
Zu der durchaus trefflich beschriebenen Erwartungshaltung der Schutzsuchenden verbunden mit der in der “arabisch-islamisch geprägten Gedankenwelt geübten Kultur des Leidens als Wert an sich” gab es heute nacht in der voll auf Linie ausgelegten Sendung “Heuteplus” im klassischen Mainstreamjargon u. a. einen Beitrag, der in kaum zu übertreffender Weise besagte These belegte. Eine Frau Emine Aslan, telegen mit buntem stylischem Kopftuch ausgestattet, beklagte wortreich Diskriminierung, die sie in Deutschland allgemein und in ihrem Soziologiestudium im besonderen reichlich erfahren habe. Da sie die ständige Anmache im täglichen Umgang satt habe, habe sie eine Initiative (#ausnahmslos) gegründet und kämpfe gegen Sexismus und Rassismus. Offen blieb bis auf die pauschale Bemerkung, wie sich die beklagte Diskriminierung tatsächlich dargestellt haben sollte. Dem Eindruck nach paßte der Auftritt gerade gut thematisch in die Medienkampagne gegen die aktullen AfD-Wahlerfolge.
Als Reaktion auf die beschriebene Erkenntnis bleibt nur die konsequente Zurückweisung. Alles andere führt wie bei der sprichwörtlichen Reichung des kleinen Fingers zum Verlust der ganzen Hand. Aber diese Konsequenz wollen die angeblich Verantwortung Tragenden nicht ziehen, getrieben von Medienvertretern, die regelmäßig den Troß begleiten und die Gesellschaft mit den Bildern groß guckender Kinder malträtieren. Da ist es dann moralisch vertretbarer, daß die Türkei die Grenze zu Syrien schließt und auf mögliche Grenzverletzer schießt, das Ganze dann dem Bürger als der große Europäische Wurf der Politkungler verkauft und mit Milliarden Euronen gen Ankara bezahlt. So kann man sich dann hier damit brüsten, am einmal eingeschlagenen Weg der Zuwanderung festzuhalten, zumal ja zusehends weniger Einreisende vor unseren Grenzen erscheinen, auch das kein Ergebnis der GroKo-Politik, sondern des krachenden Kontra der Länder vom Balkan plus Visegrad-Gruppe und dem darauf folgenden Schwenk der Österreicher.
Sehr geehrter Herr Broder, warum benennen auch Sie nicht die Ursache des Wunsches, unbedingt nach Deutschland oder wenigstens nach Schweden zu gelangen. Wie jedes Kind weiß, bestimmen großzügige Sozialleistungen und Familiennachzug die Fluchtrichtung. Kämen diese Leute nicht aus einem der Flüchtlingslager, sondern wirklich aus dem vielzitierten Fassbombenhagel, so wären sie sehr wohl mit Essen, Kleidung, Unterkunft und einem Taschengeld zufrieden. Freilich hätten wir dann übermorgen kein Flüchtlingsproblem mehr. Solange Migranten nach einer gewissen Zeit Zuwendungen in der Höhe von Hartz-IV-Leistungen erhalten, wird Migration selbst für den afghanischen Maschinenbauingenieur - der unter dem Schutz der Bundeswehr studierte - attraktiv sein, denn etwa 800 Euro (allein, mit Frau und Kindern wesentlich mehr) kann er daheim niemals verdienen. Solange werden afrikanische Familienverbände junge Männer mit Schleppergeldern - mit denen sie dort einen Laden oder eine Werkstatt betreiben könnten - versehen und über das Meer schicken (während der Konferenz in La Valletta hieß es, die Überweisungen afrikanischer Migranten würden bei weitem die Entwicklungshilfe übersteigen). Solange werden selbstverständlich Bedürftige aller Art am Missbrauch des Grundgesetzes (dessen Väter doch wohl eher an das Schicksal Einsteins und Brechts, der Manns und Feuchtwangers dachten) teilhaben wollen. Dafür verspielt eine starrsinnige Opportunistin (das musste sie in der DDR sein, wenn sie als Pfarrerstochter studieren wollte), geschult in Sachen Agitation und Propaganda, in ihrer Sucht nach schönen Worten und Bildern alles, was sie im Amtseid beschwor, viele Milliarden (zudem der Griechenlandtropf und ihr rechtswidriger sogenannter Atomausstieg) und Europas Zusammenhalt. Begleitet von Teddywürfen und den stehenden Ovationen - Verzeihung, standing ovations - ihrer angeblich nur dem Gewissen verpflichteten Hampelmänner. Es ist zum Speien - Rechthaberei, Starrsinn und Verantwortunglosigkeit kennen offenkundig keine Obergrenze.
