Thilo Schneider / 04.05.2023 / 16:00 / Foto: Timo Raab / 25 / Seite ausdrucken

Eine Investition fürs Kleben

Die Klebe-Extremisten der „Letzten Generation“ freuen sich: Die Fondsgesellschaft „Ökoworld“ hat sich bereit erklärt, künftig die Strafen, die ihnen von klimafeindlichen Gerichten aufgebrummt werden, zu übernehmen. So wenigstens erzählen es die Weltretter auf Twitter herum, hurra. Endlich unbekümmert kleben und kleben lassen!

Bei näherem Hinsehen stimmt das aber nicht so ganz, denn damit würde „Ökoworld“ tatsächlich Kriminalität fördern, und das könnte nicht nur dem Bundesaufsichtsamt für das Finanzwesen (kurz „BaFin“, Sie wissen schon, die, die laut Robert Habeck „die Handwerkerrechnungen prüfen“) missfallen, sondern auch diverse Staatsanwaltschaften interessieren. Wie Ökoworld auf seiner Homepage selbst mitteilt, werden „Strafgebühren“ gegen Quittung übernommen, sofern den Klebenden die Kosten für die Polizeieinsätze aufgebrummt werden. Geldstrafen selbst werden selbstverständlich nicht übernommen, und der Vorstandsvorsitzende von Ökoworld, Alfred Platow, geht auch für die Klebenslänglichen nicht in den Bau, falls es mit einer Geldstrafe nicht mehr getan ist. 

Es ist also Zeit, sich die netten Geldkleber von nebenan einmal genauer anzuschauen: Gegründet wurde Ökoworld von eben diesem Alfred Platow im Jahr 1999, er legte damals seinen ersten Nachhaltigkeitsfonds auf. Und er meinte es wirklich ernst. Auf einem kleinen Zeichentrick-Video sind er und sein Kompagnon – damals noch tatsächlich in Mutters Garage – zu sehen, wie sie den ersten Fonds zusammenlöteten. Heute hat dieser relativ kleine Player am Fondsmarkt immerhin (laut Fondssuchmaschine) 13 Fonds am Start, die im Großen und Ganzen ganz okay laufen. Es sind da keine Brecher dabei, aber 3 Prozent im Mittel bringen alle allemal, je nach Laufzeit, und die geht bei Fonds ja eigentlich erst ab 10 Jahren so richtig los.

Da haben Dickschiffe wie die DWS schon ganz andere Fonds in den Sand gesetzt, es lässt sich also auch mit echten „grünen Fonds“ ganz gut Geld verdienen. Das Flaggschiff der Ökoworld, der „Ökovision Classic“, hat seit Auflage immerhin 5,13 Prozent im Schnitt pro Jahr an Wertentwicklung gehabt. Nicht der Kracher, aber auch kein Totalversager. Wobei es den Kunden von Ökoworld sowieso erst in zweiter Linie um den schnöden Profit geht. Denen ist wichtiger, dass sie korrekt gegendert als Kund*innen angesprochen werden, und wenn es „hintenraus“ ohne Kinderarbeit, Lithiumminen und Rheinmetall ein paar Prozent Rendite obendrauf gibt, dann haben sie in der Hauptsache etwas Gutes getan. Das ist okay.

Ökoworld-Fonds finden Sie heute in der Fonds-Auswahl jedes guten oder auch schlechten Anbieters von fondsgebundenen Lebens- und Rentenversicherungen, Sie können als Privatanleger aber auch direkt in einen der Fonds einsteigen. Ab 25 Euro monatlich geht es auf den meisten Plattformen los. 

Ein bisschen verschroben, aber nicht unclever

Auf der Homepage der „Ökoworld“ grinsen den Klicker diverse Menschen an, die direkt oder indirekt bei Ökoworld glücklich beschäftigt sind, und außerdem steht da ein frecher Sticker mit der Aufschrift „Kohlekraft? Nein Danke!“ Die Mensch*Innen werden dann mit Sätzen wie „Sei DU die Veränderung, die DU Dir wünschst und warte nicht darauf, dass andere den ersten Schritt machen“ oder „Dein Bewusstsein bestimmt die Zukunft“ zitiert. Und selbstverständlich finden die Kund*innen im Menüband Ansprechpartner*innen. Ein klein wenig enttäuschend ist höchstens, dass es keine lesbisch-diverse PoC in den Vorstand der guten Menschen von Ökoworld geschafft hat, aber was noch nicht ist… Außerdem kann man nicht alles haben, und da, wo es wirklich um echtes Geld geht, zählen andere Kriterien als Geschlechtsteil oder Hautfarbe. Wir sind hier bei einer Investmentgesellschaft – nicht in der Politik. 

Die finanzielle Unterstützung der Klimakleber ist – neben ihrer Wirkung als Marketinggag – somit tatsächlich keine Spende, sondern eher eine Investition in die Zukunft: Sie können nicht ewig da kleben bleiben, werden sich eines Tages aber ihres Sponsoren erinnern und vielleicht dort anlegen. So wie sich spannende und charmante Anlagemöglichkeiten für Ökoworld ergeben, wenn ihre Schützlinge und deren politische Ableger mit ihrer Agenda durchkommen. Auch wenn ich kein ausgewiesener Börsenprofi bin: Die Ökoworldbewohner sind vielleicht ein bisschen verschroben, aber nicht unclever: Wäre ich 25 Jahre jünger – ich würde mich einkaufen. Die wissen augenscheinlich sehr gut, was sie tun. Und wenn mich die Polizei von der Straße gelöst und mir ein Strafgeld auferlegt hätte – ich würde ein lässiges Hemd aus fair getradeter Baumwolle und eine Jeans anziehen und mich nebst dem Gerichtsurteil als Referenz als Vertriebler bei Ökoworld bewerben.

