Die Pressekampagne gegen eine Lesung über eine kritische Bilanz der Merkel-Jahre, darunter mein Achgut-Buch "Ist mir egal", lief geradezu nach Lehrbuch. Aber sie zeigt, dass die Ausgrenzer scheitern können.
Am Montag, dem 26. Mai, war ich von der Stadt Perleberg eingeladen, gemeinsam mit dem Autor Gerold Keefer im örtlichen Museum unsere merkelkritischen Bücher vorzustellen. Kaum hatte das Museum die Ankündigung für die Veranstaltung herausgegeben, begann eine Kampagne. Angeführt wurde sie vom RBB, dessen Lokalreporter Haase-Wendt einen regelrechten Verhörkatalog an die Stadt sandte, um zu erfahren, wie es zu dieser Einladung gekommen war. Gleichzeitig veröffentlichte er einen Artikel, in dem ausgerechnet der ehemalige Landtagsabgeordnete der Linken, Thomas Domres, noch 1989 der SED beigetreten, sich „schockiert“ zeigte, dass ich in Perleberg zu Wort kommen sollte.
Was hat den Autor veranlasst, ausgerechnet ein Mitglied der vierfach umbenannten SED, PDS, Linkspartei, Linke als Kronzeugen gegen mich ins Feld zu führen? Domres hat die Liebknecht-Luxemburg-Affäre im Januar 1988 miterlebt, als ich verhaftet und verurteilt wurde, weil ich mit Artikel 28 der DDR-Verfassung, die jedem Bürger garantierte, seine Meinung frei und öffentlich zu äußern, demonstriert habe. Der Kronzeuge des RBB bewies nur, dass die Linke noch die alte SED ist.
Außerdem wurde im Artikel eine nicht näher bezeichnete „Gegenveranstaltung“ angekündigt. Eine „Aktionsgruppe, Bunte Prignitz‘“, die auf Instagram mit 68 Beiträgen und 744 Followern vertreten ist, verkündete, dass man die Bürger mit einer Autorin wie mir nicht allein lassen dürfe. Ich kenne solche Veranstaltungen, bei denen für unliebsam erklärte Referenten niedergebrüllt oder mit anderen undemokratischen Mitteln mundtot gemacht wurden. Wollte der Autor das nahelegen?
Natürlich hat der Autor seine schwerwiegenden Behauptungen ungeprüft verbreitet, geschweige denn, mir Gelegenheit gegeben, dazu Stellung zu nehmen. Allem Anschein nach hat er sie Wikipedia entnommen, wo seit Jahren meine Seite von offensichtlich Linksradikalen „betreut“ wird. Der aktivste Wächter nennt sich Jos Fritz, nicht erst in diesem Jahr, dem Bauernkriegsjubiläum. Eine Zeit lang habe ich versucht, die falschen Eintragungen richtigzustellen, das gelang aber nicht, weil sie innerhalb kürzester Zeit wieder umgeschrieben waren. Wikipedia ist, zumindest was den gesellschaftspolitischen Teil betrifft, von linksradikalen Aktivisten unterwandert, die sich offenbar dem „Kampf gegen rechts“ berechtigt sehen, es mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen. Ich hatte seit Jahren nicht mehr in meinen Wikipedia-Eintrag geschaut, und so war mir nicht gleich klar, woher die Artikel-Schreiber von RBB, Nordkurier und Märkischer Allgemeiner ihre Weisheiten nahmen und dabei blieben, als sie nach der Veranstaltung noch einmal ihrem Frust, sie nicht verhindert haben zu können, in regelrechten Philippiken ausließen.
