Annegret Kramp-Karrenbauer und mehr als zwei Dutzend Prominente haben einen offenen Brief an die Times geschrieben und darin die Briten gebeten, ihre Entscheidung zum Brexit noch einmal zu überdenken. Spät – vielleicht zu spät – scheint man sich in Berlin daran zu erinnern, dass die Briten unsere Freunde und Verbündeten sind. Den richtigen Ton scheint der Brief aber nicht getroffen zu haben, jedenfalls nicht nach den Worten eines meiner britischen Freunde.
Er ist Londoner, ein scharfer Kritiker der britischen Politik und der Lügen, die den Bürgern vor dem Referendum aufgetischt wurden, hat für „remain“ gestimmt, aber ist wie so viele remainer nunmehr absolut empört über das Verhalten der EU und der „vassalage“, dem Vasallentum, welches die EU dem Vereinigten Königreich auferlege. Er meint, dass der Brief sentimental sei, am Thema vorbei ginge und fragt, ob die deutschen Meinungsmacher nicht verstünden, dass die Briten keinen Superstaat wollen, in dem niemand wirklich Verantwortung übernimmt. Nach seiner Meinung widersprächen die politischen Institutionen der EU dem britischen Sinn für Freiheit (das englische Original steht zusätzlich ganz am Ende dieses Beitrags):
"Er (der Brief) ist rührend und sentimental, trifft aber nicht den richtigen Ton. Er ist vollgepackt mit klassischen Klischees über die Briten (Pubs nach der Arbeit etc.). Wir mögen euch. Wir würden euch wieder willkommen heißen..
Aber er spricht nicht das grundlegende Problem an, welches nicht ist, dass wir uns alle als Miteuropäer alle mögen (die klassische Remain-Position), sondern, dass zu viele Briten (Engländer) nicht Teil eines niemandem verantwortlichen (unaccountable) Superstaates sein wollen.
Verstehen die Meinungsbildner und führenden Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik in Deutschland (und anderen europäischen Ländern) das nicht?
Es sind die politischen Institutionen der EU, die GEGEN unser Verständnis von FREIHEIT arbeiten.
Das ist der Kern des Problems.
Wenn wir der asiatisch-pazifischen Handelsgruppe beitreten würden, würden wir uns keiner politischen Einheit anschließen.
Der Grund, warum der Times-Brief naiv ist, ist, dass er bei dem Versuch, Großbritannien und seine Liebe zur Freiheit zu loben, nicht anerkennt, dass es genau das ist, was so viele Menschen dazu bringt, sich für das Verlassen zu entscheiden. Freiheit von niemandem verantwortlichen Bürokraten.
In dem Schreiben hätte gesagt werden sollen: Wir wollen Euch zurück und wissen, dass die EU reformiert werden muss. Helft uns, sie zu reformieren!!!!
Was soll ich ihm nur antworten?
Unter Verdun macht die Politik es ja nicht
Dass unsere Politiker uns erzählen, in Europa müsse es zwingend eine EU als Friedensprojekt geben, weil sonst ein furchtbarer Krieg ausbräche? Mit weniger als bestürzenden Bildern von Verdun macht die Politik es ja nicht.
Oder soll ich ihm erzählen, dass sich Sigmar Gabriel neulich im Interview im Tagesspiegel und nachfolgend im Morning Briefing mit Gabor Steingart verplappert hat und ganz offen erzählte, dass das Hauptmotiv für die EU sei, mit den ganz Großen mitspielen zu wollen? Hat leider nicht geklappt, die EU und speziell die Eurozone haben sich seit der Finanzkrise nicht erholt, allen teuren Rettungsversuchen zum Trotz. Ganz groß zu sein ist ein Wunsch, den in Europa viele Länder hatten, es klappte nie. Nun versucht man es zusammen, aber es klappt wieder nicht. Dennoch, wer verabschiedet sich schon so einfach von einem verführerischen Traum…
Und dieselben Politiker, welche die verschiedenen Kulturen innerhalb der EU versuchten immer gleicher zu machen, erzählten uns dann etwas davon, wie schön bunte Vielfalt ist. Deshalb sind Leute aus ganz fremden Kulturen gut und wertvoll. Dabei reicht die Kultursensibilität unserer Politiker nicht einmal aus, den Freiheitswillen der uns nahestehenden Briten zu verstehen. Das ist schon eigenartig.
Bei all dem Kopfschütteln über die komischen Briten und dem Klopfen auf die eigene Schulter, wie toll und klug wir doch sind: Hat irgendjemand eigentlich mal überlegt, dass die EU sich durch den Brexit mehr verändern wird als durch Reformen, die einen Verbleib der Briten möglich machen würden? Den Status quo werden wir nämlich auf keinen Fall behalten.
Hier das englischen Original des oben im Beitrag übersetzen Briefes meines Freundes:
“It’s touching and sentimental, but doesn’t hit the right note. It is packed with classic clichés about the British (pubs after work etc). We like you. We would welcome you back….
But it doesn’t address the fundamental problem which is that it is not a matter of us all liking each other as fellow Europeans (the classic Remain position), it does not address the problem that too many British (English) people do not want to be part of an unaccountable Super-state.
Do the opinion-formers and leading industrial and politics figure in Germany (and in other European countries) not understand that?
It’s the political institutions of the EU which work AGAINST our sense of FREEDOM.
That is the nub of the issue.
If we joined the Asian Pacific trading group we would not be joining a political entity.
The reason why the Times letter is naive is that while trying to praise Britain and its love of Freedom, it fails to acknowledge that it is precisely THAT what makes so many adamant for Leaving. Freedom from unaccountable bureaucrats.
