Stefan Frank / 03.01.2020 / 16:00 / Foto: In-bar / 9 / Seite ausdrucken

Eine deutsche Schule, die den Kindern Israel nahe bringt

Eine deutsche Schule zu besuchen, in der der Staat Israel sehr präsent und beliebt ist – diese Gelegenheit bietet sich einem Journalisten nicht oft. Das liegt vor allem daran, dass es nicht viele von dieser Art gibt. Setzen sich angehende deutsche Abiturienten anhand von Unterrichtsmaterialien bekannter Schulbuchverlage mit Israel auseinander, bekommen sie in diesen Büchern oft ein extrem oberflächliches, verzerrtes und einseitig antiisraelisches Bild präsentiert. Das hat Gideon Böss vor Jahren in einer Studie gezeigt, die seither von anderen Untersuchungen bestätigt wurde. 

Das Gegenteil davon ist die Freie Christliche Schule Ostfriesland (FCSO) in Moormerland im Kreis Leer. Dort gibt es ein Seminarfach Israeldessen Schüler an einem von der Arbeitsgruppe Ostfriesland der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) gesponserten Jugendaustausch mit der Schule ORT Binyamina bei Haifa teilnehmen. Das Interesse an Israel ist riesig – das durfte ich selbst erleben, als ich am 30. November die Filmemacherin Ilona Rothin in die Schule begleitete. Die Lehrer Esther Aeilts und Fokko Peters, die an der FCSO das Seminarfach Israel unterrichten, hatten sie eingeladen, damit ihre Schüler mit ihr über ihren neuen Film „Gestatten, ich bin ein Siedler! – Wie leben die Menschen in der West Bank?“ sprechen können. Den hatten die Teilnehmer des Seminarfachs Israel einen Tag zuvor gesehen und dadurch einiges über die „Siedler“ genannten Juden erfahren, die im alten jüdische Kernland Judäa und Samaria (in deutschen Medien meist „West Bank“ oder „Westjordanland“ genannt) leben.

Rothin spricht im Film mit Juden und Arabern, mit Arbeitern, Managern und Hebammen; mit jungen Familien, einer israelischen Soldatin und arabischen Handwerkern, die für jüdische Kunden arbeiten. Als Experten interviewte sie u.a. Mena-Watch-Autor Alex Feuerherdt. Die Botschaft des sehenswerten Films: Die Zeit arbeitet gegen die Anti-Israel-Fanatiker. Arabisch-jüdische Freundschaften sind längst Normalität und werden über die hasserfüllte „Anti-Normalisierungs-Kampagne“ von Fatah und Hamas siegen. „Wir machen hier eigentlich schon den Frieden“, sagt Shaban Amer, der palästinensische Vorarbeiter in einer Süßwarenfabrik, in dem Film. 

In der Schule

Im Sekretariat der FCSO, wo ich mich anmelde, stehen auf dem Aktenschrank hinter dem Tresen jeweils eine kleine Israel- und eine Deutschlandfahne. Die israelischen Schüler seien gerade zu Besuch gewesen, erklärt der Sekretär. Auch im Lehrerzimmer steht eine Israelfahne. An der Pinnwand des Lehrerzimmers hängt das offizielle Filmplakat von „Gestatten, ich bin ein Siedler!“. Handschriftlich mit Edding hat jemand das Datum der Vorführung draufgeschrieben, dazu den Veranstaltungsort, die Volkshochschule Aurich. Als Ilona Rothin und ich den Klassenraum betreten, warten dort bereits rund 30 Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 12 und 13 des Seminarfachs Israel. Die Schüler der Jahrgangsstufe 13 haben bereits am Jugendaustausch mit Israel teilgenommen, die anderen reisen am 2. Januar nach Binyamina. Einer der Schüler, erfahren wir später, hat angefangen, Hebräisch zu lernen.

„Warst du in unserem Alter auch schon so interessiert an Israel?“, möchte ein Schüler wissen. Nein, sagt Rothin, das Interesse sei erst viel später erwacht, dann aber sei sie „einfach kleben geblieben“. Sie beschreibt Israel als ein faszinierendes Land mit leidenschaftlichen Menschen, das führend ist auf den Gebieten Software, High-Tech und Medizin, und das sie einfach nicht mehr loslasse.