So einfach kann man sich gegen konkretes Leid von Flüchtlingen geistig immunisieren: Der deutsche Politiker, der in ein Flüchtlingslager fährt, ist mediengeil und naiv, die traurigen Kinder haben Eltern, die keine Verantwortung für sie übernehmen. Die Eltern, die gerade mit dem Schlauchboot über die Ägäis gefahren sind, warten in Idomeni auf den Luxusdampfer. Menschen, die Tausende von Kilometern vor Krieg und Verfolgung fliehen, sind Beispiele für arabisch-islamischen Fatalismus. Ja, da kann man angesichts der Lage in Idomeni nur sagen: Selbst schuld ihr Flüchtlinge, dumm gelaufen und dumm gewesen. Und der Autor kann schön weiter schwadronieren und hat seine Ruhe. Denn er ist so klug, er braucht garnicht mit den Flüchtlingen in Idomeni selbst zu reden. Er weiß auch so, wie sie über Martyrium und ihre Lebensplanung denken. Er ist auch so klug, nur das Handeln und Denken der anderen zu kritisieren und das Fehlen eigener Konzepte zu verschweigen. Dabei hat er selber eins. Er ist nämlich ein ganz Kluger: er verfügt nach eigenen Angaben über drei Wohnsitze in Augsburg, Berlin und Colonial Beach, Virginia. Falls ihm einmal die Wohnung weggebombt wird, löst er nur ein Ticket in einen anderen Kontinent und kann sich wieder ruhig ins eigene Bett legen. Einfach dumm, wer nicht auf diese Lösung kommt!
Die Jugend hats nicht leicht heutzutage. Die Welt ist bereits erfunden, die Welt ist bereits entdeckt, die Welt ist bereits erobert, die Welt ist bereits erforscht und so bleibt eben nur noch: Die Welt retten, um etwas besonderes zu sein.
Wieder ein sehr guter Kommentar, Herr Broder. Warum viele Menschen keine Willkommenskultur mehr pflegen wird durch Ihren letzten Absatz ganz klar dargelegt. Nach seinem “Die Rente ist sicher” Spruch, hat ja Herr Blüm schon vor Jahren die Menschen vor den Kopf gestoßen. Über die jetzige Aktion kann man nur noch den Kopf schütteln. Es ist eben traurig, wenn ein ehemaliger Politiker nicht loslassen kann.
Sobald ein Flüchtling außer Gefahr ist, hält er inne und ruht. Wer weiterreist, sucht etwas anderes als Sicherheit.
Lieber Herr Broder, ich danke Ihnen für diesen Artikel, mit dem Sie mir aus dem Herzen gesprochen haben. Bei allem Respekt und Verständnis für die Lage der Flüchtlinge wundert es mich doch immer wieder, mit welcher Selbstverständlichkeit, manchmal schon Dreistigkeit, Flüchtlinge auf vermeintliche Rechte und Ansprüche bestehen. Denken sie (die Flüchtlinge ) manchmal auch daran, dass ihre Gastgeber schlicht und einfach überfordert sind und natürlich auch Angst vor Überfremdung und ebenso natürlich auch Angst vor den Kosten haben? Klar, in existentieller Not, in der sich die Flüchtlinge befinden, denkt man nur an sich, man will überleben, ein Urtrieb des Menschen. Aber auch die aufnehmenden Gemeinschaften bestehen aus Menschen mit angeborenen zum Überleben wichtigen Egoismen. Man darf ihre Hilfsbereitschaft nicht überstrapazieren und von ihnen verlangen, sich selbst und ihre eigenen Bedürfnisse aufzugeben.
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