Über den großen Philosophen Descartes gibt es die Anekdote, er habe Messekataloge gelesen und sich bei den Titeln der Bücher seiner Kollegen überlegt, was er selbst dazu schreiben würde. Und tatsächlich kann ein guter Buchtitel eine Inspiration sein. Mir ging es so mit Stanley Fishs „Save the World on Your Own Time“. Zu Deutsch etwa: Rette die Welt in deiner Freizeit. Als ich den Titel las, war meine Reaktion: Wow, das ist die Lösung! Die Lösung nämlich des großen Problems, dass es in der westlichen Welt und vor allem in Deutschland so viel guten Willen am falschen Ort gibt.
Rette die Welt in deiner Freizeit, aber nicht, wenn du als Lehrer vor deiner Klasse stehst. Da sollst du den Schülern Lesen, Schreiben und Rechnen beibringen, nicht das Parteiprogramm der Grünen einbläuen. Rette die Welt in deiner Freizeit, aber nicht, indem du als Schüler am Freitag nicht in die Schule gehst. In die Schule zu gehen, ist deine Pflicht, und du sollst dort einfach nur lernen, was auf dem Lehrplan steht. Lernen könnte man dort unter anderem auch, dass Schüler gar nicht streiken können, sondern eben nur die Schule schwänzen. Fridays For Future ist schlicht illegal, Sundays For Future wäre in Ordnung. Nur ist dann natürlich die Alliteration zerstört – und der Anreiz, überhaupt mitzumachen.
Rette die Welt in deiner Freizeit, aber nicht, wenn du als Professor im Universitätsseminar vor deinen Studenten stehst. Dort geht es um Analysen und nicht um politische Entscheidungen, und du müsstest klarmachen, dass eine Akademie keine Demokratie ist. Studenten sind keine Kunden, aber sie sollten als Studenten auch keine Aktivisten sein, das heißt, sie sollen die Welt verstehen, nicht verändern. Als Professor kannst du politische Positionen diskutieren, aber du darfst nicht politisch sein. Rette die Welt in deiner Freizeit, aber nicht, wenn du als Journalist Fakten sammelst und sie zu Berichten formst. Nichts ist für dich und deine Leser gefährlicher als die Ideologie des „Haltungsjournalismus“, die Information und Meinung nicht mehr trennt. Als Journalist sollst du dich nicht emotional mit der guten Sache gemein machen, sondern sachlich über die meist schlechte Welt berichten.
Rette die Welt in deiner Freizeit, aber nicht, wenn du als Priester vor deiner Gemeinde stehst. Dann sollst du das Evangelium predigen, die Paulusbriefe interpretieren und dich um die Seelen deiner Gemeindemitglieder sorgen. Du verfehlst deinen hohen Beruf, wenn du deine Autoritätsstellung missbrauchst, um für Seawatch 3 oder die Rainbow Warrior zu trommeln. Rette die Welt in deiner Freizeit, aber nicht, wenn du als gewählter Politiker Verantwortung für die Geschicke des Landes übernimmst. Politik ist das geduldige Bohren harter Bretter (Max Weber), „piecemeal social engineering“ (Karl Popper). Deshalb verfehlst du den Beruf zur Politik, wenn du dir einbildest, allen anderen Ländern „vorangehen“ zu sollen; wenn du glaubst, an Deutschlands Wesen solle die Welt genesen.
Man kann all diese Ermahnungen zusammenfassen in dem einfachen Satz: Tu deinen Job! Danach kannst du die Welt retten.
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Sehr geehrter Herr Bolz,
ich schätze schon Ihre kurze und überaus pointierte Twitterei über die Maßen! Sie in Form der früher noch geschätzten längeren Abhandlungen genießen zu dürfen, macht mich schlicht und einfach glücklich. Und ich sage das in meiner Freizeit immer und immerfort!
lieber Kollege Bolz, darf ich Sie korrigieren? Sie meinen doch sicherlich „rette Deine Welt in Deiner Freizeit“, oder haben Sie den unterschied zwischen Individualismus und Kollektivismus nicht mehr drauf? War im ersten Semester Klassische Philosophie und vielleicht später nochmal in Politische Philosophie Thema.
Kein Problem. Die „Afghanen“ werden nämlich jetzt unsere Welt ändern. Und zwar ganz anders, als es die „Helfer“ es sich vorgestellt haben
Und wenn diese Weltenretter ihre CO2-Bilanz auf Null reduzierten…… also in ihrer Freizeit?
Der Faschismus im Inneren soll durch globalistische Besserwisserei und Weltrettung scheinoptimiert werden. Aktuell soll „die Welt“ entkohlt und geimpft werden, Wie immer tarnt sich der Totalitarismus religiös, wissenschaftlich oder einfach primitiv-gutmenschlich. Herrscher wie Spahn, Merkel und Söder lassen die Masken schon fallen und siehe: Wieder gehen ihnen Massen auf den Leim.
@ Stefan Riedel: Halten Sie still, ich kooommmeee……! :-)
Das ist alles richtig, aber wer von den Weltrettern weiß bzw. erkennt denn (noch), was sein Job ist?