Volker Seitz / 22.04.2022 / 14:00 / Foto: World Economic Forum / 13 / Seite ausdrucken

Düngemittel – Hilfe aus Afrika?

Versorgungsengpass bei Pflanzendünger? Mögliche Hilfe kommt etwas unerwartet aus Nigeria. Mitte März 2022 eröffnete Aliko Dangote bei Lagos die größte Düngemittelfabrik des Kontinents mit 5.000 neuen Arbeitsplätzen.

Die extrem hohen Gaspreise und der Krieg in der Ukraine haben Auswirkungen auf die Versorgung mit Mineraldünger. Große Düngemittelhersteller in den USA, Norwegen und Großbritannien haben bereits ihre Produktion drastisch gedrosselt. Russland als wichtiger Lieferant von Dünger und wichtiger Düngerbestandteilen wie Harnstoff, Ammoniak und Kali ist ausgefallen. Fast ein Fünftel der weltweiten Düngemittelausfuhren kommt aus Russland. Europäische Hersteller müssen Ammoniak für die Nitratdüngemittelanlagen aus anderen Regionen der Welt importieren, in denen die Gaspreise noch niedriger sind.

Mögliche Hilfe zu dem Versorgungsengpass bei Pflanzendünger kommt etwas unerwartet aus Nigeria. Mitte März 2022 eröffnete Aliko Dangote bei Lagos die größte Düngemittelfabrik des Kontinents mit 5.000 neuen Arbeitsplätzen. Die 2,5 Milliarden Dollar teure Fabrik befindet sich auf einem 500 Hektar großen Gelände am Stadtrand von Lagos. Sie hat derzeit eine jährliche Produktionskapazität von drei Millionen Tonnen Harnstoffdünger (vgl. Website der Dangote-Gruppe). 

Demnach beliefert die Düngemittelfabrik bereits Kunden in den USA, Brasilien und Indien.

Wer ist Aliko Dangote?

Aliko Dangote (geboren 1957 in Kano/Nigeria) ist in Deutschland kaum bekannt, weil er die Öffentlichkeit nicht sucht und wenig Wert auf Statussymbole legt. In einem zu Teilen von Korruption und Vetternwirtschaft zerfressenen Nigeria gilt er als ehrbarer Kaufmann. Die Financial Times nannte Aliko Dangote den erfolgreichsten Unternehmer der afrikanischen Geschichte. Seine Erfolgsgeschichte vom Kleinkredit eines Onkels bis zum Industriemagnaten ist einmalig. Anders als andere reiche Afrikaner verdankt er seinen Reichtum nicht Rohstoffen, sondern dem Handel mit importierten Waren und dem Aufbau einer verarbeitenden Industrie. Er gilt als der reichste Mann des Kontinents. Sein Vermögen hat das FORBES-Magazin auf 10,3 Milliarden Dollar geschätzt (Bloomberg 16,7 Milliarden), was fast drei Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes (BIP Nigerias 2020: 432 Milliarden US-Dollar) entspricht.

Der Durchbruch gelang ihm im Jahr 2000 mit dem Bau einer Zuckerraffinerie und eines Zementterminals in Lagos. Heute ist seine Dangote Group der größte Zementhersteller Afrikas. (Dangote Cement, der größte börsennotierte Konzern in Nigeria, produziert mehr als 45 Millionen Tonnen Zement im Jahr.) Er hat in acht weiteren Ländern des Kontinents Produktionsstätten – Ghana (seit 2011), Südafrika (2014), Kamerun, Sambia, Äthiopien und Senegal (2015), Kongo und Sierra Leone (2017) – und deckt ein Portfolio ab, das von Zement, Düngemittel, Stahl, Immobilien, Telekommunikations- und Logistikdiensten über Zucker, Reis, Salz, Nudeln, Tomatenmark, Mehl bis Milch und Mineralwasser reicht. Das Management seiner Firmen kommt mehrheitlich aus Indien. Sein Bruder Sani ist Vizepräsident der Gruppe. Neben seiner Tochter Halima, die als seine Nachfolgerin gilt, ist noch sein Vetter Abdu Dantata, der für die Logistik und Vertrieb verantwortlich ist, mit an der Spitze der Gruppe.