Andere Schüler wollen wissen, wie es zu der Idee für den Film gekommen sei, oder fragen, ob auch die antiisraelische Berichterstattung in den deutschen Medien dazu führe, dass Juden Deutschland den Rücken kehrten, wie es im Film zu sehen ist.

Ilona Rothin zeigt sich begeistert von der FCSO und ihren Schülern. In Berlin, wo sie herkommt, sagt sie, wäre es undenkbar, dass ihr Film an einer Schule gezeigt würde – und im öffentlich-rechtlichen Fernsehen wäre das schon mal gar nicht möglich. Den Schülern, die schon am Israelaustausch teilgenommen haben, stellt sie die Frage, wie sie die Israelis erlebt hätten. Die israelischen Altersgenossen seien „lebhafter“ als Schüler in Ostfriesland, „unreifer“, „offener“, hätten „andere Vorstellungen“, seien „spontaner“, würden das machen, was ihnen gerade in den Sinn komme – so lauten einige der Charakterisierungen.

Nach der Veranstaltung, die eine Doppelstunde lang ist, habe ich Gelegenheit, die Israelfahnen in der Schule zu fotografieren. Es sind viele. An den Wänden hängen Kunstwerke, die Schüler in Zusammenhang mit dem Jugendaustausch angefertigt haben. Da ist etwa ein Vexierbild, das dem Betrachter aus einer Blickrichtung die deutsche, aus der anderen die israelische Fahne zeigt. Kommt man näher, kann man die Namen der Austauschschüler lesen. In Großbuchstaben steht oben und unten: Student Exchange Program 2016/17 – DIGO/FCSO Moormerland – ORT Binyamina.

Ein anderes Bild von Israel

Fokko Peters (32) ist der Lehrer der Schüler der 12. Klasse, die gerade mit dem Seminarfach Israel begonnen haben. In diesem Wahlfach gibt es pro Jahrgang 15 bis 17 Plätze, das sind etwa 25 bis 30 Prozent der Schüler einer Jahrgangsstufe, erklärt er. „Meistens sind wir das größte Wahlfach.“ Die Beschäftigung mit Israel beginne im Unterricht „mit Abraham“. „Angefangen mit 1. Mose 12 wollen wir zeigen, dass die Geschichte dieses Volkes sehr lang und sehr wechselvoll ist. Wir spannen den Bogen über die Exilzeiten, die römische Besatzung und die Vertreibung und Diaspora, um zu zeigen, dass Israel kein Zufall ist und nicht erst seit 1948 als Staat existiert.“

Die Filmvorführung sei für seinen Kurs eine „erste inhaltliche Annäherung“ daran gewesen, „dass es nicht nur das Bild von Israel gibt, das unsere Medien gemeinhin zeichnen.“ Der Film sei für die Schüler „schon überraschend“ gewesen, „das hatten sie weitgehend so noch nicht gehört“. In der Nachbesprechung des Films habe er festgestellt, dass die Schüler viele Impulse für ihre 15-seitigen Facharbeiten bekommen hätten, die sie in der 12. Klasse zu schreiben haben. „Es gibt eine große Zahl von Schülern, die sich plötzlich mit Antisemitismus in der deutschen Medienlandschaft beschäftigen wollen“, so Peters.

Die Facharbeiten seien für die Schüler die erste „richtige“ Gelegenheit, bei der sie etwas über das Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten lernen. Die Schüler suchen sich selbst ein Thema, das sie bearbeiten wollen und wissenschaftliche Literatur dazu. Bevor sie beginnen, besprechen sie ihr Vorhaben mit dem Lehrer, dann haben sie sechs Wochen Zeit. Am Ende stellen die Autoren ihre Arbeiten den Mitschülern vor. „Manchmal entsteht durch die Arbeiten der Wunsch, ein bestimmtes Thema genauer zu behandeln“, sagt Peters. Dazu sei dann in der 13. Klasse Gelegenheit. Einige Schüler hätten jetzt etwa eine Tapetenrolle mit der Geschichte Israels von der biblischen Zeit bis heute angefertigt, andere hätten in der Fußgängerzone eine Umfrage durchgeführt, um herauszufinden, was die Bürger eigentlich über Israel wissen.

