Es gibt so Tage, da zeigt sich der Zustand der Republik wie in einem Brennglas. Dieser Gedanke drängte sich mir beim Sichten der Meldungen auf, die heute Morgen auf meinem Schreibtisch landeten.
Zunächst mal hat es in Leipzig einen veritablen Terroranschlag gegeben, der aber niemanden besonders aufzuregen scheint, da "mutmaßlich linksextreme Täter" nicht unbedingt dem medialen Beuteschema entsprechen. Bisher spielt das Thema überregional jedenfalls kaum eine Rolle.
„Chaoten sprengen Baustelle. Leipzigs OB Jung: Das ist ein Terroranschlag". Die Flammen erleuchten die Nacht, breiten sich rasend schnell aus und richten einen Schaden von 10 Millionen Euro an. Siehe auch hier.
Von der Realität eingeholt wird man jetzt auch in Hamburg. Dort musste unter anderem ein grüner Umweltsenator den anwesenden grünen Rentner-Aktivisten erklären, dass die Abschaltung des mit Steinkohle betriebenen Heizkraftwerkes in Wedel nun doch nicht erfolgt, sondern auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Siehe dieses NDR-Video. Der Grund ist ganz einfach: Einige hunderttausend Haushalte im Hamburger Westen hängen von der Wärmeversorgung ab. Ich vermute, wir werden im deutschen Energiewendeparadies über kurz oder lang noch viele solche Veranstaltungen miterleben dürfen. Besonders schön ist in Hamburg, dass diejenigen, die uns diesen Mist eingebrockt haben, ihn nun auch wieder abräumen müssen.
Obwohl es um Fußball geht, findet auch die folgende Meldung nicht besonders Widerhall. Polizei-Ärger in Istanbul: Gladbach-Fans verhinderten totale Eskalation.
Der Hintergrund: Offenbar sieht man die völkerverständigende Wirkung des Ballsports in der Türkei ein wenig einseitig:
Borussias Fans haben vor dem Spiel in Istanbul eine böse Überraschung beim Einlass erlebt: Keine Fahnen mit „Ultras“-Schriftzug durften rein, genauso wenig Fahnen mit Mönchengladbachs Stadtwappen – weil darauf mit dem Heiligen Vitus ein christliches Symbol abgebildet sei.
Hellwach ist man hingegen in Mannheim, wenn es darum geht, einen unliebsamen Gutachter loszuwerden. Walter Krämer, Statistiker an der Uni-Dortmund und Achgut.com-Autor fungiert als Gutachter vor dem Mannheimer Amtsgericht in Sachen Mietspiegel. Der Mannheimer Mieterverein hat jetzt einen Befangenheitsantrag gegen Krämer gestellt, der das Gutachten für den Mannheimer Eigentümer und Mieterverband erstellt hat. Begründung: Krämer habe sich schon vorher in der Presse kritisch über die Qualität der sogenannten Mietspiegel geäußert. Kommunalinfo Mannheim wirft aber zusätzlich noch den Denunzierungsgenerator an: "Bei Recherchen über die Person Walter Krämer fällt auf, dass er auch eine Flanke nach Rechtsaußen offen hat...."

Da bin ich mal gespannt worüber die Aktuelle Kamera heute um 20 Uhr berichtet.
Alles nur von regionalem Interesse, lieber Herr Maxeiner, alles ist gut in unserem Land, die Leidensfähigkeit (oder Gleichgültigkeit) der Bürger offensichtlich grenzenlos, und so werden Sie Tag für Tag eine wachsende Anzahl dieser Meldungen auf Ihrem Schreibtisch finden, Ende offen.
Der Fairness halber: Der Leipziger Anschlag hat erstaunlicherweise im Verlautbarungsorgan von Bündnis 90/Grüne, früher bekannt als "Zeit", eine gewisse Rolle gespielt. War aber offenbar nur ein Ausutscher. Bislang (13:15) kein Wörtchen über den Anschlag in Paris gestern oder den Stein-Angriff auf eine Jüdin in Bayern. Nicht dass noch jemand denkt, diese unter Dönhoff/Schmidt überaus honorige Zeitung hätte inzwischen wieder annähernd etwas mit Journalismus zu tun.
Also ich bin für das Abschalten des Heizkraftwerkes. Nur dann merken die Wähler von welchen Idioten sie regiert werden. Man lernt nur dann etwas, wenn es weh tut.