Sergio Caldarella, Gastautor / 25.04.2021 / 14:00 / Foto: Ciberprofe / 6 / Seite ausdrucken

Ein Brief aus der Zukunft

Von Sergio Caldarella.

Autor: Subjekt 1729-137α dauerhaft der 36/iii Virologischen Anstalt der Stadt der Neuen Ordnung zugeteilt.

                                                                              New Order City, Jahr 50 n.C.

Als der erste Covid ankam, erschien es nur wie eine Idiotie, eine jener vielen Idiotien, die eine mittelmäßige, ungebildete und inkompetente politische Klasse, gefolgt von ihren treuen Bürokraten und Handlangern, den Massen in Komplizenschaft mit den geselligen und unterwürfigen Mitteln der Desinformation aufzwingt.

Man ging davon aus, dass Propaganda und die darauffolgenden Dekrete einfach nur dumme Regeln seien, dazu ausgedacht, um die Törichten und Ängstlichen zu manipulieren. Dann aber wurde der Lärm des Apparats immer lauter, und je mehr Dekrete erlassen wurden, umso mehr festigte sich die Macht einer Clique. Eine Macht, die immer allgegenwärtiger und gewalttätiger wurde.

Die Trommeln der Presse und des Fernsehens schlagen, Tag und Nacht, das Tamtam von Corona: Corona, Corona, Corona, Corona... In der Welt schien nichts mehr zu geschehen, außer einigen sporadischen, gewalttätigen oder sportlichen Ereignissen, der Rest war Corona, Corona, Corona... Und je öfter die drei Silben wiederholt wurden, desto mehr glaubten ihnen die Massen; vielleicht aus Müdigkeit, Erschöpfung, Reaktionsunfähigkeit. Gemäß offiziellen Statistiken, in denen sogar diejenigen, die an einem Herzinfarkt starben, schamlos als Covid-Todesfälle registriert wurden, hatte das Virus temibilis trotz dieser überhöhten Daten überall weniger Todesfälle verursacht als die gewöhnliche Grippe; ganz zu schweigen von anderen schweren Krankheiten wie Krebs, Diabetes oder induzierten Krankheiten, wie die durch Rauchen verursachte Sterblichkeit, die bis dahin niemand mit Dekreten oder Freiheitsbeschränkungen zu reduzieren für nötig gehalten hatte. Trotz aller Beweise blieb das Coronavirus jedoch weiterhin der schreckliche Popanz, mit dem den Menschen nach und nach ihre Rechte vorenthalten wurden, ein langsames und hinterhältiges Vertröpfeln der Freiheit.

Diejenigen, die nicht im Chor der Manipulation sangen, ob es nun berühmte Wissenschaftler oder Busfahrer waren, wurden von der Medienmaschine ausradiert oder beschmutzt und dann dem normativ-politischen Apparat ausgeliefert: „Da sind sie! Schnappt sie euch! Nehmt sie fest! Bringt sie weg!"

Die demokratischen Verfassungen waren die ersten Opfer

Heute, fünfzig Jahre nach diesen Ereignissen, können wir sagen, dass die ersten Opfer des Coronas die demokratischen Verfassungen waren. Sie wurden sukzessive außer Kraft gesetzt und dann vom bürokratischen politischen Apparat unterjocht und unbrauchbar gemacht. Die neue Welt nach Corona brauchte keine demokratischen Verfassungen mehr, sie wurde durch Dekrete und Willkür der Mächtigen vorangetrieben, denen der inzwischen süchtig gewordene und unterjochte Bürger gehorchte. Jede Kritik, ob rational oder nicht, galt als Verleugnung des herrschenden politisch-medialen Monopols und war den schwersten und unmittelbarsten Repressionen ausgesetzt.

Die kollektive Hysterie nahm schneller zu als die Ansteckung. Die Verängstigten waren mit Begeisterung bei der Sache und applaudierten der Zerstörung der Freiheit, und dabei fühlten sie sich als gute, gehorsame Bürger. Es schien, als hätte ihnen nie jemand erklärt, dass die Freiheit darin besteht, seine Zustimmung zu geben, nicht, schweigend zu gehorchen.