Peters’ Kollegin Esther Aeilts erzählt, dass sie zum „Israel-Team“ kam, als sie vor fast 30 Jahren mit ihrem Mann für einige Monate in Israel war: „Seit damals schlägt mein Herz für Israel und so bin ich zur Leiterin bzw. Organisatorin der Austauschfahrten und des Seminarfachs Israel geworden.“ Der Jugendaustausch habe Folgen über die Schule hinaus, erklärt sie: „Immer mehr Familien unserer Schule hatten Besuch von Israelis in ihren Familien und viele haben noch guten Kontakt zu ihren Partnern. Fast jedes Jahr sind Jugendliche nach dem Abitur für einige Monate oder sogar ein Jahr nach Israel gegangen, um dort zu helfen, und manche Eltern haben sich im Anschluss auch auf den Weg nach Israel gemacht.“

Das hinterlasse Spuren bei den Jugendlichen, den Familien, an der Schule und auch in Ostfriesland, so Aeilts. Wenn man sich mit dem Thema Israel beschäftige und vor Ort mit Menschen zu tun habe, merke man „schon bald“, dass das Bild, das hier in Deutschland vorherrsche, nicht mit dem übereinstimme, was man dort sehe:

„Gerade in den letzten Wochen, als es in den Nachrichten oft um die Siedlungspolitik ging, war ich sehr genervt, was unsere Nachrichtensprecher einfach so behaupteten und unsere Gesellschaft dann für wahr hält. Da ich das Gegenteil vor Ort erlebe, ist es mir ein Anliegen, meinen Schülern auch eine andere Sicht zu vermitteln und sie zur kritischen Auseinandersetzung mit den uns vorgegebenen Aussagen anzuleiten“.

Zehn Jahre Jugendaustausch mit Israel 

Der Jugendaustausch geht auf den Lehrer Ingo Carl zurück, der bereits im Ruhestand ist, aber an diesem Nachmittag gekommen ist, um der Veranstaltung mit Ilona Rothin beizuwohnen. Die Idee für den Austausch, erzählt er, sei entstanden, als er 2004 zum ersten Mal nach Israel reiste. Zwei Impulse hätten das Projekt dann ins Rollen gebracht: Zum einen lernte Carl den Vorsitzenden und Gründer der DIG-AG-Ostfriesland, Wolfgang Freitag, kennen, der aus seiner Zeit als Lehrer an einer Schule in Aurich bereits Erfahrungen mit Israel-Austausch-Projekten hatte. Dieser habe Carl ermutigt, seine Idee zu verwirklichen und ihm die Unterstützung der DIG-AG-Ostfriesland zugesagt.

Als Carl 2009 erneut nach Israel gereist sei, habe er dort eine Lehrerin getroffen, die den Kontakt zur Schule in Binyamina bei Haifa hergestellt habe. „Hier wurde die Idee des Deutsch-Israelischen Jugend-Austauschs gerne aufgenommen, weil gerade ein Konzept für interkulturellen Austausch mit ausländischen Schulen entwickelt werden sollte.“ Schon wenige Monate später, Anfang 2010, fand der erste Austausch mit Shomron Binyamina statt. Am 2. Januar 2020 wird die nun schon elfte Gruppe mit 15 Jugendlichen aus dem Kreis Leer nach Israel reisen.

