Die Rotgrüngelben in Berlin haben jetzt die Alternative, ganz ohne Volk weiterzuregieren und sich bei ihrer Regierungsarbeit ganz auf sich selbst zu konzentrieren.
Was tun in der nahezu ausweglosen Situation nach den Wahlen in Thüringen und Sachsen? Was tun, wenn die Konservativen ihr linkes Brandmäuerchen überspringen müssen, damit die rechte Brandmauer hält? Was tun, wenn der mit Abstand Zweite sich nur mit einem Verfahrenstrick zum Sieger erklären kann? Indem er sich zum Stärksten der demokratischen Mitte erklärt? Also zum Sieger einer selbstgewählten Sportart? Was tun, wenn die Chefs in Berlin im weiten Land ihre Truppen verlieren und zu Königen Ohneland werden?
Da hilft nur ein großer Augsburger mit Osterfahrung: Bert Brecht. Er hat schon vor Zeiten erkannt, was zu tun ist, wenn „das Volk das Vertrauen der Regierung verscherzt“ hat: Da wäre es „doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes“. Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Erstens würde die Regierung das Volk, so wie es ist, gerne weiterregieren, ob es will oder nicht. Zweitens: Wie löst man ein Volk auf, dem man nicht mehr vertraut? Und wer soll das aufgelöste Volk ersetzen? Und was soll man mit einem aufgelösten Volk tun? Wer soll es regieren? Diese Fragen theoretisch zu beantworten, ist fast unmöglich. Es hilft nur ein Blick in die real existierende Praxis.
In Deutschland liegt als praktische Form der Volksauflösung die Zellteilung nahe. Allen voran die Ost-West-Teilung, mit der man ja schon Erfahrung hat. Also: Warum nicht wieder teilen, was nicht zusammen gehört? Eine neue Teilung muss ja keine Wiederholung der alten Teilung sein, sondern kann in völlig neuer Gestalt erfolgen. Konkret: Rechts statt links.
Ein neu geschaffener, souveräner Freistaat Berlin
So könnte sich der neue Osten, nachdem er von der Berliner Regierung in die Unabhängigkeit entlassen wäre, eine AfD-Regierung wählen, ohne dass jemand dazwischenfunkt. Man könnte sogar eine Brandmauer gegen den dann geografischen Nachbarn zur Linken bauen. Andererseits müsste es kein völliger Bruch mit der alten und dann neuen Bundesrepublik sein, keine völlig undurchlässige Brandmauer. Denn da ist ja noch Sahra Wagenknecht, deren Bündnis gleichzeitig links und rechts ist. Eine Partei, die eine solche politische Quadratur des Kreises hinkriegt, könnte über Brandmauern hinweg als Bindeglied und diplomatischer Kanal in Ost und West gedeihen.
Wie auch immer: Die Bundesregierung wäre jedenfalls mit Hilfe von Brecht den unbotmäßigen Osten los. Aber das wäre nur ein Teilerfolg. Denn auch die Bevölkerung des Westens hat sich, folgt man den Umfragen, das Vertrauen der Regierung weitgehend verscherzt. Dringend notwendig wäre eine weitere Abspaltung. Da denkt man natürlich zuerst an die Umwandlung des Freistaats Bayern in einen souveränen CSU-Staat. Das würde helfen, aber würde es reichen?
Um sich ein wirklich regierungswürdiges Volk sicherzustellen, käme die rotgrüngelbe Koalition an einer weiteren dramatischen Gesundschrumpfung ihres Zuständigkeitsbereichs nicht vorbei. Kurz und gut: Nur ein neu geschaffener, souveräner Freistaat Berlin, wie Major Tom völlig losgelöst von der restlichen Erde, hätte die Chance, sich das Vertrauen der Regierung Scholz und Co. auf Dauer zu sichern.
Was aber, wenn selbst ein unabhängiges, frei im Weltraum dahingleitendes Berlin sich das Vertrauen der Regierung verscherzen würde? Dann bliebe den Rotgrüngelben nur die Alternative, ganz ohne Volk weiterzuregieren und sich bei ihrer Regierungsarbeit ganz auf sich selbst zu konzentrieren. Was einer Fortsetzung des Status quo erstaunlich nahe käme.
Rainer Bonhorst, geboren 1942 in Nürnberg, arbeitete als Korrespondent der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) in London und Washington. Von 1994 bis 2009 war er Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen-Zeitung.

@Gunnar Holler: Im Gegenzug verschenken wir Sie und Ihre Wunschparteien an die Ukraine. Bei solchen Leuten, wie Sie, überlege ich inzwischen, ob meine Jahre lange Patenschaft hier noch tatsächlich Sinn macht.