Einige hundert Gazettiere bildeten die Kulisse für das groteske Medienspektakel: Schlangen im Schoß der Demokratie, die im Namen der Pressefreiheit von fünf großen Konzernen, denen die meisten Zeitungen und Fernsehsender gehörten, Stück für Stück die Rede- und Gedankenfreiheit ihrer Mitbürger zerstörten. Die Meinungsfreiheit war zur Meinungsfreiheit von fünf transnationalen Wirtschaftsgruppen geworden. Menschen, die jahrzehntelang kulturell und intellektuell verzerrt den kalibrierten Botschaften dieser kommerziellen Gruppen ausgesetzt waren, vermochten nicht mehr zu erkennen, was mit ihnen geschah und waren natürlich auch nicht mehr in der Lage, auf das zu reagieren, was man ihnen antat. Sie waren zu einer homogenen, trägen Masse geworden, die von den Taschenspielerkünstlern hinter den Bildschirmen der Medien geformt wurde.

Doch wir waren nicht unschuldig. Viele glaubten, diese neue Sozialstruktur sei im Jahre 2020 aus dem Nichts entstanden, aber das war nicht der Fall. Der Schritt von der Banalität zur Absurdität ist kurz. Es reicht aus, eine Gesellschaft auf die ständige Hinnahme leerer, unbedeutender und oberflächlicher Botschaften zu dressieren, die als Unterhaltung, Nachrichten und sogar als formale Bildung getarnt sind, um sie für jede andere irrationale Botschaft oder Manipulation empfänglich zu machen. In den Jahren vor der großen Wende des Jahres 2020 waren die Menschen mit sich selbst beschäftigt, vegetierten vor Fernsehbildschirmen, sonderten sich zunehmend von ihren Mitmenschen ab, hatte immer weniger eigene Gedanken, dafür immer mehr Meinungen. In Wirklichkeit hatte der Bürger bereits zugelassen, dass ihm die Demokratie weggenommen wurde, er hatte seine Unterwerfung unter die Macht schon längst bereits stillschweigend akzeptiert.

Keinen klaren Gedanken zwischen seinen geschminkten Kokotten

Irgendwo gab es immer noch einige einsame Menschen, die protestierten oder sich dem Wahnsinn widersetzten, doch sie konnten leicht ins Exil verbannt oder anders zum Schweigen gebracht werden. Wer vor der Zerstörung der Kultur, der Umwandlung von Schulen und Universitäten in funktionale Ausbildungsstätten oder vor dem Verschwinden des rationalen Diskurses warnte, wurde mit den schlimmsten Attributen versehen oder gleich zum „Feind" der Gesellschaft erklärt. Die indessen zum Feind ihrer selbst geworden war. Die authentische Kultur, die guten Bücher, die tiefen und gedachten Worte waren so tief begraben worden, dass nur noch die Archäologen des Geistes in verborgenen und dunklen Höhlen Zugang zu ihnen fanden.

Keine Rede, die die etablierte Ordnung stören könnte, wäre jemals auf den Bildschirmen erschienen. Das Fernsehen der Jahre vor der großen Wende im Jahr 2020 duldete keinen klaren Gedanken zwischen seinen geschminkten Kokotten. Jahrhunderte zuvor waren ihre Vorfahren in eine steinige und staubige Arena geströmt, um zu sehen, wie Gladiatoren sich gegenseitig abschlachteten oder hilflose Menschen von Bestien verschlungen wurden, und Jahrtausende Geschichte hatten nichts anderes vermocht, als die eine grausame Passivität gegen eine andere auszutauschen. Der homo novus der Moderne war erfolgreich indoktriniert worden, eher an das Bild zu glauben, das auf den Bildschirmen oder von den Stimmen der Macht verbreitet wurde, als an die Realität vor der eigenen Tür. Wie ein Apfel, bereit, gepflückt zu werden, war der Bürger bereit, wieder zum Subjekt zu werden.

Zu diesem Zeitpunkt gaben diejenigen, die über die Mittel verfügten, denen, die die formelle Macht innehatten, den Befehl, einen langsamen und subtilen Krieg gegen ihre Mitbürger im Namen ihres Schutzes und angeblichen Wohlergehens zu beginnen. Sie begannen, sie in ihren Häusern einzusperren, ihnen ihre Grundrechte zu entziehen, die Empörten zu kriminalisieren, die Unberührbarkeit ihrer Körper zu verletzen, bis zu dem Punkt, an dem es nichts mehr zu schützen oder zu verteidigen gab: Der Bürger existierte nicht mehr, weil es nichts mehr gab, wofür es zu kämpfen lohnte, weil die Freiheit zur Sklaverei und der Gehorsam zur einzigen Form der Freiheit geworden war.