Update:

Wie die Welt meldet, will Ökoworld nach heftiger Kritik nun doch nicht die Straftaten von Klima-Extremisten bezahlen. Der Gründer und Vorstandsvorsitzende Alfred Platow ruderte in einem Statement am Donnerstagabend zurück, nicht ohne „massive öffentliche Anfeindungen" zu beklagen.

(Weitere renditeträchtige Artikel des Autors hier und unter www.politticker.de)  

 

Von Thilo Schneider ist in der Achgut-Edition erschienen: The Dark Side of the Mittelschicht, Achgut-Edition, 224 Seiten, 22 Euro.

Foto: Timo Raab

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Hans-Peter Dollhopf / 04.05.2023

Die “Stimme der Provinz” zeichnete heute ein nettes Kurzportrait des grünen Amalgams, das hauptsächlich aus Linksextremisten besteht, welche nun, nach dem Endsieg ihres Marsches durch die einstmals westlich orientierten und freien Institutionen der Republik an den Hebeln eines wie extra dafür geschaffenen all-in-one Parteienstaats angelangt und vortrefflich durch Vorfeldorganisationen, von lokalen Juchtenkäferpopulationen bis hin zum Green Deal Brüssels, eingegraben ist. Irgendwo da dazwischen, in der Hierarchie dieser wahnsinnigen Freakshow, hat Ökoworld ihren Ramschtisch aufgestellt. Die alternative “Gegengesellschaft” hat die Umstülpung der alten freien westlichen Welt erzwungen und diese ist nun selbst das Exponat, an dessen Glaskäfig sich die suppi gut abkassierenden, herrschenden Freaks einen ablachen, wie nrulich Scholz: “Da wusste ich gar nicht, wie traurig ich gucken sollte”. Aber das ist nicht das Ende vom Lied. Am Horizont tauchen langsam die wahren “Overlords” aus einer immer vermuteten, aber nie wirklich nachgewiesenen VT-Welt auf. Auch Nützling Platow darf sich schon mal warm anziehen.

Andreas Rühl / 04.05.2023

Als Richter würde ich aufgrund solcher Äußerungen davon ausgehen, dass die Klebenden auch die Geldstrafe letztlich nicht aus eigenen Mitteln aufbringen. Denn warum das betonen? Bedeutet, dass die Geldstrafe keine spezialpräventive Wirkung haben wird. Also darf sie nicht verhängt werden. Da bekommt das “oder” in “oder mit Freiheitsstrafe…” wieder seinen Sinn zurück. Nirgendwo steht geschrieben, dass es eine Eskalation von Geld zu Freiheitsstrafe im wiederholungsfall geben muss. In solchen Konstellationen kann und muss der strafrichter mit der Freizeitsstrafe beginnen.

Stephan Bender / 04.05.2023

“Das Wertvollste, was der Mensch besitzt, ist das Kleben, es wird ihm nur ein einziges Mal gegeben. Und benutzen soll er es so, dass er sterbend sagen kann: Mein ganzes Kleben, meine ganze Kraft, habe ich dem herrlichsten der Welt, der Befreiung der Menschheit vom Kohlendioxid gewidmet. ... Organisch und aus tiefster Seele hasse ich die Leute, die unter den erbarmungslosen Schlägen der Stoßstangen zu jaulen anfangen und hysterische Anfälle kriegen.” (aus: Nikolai Alexejewitsch Ostrowski - ‘Wie die Luft gehärtet wurde’)

Sam Lowry / 04.05.2023

@Tobias Kramer: “Widerstandskampf muss man nicht mit Waffen führen.” Ja, mit Gewalt wissen sie umzugehen. Dann kommt das SEK und sprengt Dich aus der Bude… kenne jemanden, dem das passiert ist (allerdings nicht zu Unrecht). War trotzdem ein armes “Schwein” (Legion, Bilder von Babys im Kopf… usw.)

Sabine Schönfeld / 04.05.2023

Ganz einfach - die Finanzstärke der Geldgeber ermitteln und die Strafe entsprechend anpassen. Wenn es eine Million Euro Strafe braucht, damit die Kleber aufhören, dann kostet es eben eine Million. Man kann damit einen Fonds für alte Menschen einrichten, die sich die Heizkosten nicht mehr leisten können.

Brandy, Vera / 04.05.2023

S.Anderson nicht Hass sondern abgrundtief Verachtung.

giesemann gerhard / 04.05.2023

Häufig gute Investition: Mal eine kleben.

Jener Ari / 04.05.2023

Freiheits-Strafen. Dann hört der Mist ganz schnell auf.

A. Smentek / 04.05.2023

Die Lösung des Problems wäre doch so einfach: keine Geldstrafen mehr, sondern jedes Mal EINBUCHTEN, und zwar OHNE BEWÄHRUNG, wie es gerade eine mutige Richterin getan hat. Aber wie oft passiert das so?

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