Man redet in diesem Land über vieles: Fachkräftemangel, Heizungsgesetze, Umfragewerte. Doch kaum jemand spricht über das unsichtbare Rückgrat, das Deutschland überhaupt noch am Laufen hält: das Ehrenamt. Knapp 31 Millionen Menschen investieren ihre Freizeit, ihre Kraft und ihre Nerven – für lau. Das sind über 30 Prozent der Bevölkerung. Ohne sie gäbe es keinen Breitensport, keine Freiwillige Feuerwehr, keine Tafeln und keinen Katastrophenschutz. 100 Prozent Deutschland würden nicht funktionieren, wenn es diese 30 Prozent nicht gäbe. Bei den über 14-Jährigen sind es gar 40 Prozent. Als Deutscher mit Migrationshintergrund sage ich es ohne Filter: Das System „Deutschland“ hängt an einem seidenen Faden aus Altruismus. Und dieser Faden reißt gerade.
Wer trägt dieses Land wirklich? Es sind die „Bio-Deutschen“ und jene wenigen aus den alten Gastarbeitergenerationen, die so tief integriert sind, dass sie längst deutsch und für Deutschland denken. Sie bekleiden Ehrenämter, sie engagieren sich im Schützenverein oder bei der Nachbarschaftshilfe. Sie sind selten, aber sie sind da – die Helden des Alltags. Doch wir alle sterben langsam aus. Und was kommt nach?
Schauen wir den Tatsachen ins Auge: In den Milieus, die seit 2015 massiv ins Land geströmt sind, ist das Konzept des Ehrenamts so fremd wie eine pünktliche Bahn. Wer vom Jobcenter lebt, rührt oft keinen Finger, wenn nicht der Euro rollt. Ich stecke selbst mittendrin unter den Freiwilligen und sehe es täglich: Für lau bewegt sich niemand, der sein Dasein auf Staatskosten eingerichtet hat.
Sobald eine „Zwei-Euro-Tätigkeit“ ansteht – etwa die Pflege von Grabstellen –, wird das ganze Arsenal der Ausreden aufgefahren. Da bescheinigt der Arzt plötzlich Arbeitsunfähigkeit oder es wird eine strategische Schwangerschaft vorgeschoben. Ich habe Fälle erlebt, in denen die Schwangerschaft so „schwer“ war, dass der Ehemann als Betreuer der anderen Kinder zu Hause bleiben musste – nur um der Arbeit zu entgehen. Alles, bloß nicht dem System etwas zurückgeben.
„Ehrenmann“ schlägt Nächstenliebe
Das ist kein Plädoyer gegen „herzlose“ Menschen. Innerhalb der eigenen Community wird geholfen, keine Frage. Aber der Begriff der Ehre hat sich gefährlich verschoben. Wir tauschen das Ehrenamt gegen den „Ehrenmann“ ein. In einer Kultur, in der man sich als „Ehrenmann“ aufspielt, solange das Ego bedient wird, aber bei Ehrenmorden wegsieht, hat das uneigennützige Dienen an der Gesellschaft keinen Platz.
Der Vergleich mit der Türkei macht sicher: Ein Land, das den westlichen Werten unter den islamischen Ländern am nächsten steht, schafft es kaum, Freiwillige zu gewinnen. Bei 86 Millionen Einwohnern kommt die Türkei auf geschätzt 300.000 Ehrenamtliche. Unter diesen die Katastrophenschutzbehörde der Türkei, die auch für internationale humanitäre Hilfe zuständig ist, hat 130.000 Helfer zusammentrommeln können. Deutschland hat bei gleicher Bevölkerungszahl 29 Millionen. Das ist der fundamentale Unterschied zwischen einer funktionierenden Zivilgesellschaft und einer engstirnigen Stammes-Solidarität. Ehrenamt hat mit Bildung zu tun – und das Christentum scheint es mit der Nächstenliebe schlicht besser zu können.
