Eine der großen Männerleidenschaften, neben Modelleisenbahn und Briefmarkensammlung, ist die Gründung von Staaten. Welcher Dorfbürgermeister wäre nicht gern Ministerpräsident?
Da er es in den meisten Ländern in der Regel nicht wird, kürzt man mitunter den Weg zur Macht ab. Man erklärt sich für unabhängig. Befindet sich das Gebiet in einer instabilen Zone, hat man mit einer Separierung ganz gute Chancen.
Man muss sich nur an ein Imperium binden, und schon ist man Ministerpräsident. Man ist damit politischer Führer eines unabhängigen Staates, der allerdings von niemandem völkerrechtlich anerkannt wird.
Statt dessen ist man als Teil des Imperiums, diesem ausgeliefert. Was hat der Präsident eines solchen Staates zu tun? Im Grunde gar nichts. Er kann sich ruhig der Pflege seiner Briefmarkensammlung widmen. Mit Briefmarken kann man übrigens die fehlende internationale Anerkennung ganz gut kompensieren. Zumindest in der Welt der Sammler wird der selbstgestrickte Staat zu einer konstanten Größe.
Wenn der Präsident in seinem Amtssitz seine Modelleisenbahn aufbaut, reicht diese nicht nur von einem Ende des Parketts zum anderen, sondern praktisch von der einen Landesgrenze zur anderen.
Sein Amtssitz reicht gerade aus, um Gespräche mit den Gesandten des Imperiums zu führen. Das Thema dieser Gespräche ist nicht weiter wichtig, man könnte auch über das Wetter reden.
Entscheidend ist der Gestus. Das Signal des Imperiums für die Welt, das darin steckt. Und sollte dieses Signal aus irgend einem Grund nicht ausreichen, dann setzt sich die ruhmreiche imperiale Armee in die Modelleisenbahn und kommt rüber.
Russland, das Imperium in der Krise, hat unter seinen Verbündeten bald nur noch Dorfbürgermeister. Briefmarkenstaaten: Abchasien, Südossetien sind schon in der Mache. Andere verharren noch in der Warteschleife: Nagorno Karabach und Transnistrien.
Die Fahrpläne für die Modelleisenbahnen werden von den Sonderausschüssen der Duma vorbereitet. Diese sieht zwar einem Parlament täuschend ähnlich, Kenner der Situation aber behaupten seit langem, dass es sich um eine Briefmarkentauschbörse handeln würde.