Er baut in Lagos – auf einem trockengelegten Sumpf – für mehr als 19 Milliarden Dollar eine Raffinerie mit einer Kapazität für 650.000 Barrel täglich. Sie soll Ende 2022 fertig werden. Um die notwendigen gigantischen Baumaschinen transportieren zu können, mussten 136 km Straße und ein eigener Hafen gebaut werden. Dangote hofft, damit den gesamten Bedarf des Landes zu decken und noch einen Teil zu exportieren. Nigeria muss als Ölförderland Benzin importieren, weil die Raffinerien alt und schlecht gewartet sind (vgl. Jeune Afrique Nr. 311, April 2022, S. 140 ff.).

Errichtung einer Ausbildungsakademie mit deutscher Hilfe

Während viele afrikanische Geschäftsleute mit dem Export und Import von meist unverarbeiteten Gütern reich geworden sind, setzt Dangote auf die Produktion und Verarbeitung vor Ort. Er hat bislang 25.000 Arbeitsplätze geschaffen. Dangote hat erkannt, dass der beste Weg, die Effizienz zu steigern, über eine eigene Fachkräfteentwicklung führt. Mit Hilfe des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) hat er für seine Mitarbeiter und lokale Unternehmen eine Trainings- und Ausbildungsakademie errichtet, in der bis zu 500 Personen ausgebildet werden können. Das Ausbildungskonzept für den Schulungsbetrieb hat auch der VDMA ähnlich wie in Kenia und Botswana entwickelt.

Seine DANGOTE FOUNDATION investiert zwischen 50 und 100 Millionen Dollar in philanthropische Aktivitäten, z.B. Sanierung von Universitäten – Ahmadu-Bello (Zaria), Bayero (Kano) Kano State (Wudil) und Ibadan –, Hilfe für Flutopfer, arbeitslose Jugendliche und Frauen, Ebola-Opfer in Liberia. 

Am 2. März 2018 weihte Dangote seine DANGOTE BUSINESS SCHOOL (DBS) an der Universität Bayero in Kano, seiner Geburtsstadt, ein. Dangote sagte:

“This business school will be training and preparing future African leaders in business, who will understand how to develop, and also train others to become visionary businessmen. I also see this business school playing a role in accelerating the economic integration of our continent.“

(„Diese Business School wird künftige afrikanische Wirtschaftsführungskräfte ausbilden und vorbereiten, die wissen, wie man sich entwickelt, und auch andere zu visionären Geschäftsleuten ausbilden. Ich sehe auch, dass diese Business School eine Rolle bei der Beschleunigung der wirtschaftlichen Integration unseres Kontinents spielen wird.“)

Die Gebäude wurden für 3,3 Millionen Dollar errichtet. Das Ziel der DSB ist es, hervorragende internationale Ausbildungs-Qualität zu bieten (to promote high level business management and entrepreneurship knowledge). 

 

Volker Seitz war von 1965 bis 2008 in verschiedenen Funktionen für das deutsche Auswärtige Amt tätig, zuletzt als Botschafter in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und Äquatorialguinea mit Sitz in Jaunde. Er gehört zum Initiativ-Kreis des Bonner Aufrufs zur Reform der Entwicklungshilfe und ist Autor des Bestsellers „Afrika wird armregiert“. Die aktualisierte und erweiterte 11. Auflage erschien am 18. März 2021. Volker Seitz publiziert regelmäßig zu afrikanischen Themen und hält Vorträge.

Foto: World Economic Forum CC BY 3.0 via Wikimedia Commons

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Petra Horn / 22.04.2022

Die beste Antibabypille ist die außerhäusliche Erwerbsarbeit von Frauen.  Sobald Frauen, egal in welchem Land und in welcher Kultur, in die Stadt ziehen und dort eine Erwerbsarbeit beginnen, fällt die Geburtenrate drastisch. Es kommen mehrere Gründe zusammen: - Kinder bringen nicht, wie auf dem Land, einen Ertrag als Arbeitskraft oder zur Stärkung des Familienclans gegen andere Clans, wie z.B. in Afghanistan, und, was man in Indien deutlich sehen kann, Kinder kosten in der Stadt Geld, z.B. für größere Wohnungen oder Schulgeld und die Familien haben auch keine Zeit mehr für Kinder. Überall dort, wo es hohe Frauenerwerbsquoten gibt, sind die Kinderzahlen sehr niedrig. Im ehemaligen Ostblock, in Ostasien, also Japan, Südkorea, Taiwan und Singapur sind extrem, China mittlerweile, obwohl jetzt die Kinderzahl freigegeben wurde. Am höchsten ist die Geburtenrate in Niger und Mali. Außerhäusliche Erwerbsarbeit von Frauen korreliert natürlich auch mit der Bildung der Frauen. Das kann man z. B. in den verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Deutschland beobachten.