Klandestine Zirkel
Ich sei Teil eines Netzwerks der Rechten, wobei den Autoren nicht bewusst ist, dass zu einer funktionierenden Demokratie neben einer demokratischen Linken eine demokratische Rechte gehört und die offene Diskussion unterschiedlicher, auch kontroverser Standpunkte unverzichtbar ist. Wer eine Einheitsmeinung anstrebt und den demokratischen Diskurs abschaffen will, schützt nicht die Demokratie, sondern zerstört sie. Was das „rechte Netzwerk“ betrifft, wird bei Wikipedia ein Zeit-Journalist namens Machowecz aufgeführt, der über einen angeblichen „klandestinen Zirkel“, der die „Erklärung 2018“ verantwortet haben soll, recherchiert hat. Der existierte nur in Machowecz’ Kopf. Mich hat er in diesem Zusammenhang auf eine private Feier in meiner Wohnung angesprochen, aber keine Auskunft erhalten. Dann verortete er die Zusammenkünfte des von ihm erfundenen Zirkels in der Gedenkbibliothek für die Opfer des Kommunismus, was er öffentlich zurücknehmen musste. Schließlich entschied er sich für die Bibliothek des Konservatismus als Ort der Treffen von namhaften Autoren, weil Chefredakteur Dieter Stein dort dem Stiftungsrat vorsitzt. Fertig ist das heimliche Netzwerk. Das wird, wie die Veröffentlichungen gegen die Veranstaltung in Perleberg bewiesen, ungeprüft übernommen und ein bisschen ausgeschmückt, weil Copy and Paste etwas zu peinlich ist.
Was meine Pegida- und AfD-Nähe betrifft, so kreidet man mir in Wikipedia an, dass ich dafür plädiert habe, mit beidem demokratisch umzugehen, statt auszugrenzen. Wenn ein Plädoyer für demokratischen Umgang „rechts“ ist, bekenne ich mich gern dazu. Aufgezählt wird auch ein gemeinsamer Auftritt mit Frauke Petry als Abschluss des Bundestagswahlkampfes 2017 in Pirna. Petry hatte wenige Tage zuvor wegen einer Intrige des Höcke-Flügels den Saal für ihre Abschlusskundgebung verloren. Daraufhin entschlossen sich Pirnaer Unternehmer, ihr Ersatz zu verschaffen. Diese Unternehmer fragten mich, ob ich unter diesen Umständen Petry unterstützen würde, was ich tat. Fünf Tage später trat Petry am Tag nach der Wahl aus der AfD aus. Meine Unterstützung für Petry war also schwerlich eine der AfD.
Wenn etwas nicht passt, wird es passend gemacht. Die Autorin des Nordkuriers, Frick, behauptete in ihrem Artikel nach der Veranstaltung, die Moderatorin, Museumsleiterin Pöplau, hätte mich bei ihrer Einführung als AfD-Unterstützerin bezeichnet. Dabei hat Pöplau nur auf einen Wikipedia-Eintrag verwiesen, dass die AfD mich 2013 als Unterstützerin aufgeführt hat, was sie aber nach meiner Intervention löschen musste. Frick hat einfach den zweiten Teil weggelassen.
Wogegen richtete sich die Demonstration denn nun?
Frick hatte zuvor behauptet, ich sei auf Corona-Demonstrationen (Plural) gemeinsam mit Rechtsextremen und Verschwörungstheoretikern aufgetreten. Nun habe ich die Corona-Maßnahmen zu Recht, wie sich immer mehr herausstellt, auf meinem Blog kritisiert, war aber nie auf einer Corona-Demo. Frick musste dann vom Plural auf Singular umschalten, und aus Rechtsextremen und Verschwörungstheoretikern wurden Rechte und AfD-Mitglieder. Sie warf mir vor, am 1. Juni 2020 in Schmalkalden auf einer Demo geredet zu haben.
Diese Demo stand unter dem Motto: „Nur gemeinsam sind wir frei“. Allerdings steht bei Wikipedia, das Motto wäre „Die Maske muss weg“ gewesen, obwohl Anfang Juni 2020 die Politik noch mit zweifelhaften Maskendeals krampfhaft bemüht war, Masken erst zu beschaffen, was im Hause von Gesundheitsminister Spahn zu einem zweifelhaften „Open-House-Verfahren“ führte, in dem ohne Ausschreibung allen exorbitante Maskenpreise versprochen wurden, die liefern konnten. Geliefert wurden auch mangel- und fehlerhafte Masken, die dann an staatliche Alters- und Pflegeheime verteilt wurden mit dem Hinweis, sie nur im Notfall einzusetzen. Auch wurde eine Verteilung an Obdachlose und Bedürftige ins Auge gefasst. Schließlich wurden Millionen Masken einfach vernichtet. Im Juni 2020 war es eher der Mangel an Masken, der die Öffentlichkeit beschäftigte. Der Widerstand gegen die Maske begann erst mit dem Maskenzwang ab dem Spätherbst 2020. Aber was bei Wikipedia steht, wird ungeprüft übernommen.
