Die Kopfabschläger des „Islamischen Staats“ folgen einer alten regionalen Routine. Und schon damals bekamen auch einige europäische Christen die scharfen Klingen der mörderischen Islamisten zu spüren. Zum Beispiel der Kreuzfahrer Konrad von Montferrat.
Der war gerade König von Jerusalem geworden. Das war ein schöner Titel, aber der damit verbundene Luxus hielt sich in Grenzen. So kam es immer wieder vor, dass die königliche Küche kalt blieb. Als das wieder mal geschah, beschloss Konrad, sich beim benachbarten Bischof zum Essen einzuladen. Doch, so lautet die Überlieferung, der Bischof hatte schon gegessen, auch seine Küche war inzwischen kalt. Also machte sich König Konrad mit knurrendem Magen und wahrscheinlich mit Wut im Bauch auf den Heimweg. Nach königlichen Maßstäbe war das kein guter Tag. Ach, wäre es dabei geblieben. Doch plötzlich stellten sich ihm zwei Assassinen in den Weg und stießen ihm ihre Dolche in den Leib.
Der hungrige König war ein frühes, aber nicht das erste christlich-europäische Opfer der Assassinen. Diese zweifelhafte Ehre erwarb im Jahr 1152 Raimund II, der Graf von Tripolis. Der hatte sich mal wieder mit seiner Frau Hodierna gestritten und sie gemeinsam mit Schwägerin Melisende ein Stück weit auf eine Beruhigungsreise nach Jerusalem begleitet. Als er sich ohne sie wieder auf den Rückweg begab, machte er vermutlich drei Kreuze. Zu früh. Eine Gruppe Assassinen lauerte ihm auf, als er gerade wieder seine Stadt Tripolis betreten wollte. Die Bande erdolchte ihn und zwei weitere Kreuzritter, die ihn begleiteten.
Niemand war vor den Assassinen sicher. Aber eigentlich stürzte sich die mordende Sekte mit Vorliebe auf moslemische Glaubensbrüder, die andere Auffassungen vom wahren Islam hatten als sie. Die ursprünglich persische Sekte entstand nach einem Streit darüber, wer der wahre Nachfolger des wahren Nachfolgers des wahren Nachfolgers des Propheten war. Der Islam neigte – wie das Christentum – früh zu Abspaltungen. Die Assassinen nahmen vor rund tausend Jahren als eine religiöse Abspaltung einer Abspaltung einer Abspaltung ihre Arbeit auf. Und da der frühe Islam ausgesprochen politisch war, ging es auch den Assassinen um politische Macht. Der politische Mord war ihr Markenzeichen Über zwei Jahrhunderte lang verbreiteten sie Furcht und Schrecken.
Zeitgenössische Berichte, vor allem die Schilderungen des Morgenlandreisenden Marco Polo, bringen die Assassinen mit dem Rauschmittel Haschisch in Verbindung. Ob ihr Name tatsächlich von dem Kraut kommt, ist ungewiss. Marco Polo berichtete jedenfalls, dass sich die Assassinen an Haschisch berauschten, ehe sie zu ihren Dolchen griffen.
Bei ihren Mordeinsätzen nahmen sie den eigenen Tod bewusst in kauf. Oft flohen sie nicht einmal nach der Tat, denn sie glaubten sich eines Platzes im Paradies sicher. Von ihnen stammt die islamistische Tradition, dass sich Mörder als Märtyrer fühlen. Eine weitere Tradition, die heute wieder zum Vorschein getreten ist, betrifft die Auswahl der Opfer. Zwar richten sich die modernen islamistischen Terroristen scheinbar gegen den ungläubigen Westen. Tatsächlich aber sind die meisten ihrer Opfer, wie damals bei den Assassinen, moslemische Nachbarn.
Das Wort Assassin ist in viele westliche Sprachen eingedrungen. Im Deutschen spricht man treffend von Meuchelmördern.