Die „Deutsch-Israelische Jugendbegegnung“, wie der Austausch offiziell heißt, sei ein Projekt der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Arbeitsgemeinschaft Ostfriesland mit der FCSO als Kooperationspartner, erklärt Carl. Die DIG-AG-Ostfriesland trage einen Großteil der Kosten, weil sie den Austausch als „wichtigen und zentralen Teil ihrer Arbeit“ betrachte. Für Wolfgang Freitag sei das Bewusstsein des Holocaust – „mit dem daraus abgeleiteten Imperativ ‚nie wieder!’“ – wesentlicher Antrieb seines Engagements gewesen, sagt Carl. Für ihn selbst, als Lehrer an einer christlichen Schule, seien darüber hinaus auch „theologische Aspekte“ wichtig, Israel sei für ihn immer auch Volk und Land der Bibel: „Die Christen sind, wie Paulus schreibt, in den Ölbaum [Gottes Erwählung Israels; S.F.] eingepfropft. Für den eigenen Glauben ist es wichtig, sich mit dessen Wurzeln zu beschäftigen.“

Für den Jugendaustausch fertigen die deutschen und israelischen Teilnehmer Präsentationen an, in denen sie den jeweiligen Gästen auf Englisch ihre Heimatregion vorstellen. Sind die israelischen Schüler zu Besuch in Moormerland, werden Exkursionen in der Umgebung veranstaltet – etwa zum Volkswagenwerk in Emden, aber auch zu den jüdischen Spuren und Gedenkstätten –, darüber hinaus reisen die Jugendlichen für zwei Tage nach Berlin. Dort besuchen sie die Holocaustgedenkstätte Esterwegen und das Holocaustmahnmal (Stelenfeld) in Berlin. Auf Anregung der israelischen Seite wird dort auf eine besondere Weise gedacht: „Die Schüler bringen Kerzen und Gedichte mit und veranstalten eine gemeinsame Gedenkzeremonie“, erzählt Carl. „Das schweißt sie zusammen. Die liegen sich weinend in den Armen und man steht in positiv betroffener Sprachlosigkeit daneben.“ Grundsätzliche Programmpunkte, so Carl, seien immer: „Interkulturelles Seminar, Aufarbeitung der Geschichte, gegenwärtige Kultur sowie gemeinsame jugendorientierte Zeit – viele Anlässe für Gespräche und Austausch.“ Die Unterbringung in den Gastfamilien verstärke die Erfahrungen.

Was die Schüler sagen

In Kooperation mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit hat die DIG-AG-Ostfriesland seit 2013 ostfrieslandweit den mit 1.000 Euro prämierten Schalom-Chaver-Preis für Facharbeiten ausgelobt. Die Arbeiten, die die Schüler schreiben, können sie bei einer Jury einreichen, erklärt Carl. Diese prämiert Arbeiten, die sich mit den Themen Israel, dem deutsch-israelischen Verhältnis, Judentum oder jüdischer Geschichte befassen. „Wir bekommen zwölf bis 15 Arbeiten, in manchen Jahren 20. In diesem Jahr erhielt eine Arbeit den ersten Preis, die sich mit der UNRWA und der Frage der Finanzierung von Terror beschäftigt hat. Das ist doch eine wichtige und anspruchsvolle Sache“, so Carl. Die Schüler, die an dem Israel-Austausch teilgenommen hätten, seien bei den Preisträgern „immer vorneweg“, weil sie durch den Austausch hoch motiviert und durch den Unterricht gut vorbereitet seien.

Ineke Appeldorn ist Schülerin der 13.Klasse und besucht das Seminarfach Israel, war also schon im letzten Januar mit in Israel. Sie sagt, der Austausch habe ihr gezeigt, „wie ähnlich bzw. wie unterschiedlich Deutschland und Israel in verschiedenen Aspekten“ seien und „wie viel man voneinander lernen“ könne. „Durch die Gespräche und gemeinsamen Besuche von Holocaustmuseen und Mahnmalen wird jedem bewusst, welche Auswirkungen die Schoah auch heute noch hat. Das motiviert mich persönlich, etwas gegen Antisemitismus in der Gesellschaft zu tun und für Juden und Israel einzustehen.“

Tim Gerlach, ebenfalls 13. Klasse, sagt: „Gestatten, ich bin ein Siedler!“ zu sehen, sei für ihn „definitiv lehrreich“ gewesen. Zwar hätten er und seine Mitschüler sich im Unterricht mit dem Thema beschäftigt, aber das habe „eher einen neutral-schulischen Charakter“ gehabt. „Im Film werden Leute interviewt, die dort leben. Und nun auch mit der Filmemacherin zu sprechen, das hat das Thema persönlicher gemacht.“ Er habe ein „besonderes Interesse“ an Israel, sagt Tim. „Ich bin in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen, wir haben auch in der Gemeinde einige, die in der Deutsch-Israelischen Gesellschaft sind und häufiger in Israel waren. Darum hatte ich schon früh die Idee, irgendwann einmal nach Israel zu reisen, was ich dann ja auch letztes Jahr gemacht habe.“