What the letter should have said is: We want you back and we realise that he EU needs to be reformed. Help us reform it!!!!!!”

Seien wir doch mal ehrlich! Wer von den Funktionsträgern in Brüssel, Straßburg oder Luxemburg möchte denn, dass sich an und in der EU etwas ändert? Von den meisten "Errungenschaften" der letzten Jahre hat der Bürger zwar nichts, außer dass er sich mit immer mehr Bürokratie und Verordnungen rumschlagen darf und sein gutes Steuergeld in Höhe etlicher Milliarden für sinnlose Aktionen verpulvert wird, aber das ist den Eurokraten vollkommen schnurz. Für sie ist die EU eine Einrichtung, die man erfinden müsste, wenn es sie denn nicht schon gäbe, so viele Vorteile haben sie davon, die ihnen sonst entgehen würden. Da kann jeder Politikversager aus den einzelnen Ländern immer noch auf einen gut bezahlten Posten hoffen, im Extremfall als EU-Kommissar. Zehntausende von Bürokraten können sich beim Ausdenken immer neuer Verordnungen ausleben. Niemals gewählte Kommissare und Spitzenbeamte können ihre Profilneurosen ausleben und die absonderlichsten und weltfremdesten Grenzwerte, Gesetze, Vorschriften usw. auf den Markt werfen und Politiker Marke Macron und Merkel profilieren sich mit ihren Großmachtträumen als Herrscher über ein Großeuropa, das die alten Nationalstaaten ablösen soll. Alles Dinge, von denen der Normalbürger außer Bevormundung, Bürokratie und Kosten nichts hat. Wenn nun der Bürger eben dies merkt und droht, dieser Art von EU den Rücken zuzuwenden, dann holt man folglich gleich den ganz großen Knüppel raus und malt zur Abschreckung ein Europa nach dem Muster von mindestens 1914 oder gleich 1939 an die Wand, als würde Deutschland sofort in Frankreich einfallen um das Elsass zu erobern, Österreich sich Südtirol einverleiben oder Polen sich die verlorenen Gebiete östlich des Bug zurückholen, wenn man die EU nicht genau so weiterführt wie bisher. Dann muss man natürlich auch den Brexit so unangenehm wie möglich gestalten, schließlich ist es der größte Alptraum der Eurokraten, dass ein Großbritannien außerhalb der EU nicht verelendet sondern auch so gut zurechtkommt.
Gisela Stuart hat es. wie ich finde, in der Illner-Runde auf den Punkt gebracht, wie verschieden deutsche und britische Politiker die EU seheh. Nach der Lobrede des Aussenministers über die EU, die er mit der Aussage abschloss: "Das deutsche Interesse hat einen Namen: Europa!", konterte sie: " Herr Maas, kein britischer Politiker könnte jemals sich vorstellen zu sagen, dass britische Interessen dasselbe als europäische Interessen wären.
Der europäische Turmbau zu Babel wird kläglich scheitern da Realitätsverweigerung gepaart mit Größenwahn und das verleugnen der alten ehrbaren Fundamente niemals tragfähig sein werden! Da hilft auch kein Flug zum Mars.....der im Himmel thront spottet ihrer....
Ganz große Politik! Da behaupte noch jemand wir Deutsche hätten keine Geistesgrößen vorzuweisen: AKK, Daimler-Chef Dieter Zetsche, Gewerkschafts- und Kirchenvertreter, Ex-Fußballtorwart Jens Lehmann (spielte fünf Jahre für Arsenal London), Toten-Hosen-Sänger Campino.
Sowas kommt daher, weil nichts mehr daher kommt. Die EU-Bürokratie sollte sich neue Arbeitsplätze und Einkommensquellen suchen. Die Zahler fallen weg. Die Rückwirkung auf deutsche Exportindustrien dürften weit härter sein, als die Schmerzen und Engpässe auf der Insel. Bisher herrschte die Ideologie vor, dass sie auf die Knie fallen müssen und werden. Es wird vergessen, dass die Briten 2 Weltkriege als Sieger überstanden haben. Auch Gründe für Selbstbewustsein. Sie haben das komplette Weltreich mit den Ressourchen verloren und 80% der einstigen Flotte. Fehlendes Selbstwert-Gefühl kann denen keiner vorwerfen.
Absolut guter Artikel, der endlich den Kern des Problems beleuchte, statt mit Gefühlen und Sentimentalitäten abzuwiegeln und nichts als heisse Luft zu produzieren. Ebenso sind alle Kommentare sehr gut und treffend.
Die Briten haben mehrere Austritts-Gründe: Die überschuldeten Staaten der EU, der wacklige Euro der anderen, die Flutung mit Kulturfremden und die Wieder-erlangung der Staats-Souveränität (Weg mit der Brüssler Bevormundung). Die haben kürzlich im Unterhaus nicht gestritten, weil einige nicht austreten wollen. Sondern, weil das Ergebnis des Vertrages (Deal) nicht gut genug war. Zu den 4 genannten Gründen kommt das brit. Gefühl der Fremdbestimmung durch Anti-Demokraten. GB ist seit 1530 mit einem Weltreich/jetzt Commonwealth "beglückt" und seit 1640 Demokratie. Von wegen solange abstimmen, bis das Ergebnis stimmt. Und noch eines: Der EU-Beitrag fällt mittelfristig weg. Ein weiteres: Es ist eine unangreifbare Atom-Macht, im Sicherheitsrat und an der Seite der USA. Dagegen nimmt sich das AKK-Brieflein (das in Wahrheit das AA schrieb) wie eine Schülerwandzeitung aus.