Deutschland geht sicheren Schrittes schwierigen Zeiten entgegen. Wir verlieren die Substanz. Man kann Fachkräfte anwerben (theoretisch), aber man kann keine ehrenamtliche Gesinnung „importieren“. Die Vorstellung ist absurd: „Komm nach Deutschland, in das Land der Bürokratie-Hölle, und hilf Menschen für lau.“ Wir werden diese Lücke niemals füllen können.
Ich selbst bin ehrenamtlich stark engagiert. Ich helfe gerne – auch denen, die hier sind, obwohl sie es nicht sein sollten. Das mag absurd klingen, aber Menschen helfen nun mal Menschen. Zumindest sollte es so sein. Doch Deutschland hat sich Freund und Feind gleichermaßen ins Land geholt, sich Probleme aufgebürdet, die unlösbar sind und dabei tatenlos zugesehen, wie die Menschen abhandenkommen, die den Laden am Laufen halten. Wenn diese 30 Prozent wegfallen, nützt uns auch kein Rettungsschirm mehr. Dann ist Feierabend.

Vielen Dank für das Teilen Ihrer immer klugen Einsichten. Und besten Dank für die schön knackige Headline. Auch ich habe die dünne Dichte des ‚Ehrenmanns‘ im Ehrenamt schon bemerkt. Unlängst ist eine Kollegin der Boomergeneration aus dem Ehrenamt ausgeschieden.; es benötigt 4-5 Freiwillige der Gen-Z um Ihre Jobs in Zukunft zu übernehmen. Schaun mer mal, dann sehn wir schon.
Oha, lassen Sie diese Worte bloß keine (wie hieß es doch früher?) „fortschrittlichen Kräfte“ lesen … ein Hausbesuch mit Motivationsabsicht könnte die Folge sein und die Beschimpfungen der sympathisierenden Medien so gut wie sicher!
Richtig erkannt. Wir machen uns gerade vom Acker. Wir haben was von den Stammeskulturen gelernt: wir kümmern uns nur noch um die Unsrigen.
Das ehrenamtliche Engagement dient auch der Geselligkeit, was seinen Wert nicht mindert.
So ist das. Ich habe meine Mithilfe komplett eingestellt, als ich mit meiner Meinung nicht mehr gefragt war. Vermutlich machen das Viele so.
Sehr klar erkannt, von jemandem, der den Vorteil der Einsicht in beide Welten genießt. Genau, der unterschiedliche Ehrbegriff hat eben seinen Grund im Unterschied zwischen einer schuld- und einer schamorientierten Kultur, zwischen weltoffenem Nationalbewußtsein und Stammeskulturdenken. Das nennt man wohl Kulturell Inkompatibel – oder wie sollte denn wechselseitig ergänzende Gemeinsamkeit zustande kommen, wenn die einen nur innerhalb ihrer kulturellen/religiösen/Clanstrukturen kooperieren können/wollen, die Anderen aber erleben, dass ihre allgemeine Kooperationsbereitschaft zwar genutzt, aber nicht erwidert wird? Dann ist es durchaus nachvollziehbar, dass diese Bereitschaft – einst unter anderen Bedingungen entstanden – unter den nunmehr veränderten Bedingungen (Umbau in einen Vielvölkerstaat) verlorengeht…
In einem Land, wo wegen einer politisch inszenierten Plandemie das wahre Gesicht der Gesellschaft offenbar wurde und selbst die Kirchen für ihre Gläubigen geschlossen wurden, „asoziale Nichtgeimpfte“ vom Normalo bis zum Pfarrer nahezu überall ausgeschlossen wurden, wird dieses „Ehrenamt“ auch nur noch von den Systemlingen getragen. Und was beispielhaft für die Kirchen gilt, wurde auch in den Vereinen und dem gesamten sog. Öffentlichen Leben durchgezogen. Die Folger halten die Fahne für alles, was sie als „UnsereDemokratie“ definieren, hoch. Ein immer größerer Rest kehrt dem den verlängerten Rücken zu, haben sie sich ehrlich verdient. Spielt weiterhin schön alleine.