Dunja Hayali hat vor kurzem Sigmar Gabriel im heute journal interviewt, routiniert wie immer. Dabei berief sie sich auf das Völkerrecht und behauptete, Kriege würden „fast immer durch Diplomatie gelöst“. Eine originelle Lesart der Geschichte, zu der ihr später nichts mehr einfiel.
Wenn Dunja Hayali das heute journal moderiert, hat man als Zuschauer das Gefühl, hier sei eine besonders qualifizierte Fachfrau am Werk. Egal um welches Thema es geht, sie wirkt immer gut vorbereitet und dem Interview-Partner leicht überlegen. Das war auch der Fall, als sie am 17. Juni Sigmar Gabriel zur Lage im Nahen Osten befragte. Bis auf zwei Punkte, die man als Meinung vertreten, aber nicht wirklich belegen konnte. Also machte ich das, was Dunja Hayali immer macht, ich hakte nach und schrieb ihr eine E-Mail:
guten tag, liebe frau hayali,
in ihrem interview mit sigmar gabriel im heute journal von gestern erwähnen sie mehrmals das völkerrecht und sagen zum schluss: „am ende werden kriege fast immer durch diplomatie gelöst.“
dazu hätte ich zwei fragen:
in meinem bücherschrank stehen das BGB, das StGB, die StVO, das „gesetz der anziehung“ (law of attraction), das „gesetz der annahme“, das „gesetz zur wiederherstellung der natur“ (im grunde eine eu-verordnung), das „gesetz zur wiedergutmachung nationalsozialistischen unrechts“ und eine reihe anderer gesetze. auf wikipedia lese ich, dass das „völkerrecht“ sich dadurch auszeichnet, was es nicht enthält:
„Der wesentliche Unterschied zwischen dem Völkerrecht und dem innerstaatlichen Recht besteht im Fehlen eines kompakten Kodex, eines zentralen Gesetzgebungsorgans, einer umfassenden, hierarchisch strukturierten Gerichtsbarkeit und einer allzeit verfügbaren Exekutivgewalt zur gleichförmigen Durchsetzung völkerrechtlicher Grundsätze.“
das bedeutet: „Im Gegensatz zum nationalen Recht gibt es im Völkerrecht keine zentrale Gesetzgebung oder eine umfassende Gerichtsbarkeit mit verbindlicher Vollstreckung.“
wären sie bitte so freundlich, mir zu erklären, wie man bei dieser diffusen rechtslage sich auf „das völkerrecht“ berufen und es als prioritär gegenüber dem recht auf selbstverteidigung bewerten kann? dankbar wäre ich ihnen auch, wenn sie mir sagen würden, welche kriege seit dem westfälischen frieden von 1648 und dem wiener kongress von 1815 „durch diplomatie“ gelöst wurden? der erste weltkrieg, der zweite weltkrieg, der vietnamkrieg, der koreakrieg, der afghanistankrieg?
ich sehe ihrer antwort mit freude entgegen und grüße sie aus dem cafe bazar in salzburg
ihr hb
Zwei Wochen später warte ich immer noch auf eine Antwort von Frau Hayali. Gut, es waren zwei extrem schwierige Fragen. Aber ich habe sie nicht gebeten, mir die Quantentheorie oder das „Gesetz der großen Zahlen“ zu erklären. Was ich wissen wollte, hätte jeder KI-Automat innert Sekunden runterleiern können. Ich will zu ihren Gunsten annehmen, dass sie viel zu tun hat. Vermutlich bereitet sie sich auf ihr nächstes Interview vor, diesmal über die Zwei-Staaten-Lösung, zu der es keine Alternative gibt.
Henryk M. Broder ist einer der Herausgeber der Achse des Guten.

Am Ende werden Kriege schon irgendwo durch Diplomatie beendet, eine Seite kapituliert und dann kommen die Federkrieger: „Es ist die Eigenschaft des Schwertes, die Feder zu ihrem Dienste zu nötigen“, arabisches Sprichwort aus dem Mittelalter. Aber so hat sie das sicher nicht gemeint.
