Jesko Matthes / 21.05.2024 / 16:00 / Foto: Instagram/Shani Louk / 65 / Seite ausdrucken

Ein Stolperstein für Shani Louk

Die Eltern der ermordeten Shani Louk haben den Leichnam ihrer Tochter zurückerhalten und konnten endgültig von ihrer Tochter Abschied nehmen. Die fehlende Empathie in Deutschland ist einfach nur erschütternd. 

Die 2001 in Ravensburg geborene Shani Louk besaß als Tochter einer Deutschen und eines Israeli beide Staatsangehörigkeiten. Nur selten lebte sie in Deutschland. Deutsch hatte sie an den Goethe-Instituten in Freiburg und Weimar gelernt.

Louk war international vernetzt, arbeitete als Künstlerin für Tattoos und organisierte Events. Und so nahm sie auch teil an jener großen Party für junge Leute, unter freiem Himmel, in der Nähe des Kibbuz Re'im im Süden Israels, von der flüchtend sie offenbar noch am 7. Oktober 2023 von Schergen der Hamas durch Kopfschuss ermordet worden ist. Die Bilder ihres halb entblößten, leblosen Körpers auf der Ladefläche eines Pick-Up, verschleppt in den Gaza-Streifen, umringt von jubelnden und auf sie spuckenden Palästinensern, gingen um die Welt.

Louk wurde nicht wegen irgendeiner Feindschaft ermordet, auch nicht wegen irgendeines besonderen Glaubens. Die Zweiundzwanzigjährige wurde ermordet wegen ihrer Abstammung und ihrer Existenz als Jüdin. Sie wurde Opfer einer geplanten Tötungskampagne aus rassistischen Motiven, sofern man diese Kategorie überhaupt einführen möchte. Präziser: Shani Louk wurde Opfer des organisierten Juden-Mordens der Hamas.

Sie war nur eine von ca. 1.200 am 7. Oktober von der Hamas ermordeten Juden. Der Begriff „Pogrom" für den terroristischen Überfall und das Morden ist immer noch beschönigend; denn das Vorgehen der Hamas war kein spontaner Ausbruch des Hasses, sondern eine minutiös geplante Terror-Operation. Sie gleicht fast aufs Haar jenem Morden der Einsatzgruppen der Nationalsozialisten im Schatten des Zweiten Weltkrieges, denn zeitgleich wurde Israel massiv mit Raketen aus dem Gazastreifen beschossen. Und auch die Hinterbliebenen waren der Hamas gleichgültig, sogar verhasst; ganz so wie bei den Nationalsozialisten ließ man Shani Louks Leichnam verschwinden, und über den Verbleib der Tochter ließ man die Eltern völlig im Unklaren. Sie hofften noch eine Weile, ihre Tochter liege schwer verletzt in einem Krankenhaus im Gazastreifen.

Unbestattet in einem Hamas-Tunnel zurückgelassen

Nur den israelischen Streitkräften und Forensikern ist zu verdanken, dass die Eltern überhaupt vom Tode ihrer Tochter erfuhren, und auch das kürzliche Auffinden des unbestattet in einem Hamas-Tunnel zurückgelassenen Leichnams ist nur den israelischen Streitkräften und ihrer Hartnäckigkeit zu verdanken. Nun konnten die Eltern, Angehörigen und Freunde Shani Louks sie jetzt wenigstens bestatten, haben einen Ort ihrer Trauer und vielleicht eine vage Möglichkeit, ein Mindestmaß an persönlichem Frieden zu finden, sofern ihnen das möglich ist.

Derweil wird in Israel der ermordeten Shani Louk in einer Ausstellung ihrer Werke gedacht, und ihre deutsche Mutter gibt zu Protokoll:

I feel the safest in Israel, that everyone understands everyone here, and that there is solidarity here due to the situation. There is strong antisemitism abroad. When we were in Berlin, they just set fire to a synagogue and vandalized doors and closed the embassy that day.

„Am sichersten fühle ich mich in Israel, dadurch dass hier jeder jeden versteht, und dass hier Solidarität herrscht aufgrund der Lage. Im Ausland gibt es starken Antisemitismus. Als wir in Berlin waren, hatte man gerade Feuer an einer Synagoge gelegt, ihre Türen beschädigt und die [israelische] Botschaft geschlossen an dem Tag."

