„Der Anschlag von Sydney hat uns bis ins Mark getroffen“, sagte Oded Horowitz, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf (JGD), am Abend des 18. Dezember beim Entzünden des fünften Chanukka-Lichts. „Aber wir sind da, wir bleiben da, und wir sind stolze Juden.“ Die mehr als 100 Menschen, die aus diesem Anlass auf der Schadowstraße in Düsseldorf zusammengekommen waren, reagierten auf seine Worte mit Beifall und Erleichterung.
Überschattet wurde die Feier von dem Terror-Anschlag am Bondi Beach im australischen Sydney vier Tage zuvor. Dabei hatten zwei mutmaßlich islamistisch motivierte Attentäter die von der Chabad-Lubawitsch-Bewegung organisierte Feier „Chanukah by the Sea“ mit Langwaffen angegriffen. Insgesamt wurden 15 Menschen ermordet und 43 teilweise schwer verletzt. Unter den Getöteten waren auch ein zehnjähriges Mädchen, Rabbiner Eli Schlanger von Chabad Lubawitsch sowie ein weiterer Rabbiner und der Holocaust-Überlebende Alex Kleytman. Ohne das Eingreifen eines mutigen Passanten, einem 43-jährigen Ladenbesitzer syrischer Herkunft, hätte es vermutlich noch mehr Tote gegeben. Ein jüdisches Ehepaar, das kurz vor dem Anschlag versucht hatte, einen der Attentäter zu entwaffnen, kam dabei selbst ums Leben.
Auch am Rhein hatte der Anschlag in Australien teilweise heftige Reaktionen zur Folge: Als noch am Abend der Tat die Stadt auf ihrer Facebook-Seite „allen Juden in Düsseldorf und weltweit in diesen schweren Stunden ein friedliches und besinnliches Chanukka-Fest“ wünschte, musste die Kommentarfunktion schnell wieder geschlossen werden. Offenbar hatte der Anschlag in Sydney in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt auch noch andere Reaktionen ausgelöst als nur Anteilnahme. Im benachbarten Wesel sagte die dortige Jüdische Gemeinde ihre Chanukka-Feier sofort ab. In Düsseldorf aber waren sich Gemeinde und Chabad Lubawitsch schnell einig, an den öffentlichen Feierlichkeiten festzuhalten. „Mit viel Licht vertreiben wir die Dunkelheit", hieß es dazu.
Anti-israelische Kundgebungen nunmehr im dritten Jahr
Gleichzeitig aber fiel schnell auf, dass der Kontext des Anschlages in Sydney auch in Düsseldorf sofort tabuisiert und in den Debatten nahezu ausgeblendet wurde. Die einzige Ausnahme war, wie zumeist beim Thema Antisemitismus, der Historiker Bastian Fleermann, Leiter der städtischen Mahn- und Gedenkstätte für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Am Tag nach der Bluttat schrieb er auf seiner Facebook-Seite:
„Die blutige Tat von Sydney geschah nicht irgendwie, kontextlos, ohne Vorgeschichte. Sie geschah auf der Basis einer seit zwei Jahren sich zuspitzenden weltweiten Atmosphäre des Judenhasses. Sie geschah nach zwei Jahren voller Intifada-Demos, Hamas-Befürwortung und Dämonisierung des jüdischen Staates. Sie geschah, nachdem die Sprache radikalisiert und entgrenzt worden ist und Israel immer weiter delegitimiert wurde. Die Täter feuerten auf unschuldige Menschen am sprichwörtlichen anderen Ende der Welt. Jeder einzelne Schuss war Antisemitismus. Jeder Schuss sollte Juden töten. Nichts, aber wirklich überhaupt gar nichts hat das mit Kritik an der israelischen Politik zu tun. Aus der Sprache und den Rufen nach einer ,Globalization of Intifada' ist blutige Tat geworden. Unter den Ermordeten ist mindestens ein Holocaust-Überlebender. Alle, die hierzulande explizit oder implizit zur Auslöschung Israels aufrufen oder vor den Synagogen herumbrüllen, schaffen genau die globale Stimmung, die sich am Strand von Sydney manifestiert hat".
