ihrem Charakter, ihren Persönlichkeitsmerkmalen über viele Generationen, Jahrhunderte durch bestimmte vorgefundene Lebensbedingungen geformt und geprägt wurden - aus dem Land hervorgebracht wurden, wie sie auch das Land ihrerseits verändert und gestaltet haben - wie kann dann irgendjemand behaupten : das Recht auf Staatsangehörigkeit hier hat, wer auch immer gerade da ist ??  “Was du ererbt von deinen Vätern hast ...” ??

Andreas Hofer / 24.03.2019

Die “verspätete” Nation Deutschland leidet wohl unter sich selbst. Die “transnationalen” Bestrebungen liefern ja immer mehr Widersprüche und es könnte diesmal besser ausgehen, weil die “anderen” Nationen keine Lust haben, auf diesen erneuten Irrfahrt mitzumachen. Ein Deutscher sein, heißt die Widersprüche dieser Nation in sich selbst auszumachen und nicht versuchen, diese in einem transnationalen Konstrukt dialektisch aufzuheben. Die Deutschen haben die verdammte Pflicht, normal zu sein. Durchschnitt zu sein. Stabil und friedlich zu sein. Eine Nation unter vielen zu sein.

Andreas Rochow / 24.03.2019

Nach dem Lesen dieser Rezension bin ich neugierig auf mehr von Hazony. Den Titel würde ich ins Deutsche frei als “Plädoyer für den Nationalismus” übersetzen. Jede Verdruckstheit, die vorsichtig den Nationalstaat semantisch und ideologisch vom Nationalismus separieren will, obwohl sich beide Begriffe aufeinander beziehen, schadet diesem Diskurs, der wichtige Weichenstellungen ermöglichen könnte. Der Globalist/Imperialist kann weder mit Nationalismus noch mit dem Nationalstaat etwas anfangen. Das Studium eines solchen Werkes kann dazu beitragen, die semantische Verunreinigung von Schlüsselbegriffen wie Nationalismus rückgängig zu machen. Denn uns das Nationale wegnehmen zu wollen und zu verunglimpfen, ist das Ziel der lautstarken UN- und EU-Globalisten, die das Ausmaß dieses gigantischen Zerstörungswerkes noch nicht einmal theoretisch durchdrungen haben, obwohl es bereits in vollem Gange ist. Die Äußerungen des Bundespräsidenten und des scheidenden EU-Abgeordneten Brok füllen die Sprechblasen, an denen man den Globalisten erkennt, der das trickreich als Antirassismus und Antifaschismus verbrämt.

Gertraude Wenz / 24.03.2019

Danke für diesen erhellenden Artikel, der eine Lanze bricht für den völlig zu Unrecht als hinterwäldlerisch verteufelten Nationalstaat. Polf Peter Sieferle hat in seinem Buch: “Das Migrationsproblem” den Werdegang des Nationalstaates beschrieben - der ja auch eine ERRUNGENSCHAFT der Zivilisation ist - und wie unverzichtbar er die Grundlage des Sozialstaates bildet. Ohne diesen Nationalstaat ist ein Sozialstaat nicht möglich. Für mich das beste Buch zum Thema. Was mir immer zu kurz kommt - wahrscheinlich, weil es verpönt ist und man einen shitstorm befürchtet -  ist die biologische Komponente. Sie wird meistens geleugnet oder heruntergespielt, dabei berührt sie evolutionäre Tiefen und ist die Grundlage der Familie als kleinster Einheit des Staates. Die Familie beruht auf biologischer Verwandtschaft. Jeder Mensch würde ohne Zögern erst sein eigenes Kind retten und dann ein fremdes. Das wird sicherlich auch niemand anstößig finden, obwohl es so was von Blut (und Boden) ist. Rassistischer geht’s nimmer. Das eigene Kind bevorzugen, entspricht überhaupt nicht der Gleichwertigkeit, die alle Menschen doch für einen haben sollten. An diesem ins Extreme erweiterten Beispiel sieht man schon den Schwachsinn linksgrüner Ideen. Ja, ich bevorzuge meine Familie, meine Freunde und zum Zusammenleben - ja- meine Volksgenossen, mit denen mich eine lange Geschichte und die Sprache und gleiche Vorstellungen verbinden. Außerdem ist man in einem Volksverband auch blutsmäßig miteinander verwandt. Spätestens in der 10. Generation vor uns haben wir alle einen gemeinsamen Vorfahren. Bestände unsere Nationalmannschaft irgendwann nur noch aus Migranten aus Schwarzafrika, wäre sie für mich keine (richtige) deutsche Mannschaft mehr, auch wenn alle Spieler schon seit Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft besäßen! Ich wende mich nicht gegen jegliche Zuwanderung, sie belebt die Gesellschaft, erfrischt sie (wenn’s passt), aber eine Zuwanderung nur in Maßen, die auch eine Chance zur Integration hat!