 

Sergio Caldarella, geboren in Syrakus, amerikanischer Privatgelehrter und Erkenntnistheoretiker, ist Autor von vierzehn Büchern in verschiedenen Sprachen, mehreren Aufsätzen und zwei Theaterstücken. Er hat als Redner an zahlreichen Konferenzen und Seminaren in Europa und den Vereinigten Staaten teilgenommen. Seine Forschungsinteressen liegen vor allem auf dem Gebiet der Physik, der antiken Philosophie und Theologie. 

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Stanley Milgram / 25.04.2021

Das Einzige, wofür es zu kämpfen lohnen würde, wären Kinder. Ich habe keine. Und für die 90% Wähler der Altparteien und wohlstandsverwahrlosten Nichtwähler habe ich erst recht keine Kraft, Zeit und Lust mehr. Als Frührentner und Nicht-mehr-lange-Lebender sage ich: “Helft euch mal alle bitte selbst!”

Johannes Schuster / 25.04.2021

Teil 2: Die Kitas gibt es nicht mehr, die Erzieherinnen wurden von marodierenden Soldaten vergewaltigt und hingerichtet, die Kinder trinken aus den Klos und bekommen von einigen Frauen Gemüse hingeworfen und dann bekommen die Kinder Würmer (Anm. Ich hatte mal eine Schülerin, deren Mutter war eine orthodoxe Anthroposophin und das arme Mädchen hatte tatsächlich Würmer mit Juckreiz und so wie die Mutter aussah, hätte man keine Maskenbildner mehr gebraucht….). We dont need another hero… . Ende meines Beitrags zum Thema Dystopie, ich werde bei mir ggf. noch was schreiben. Ich hatte mal ein Gespräch über die Kitas in der Schweiz und über die “professionelle Distanz” zu Kindern. Keiner umarmt diese Kinder, Schmerzen werden nicht getröstet, sondern narrativ dem Kind erzählt, als sachliche Abhandlung. Keiner hat diese Kinder lieb, sie haben nur Namen, mehr Person wird ihnen nicht zugebilligt. Was sich da anzüchtet ist die vollkommene psychopathische Krankheit. Carl Rogers, woher dann, was da in die Kinderseelen an Flussignitrogen gekippt wird, das ist Folter. Nicht ein liebes Wort, nicht eine Geste, nichts abstraktes, alles kalt und mit Maske. Und die Weiber, die die Kinder im Pferch betreuen sind alle kalt wie Herta Bothe oder Irma Grese. Nicht ein Funke an Mitgefühl für die Kinder, nichts Liebes oder Persönliches, keine Umarmung, kaum Blickkontakt außer bei Zurechtweisung und Belehrung. Le Corbusier und die Kindermachmaschine. Und dann sitzen sie diesem Los entwachsen in Basel in der Webergasse und unter der Schwarzwaldbrücke bei den Dirnen weil sich der gehirngewaschene Tropf nicht mehr selber fühlen kann. Wer die Welthauptstadt der toten Seelen sucht, der gehe mal in Zürich sozial arbeiten. Draußen prangt der Garten einer Millionenvilla und innen drin sitzt ein toter Mensch und isst etwas für seinen Tod um einen Tag länger für den Schein zu leben…. Das ist schlimmer als Mad Max…..