Dass Fleermanns Analyse zutreffend sein dürfte, zeigt schon allein der Blick auf Rhetorik und Vokabular der von links-migrantischen Gruppierungen organisierten anti-israelischen Kundgebungen, die nunmehr im dritten Jahr regelmäßig und lautstark durch die Düsseldorfer Innenstadt ziehen: Zu deren Beginn werden jedes Mal die polizeilichen Auflagen verlesen. Dazu gehören die Verbote einzelner Parolen sowie von Symbolen mehrerer Terror-Organisationen sowie die Verbote, das Existenzrecht Israels zu leugnen oder zu Hass gegen einzelne Bevölkerungsgruppen aufzustacheln. Das Vortragen falscher oder verzerrter Darstellungen ist von den polizeilichen Auflagen jedoch nicht erfasst. Das ermöglicht den Demonstranten, die mit palästinensischen Flaggen und vereinzelt auch mit roten Fahnen durch die Stadt ziehen, stundenlange Schauermärchen über „Zionisten" zu erzählen, die angeblich Frauen und Kinder ermorden, Frauen foltern sowie Babys verhungern lassen oder ihnen medizinische Versorgung vorenthalten.
Würde man bei den endlosen, zuweilen an eine Dauerschleife erinnernden Darstellungen, die die Menschen bis heute auf belebten Einkaufsmeilen wie der Königsallee oder der Schadowstraße zu hören bekommen, den Begriff „Zionisten“ konsequent durch die Vokabel „Juden“ ersetzen, so wäre es die Dauerbotschaft, dass Juden Frauen und Kinder ermorden oder verhungern lassen. Und damit nicht weniger als eine an die Rechtfertigung mittelalterlicher Pogrome erinnernde Botschaft. Da die deutschen Behörden „Zionisten“ aber nicht als Synonym für „Juden“ sehen und sich stattdessen an einzelnen Parolen oder Symbolen abarbeiten, darf diese Botschaft auch weiterhin ungehindert so vorgetragen werden.
„Von Menschen mag ich hier gar nicht sprechen“
Lediglich bei der Frage nach den daraus resultierenden Konsequenzen unterscheidet sich die Rhetorik migrantischer Redner deutlich von der ihrer deutschen Verbündeten: Wenn deutsche Redner das Mikrofon in der Hand halten, sind es zumeist Frauen, die in kommunistischen oder pazifistischen Gruppierungen oder der Kleinpartei „Team Todenhöfer“ aktiv sind. Deren Reden beschränken sich aber zumeist auf die bekannten linken Forderungen, Israel zu isolieren und nicht länger zu unterstützen, insbesondere nicht mit Waffen. Gelegentlich wird gefordert, „Kriegsverbrecher“ vor Gericht zu stellen, womit der israelische Regierungschef gemeint ist. Eine Ausnahme davon bildete in den letzten Monaten nur eine im „Team Todenhöfer“ aktive Frau, die den Zionismus in einer ihrer Reden als „Krebsgeschwür“ bezeichnet hatte. Nachdem daraufhin eine Strafanzeige wegen des Verdachts der Volksverhetzung gegen sie erging, wurde sie jedoch vorsichtiger und beschränkte sich zuletzt auf das Vortragen der erlaubten Schauermärchen über angebliche israelische Verbrechen.
Die Rhetorik ändert sich jedoch schnell, wenn Vertreter migrantischer Gruppierungen, zumeist arabischstämmige junge Männer, auf diesen Kundgebungen das Wort ergreifen: Dann heißt es auch mal, dass Zionisten „vertrieben“ oder „bekämpft“ werden müssen und ihnen „das Leben schwergemacht“ werden soll. Da auch hier von „Zionisten“ gesprochen wird, aber Juden gemeint sein dürften, können diese Redebeiträge auch als schlecht verschlüsselte Aufforderung verstanden werden, Juden anzugreifen. Lediglich dazu, wie sie „bekämpft“ oder ihnen „das Leben schwergemacht“ werden soll, wird nie etwas gesagt. Was so wirkt, als ob dies demjenigen, der sich dazu berufen fühlt, zur Tat zu schreiten, selbst überlassen wird.