Das Altparteien-Tarot – darf man heutzutage System-Parteien sagen? Obwohl der Begriff es gut trifft?l – jedenfalls das Altparteien-Würfelratespiel könnte sich als müßig erweisen. Es zu spielen, verrät den tiefen Wunsch, dass die Würfelbude aka Kartenhaus-Deutschland irgendwie stabil bleibt. Deshalb werden ständig die Hits der 80iger und 90iger aufgespielt, eine klare Kulthandlung, um magisch die Zeit festzuhalten und die Entwicklung zu verhindern. Deutschland ist eingebunden in globale Entwicklungen und das spielt eine CDU oder die Grünen keine Rolle. Das sind Fußnoten in viel größeren Geschichten und wenn uns der Laden Deutschland um die Ohren fliegt, sind alle Wetten ungültig. Vermutlich gibt’s dann die heutigen Gebilde nicht mehr und es formiert sich was Neues. Dann waren die heutigen Aufreger „viel Lärm um Nichts“. Und der heutige Politikbetrieb weiß das, versucht lediglich sich vorsorglich noch die Taschen vollzumachen, um einen besseren Start hinlegen zu können, falls man nicht gehenkt wird.
Vor 1990 gab es manchmal in „Studentenkneipen“, wo bierdunstselig die progressive Jugend der alten BRD zusammenhockte, den Vorschlag, man solle Deutschland neu aufteilen. Bis zur Elbe fiele der Westteil an Frankreich und der verbliebene Osten an Polen.
Warum nicht. Im Westen würde das fränkische Reich in seinen letzten Grenzen wieder auferstehen und Aix-la-Chapelle vielleicht die neue Hauptstadt.
Warum so pessimistisch? Rotgrüngelb kann bis zur nächsten BT-Wahl weiter regieren, niemand kann das verhindern. Und danach? Wie sagte doch der Politikwissenschaftler Prof. Patzelt aktuell so treffend? „Die Brandmauer für die CDU ist eigentlich eine Gefängnismauer. Sie sorgt dafür, dass die CDU nur linke oder linksgrüne Koalitionen eingehen kann.“ Aus dieser Ecke kann und wird sie nach Bedarf alles und jeden erwählen, was irgendwie die 5 % Hürde geschafft hat, um die Macht zu erlangen. Und Rotgrüngelb ist wieder dabei! Hurra! Da kann deren Wahlergebnis noch so knapp gewesen sein. Was zählt schon Wählerwillen. Und speziell Thüringen wird es jetzt UNÜBERSEHBAR beweisen. Wenn die CDU es dort jetzt mit den Linken und dem BSW macht, dann ist aber auch für JEDEN absolut klar, wer CDU wählt, der bekommt eine rotgrüne Regierungsbeteiligung. Er bekommt ein „WEITER SO“. Da kann Merz, Söder und Co. noch so viel auf den Busch klopfen, es wird ihnen niemand mehr abnehmen. Aber vermutlich ist das den Protagonisten sowieso egal.
Gibt es eine andere Partei, die ständig attributiert wird? Charakteristisch für die Neusprache ist schon immer die Vielzahl an Adjetktiven gewesen. Die penetrante Adjektivierung der AfD bekommt in den Ohren des Zuhörers Beschwörungscharakter. Was auch das Geheimnis der Propaganda ausmacht, den halbgebildeten Fernsehtrottel ganz mit der Propaganda zu durchtränken. Das gespenstische Aussehen der AfD würde augenblicklich beendet sein, wenn diese penetrante Dämonisierung der AfD durch das Zwangsfernsehens aufhörte. Laut Yeats ist die Situation, die man am meisten zu fürchten hat, die, daß die Besten alle Hoffnungen eingebüßt haben und die Schlechtesten voll leidenschaftlicher Intensität sind. Die Regierungen der letzten Jahrzehnte haben nur zur systematischen Hervorbringung mittelmäßiger Charaktere getaugt. Die mittelmäßigsten übernahmen regelmäßig die Regierungsspitzen und fielen glatt durch kriminelle Aktivitäten auf, die nicht mal von den Jubeljournalisten vollständig vertuscht werden konnten. Die sind zu nichts anderem in der Lage gewesen, als die Projekte anderer zu blockieren. Wenn „national“, „Nationalstaat“, „Nation“ als „rechtsextrem“ eingestuft werden, dann zeigt sich schon darin, woher der Wind weht und welche Gesellschaft das größte Interesse daran haben muß. Es sind die Besatzer Europas, das ist der Brüssel-Kartell. Und das trampelt damit ganz offensichtlich auf dem Völkerecht herum, das Völkerrecht, das zum Schutz der Völker eingerichtet worden ist. Süß ist sauer und Freiheit ist Sklaverei. Das ist das, was man uns hier medial vorkaspert.
Es geht doch nicht um das Volk, sondern das Klima. Das Volk muss die Regierung wählen, welche das Klima rettet. Und zudem inzwischen noch die Demokratie, US Prägung natürlich. Das ist die Aufgabe des Volkes.
Solange das Volk, dass von dieser Regierung nicht mehr regiert werden will, trotzdem noch kräftig Steuern an sie zahlt und sie und den von ihr missbrauchten Staat somit am Leben erhält, ist dieser Regierung der Rest völlig egal – insbesondere aber das, was „ihr“ Volk will.