Der Austausch habe einen großen Eindruck auf ihn gemacht: „Dort zu sein, mit der Kultur in Kontakt zu kommen – das ist noch einmal etwas ganz Anderes. Für mich persönlich war das eine unglaubliche Erfahrung, selber in Israel zu sein, die Leute und die Gegend kennenzulernen.“ Er und seine Mitschüler pflegten nach dem Austausch weiterhin engen Kontakt zu den israelischen Austauschschülern. Er sei sich sicher, dass er irgendwann noch einmal nach Israel reisen werde, mindestens für mehrere Wochen. Die Reise nach Israel habe auch den Unterricht verändert. Bis dahin sei es „normaler Schulunterricht“ gewesen. Durch den Austausch aber sei das Thema „lebendig“ geworden. „Man hatte durch den Austausch tolle Gemeinschaft. Jetzt ist der Unterricht zum größten Teil: Wir lernen freiwillig was über Israel, für uns selbst, reden miteinander und mit dem Lehrer darüber, jeder gibt Anstöße.“ Derzeit erstellten er und seine Mitschüler einen Reiseführer für Israel, der dem nächsten Jahrgang von Austauschschülern eine Hilfe sein soll. Gefragt, was die israelischen Austauschschüler bei ihrem Besuch am meisten überrascht habe, antwortet Tim: „Dass wir immer pünktlich waren.“

In seiner Seminarfacharbeit hat er sich mit bedrohten Tierarten in Israel beschäftigt, wie etwa dem Berglöwen. Er sei eher naturwissenschaftlich als geisteswissenschaftlich interessiert, sagt er. „Sonst bin ich überhaupt nicht an Sprachen oder anderen Gesellschaften interessiert. Aber Israel hat einen besonderen Reiz für mich. Ich habe versucht, das Ganze offen anzugehen und bin absolut positiv überrascht worden.“ Das gelte nicht nur für den Unterricht und den Austausch, sondern auch für das „Land, seine Bewohner und die Kultur“. Gefragt, was das Besondere an Israel sei, antwortet Tim: „Was mich am meisten begeistert hat, war die Offenheit von allen Seiten. Die Israelis waren entgegenkommend, nie irgendwelchen Leuten gegenüber abwertend, was ich hier bei uns nicht immer sagen kann.“ Am Land findet er vor allem die langfristige Geschichte interessant: „Dass die Juden immer wieder vertrieben wurden, aber dass es irgendwie dazu gekommen ist, dass sie immer wieder in ihr Land zurückgekehrt sind. Wenn man dort ist, spürt man, dass Israel nicht irgendein Land ist, sondern ein besonderes.“

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Mena-Watch.

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Leserpost

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Johannes Schuster / 03.01.2020

@ Wilfried Cremer: Nein, ich habe an sein alter Ego bloß ein Appartement auf Utopia vermietet und das mit der Leber kommt vom Schnaps, den übrigens Rubinstein auch gerne an seine Klavierschüler vergab. Der Rest sind wohl sozialanthropologische Systemanordnungen, die mit der Theorie dependenter Systeme einen Sinn machen, was allerdings keine Literatur ist, sondern pure Mathematik. Wenn man eine Summe als Wirkung ausschaltet - und damit ist durchaus das Ergebnis eines Völkermordes beschrieben, dann kann die fehlende Summe der sozialen Wirkung keine Folgewirkung mehr erzielen und die Dependenz erstellt sich nur noch zu dem Ereignis, nicht mehr zu dem damit abgelösten Leben. Damit wird alles eine tote Forderung nur noch aus dem Ereignis - man schreibt es nur fort. Das sind kybernetische Anordnungen, oder mitgekoppelte Fraktale - wie man es will.