Widerspruch haben die antisemitischen Stimmungsmacher in Düsseldorf nur von den mehreren Dutzend pro-israelischen Gegendemonstranten zu befürchten, die sich ihnen regelmäßig in den Weg stellen. Organisiert werden die Gegendemonstrationen zumeist von Rivkah Young. Die junge Frau trat bereits zwei Jahre lang als Organisatorin des „Run for their Lives“-Laufs in Erscheinung, bei dem wöchentlich an das Schicksal der von der Terror-Organisation Hamas gefangen gehaltenen Geiseln erinnert wurde. Wie sehr sich die Kundgebungsredner davon gestört fühlen, zeigt sich jedes Mal bei deren Start: „Unterwegs werdet ihr pro-zionistischen Gestalten begegnen. Von Menschen mag ich hier gar nicht sprechen“, rief etwa ein Redner bei der letzten Kundgebung vor Weihnachten. „Am besten ist, ihr ignoriert diese pro-zionistischen Kreaturen.“
Längst vor dem antisemitischen Mob kapituliert
Abgesehen von Rivkah Young und ihren Mitstreitern macht sich jedoch niemand in Düsseldorf die Mühe, den falschen oder verzerrten Darstellungen dieser Kundgebungen zu widersprechen. Auch ist die Düsseldorfer Stadtgesellschaft bis heute nicht bereit, die regelmäßigen antisemitischen Aufmärsche zu kritisieren oder gar zu verurteilen. Im November verhallte selbst ein von Bastian Fleermann an Parteien, Gewerkschaften und andere Religionsgemeinschaften gerichteter Appell, sich doch endlich dazu zu positionieren, ungehört. Damit haben Antisemiten in Düsseldorf derzeit eine Lufthoheit, die es in einer solchen Form zuletzt vor 1945 gegeben haben dürfte. Dass die Teilnehmerzahlen dieser Kundgebungen nach dem Waffenstillstand im Nahen Osten rückläufig waren, hat nichts daran geändert, dass die Botschaften, die die Menschen auf den Straßen zu hören bekommen, dieselben geblieben sind.
Vor diesem Hintergrund mutet es nur noch bizarr an, dass die nordrhein-westfälische Landespolitik in den Tagen nach dem Anschlag in Sydney nichts Besseres zu tun hatte, als erneut davon zu sprechen, „Bildung und Aufklärung“ seien wirksame Mittel im Kampf gegen den Antisemitismus. „Der antisemitische Anschlag am Bondi Beach in Australien zeigt erneut, wie real und gefährlich der Hass auf Juden weltweit ist“, hieß es etwa am Tag nach dem Anschlag in einer mit „Null Toleranz gegenüber Antisemitismus“ überschriebenen Mitteilung der CDU-Landtagsfraktion. „Bildung und Aufklärung sind zentrale Mittel im Kampf gegen Antisemitismus. Besonders junge Menschen müssen früh lernen, wohin Ausgrenzung und Hass führen und warum Erinnerung Teil unserer demokratischen Verantwortung ist.“ Zwei Tage später betonte das von Josefine Paul (Grüne) geführte Landesfamilienministerium, dass „Prävention und Aufklärungsarbeit“ im Zusammenhang mit steigendem Antisemitismus „besonders wichtig“ seien.
Wie sich solche Aussagen mit der Toleranz vertragen, die Antisemiten derzeit auf nordrhein-westfälischen Straßen erfahren, blieb jedoch offen. Tatsächlich dürfte der dramatisch gestiegene Judenhass längst die Nutzlosigkeit der als „zentrale Mittel“ bezeichneten Maßnahmen aufgezeigt haben. Damit bleibt der Eindruck zurück, dass die Politik nach dem Anschlag in Sydney nur noch um die Simulation von Aktivitäten bemüht ist – in Wahrheit aber längst vor dem antisemitischen Mob auf der Straße kapituliert hat. Was der natürlich auch 2026 entsprechend für sich nutzen wird: „Wir werden so lange demonstrieren, solange es auch nur einen Apartheidstaat auf dieser Welt gibt“, hatte einer der Organisatoren der Düsseldorfer Kundgebungen zuletzt angekündigt. Übersetzt dürfte das heißen: „Wir werden so lange demonstrieren, solange es Israel gibt.“

@Ilona Grimm : Ich meine Sigmar.
@Julius Grossmann:„Palästinaflaggen an Felswänden in schönster Landschaft. Fragen: Ist dies staatlich geduldet“? Als gebildeter Leser würde ich es Meinungsfreiheit nennen. Trump bemängelt ein Zuwenig davon in Europa. Er war wohl nicht am Passo Correboi.