Ein weiteres Beispiel dafür liefert die Märkische Allgemeine, die schrieb, dass ich 2018 an einer Pegida-nahen Demonstration in Köln teilgenommen hätte. Wieder steht das so bei Wikipedia, obwohl es bei dieser Demonstration um das Netzwerkdurchsetzungsgesetz ging, das auch von Linken und Grünen scharf kritisiert wurde. Vertreter beider Parteien standen damals mit auf dem Podium, aber das war den „Gegendemonstranten“ egal – wir waren alles Nazis. Mit Pegida hatte die Sache nichts zu tun.
Die Pressekampagne gegen unsere Veranstaltung in Perleberg ist ein Lehrstück, wie die Spaltung der Gesellschaft und die Ausgrenzung Andersdenkender läuft. Das Futter gegen missliebige Personen wird bei Wikipedia geholt, dann wird mit den zum Teil regelrecht falschen Behauptungen Stimmung gemacht. Bei den Akteuren wie der „Bunten Prignitz“ werden Statements eingeholt, die als für die Öffentlichkeit repräsentative „Meinungen“ ausgegeben werden. Wenn’s gut läuft, kann der Artikel als weiterer Nachweis bei Wikipedia landen.
Die Bilanz
Übrigens: Die Kampagne hatte zur Folge, dass nicht 39 Zuhörer ins Museum kamen, sondern über 80 in die Aula, die das örtliche Gymnasium kurzfristig zur Verfügung gestellt hatte. Davon waren, wie die Publikumsreaktionen zeigten, über 50 Interessierte und höchstens 30 Presse und „Gegenveranstaltung“. Letztere beteiligte sich kaum an der Diskussion. Nur ganz am Ende meldeten sich zwei Grüne, die das sagten, was als Zuschauermeinung in den Nachbetrachtungen veröffentlicht wurde. So etwas „Einseitiges“ hätte er noch nie erlebt, tönte der Chef der grünen Stadtratsfraktion, eine andere Grüne ergänzte, es seien keine Quellen, nur Gefühle und Interpretationen geliefert worden, das hätte sie nicht überzeugt.
Diejenigen, die sich in der Veranstaltung positiv bis enthusiastisch geäußert hatten, kamen in der Berichterstattung nicht vor. Sollten sie die Berichte gelesen haben, könnte bei ihnen der Eindruck entstanden sein, die Journalisten wären auf einer anderen Veranstaltung gewesen. Das Vertrauen der Leser gewinnt man so jedenfalls nicht. Jedenfalls wurden mir meine Bücher innerhalb weniger Minuten aus der Hand gerissen, die während der Veranstaltung nicht auslagen und auf die ich erst aufmerksam machen durfte, als die Zuhörer bereits den Saal verließen.
Nachweise:
Märkische Allgemeine, Nordkurier hier und hier, sowie die Presseerklärung der Autoren Vera Lengsfeld und Gerold Keefer
Vera Lengsfeld, geboren 1952 in Thüringen ist eine Politikerin und Publizistin. Sie war Bürgerrechtlerin und Mitglied der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR. Von 1990 bis 2005 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages zunächst bis 1996 für Bündnis 90/Die Grünen, ab 1996 für die CDU. Seitdem betätigt sie sich als freischaffende Autorin. 2008 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt. Dieser Beitrag erschien zuerst auf ihrer Seite vera-lengsfeld.de
Vera Lengsfelds aktuelles Buch „Ist mir egal – Wie Angela Merkel die CDU und Deutschland ruiniert hat“, Achgut Edition, ist hier im Achgut-Shop bestellbar.

Wölfe im Schafpelz, der Ausdruck ist doch uralt. Sie benehmen sich artgerecht, als Rote Socken beim Kampf gegen Klassenfeinde oder anders als sie denkende Menschen. Wobei hier dem Wolf sicher unrecht getan wird. Die Geschichte beweist es, es sind Henker im Anglitz der eigenen Verblendung. Es war schon immer deren Stil, eine Front gegen oder für etwas auf sich zu vereinen und die Führung zu stellen. Die politische Vielfalt im Land hat sie vollkommen überfordert. Der alte Geist herrscht weiter, ob im Programm niedergeschrieben oder nur als Asche. Und Demokratie ist gerade ein Reizwort, welches in Deutschland bei allen unter die Räder gekommen ist. Sie, die Demokratie, wurde mal ersetzt durch eine Regenbogenfahne und tausend Geschlechter mit jeweils drei persönlichen Pflanzen.