Das vielbemühte Völkerrecht ist zudem Humbug, denn es berührt nicht oder kaum die Verhältnisse innerhalb eines Landes. Eine Theokratie, wenn Mullahs, Pfaffen oder Lamas die Völker teils grausam unterdrücken, wird vom Völkerrecht nicht beanstandet. Damit kann man sich mit den gedruckten Exemplaren getrost den Hintern wischen und sie damit immerhin einer sinnvollen Verwendung zuführen. Das Völkerrecht regelt nichts, verhindert nichts und kann von jedem so gelesen werden, wie es am besten in den jeweiligen Kram passt.
Kriege werden meistens „gelöst“, d.h. beendet, indem eine kriegführende Partei gewonnen und die andere verloren hat.
Hat Frau Hayali an die Zeit der Kabinettskriege im Absolutismus gedacht? Hier wäre ihre These durchaus diskutabel. Hat sie? Ich denke eher nicht. Kriege enden seither mit der militärischen Unterwerfung einer Partei oder durch die Einsicht beider Parteien, nicht stark genug zu sein, die jeweils andere zu vernichten. Zu letzterem kam es einmalig im Westfälischen Frieden. Ein Sieg der Vernunft, nur unter Europäern denkbar. Friedensverhandlungen regelten ansonsten Gebietsabtretungen, Einflußphären sowie Reparationen und schlossen stets eine Klausel ein, nach der sich die Kontrahenten versprachen, einander nichts nachzutragen. Ein Kriegsschuldartikel fand sich nur in den Pariser Vorortverträgen, einer der Hauptgründe für die Unverdaulichkeit des Vertragswerkes durch die Deutschen.
Das Völkerrecht verbietet es mir morgens vor 10 Uhr aufzustehen. Meinem Chef wird das nicht gefallen.
Den Kommentaren ist sehr wenig hinzuzufügen, ausser vielleicht die Erkenntnis, dass man heute moeglichst viele, frueher alt – oder neunmalkluge genannte, Plattitueden absondern muss, selbstsverstaendlich voellig wissensbefreit, um als wissend zu erscheinen. Die Zuschreibungen erfolgen reflexartig aufgrund der Prominenz der Produzenten, vor allem bei Auftritten I’m ÖRR. Fuer den gemeinen Deutschen gilt, dass jeder, der ein Amt hat bzw im ÖRR präsent ist, kundig sein muss. Eine Art Beweis des ersten oder aeusseren Anscheins. Natuerlich weiss Frau Hayali so gut wie nichts und kognitiv ist es auch nicht leicht. Im Zeitalter des Feminismus ist Plappern angesagt, weibliches Plappern. Faktenbefreit. Im „ Voelkerrecht“ gilt „vae victis“ oder naturgemaess das „Recht“ des Staerkeren, wobei „Stärke“ im konkreten Fall unterschiedlich aussieht. Fakt ist, dass der, der sich vorsorglich unterwirft, verloren hat, denn der Fall der vollständigen Vernichtung als eine Lösung und selbst der „ bedingungslosen Kapitulation“ gegenueber seinen Befreiern als 2. Loesung kann heute ausgeschlossen werden. Was das vertragliche Voelkerrecht wert ist, erkennt man z. B. auch in der EU. Man „arbeitet“ weniger rechtlich, als mit etwas unfeinen Methoden, falls sich der Feind als schwaechlich erweist. Die Rollen sind meistens vorher schon klar. Jedenfalls die deutsche. Recht ist, was den Richtigen nuetzt bzw den Falschen schadet. Und es gilt im Zweifel ohnehin immer nur fuer den Anderen. Was rein rechtlich etwas untypisch ist. Bestenfalls gilt das„ Recht“ des Deals. Die Methode Trump. Es gibt deutlich schlechtere. Hier geht es nur darum, wer wem was zu bieten hat. Fuer Damen vermutlich schwer erträglich. Obwohl sie privat durchaus um eigene Optimierung bemüht sind. Aber das ist in Ordnung.
Alles klein zu schreiben ist eine marotte von dunja, nicht von Herrn Broder. Er zieht sie damit nur ein wenig auf. Motto: ich habe liebe genossen.
@Bernd Büttner.
Mit Freude sehe ich, dass Sie die gleichen Fernseh- Schrott- Vermeidungsstrategien betreiben und ähnliche Sendungen bevorzugen wie ich. Fernsehen war zwar immer schon leicht erzieherisch und linsksgeneigt, aber noch erträglich. Jetzt aber ist es eine brutale Attacke auf Blutdruck und Magennerven.