Hans-Peter Dollhopf / 22.04.2022

Russland und die Ukraine verlieren also Marktanteile an Nigeria als einem Kriegsgewinnler Afrikas dank Dangote.

Johann Moebius / 22.04.2022

@giesemann gerhard: Die Geburtenrate ist einfach beeinflussbar. Sie geht sofort zurück, sobald der Lebensstandard nur wenig höher ist und wenn dann junge Frauen ein gewisses, minimales Bildungsniveau erreichen. Das war in allen Ländern Europas so, und wiederholt sich gerade überall in Asien und Südamerika. Afrika ist der einzige Kontinent, wo diese Entwicklung nachhinkt und somit die Bevölkerung noch einige Jahre stark wachsen wird.

Stanley Milgram / 22.04.2022

Wie soll man uns denn nun nennen, wenn uns die dritte Welt helfen kann?

Karla Kuhn / 22.04.2022

Ludwig Luhmann, “Dangote sitzt im Vorstand des Corporate Council on Africa und ist Mitglied des Lenkungsausschusses der Global Education First Initiative des Generalsekretärs der Vereinten Nationen,[48][49] der Clinton Global Initiative und des International Business Council of the Weltwirtschaftsforum. Im September 2016 wurde er von der US-Handelskammer zum Co-Vorsitzenden des US-Africa Business Center ernannt.[50][51][52][53] Im April 2017 trat er dem Vorstand der Clinton Health Access Initiative bei.[54] Er ist auch im Vorstand von One Campaign.”  Glauben Sie,  Herr Seitz, wenn sich dieser Mann mit den Clintons und Co.  einläßt, kann er weiterhin UNABHÄNGIG in Afrika für seine Landsleute wirken ?  Ich vermute stark, diese “philantrophischen ” Cliquen machen NIX aber auch gar NIX ohne dementsprechende Gegenleistung !! Und WIE DIE aussieht, kann sich JEDER denken. Offenbar eine Art Neuer Kolonialismus. Am Ende wird Afrika,  vermutlich wie IMMER, ausgebeutet. PHILANTROPHIE in der Wirtschaft, egal WO in der Welt,  ist REINES WUNSCHDENKEN !!

Volker Kleinophorst / 22.04.2022

Wenn erstmal keine Klospülung mehr geht, kacken wir nach alter Väter Sitte wieder aufs Feld. Dann natürlich auch ohne Klopapier. Die anderen Tiere schaffen es doch auch. Ganz natürlich.

giesemann gerhard / 22.04.2022

Prima, wenn sie jetzt noch das Kindermachern mal ne Weile lassen täten, die Nigerianer, dann, ja dann ... . Aber vergiß es.

Ludwig Luhmann / 22.04.2022

“Dangote sits on the board of the Corporate Council on Africa, and is a member of the steering committee of the United Nations Secretary-General’s Global Education First Initiative,[48][49] the Clinton Global Initiative and the International Business Council of the World Economic Forum. He was named co-chair of the US-Africa Business Center, in September 2016, by the US Chamber of Commerce.[50][51][52][53] In April 2017, he joined the board of directors of the Clinton Health Access Initiative.[54] He is also on the board of One Campaign.”—- Schwabs “Stakeholder” haben da also ihre Finger drin. Mich würde es nicht wundern, wenn dieser Mohammedaner daran arbeitet, Nigeria von Ungläubigen zu befreien. Das Wort “Philanthropist” lässt mich immer an Leute wie Idi Amin denken, die recht eigenwillige Auslegungen westlicher Werte pflegen.

Christa Born / 22.04.2022

Scheint ein grossartiger Mann zu sein! Bitte mehr von solchen Leuten in Afrika, denn bald müssen die bei uns Entwicklungshilde leisten.

Holger Kammel / 22.04.2022

Chapeau, da sage doch mal einer, es gibt keine Lichtblicke in Afrika. Wenn etwas Afrika helfen kann, dann ist es der Aufbau eines eigenen verarbeitenden Gewerbes. Allein die Importabhängigkeit bei einfachen Baustoffen wie Zement und Betonstahl aufzuheben, könnte einen Boom auslösen. Vermutlich hat der Mann bereits mehr bewirkt als Jahrzehnte der Entwicklungshilfe. Allerdings kann die Zahl der Arbeitsplätze nicht stimmen. Nach der Größenordnung des geschätzten Vermögens müßten das schon deutlich mehr sein, vielleicht nicht direkt in seinen eigenen Firmen, sondern in vor- und nachgelagerten Bereichen.

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