Sandra Müller / 03.01.2020

Großartig! Vorbildlich! Genau solch ein Austauschprojekt würde ich mir für die weiterführende Schule unserer Kinder wünschen! Wir leben allerdings in NRW…

Wilfried Cremer / 03.01.2020

@ Herr Johannes Schuster, sind Sie das Alter Ego von Josef Schuster, der hier einmal frei von der Leber reden will?

Marc Blenk / 03.01.2020

Lieber Herr Frank, wie wohltuend in diesen Zeiten des Grethanismus und des Agitprop im deutschen Schulalltag einen solchen Bericht zu lesen. Hier ist das Wort ‘Großartig’ endlich einmal voll am Platz. Was die Schüler hier unter vielem anderen lernen (von dem die Kulturverständigung wohl das Zentrale ist) ist Ideologie - und Medienkritik. Wer eine solche Nähe zur israelischen Wirklichkeit intensiv erfahren hat, erkennt eben den Unterschied zu dem, was sonst unisono in deutschen Medien meist negatives über Israel verbreitet wird. Diese Jugendlichen lernen tatsächlich das selbständige Denken. Etwas was sonst mehr und mehr in der schulischen Erziehung aus der Mode gekommen ist. Sapere aude. Es ist schön, davon zu erfahren. Danke.

Wilfried Cremer / 03.01.2020

Ansonsten auf der Achse auf Kritik gebürstet, muss man hier den Schalter einmal umlegen. Das sind einfach schöne Nachrichten. Glückwunsch an die engagierten Lehrer, Schüler, Eltern!

Herbert Höper / 03.01.2020

Bitte mehr solcher positiven Berichte!

Johannes Schuster / 03.01.2020

Jede Bemühung ändert nichts daran, daß die Geschichte deutscher Hörigkeit und Bürokratie für das Judentum in Europa die Wirkung einer Atombombe hatte - es ist schlicht nichts mehr übrig von einer “normalen” Sozialisation unter einander. Ich könnte mich köstlich darüber aufregen, daß man nur Israel sagen muß um totsicher irgendwann beim Dritten Reich zu landen. Damit hat dieses System noch nach seinem Ende eine Macht über das Judentum und seine Identität und das ist nicht akzeptabel. Statt sich zu bekochen (Liebe geht durch den Magen) besucht man die Lager und Steinhaufen. Ja Himmel nochmal, man kann doch den Tod nicht zur Identität erklären - da gibt man dem Mörder noch Macht über alle Zeit und als Opfer auch noch Recht, wenn man die vom Mörder zugewiesene Rolle beibehält. Da bleibt man immer im Zusammenhang der Tat gefangen, und so funktioniert das Leben nicht - vielleicht das Gedenken, aber nicht das Dasein als Mensch unter der Sonne. Wenn man sich besucht, um gefilte Fisz zu essen oder man am Szabbos versehentlich zu Fleisch eine Rahmsauce serviert. das ist Leben, nicht dieser Vorbehalt des Hades. Frei nach Erich Fromm: Leiden oder Sein.

Gabriele Klein / 03.01.2020

Danke für den tollen Artikel, endlich mal was Positives, ein Hoffnungsschimmer auf Achgut ! Ich könnte mir vorstellen dass diese Schule, sollte sie ein Internat haben, sich vor Zulauf nicht mehr retten kann.

Faina Kornblum / 03.01.2020

Ich beneide die Schüler und die Eltern, die an dieser Schule sind. Das ist ein positives Beispiel wie deutsche Jugendliche im Umgang mit Israel erzogen werden können. Sie kriegen Informationen, sie kriegen die Möglichkeit alles selbst zu sehen und können sich dann eine eigene Meinung bilden. Ich wünschte das wäre in anderen Schulen auch möglich und nicht, dass die Jugendlichen vorgekaute Meinungen schlucken. Eine Schule, die Jugendliche zum Denken, zum Reflektieren und zum Entwickeln anregt, sowas gibt es hier in Deutschland noch ?! Aber eigentlich ist alles von den Lehrern und nicht von der Schule abhängig. Die Kinder müssen sich glücklich schätzen solche Lehrer zu haben, Hut ab!

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