Die Reporterin Katja Frick bemängelt die Qualität des Vortrages von Frau Lengsfeld. Frau Frick soll lieber froh sein, dass ich mir nicht die Mühe mache die Qualität ihrer Beiträge zu überprüfen. Sie ist zu unbedeutend. Ich kenne Frau Lengsfelds Artikel gut genug, um ein grundsätzliches Vertrauen in ihr zu haben. Frau Frick lehnt sich sehr weit aus dem Fenster, indem sie schwammiges Nichts schreibt. Ob sie ein scharfes Kreuzverhör betreffend der von ihr bemängelten Qualität von Frau Lengsfelds Vortrag überstehen würde, ohne heulend davon zu laufen?
Das aktuelle politische Klima im Land kann nur an finsterste Zeiten erinnern. Er ist wieder da, der Ungeist, der Deutschland in die Diktaturen von 1933 und im Osten 1949 getrieben hat. Und dieser Ungeist wählt nicht die AfD oder den letzten Rest tatsächlich Konservativer, ganz im Gegenteil. Womöglich ist es tatsächlich so, dass Deutschland (samt Brüssel, by the way) wieder einmal Demokratie-„Nachhilfe“ von extern benötigt.
Charakteristisch für die linken Schmieranten, dass sie ihr eigenes Weltbild als selbstverständlich voraussetzen. Einer schreibt vorwurfsvoll, dass Frau Lengsfeld die Merkelsche Migrationspolitik kritisiert. Das ist schon der Vorwurf. Auf das Warum wird nicht eingegangen. Messermorde als Selbstverständlichkeit.
Mainstreammedien und linke NGOs bilden eine vielarmige Krake, die das Land noch fest im Griff hat. Zehntausende von steuergeldfinanzierten Jakobinern überwachen jeden Aspekt des öffentlichen Lebens und versuchen, jede Abweichung vom Linkskurs mundtot zu machen, wenn möglich auch den Abweichler persönlich fertigzumachen. Das gelingt im Westen immer noch mühelos, im Osten verfangen sich die Krakenarme bereits an der umzingelnden Realität, wie das geschilderte Beispiel zeigt. Meine Hochachtung für jeden, der den Kampf mit der scheinbar mächtigen Krake aufnimmt. Dabei immer bedenken, daß die Krake im tiefsten Inneren erbärmlich feige ist und nur durch Staatsknete am Leben gehalten wird. Und genau die wird dank des Ruins der Einnahmebasis versiegen.
Auch marktradikale Jubelblätter wie n-tv berufen Subjekte der Linkspartei zum Kronzeugen. Das Großkapital hat eine Affinität zum Internationalismus, global kassieren, lokal kastrieren, und dafür steht die verdrehte Linke mit ihrem Namen. Zwielichtige Subjekte sollen alte Wunden aufreissen, weil Unterschichten-Bashing und enger Meinungskorridor „Unserer Demokratie“ nützt. Nicht nur die Sowjetunion, auch Brüssel war ein „Überstaat“. Von der DDR lernen, heißt auch, die Polarisierung zu durchschauen. Schließlich kommt die Methode da her. Die Parole lautet schließlich, wer kein Kommunist ist, ist Faschist. Die hat die Linkspartei ausgegeben und wurde von den Marktradikalen verinnerlicht. Ein Paradox ist, daß marktradikale Jubelblätter sich als Kommunisten ausgeben. Wie Konrad Lorenz gezeigt hat, halten sich manche Gänse für Menschen. Die Polarisierung funktioniert solange, bis man umkehrt. Sich von allem zu distanzieren, ist die falsche Methode. Man muß der Gans klar machen, daß sie eine Gans ist.
Sehr geehrte Frau Lengsfeld, bleiben Sie mal schön so, wie Sie sind. Das ist schwer in Ordnung.
Mfg
Nico Schmidt