Johannes Schuster / 25.04.2021

Warum so faktisch gebunden und nicht: “Ich komme aus dem Jahr 2070, ich bin ein Mensch mit der Kennziffer RE-4456-Betazoon-m/w/d. Ich kann nicht mehr sprechen, weil wir uns nichts mehr zu sagen hatten, wir haben keine Geschichte, weil sie keiner mehr aufschreiben kann, wir haben alle nur noch 100 Worte um zu leben von dem, was wir in den Wäldern finden, nachdem die Dummheit zu nicht weniger als 767 Kernunfällen geführt hat: Die Welt ist verstraht, die ‘Windräder stehen schon lange nicht mehr, der Tod, der Krebs und die Entstellung sind zu einem täglichen Begleiter geworden. Die Reste grüner Utopie lebt in Höhlen und sie hatten sich 30 Jahre lang in Kannibalismus gegenseitig aufgefressen. Sie hatten alle Kerningenieure getötet und die Abklingbecken fielen trocken, dann haben wenige Techniker ein paar alte Reaktoren in Betrieb genommen und dabei gingen die ersten Anlagen hoch. Wer nicht wahnsinnig wurde, starb, Medikamente gibt es keine mehr, die Fabriken sind alle Ruinen, die Kinder, die gesund auf die Welt kommen haben keine Namen, sie haben alsbald offene Wunden und überall riecht es nach Eiter. Kaum einer kann noch lesen, Gebärden sind an die Stelle der Sprache getreten. Die Macht geht von wenigen aus, die aus deutschen Beamtenfamilien entspringen und sich die Kinder der Mütter klein halten, die an Leukämie starben. Es gibt keine Autobahnen mehr und Schrott ist astronomisch teuer, Kaum noch einer weiß um grundlegende Techniken in der Fertigung, Gesetze gibt es nur in der Form von Überleben und Tod. Man sagt in der Südsee hätten einige überlebt, aber das ist eine Sage, keiner, der je mit einem Floss ausfuhr ist jemals zurückgekommen. Wie ich zurück kam ? Durch eine Verkettung von Umständen in einem alten Neutronenreaktor, den ein Wissenschaftler in seinem Keller baute, bevor ihn die grünen an sein Gartenhaus genagelt hatten. Ich habe das Ding repariert, ich bin der letzte Überlebende, der begriff, was in den Aufzeichnungen stand, die überall herumlagen”.

Harald Unger / 25.04.2021

Nordamerika und Westeuropa sind von der selben Matrix der gleichgerichteten Zurichtungen beherrscht. Diese Matrix geht auf die selben Urheber und selben Finanziers zurück. Ziel ist die totale Kolonisierung und Versklavung der Welt, mit der vollständigen Eliminierung des westlichen Bürgertums. Ein Vorgang, der nach dem Willen des sich als Gottkaiser wähnenden Xi Kingpin, bis zum Ende des Jahrzehnts abgeschlossen ist. - - - Noch wollen wir uns diese Wirklichkeit nicht wirklich eingestehen. Weil es uns dazu zwänge, nicht so weitermachen zu können, wie bisher. - - - Wir ‘Agegrouper’ haben den größten Teil unseres Lebens in einer einzigartigen Zeit von Frieden, Freiheit und Wohlstand verbracht. Diese Gnade werden mit einem gegenteiligen Rest unseres Lebens bezahlen. Es gilt, sich geistig und körperlich vorzubereiten.

Thomas Taterka / 25.04.2021

Richtig an diesem Text ist vor allem der Gedanke , daß es sich um ein Weltprojekt handelt , das auf sehr lange Sicht gedacht ist . Ich würde unterstellen : auf rücksichtslose Endgültigkeit . Und so etwas beinhaltet , allein schon gedanklich , automatisch extrem viel Gewalt , indirekt oder offen , seitens der Projektgestalter gegenüber den Objekten. Foto dazu passt auch.

B. Dietrich / 25.04.2021

Als Jugendlicher in den Siebzigern war ich ein großer Fan anglo-amerikanisch dominierter Science Fiction. Mit der Zeit erschlossen sich einem aber auch die Werke Stanisław Lems und der russischen Brüder Strugatsky. Bei all der Begeisterung für galaktische Weltraumepen mit meist übermenschlich guten Helden hätte man sich damals nie – selbst nach den gesellchaftsverändernden Ereignissen der späten Sechziger – albträumen lassen, 40 Jahre später ausgerechnet in einer der dystopischen Morgenwelten aufzuwachen, die den literarischen Federn John Brunners, Philip K. Dicks, Ray Bradburys oder Norman Spinrads entsprungen waren. Was einem wieder einmal vor Augen führt, dass im Wechsel der Geschichte der menschlichen ‘Kultur’ die Dystopie allemal näher liegt als die Utopie.

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