Dieses Land bricht nicht plötzlich zusammen, es erodiert langsam aber stetig vor sich hin. Man muss schon an die neuralgischen Punkte schauen, um das zu bemerken. Dorthin, wo die Abwehrschlachten toben, vor Gerichten, bei der Polizei, den freiwilligen Helfern und dem medizinischen Personal. Die Menschen dort melden sich nicht mit Petitionen, organisieren keine Protestmärsche und nageln auch das Grundgesetz nicht an die Tür des Kanzleramtes - diese Menschen brechen einfach still zusammen, geben auf und verschwinden.
Wenn es vorbei ist, werden es deshalb nicht die Allahhuagbar-Rufe sein, die uns auffallen werden. Es wird die Stille sein, die sich über alles legt, die Menschen in ihre Häuser und ihre gated Communities treibt. Unsere Politiker werden diese Stille für Frieden halten, die eigentlich eine Friedhofsruhe sein wird. Rettungssanitäter David R. hat aufgegeben und sich in Stille und Exil verabschiedet. Ich kann's ihm nicht verdenken.

Ich kann diesen Mann gut verstehen, ein unglaublicher Fall. Es sind inzwischen nicht nur Rettungssanitäter oder Polizisten. In Pleidelsheim am Neckar stach vor kurzem eine Mutter auf ihre Tochter (eine Frisörin) ein und auch auf deren (christliche) Freundin, die einen schlechten Einfluss auf sie hatte (im Glauben der Mutter). Das alles lief kurz nach Feierabend in einem ganz normalen Frisörsalon. Die bemitleidenswerte Frau wollte im Namen der Paschas zu Hause die Ehre ihrer Familie retten. Selbst dieses schmutzige Geschäft überlassen die Herren der überlegenen Religion ihren Frauen, die Schuld und die Tat liegt immer beim weiblichen Geschlecht.
Es bestätigt sich jeden Tag von neuem, dass die Abschaffung der äußeren Grenze lediglich zu einer Verlagerung hin zu unzähligen inneren Grenzen führt. Der Rettungssanitäter hat eine solche Grenzziehung im Kleinen vollzogen. Berlin wird im Übrigen immer mehr zu Bagdad vermischt mit Sodom und Gomorrha; eine höchst explosive Mischung, die irgendwann hochgeht.