Fundstück / 21.11.2013 / 22:46 / 4 / Seite ausdrucken

Ein Völkermord verschwindet

Der Krieg der deutschen Truppen gegen die Herero und Nama im heutigen Namibia war ein Vernichtungsfeldzug, bei dem 50 bis 70 Prozent der bis zu 100.000 Herero und bis zu 50 Prozent der rund 20.000 Nama ums Leben kamen. Einige von ihnen wurden getötet, andere in die Wüste getrieben, um dort zu verhungern und zu verdursten. Tausende starben auch in Konzentrationslagern, die die Deutschen in ihrer Kolonie einrichteten. Der Historiker Jürgen Zimmerer nennt diesen Krieg einen Völkermord. “Ein Genozid ist nicht nur das Ermorden von Menschen, sondern das gezielte Zerstören von Gemeinschaften und Gesellschaften”, sagte er 2012 im Interview mit n-tv.de. “Das war hier zweifellos gegeben.”... Seit Jahren verweigert Deutschland den Herero und Nama jedes Wort der Entschuldigung. In ihrer Rede in der Charité sprach Pieper von “Bedauern”, “Scham” und “Hochachtung”, doch die von den Namibiern erhofften Wörter “Entschuldigung”, “Völkermord” und auch “Entschädigung” fielen nicht. Stattdessen formulierte Pieper, sie bitte im Namen der Bundesregierung um “Versöhnung”. Für die namibische Delegation war dies ein Affront. http://www.n-tv.de/politik/Bundesregierung-auf-Distanz-zu-Schaedeln-article11760211.html

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Leserpost

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Thomas Barth / 22.11.2013

Was soll das Gejammer um die Verbrechen unserer Ur-Urahnen, die wir nicht mal mehr lebendig kennen. Wer sich damit identifiziert, möge Sühne leisten. Ich jedenfalls nicht.

Martin Landvoigt / 22.11.2013

Die weit verbreitete Darstellung wird hier wieder gegeben. Politisch korrekt ist auch, die Zahl der Opfer möglichst groß zu machen. Allerdings gibt es begründete Zweifel an den Darstellungen. Unbestritten bleibt, dass der Hereroaufstand zu großen gefahren führte, die die wenigen Mann der Schutztruppe überforderte. Unbestritten bleibt weiter, dass das Expeditionskorps unter Generalleutnant Lothar von Trotha eine brutale Strategie verfolgte, die Tausenden das Leben kostete. Bestritten muss werden dass es sich um gesicherte Opferzahlen handelt. Die Angaben schwanken je Quelle zwischen 30 000 und über 70 000. Wirklich belastbare dazu Quellen sind mir nicht bekannt. Ich las vor Jahren eine eingehende Diskussion über einen fatalen Schießbefehl, der in manchen Darstellungen anders aussah als in der genannten. Man springt zu kurz, ein verkürztes Narrativ zu kolportieren. Hinsichtlich finanzieller Ausgleichszahlungen mag es verwundern, dass nun nach über 100 Jahren derartige Ideen noch kursieren. Die Bundesrepublik hat als Nachfolger des Kaiserreichs eine traditionell überproportionale Entwicklungsförderung für Namibia geleistet, u.a. aus einer historischen Verantwortung heraus. Darüber hinaus gehende Forderungen seitens Herero-Organsatonen werden seitens der Namibischen Regierung ungerne gesehen, dann man versuchte im Kontext des Nation Building, den Volksgruppen zwar eine folkloristische Identität zuzugestehen, aber nicht zu einem segregierten Bevölkerungsteil zu werden. Unter diesem Gesichtspunkt nimmt eine vor allem finanzielle Forderung, deren Verteilung auch unklar bleiben müsste, eher einen destruktiven Charakter an. Eine oberfächliche Darstellung übersieht dergleichen leicht.

Peter Merbt / 22.11.2013

Wunderbar, wie der Herr Volmer aufdeckt, dass das Nichterwähnen von so etwas Substantiellem wie “Entschädigung” zu einem Affront bei der namibischen Delegation führte. Das, liebe Bundesregierung geht ja nun wirklich nicht. Für eine “Versöhnung” der Nachkommen der einstigen Kontrahenten in fünfter oder sechster Generation kann man sich nichts kaufen. Wenn dann die Zahlungen hoffentlich bald mit Zins und Zinseszins geleistet wurden werde ich mal die marodierenden Schweden ins Gespräch bringen. Schwedische Truppen hatten im Erzgebirge 1623 meinen Ahn George zusammen mit seinen zwei kleinen Söhnen auf seinem Hof ermordet - per Kirchbuch nachweislich gemacht. Ich hoffe, dass das schwedische Königshaus bei seiner fälligen Geste nicht nur von “Bedauern”, “Scham” und “Hochachtung” sprechen wird, sondern “Entschuldigung” und vor allem “Entschädigung” in Aussicht stellt. Alles Andere wäre für mich ein Affront.

Peter Kammer / 22.11.2013

Bin ja positiv überrascht, dass ausgerechnet die Gutachsen auf dieses Thema hinweisen. Wobei man allerdings zwar den Völkermord gern verschweigt, die Protagonisten von damals aber gern als Straßennamen behält. Die vielen Wissmannstraßen sind nämlich nicht dem ehemaligen Verkehrsminister gewidmet. Hans Paasche dagegen wird lieber verschwiegen. So liegen halt die Prioritäten in diesem Land.

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