Eigentlich ist es ja in diesen Tagen mit jeder neuen Umfrage zu den bundesweiten Wahlpräferenzen anscheinend das Gleiche: Die AfD festigt ihren ersten Platz vor den Union, Grüne und Linke bleiben stabil oder wachsen leicht und die Regierungsparteien befinden sich im Sinkflug. Gestern nun wurde die vierteljährliche Umfrage der Gesellschaft für Markt- und Sozialforschung (GMS) veröffentlicht und sorgte bei den kleinen Parteien für eine Überraschung, die aufmerken ließ.
Damit meine ich nicht die SPD, die es geschafft hat, mit elf Prozent auf den vierten Platz, gleichauf mit den SED-Erben, zu sinken. Manch einer mag über den neuen niedrigen Pegelstand bei der einstmals stolzen Volkspartei vielleicht kurz erschrocken sein, aber wer im Dauersinkflug ist, erreicht eben irgendwann mal Bodennähe.
Doch am unteren Ende der Tabelle schien eine Totgeglaubte zu erwachen: Die FDP tauchte mit fünf Prozent wieder knapp über dem parlamentarischen Meeresspiegel auf. Mich hat das wirklich überrascht, zumal ich gestern Morgen ja das Gegenteil geschrieben habe. Ich sah die Partei unter denen, die sich weiterhin selbst versenken. Habe ich mich so sehr geirrt? Gibt es doch noch so viele Wahlberechtigte, die in Wolfgang Kubicki einen Heilsbringer erkennen können, auch wenn bei ihm in der Vergangenheit zwischen richtigen Worten und seinem konkreten Abstimmungsverhalten zuweilen signifikante Unterschiede zu verzeichnen waren? Hat ausgerechnet dieser Parteitag, an dem Marie-Agnes Strack-Zimmermann demonstrierte, wie stark die Kräfte in der Partei sind, die Kubickis neuem Kurs an die politische Wasseroberfläche nicht folgen mögen?
Genosse Hoffnungsträger
Auf den ersten Blick, sieht es so aus, als wäre ich einer gewaltigen Fehleinschätzung erlegen. Aber möglicherweise ist dieses Ergebnis auch der Martin-Schulz-Moment der FDP. Für jüngere Leser: Martin Schulz war vor neun Jahren ein Hoffnungsträger der schon damals im Sinkflug begriffenen SPD. Der Genosse war einige Jahre lang EU-Parlamentspräsident und wollte zur Bundestagswahl 2017 die SPD als Vorsitzender und Kanzlerkandidat zum Erfolg führen. Er hatte kurzzeitig Umfragezahlen, bei denen er und sein Gefolge ihn schon als Kanzler sahen. Beim Parteitag wurde er mit sagenhaften 100 Prozent zum Vorsitzenden gewählt, was sonst nur Parteiführer in Diktaturen schaffen. Doch Medien-Hype und Umfrage-Hoch blieben ein kurzes Strohfeuer. Am Ende fuhr Schulz das damals historisch schlechteste Ergebnis der SPD ein: 20,5 Prozent. Damals ein Grund zu schwerer Enttäuschung, heutzutage wäre ein solches Ergebnis für die SPD ein berauschender Sieg.
Kubicki errang bei seinem Parteitag am Wochenende nur knapp 60 Prozent. Für einen Hoffnungsträger, der eigentlich ohne Gegenkandidaten antreten sollte, ist das kein guter Start. Zumal die 40 Prozent der Gegenstimmen ausgerechnet auf eine Frau fielen, der wohl selbst Anhänger ihrer politischen Linie nicht bescheinigen würden, dass es sich bei ihr um eine in der deutschen Öffentlichkeit wirkmächtige Sympathieträgerin handelt.
Allerdings begann der Umfrage-Zeitraum schon vor dem Parteitag. Viele Befragten wussten also nichts von Strack-Zimmermanns Kandidatur und dem Ergebnis und gingen mithin wahrscheinlich davon aus, der Parteitag würde als Krönungsmesse, garniert mit populären Forderungen und Plänen, ablaufen. So mancher, der seine Umfragestimme der FDP gab, ist möglicherweise durch das Parteitagsergebnis schnell wieder ernüchtert worden.