Nur aus den Mündern deutscher Offizieller ist kein einziges Wort zu vernehmen über die kaltblütige Ermordung einer jüdischen Deutschen, auch nichts über die offenbar generalstabsmäßige Planung dieser Morde im Windschatten eines Krieges ohne Kriegserklärung. Schon Ende Oktober 2023 äußerten sich dazu die Angehörigen

Ricarda Louk hatte nach dem Terrorangriff auch die Bundesregierung um Hilfe gebeten – auch bei einem Treffen mit Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) in Israel. Die Familie beklagte, dass sie von den deutschen und israelischen Behörden kaum Informationen erhalten hatte. Orly Louk und ihr Mann Wilfried Gehr sahen das Treffen Mitte Oktober sehr kritisch: „Leider bleibt das Gefühl, dass die deutsche Außenministerin, der Botschafter und auch der Kanzler uns und alle Familien wirklich nicht unterstützt haben, die betroffenen Familien nur für ihre egoistischen Medienauftritte benutzt haben", teilten sie in einer Stellungnahme mit. Aber es bringe nichts, sich darüber zu beklagen. „Wir hoffen, dass dieser sinnlose Krieg in Israel und alle anderen Kriege bald aufhören."

Kein offizielles Gedenken, keine einzige Flagge auf Halbmast

Das ist, nach allem, was wir wissen, auch der Wunsch der Ermordeten. Mir persönlich war schon damals klar, dass gerade in dieser Hinsicht die ritualisierten antifaschistischen Lippenbekenntnisse und das offizielle Gedenktheater in Deutschland nichts wert sind. Angesichts der Ermordung Shani Louks erweisen sie sich vollends als Makulatur: Kein offizielles Gedenken, keine einzige Flagge auf Halbmast, keine Demonstrationen oder Lichterketten gegen den Antisemitismus, und auch keine berechtigt-mahnenden Hinweise, die Palästinenser hätten sich den Einmarsch israelischer Truppen aufgrund ihres Fanatismus selbst zuzuschreiben wie einst die Deutschen die Zerstörung und Eroberung ihres Landes gegen Ende des Zweiten Weltkriegs; stattdessen Aufrufe, die Mörder und ihre Unterstützer zu schonen, Täter-Opfer-Umkehr inklusive. So also handeln die Offiziellen jenes Landes, das aus seiner Geschichte gelernt hat; fragt sich nur, was.

Man soll in Ravensburg einen Stolperstein für Shani Louk verlegen! Das wird nicht passieren. Ich habe mir daher eine kleine Gedenktafel bestellt und werde sie in meinem Garten verlegen: „Shani Louk, 7.2.2001 Ravensburg – 7.10.2023 ermordet von der Hamas bei Re'im. Die Mörder sind unter uns."

Für unsere Rubrik „Achgut zum Hören“ wurde dieser Text professionell eingelesen. Lassen Sie sich den Artikel hier vorlesen.

Dr. med. Jesko Matthes war Alumnus der Studienstiftung des Deutschen Volkes, immunologische Promotion über Tumornekrosefaktor- und Lymphotoxin-Messung, auch in virustransfizierten Zelllinien maligner Lymphome. Notarzt mit LNA-Qualifikation. Er ist Arzt und lebt in Deutsch-Evern.

Foto: Instagram/Shani Louk

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Talman Rahmenschneider / 21.05.2024

Zitat Autor: Man soll in Ravensburg einen Stolperstein für Shani Louk verlegen! Das wird nicht passieren. Ich habe mir daher eine kleine Gedenktafel bestellt und werde sie in meinem Garten verlegen: „Shani Louk, 7.2.2001 Ravensburg – 7.10.2023 ermordet von der Hamas bei Re’im. Die Mörder sind unter uns.“ Finde ich toll. Ich weiß gar nicht, ob es Antisemitismus ist oder Gleichgültigkeit gegenüber Juden. Sie finden doch eine ähnliche Empathielosigkeit der Vorgängerregierung, besonders seitens Frau Merkel, nach dem Attentat auf dem Berliner Weihnachtsmarkt, auch eine ähnliche nach dem Mord an Maria Ladenburger. Sie haben kapituliert. Mutige Konzepte fehlen. Sie kondolieren nur, wenn sie müssen, also untereinander. Ihre Gefühllosigkeit gegenüber Juden ist ebenso erschreckend wie gegenüber Christen. Bei Muslimen weinen sie Krokodilstränen, während die Medien groß aufmachen. Die sog. Eliten erschreckend abgewandt.

Gerdlin Friedrich / 21.05.2024

Hier wird nicht verstanden, das die Islamisten, die auf der Sonnenalle die Hamas, die Morde der Hamas feiern, die tatsächlichen, echten Nachfolger der Nazis sind, von ihrer gesamten Grundausrichtung, ihrer “Psychodynamik”, der des Hasses, der Mordlust, der ungebremsten Archaik, bei den Nazis durch Ideologie bei den Islamisten durch “Religion” gerechtigtfertigt, und unter dem Etikett “Vielfalt”, “andere Kultur” eine Stellvertreterposition übernehmen, und als Stellvertreter längst die Stelle einehmen, den sie zu verteten haben, weswegen sie hier sind, geholt wurden und werden, die, denen man sich längst in derselben Weise unterworfen hat wie den Nazis,.

