Archi W. Bechlenberg / 22.12.2018 / 16:30 / 4 / Seite ausdrucken

Ein Nachruf auf Fritz Weigle alias F. W. Bernstein

Schon in sehr jungen Jahren wusste Fritz Weigle, dass er einmal ein ganz Großer sein würde. Aber mit diesem Namen? Damit war kein Staat zu machen. "Hier ruhet sanft der Fritze Weigle / er kam nie auf ein grünes Zweigle". So oder ähnlich würde die Nachwelt einst von ihm Abschied nehmen, und das war nicht gerade erstrebenswert. Ein Pseudonym musste her, vielleicht sogar ein Künstlername. Und es musste etwas mit "ewig" und "fest" und "solide" zu tun haben. So kam dem aufstrebenden jungen Mann in den Sinn: "Etwas mit Stein / muss es sein". 

Lange präferierte er Gallenstein, denn das ließ sich schön mit einer allseits bekannten Verszeile kombinieren: "Spaß muss sein, sprach Wallenstein / so hielt es auch Fritz Gallenstein." Doch dann zeigte ihm seine Oma eine Sammlung von Gallensteinen, die man einst aus ihr herausgeholt hatte, und von da an war dieses Pseudonym für ihn gestorben. Über Feuerstein (schon vergeben), Backstein (zu porös) und Schornstein (zu phallisch) kam Weigle schließlich während eines Kururlaubs am Kurischen Haff auf Bernstein. "Das ist es" rief er aus! "Wer möchte jeder gern sein? Fritz Bernstein!“ Und so dichtete er sich eine Eloge nach der anderen. "Wem möchte niemand fern sein? Fritz Bernstein." Oder: "Vater, wer mag dort dieser leuchtende Stern sein? Mein Kind, das ist doch Fritz Bernstein!"

So ward denn ein Name gefunden, und der erste Schritt in die Ewigkeit damit getan. Fortan begleiteten ihn Weggefährten wie Arnold Hau, Eckhard Henscheid, Robert Gernhadt, F. K. Waechter und mancherlei Getier durch die Jahrzehnte. 

Achtzig Jahre alt ist er geworden, und es hätten ruhig noch ein paar mehr sein können. In der Nacht zu Freitag ist Fritz Weigle alias F. W. Bernstein in Berlin gestorben. "Hier liegt nun Fritz Bernstein in ewiger Ruh'! Doch warte nur, bald ruhst auch du."

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Leserpost (4)
Paul Siemons / 22.12.2018

Trauer in der WimS Redaktion. Gedämpftes Licht im grauen Chefzimmer. Frl. Hammerich hat Chefredakteur Zirfeld eine Großpackung Wisch & Weg gebracht sowie einen schwarz umrandeten Brief. “Oh, Freund Bernstein ist verstorben!” ruft er aus, und den Einwurf von Bürobote Golz, woher er das wisse, er habe den Brief doch noch gar nicht aufgemacht, schmettert Zirfeld mit einem souveränen “Schnüss! Ich werde doch Bernsteins Schrift erkennen!” ab. Leihbischof Klamm schreibt an seiner Predigt für das morgige Hochamt, gespickt wie immer mit Namedropping. “Maxim Gurki, Arthur Schnitzel…” WimS Sprecher Dr. Golz wird ebenfalls einen Nekrolog halten, wenn auch in Abwesenheit weiterer verdienter Redakteure wie Lützel Jeman, Jeman Jemand, Robert “ja nun” Gernhardt, Jochen und Pilsator, nicht zu vergessen F. K. Waechter. “Was ist mit den Elchen?” kabelt Gegenpapst Nautilus aus dem verschneiten Rom, doch da sind alle schon zu Bett. Morgen wird Leihbischof Klamm dem lieben Verstorbenen zum Abschied ein äußerst seltenes Sakrament spenden. Pro bono.

Marc Blenk / 22.12.2018

Lieber Herr Bechlenberg, das war der Stoff, das gute Zeug, dass ich mir früher so gerne reingezogen habe. (natürlich auch heute noch am imaginierten Kamin). Besser als all die anderen Drogen und möglicherweise weniger schädlich für die Birne. Das waren die Zeiten, wo die Band auf der Titanic noch richtigen Rock n roll gespielt hat und nicht Feine Sahne Fischfilet wie heute und Satire nicht staatstragend war. Wo also das dichten noch geholfen hat, jedenfalls für den Moment. Ich wünsche der gesamten Achse - Familie, Autoren, Leserbriefschreibern und Lesern ein friedliches, entspanntes und segensreiches Weihnachtsfest. Und gut Reise F.W. Bernstein.

Peter Volgnandt / 22.12.2018

Den Spruch mit dem Wallenstein kenn ich anders. Schreib das aber lieber hier nicht. Aber die ganze Mannschaft um Bernstein, Wächter und Henscheid, die hab ich in meiner Jugend so gern gehabt.

Jochen Hensel / 22.12.2018

Ein Nachruf ohne “Die schärfsten Kritiker der Molche/waren früher ebensolche”, dann verbessert in “Die schärfsten Kritiker der Elche/waren früher selber welche” geht doch gar nicht. Zu WIMS: es gab einen Prachtband, den ich noch besitze und wie einen Augapfel hüte!

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