„DAS SCHWARZE REICH “ übrigens als Korrektur, ist nicht auf YouTube, sondern im Internet als PDF Download verfügbar.
Jetzt bin ich irritiert, um nicht zu sagen verunsichert. Ich habe am Internet schon Video-Interviews gesehen, in denen jemand, der sich als medizinisch Sachverständiger ausgibt, erzählt, bei den Kindern, die er im Krankenhaus behandele, habe er in mehreren Fällen Gewehrkugeln im Körper (Herzgegend) oder Kopf gefunden – und dann zu grossen Teil nicht mehr viel machen können. Ich senke dann: OK, da zielen welche auf Kleinkinder. Ist das falsch? Oder schon als Bericht gelogen?
Dann höre ich mir an, welche Todesart Herr Smotrich so gut wie allen Palästinensern wünscht – erschiessen sei noch zu mild, unter verhungern lassen geht nichts. Alles fake? Ich bitte ganz ehrlich um Aufklärung. Mein Eindruck ist, hier sieht ein Volk in einem anderen unterschiedslos nur Untermenschen – vielleicht als Reaktion darauf, dass man ihnen erzählt hat, die anderen sähen das umgekehrt genauso. Ich weiss es nicht. Wenn Abby Martin und Chris Hedges berichten, sie schätzten durch eigene Befragung den Anteil der israelischen Juden, die für die Palästinenser nur jene Lösungen sehen, in denen die irgendwie als Problem verschwinden, auf über 60 %, ist das dann von Links fabrizierte Hetze?
Es mag ja sein, dass sie gehasst und bekämpft werden, aber sind ihre Motive, Methoden und „Erfolge“ von der Art, wie derzeit berichtet wird, oder verhält es sich ganz anders? Ich habe gelesen, man lasse auch gar nicht so gerne Journalisten bis an den Ort des gräulichsten Geschehens. Dann bleiben eben nur Spekulationen. Oder das Verbieten von Hilfsorganisationen. Ein mörderischer Plan oder nicht?
Apropos Plan: Der Oded-Yinon-Plan? Geschwurbel, obwohl er Gestalt annimmt?
@Lutz Liebezeit: Sie sind ja ein ganz Böser. Alexander Dugin, der ja ein ganz besonders böser Russe ist, hat diesbezüglich bei RT in mehreren Artikeln zur gegenwärtigen weltpolitischen Lage und die damit verbundene Entwicklung fast genau dasselbe formuliert. Sind übrigens aus russischer Sicht interessante Überlegungen- allerdings böse Überlegungen. Aber RT ist ja auch böse. Deshalb wird vorsorglich gewarnt, nach Alexander Dugin oder RT im Internet zu recherchieren. Insbesondere die zuletzt von Dugin veröffentlichten Artikel zur weltpolitischen Lage und die damit verbundene Entwicklung sind besonders böse, was die Entwicklung der EU und die Nationalstaaten betrifft. Ich distanziere mich ausdrücklich von RT, Alexander Dugin und von den bösen Russen sowieso und warne ausdrücklich davor, sich mit dem Bösen einzulassen.
Der Islam ist, wie jeder Glaube, das Licht der Armen. Ursache und Wirkung ist dabei austauschbar. Wenn unsere hochgelahrte Regierung also die allgemeine Armut durch eine völlig falsche Bildungs/ Wirtschafts/ Migrationspolitik nach Kräften fördert, wird aus der ins Fenster gestellten Kerze sehr bald ein Großbrand. Was wir heute haben ist Micky Maus gegen das, was unweigerlich kommen wird. Es ist zu fürchten, dass bei soviel tätigem Untergangswillen der „Führer“ himself noch aus der Asche steigt und Beifall klatscht. Hätt er selbst nicht besser hingekriegt. Ponyhof Deutschland wird zum Schlachthaus.
In Berlin übrigens wurde auf Initiative der CDU SPD Regierung der 15. März als „Gedenk- und Aktionstag gegen Islamfeindlichkeit“ eingeführt. Erstmals gibt es diesen Gedenk- und Aktionstag dieses Jahr. Wer hat im Berliner Abgeordnetenhaus mit CDU und SPD für diesen Gedenk- und Aktionstag gestimmt? Genau, es waren LINKE und GRÜNE. Wer hat dagegen gestimmt?