Dietrich Herrmann / 21.05.2024

So ist sie, die gewissen-, charakert- und schamlose Politbande in Berlin nebst gleichgesinnten ÖRR und Presse. Armes Deutschland. Und diese Bande redet ständig von “unsrer Demokratie und unseren Werten. Scheinheiligkeit und Unmoral hoch 10.

Hermann Martin / 21.05.2024

Wie sagte mal jemand: “Die mit Abstand beliebtesten Juden in Deutschland sind Herr und Frau Stolperstein.” Nur jene Juden bekommen einen solchen, die Opfer der “richtigen” Verbrecher geworden sind. Das zeigt, dass es dabei überhaupt nicht um Mitgefühl und Ehrfurcht vor den Opfern geht, sondern um das Hervorrufen von Beklemmung und Empörung zur Instrumentalisierung gegen eine bestimmte Tätergruppe. Für andere Täter dürfen sie ruhig Freiwild sein. Mir wird schlecht… Dafür soll nun in Deutschland ein staatlicher Islamunterricht eingeführt werden. Wird nun also bald offiziell im Namen unseres Staates die Lehre des Korans gelehrt, der auf fast jeder Seite die Vortrefflichkeit der “Gläubigen” lehrt und die “Ungläubigen” verdammt, und die Juden im Besonderen? Wenn nicht, dann ist es in Wirklichkeit nicht die Lehre des Islam.  Die Verantwortlichen, die so etwas einführen wollen, haben leider keinen blassen Schimmer von dem geistlichen Hintergrund dieses Konfliktes, der keine Neutralität kennt. Gnade uns Gott!

Wolfgang Richter / 21.05.2024

“Die Bilder ihres halb entblößten, leblosen Körpers auf der Ladefläche eines Pick-Up, verschleppt in den Gaza-Streifen, umringt von jubelnden und auf sie spuckenden Palästinensern, gingen um die Welt.” - Insofern können sich nur wenige heraus reden, die aufgrund der massiven Folgen für den Gaza-Streifen heutzutage mit dem Auslöser dieses Krieges nichts zu tun haben wollen. Was den “Stolperstein” angeht, hat Frau Shani Louk in Deutschland sicher gute Chancen, einen verlegt zu bekommen. Mit der Würdigung eines noch lebenden Juden tut man sich ja schon mal schwerer, incl. der Garantie für ein hierzulande sicheres Leben.

Silas Loy / 21.05.2024

Es bleibt mir völlig unverständlich, dass sich die den politischen Realitäten und Indoktrinationen mehr oder weniger ausgelieferten Zivilisten und ihre Kinder es selbst zuzuschreiben haben, wenn man sie gnadenlos zu Tausenden und Hundertausenden abschlachtet. Diese Massenmorde waren nie auch nur kriegsverkürzend. Das ist schwerster Missbrauch militärischer Potenz, unsoldatisch, verbrecherisch und unentschuldbar.

Burghard Gust / 21.05.2024

.....und wetten,das die KfW als Aufbauhilfe für die Terrorhochburg wieder massiv die Finanzierung des Abwassersystems dort priorisieren wird,also den Tunnelbau-

Sabine Gerlich / 21.05.2024

Ich kann Wut und Trauer der Mutter gut nachempfinden. Ein Kind zu verlieren ist das Schlimmste, das einem als Eltern passieren kann. Noch schlimmer, wenn es so geschieht. Mein aufrichtiges Beileid. Es sollte m.M.n. keine Rolle spielen, welchen Glaubens oder welcher Nationalität das Opfer ist. Shani ist ein unschuldiges Opfer genau wie es Kinder anderer Eltern im Gazastreifen oder anderswo in der Welt sind. Den Wert einzelner Leben unterschiedlich zu bewerten, halte ich für falsch. Was ist denn bspw. mit den Menschen, die als UN-Helfer usw. im Konflikt Israel/Palästina ermordet werden? Wo sind da Gedenktafeln, Halbmastbeflaggungen etc.? Wäre es nicht wichtig, gemeinsam für Frieden auf die Straße zu gehen? Gegen die Lieferungen von Waffen in alle Welt? Waffen mit denen Eltern die Kinder genommen werden? Was mir im Artikel noch auffiel, ist die nicht korrekte Verwendung von jüdisch, antisemitisch, Israeli. Jüdisch bezeichnet eine Religionszugehörigkeit, die nur durch die Mutter an das Kind weitergegeben wird. Israeli ist man mit der entsprechenden Staatsbürgerschaft. Zur Sprachfamilie der Semiten zähl(t)en Amharen, Tigrinya, Araber, Hyksos, Malteser, Minäer, Sabäer, Amoriter, Ammoniter, Akkader/Babylonier/Assyrer/Aramäer, Hebräer, Kanaaniter, Moabiter, Nabatäer, Phönizier und Samaritaner. Also auch die Palästinenser sind Semiten.

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