Im laizistischen Frankreich bekam ein Mann, der vor einer Moschee einen Koran verbrannte, trotz seiner Schizophrenie eine zwölfmonatige Gefängnisstrafe.
In der Nacht des 2. Juni stahl Lionel M., ein 27-jähriger Mann, einen Koran und verbrannte ihn vor der Errahma-Moschee in Villeurbanne bei Lyon. Er wurde nun zu zwölf Monaten Gefängnis verurteilt und darf zwei Jahre lang nicht nach Villeurbanne kommen, was die örtliche muslimische Gemeinschaft erfreut, berichtet leparisien.fr. Lionel M. wurde dank Überwachungskameras schnell identifiziert und wegen „einfachen Diebstahls“ sowie „Sachbeschädigung aus rassistischen, ethnischen, nationalen oder religiösen Motiven“ angeklagt. In Frankreich steht Blasphemie wegen der offiziellen Trennung von Kirche und Staat nicht unter Strafe. Im Gegenteil, Aktionen gegen die Kirche und den Glauben gelten als Kunst.
Lionel M. leidet seit seinem 18. Lebensjahr an paranoider Schizophrenie und rechtfertigte seine Tat mit einem vermeintlichen antisemitischen Angriff auf ihn. Er erklärte, er habe „kein Unrecht gegenüber Muslimen beabsichtigt, sondern ein Buch angreifen wollen.“ Eine psychiatrische Begutachtung stellte fest, dass sein Urteilsvermögen zwar eingeschränkt, aber nicht gänzlich abwesend war. Die muslimische Gemeinschaft begrüßte das Urteil als wichtiges Zeichen gegen „Islamophobie“. Die Strenge des Urteils entsetzte hingegen viele andere Beobachter, die befürchten, das hier ein gefährlicher Präzedenzfall geschaffen wird.
Viel häufiger als Angriffe auf Moscheen oder den Koran sind in Frankreich Angriffe auf Kirchen, wobei die Täter selten so hart bestraft werden. In der Kathedrale von St.Denis beispielsweise randalierte ein 30-jähriger Mann im Januar dieses Jahres im Kirchenraum und verursachte einen erheblichen Schaden an Heiligenbildern und Vitrinen, wofür er zu 10 Monaten auf Bewährung verurteilt wurde.