Wir werden sehen, wie lange der Martin-Schulz-Moment für Kubicki und seine Partei andauert. Derzeit ist bei CDU/ CSU, SPD und auch bei der FDP noch nicht zu erkennen, dass sie inhaltlich willens und in der Lage sind, wieder einen stabilen Zuwachs an Wählerzuspruch zu gewinnen. Helfen könnte ihnen derzeit wahrscheinlich höchstens die AfD, indem sie so schwerwiegende Fehler macht, die potentielle Wähler wieder vergraulen. Doch momentan funktioniert das weiterhin eher in die andere Richtung. Vor allem die Regierungsparteien vergraulen ihre Wähler. Die AfD scheint derzeit immer mehr von den Stimmen ernten zu können, die aus dem Gefühl einer Notwehr gegen einen bunten Strauß von Zumutungen abgegeben werden. Und das Reservoir an solchen Stimmen ist ziemlich groß.

Auch wenn hier auf Kubicki herumgehackt wird: Wenn sich mein Politik – Instinkt nicht gründlich irren sollte, dann dürfte er nicht nur als FDP – Retter in die Geschichte eingehen, sondern wird politisch hierzulande noch manche Weichen stellen. Die Brandmaurer und ihre Genossen sollten sich warm anziehen…nein, am besten sie verlassen das sinkende Schiff, denn nach NEUWAHLEN gleichen sie ohnehin den sprichwörtlichen Wildschweinen, die eine deutsche Eiche nicht kümmern, wenn sich die an ihr reiben ………
Besser wäre es vielleicht gewesen, wenn Kubicki der Rüstungspolitikern, die nur bei unseren Medien so beliebt ist, den Vortritt gelassen hätte. Die Reste seiner Partei hätte er schon wenige Umfragen später widerstandslos aufkehren können.
Nein. Herr Grimm, Ihr Artikel war bezüglich der FDP keine grobe Fehleinschätzung. Der 5 %-Umfragewert ist der momentanen kurzfristigen Euphorie der noch verbliebenen liberalen Illusionisten zu verdanken. Und Kubicki hätte vielleicht einen Martin-Schulz-Moment erleben können, wenn nicht „Nosferatu“ urplötzlich aus den tiefsten dunklen Gewölben heraus erschienen wäre und ihm die fehlenden 40 % stibitzt hätte!
Ganz simpel ein Fake-Ergebnis, da gewisse Kreise offenbar ein vitales Interesse daran haben, die FDP wieder hochzuschreiben. Die Demoskopie hat bereits vor Jahrzehnten mit dem Betrug der Renate Köcher von Allensbach ihre Unschuld verloren.
@Joachim Lösch: „…dass für Bürgerliche, die mit der AfD nicht können, die Kubicki-FDP eine Alternative sein kann… “ – Ich fürchte, Sie haben recht. Die Leute vergessen so schnell und werden sich abermals verar… lassen.
„on a road to nowhere“ sangen einst die talking heads (TV-Sprecher) Das Storybild passt exakt. Und die aktuellen talking heads aus den Mainstreammedien sehen, dass ihre feuchten Träume sich , oh Wunder, erfüllen. Bei pseudoliberalen Parteimitgliedern, die offensichtlich als 5. Kolonne für SED- Nachfolge- und ököfaschistoide Parteien arbeiten, kann man nichts anderes erwarten. Der im Prinzip ehrenhafte Versuch des Herrn Kubicki, wird von einer geifernden Frauenclique bereits im Ansatz sabotiert. Sehr bedauerlich. Das war es dann Adieu FDP: „morituri te salutant“
Kubicki ist ein Blender, wie er im Buche steht. Man höre sich das Interview von Ben Berndt mit Thomas Kemmerich (und Frauke Petry) an. Kubicki war einer der wesentlichen Akteure, die dadurch, daß sie Kemmerich wie eine heiße Kartoffel fallengelassen haben, so daß der schließlich ohne Mannschaft im Rücken aufgeben mußte, Thüringen zu weiteren 5 Jahren SED-Regierung verhalfen.
Youtube, IajmNbSXab0, Min 35:34, Zitat Kemmerich: „Und dann haben mich wechselseitig Christian Lindner und Wolfgang Kubicki angerufen und mir immer wieder nahegelegt: Nun tritt endlich komplett zurück.“