Paul Braun / 24.03.2019

Bemerkenswert unter diesem Blickwinkel ist, wie vom Nationalsozialismus lediglich der Nationalismus gegeißelt wird der Sozialismus aber nach wie vor in guter Reputation steht. Erkennbar daran, dass eine Nationaldemokratische Partei Deutschlands zum Inbegriff des Bösen stilisiert wird, eine Sozialdemokratische Partei Deutschlands aber in Rang und Würden steht - nach wie vor. Das wiegt eigentlich umso schwerer als das “National” im Nationalsozialismus ein Attribut ist, dass dem Kern dieser Partei - dem Sozialismus - beigegeben wurde. So wie etwa ein Demokratischer Sozialismus, oder ein Liberaler Sozialismus, oder Realsozialismus, oder Marxistischer Sozialismus, oder Islamischer Sozialismus, oder Volkssozialismus, oder Ökologischer Sozialismus usw.

Thomas Taterka / 24.03.2019

In meinen Augen ist Israel eine aus der Gunst einer sehr bitteren Stunde tapfer ergriffene Anstrengung, eine Fluchtburg zu bauen gegen nichtendenwollende Heimsuchung und Ermordung - und ein äußerst zerstrittener Staat, dessen Bedrohung mit jedem Tag mehr wächst. Meinethalben kann man es Nationalismus nennen, wenn Leute zusammenrücken, die ihrer Auslöschung entgegensehen, wenn sie es nicht täten. Muß man aber nicht. Man könnte es auch übernationale Schicksalsgemeinschaft nennen.

Rolf Peter / 24.03.2019

Der Nationalismus ist eine (historisch gewachsene und zum Teil von interessierten Gruppen beförderte) Fiktion, die für Zusammenhalt in einer größeren Gruppe sorgen soll. Diese Fiktion kann sich (und kann man) natürlich auch ändern. Es wird angesichts der Probleme, mit der sich die Menschheit auseinandersetzten muss, ohnehin notwendig, diesen Zusammenhalt auf größere Gruppen, die heutige “Nationen” ueberwoelben, auszudehnen. Daher muss sich auch die Fiktion Nationalstaat ändern.

Ulrich Morgenstern / 24.03.2019

Die Argumentation ist fast durchweg plausibel, wäre da nicht ein Denkfehler, nämlich die Gleichsetzung von Nationalstaat und Nationalismus, wie sie - unter negativem Vorzeichen - auch Ulrike Guérot und Robert Menasse mit viel Theaterdonner inszeniert hatten. Nicht umsonst folgte bald die notwendige Widerlegung durch Heinrich August Winkler (SPIEGEL), Aleida Assmann (WELT) und Thilo Spahl “Über Europäer” in: “Die sortierte Gesellschaft”.

Martin Lederer / 24.03.2019

Krieg hat erst mal nichts mit “Nation” zu tun. Krieg gibt es - genau wie im Tierreich - weil verschiedene Gruppen um irgendetwas kämpfen. Diese Gruppen können irgendwie geartet sein. Auch Nationen und/oder Völker. Aber auch ideologische Gruppen (Kommunisten, ...) oder religiöse Gruppen (Katholiken gegen Protestanten, ...) oder Adelsfamilien (Staufer gegen Welfen) oder Sippen, Stämme oder ... . Andererseits: Menschen werden sich immer in einzelne Gruppen organisieren. So gesehen besteht die Gefahr eines Krieges im Prinzip immer. Es ist nur die Frage, wie aggressiv die einzelnen Gruppen sind - aus welchem Grund auch immer.

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