Fundstück / 05.08.2013 / 08:32 / 5 / Seite ausdrucken

Dual-Fluid-Reaktor nun doch für GreenTec Award

Nuklearia-Pressemitteilung

Einstweilige Verfügung: Dual-Fluid-Reaktor nun doch für GreenTec Awards nominiert

Berliner Kammergericht: Rauswurf des Dual-Fluid-Reaktors aus Umweltwettbewerb nicht rechtens. GreenTec Awards müssen Denominierung zurücknehmen.

Bei Wettbewerben ist es üblich, den Rechtsweg auszuschließen. Unüblich ist jedoch, die Regeln während des laufenden Wettbewerbs zu ändern, um einen mißliebigen Kandidaten am Weiterkommen zu hindern. Wer so etwas tut, kann durchaus vor dem Kadi landen, ganz egal, ob er den Rechtsweg ausgeschlossen hat oder nicht.

Das mußte gerade der renommierte Umweltpreis GreenTec Awards erfahren. Ein Online-Publikumsvotum nominierte den Dual-Fluid-Reaktor (DFR) des Berliner Instituts für Festkörper-Kernphysik (IFK) für die Endrunde.

»Der DFR entspricht genau den Kriterien der GreenTec Awards«, schwärmt Dr. Götz Ruprecht vom IFK. Der Reaktor sei umweltfreundlich, nachhaltig und ökonomisch, indem er ohne CO2-Emissionen und bei geringstem Flächenverbrauch große Mengen preiswerten Strom und Kraftstoff erzeugt. Und er beseitige Schadstoffe, nämlich den Atommüll bestehender Kernkraftwerke. »Der DFR zählt zu den Schnellspaltreaktoren und kann diese Abfälle daher als Brennstoff nutzen«, erläutert der Kernphysiker. »Mit den heute üblichen Kernkraftwerken geht das überhaupt nicht. Der DFR aber macht es sogar noch auf eine besonders effiziente Weise.«

Veranstalter und Jury der GreenTec Awards mochten sich dieser Sichtweise jedoch nicht anschließen. Sie konnten sich ausgerechnet einen Kernreaktor in der Endrunde ihres grünen Wettbewerbs nicht vorstellen. Daher konstruierten sie eine nachträgliche Regeländerung und warfen den DFR aus dem Rennen. Das Publikumsvotum sollte nichts mehr gelten, sondern allein die Entscheidung der Jury.

Doch diese Denominierung müssen die GreenTec Awards wieder rückgängig machen, beschloß das Berliner Kammergericht in zweiter Instanz (Az. 25 W 22/13) und gab dem Antrag der DFR-Macher auf einstweilige Verfügung statt. Die Greentec Communications GmbH muß das Ergebnis der Online-Abstimmung hinnehmen, den DFR gemäß der ursprünglichen Wettbewerbsregeln behandeln und ihn für die Endrunde zulassen. Die Jury muß daher erneut über den Gesamtsieger abstimmen und den Dual-Fluid-Reaktor dabei als Kandidaten berücksichtigen. Außerdem hat der DFR das Recht auf einen Filmbeitrag durch ProSieben und auf eine angemessene Präsentation bei der GreenTec-Awards-Gala am 30. August. Der Beschluß ist unanfechtbar; Greentec Communications trägt die Kosten des Verfahrens.

Ausführliche Informationen über den Dual-Fluid-Reaktor finden sich nicht nur auf dessen Homepage, sondern auch in der dreistündigen Tonaufzeichnung des Nuklearia-Mumbletreffens vom 27. Juni 2013.

International bekannt wurde die Posse um die GreenTec Awards durch den Blogbeitrag “How To Stash A Nuclear Reactor Away”. Dort sind auch sämtliche anderen uns bekannten Beiträge zu dieser Affäre verlinkt.


Diesen Text finden Sie (mit Links) auch unter

. Dort ist auch der Beschluss des Berliner Kammergerichts verlinkt.


Quellen:

* GreenTec Awards: http://www.greentec-awards.com/
* Dual-Fluid-Reaktor: http://dual-fluid-reaktor.de/
* Beschluss des Berliner Kammergerichts: http://dual-fluid-reaktor.de/eigenes/greentec-kammergericht.pdf
* Tonaufzeichnung des Nuklearia-Mumbletreffens vom 27. Juni 2013: http://rainerklute.wordpress.com/2013/07/05/dual-fluid-reaktor-intensiv/
* Blogbeitrag “How To Stash A Nuclear Reactor Away”: http://rainerklute.wordpress.com/2013/06/20/how-to-stash-a-nuclear-reactor-away/


Nuklearia:

Die Nuklearia ist eine Arbeitsgruppe innerhalb der Piratenpartei Deutschland. Sie setzt setzt sich ein für moderne und inhärent sichere Kernenergie mit Generation-IV-Reaktoren. Mehr: http://nuklearia.de/wir-ueber-uns/.

* Kontakt: Rainer Klute, E-Mail: rainer.klute@nuklearia.de, Telefon: 0172 / 2324824, Twitter: @Rainer_Klute


Institut für Festkörper-Kernphysik:

Das Institut für Festkörper-Kernphysik (IFK) ist eine gemeinnützige GmbH in Berlin. Die Forschung des Instituts befasst sich mit den Schnittstellen zwischen Kernphysik und angrenzenden Fachgebieten wie Astrophysik, Atomphysik, Plasmaphysik und Festkörperphysik. Mehr: http://festkoerper-kernphysik.de/

* Kontakt: Dr. Götz Ruprecht, E-Mail: ruprecht@festkoerper-kernphysik.de, Telefon: 01520 / 3374582

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Leserpost

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Werner Scholz / 05.08.2013

Scheinbar ist es so, dass im Bereich der Kernenergie das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht ist. »Der DFR entspricht genau den Kriterien der GreenTec Awards, ... er beseitige Schadstoffe, nämlich den Atommüll bestehender Kernkraftwerke. »Der DFR zählt zu den Schnellspaltreaktoren und kann diese Abfälle daher als Brennstoff nutzen«. Das sieht ja fast nach Energiewende 2.0 aus. Bleibt nur zu hoffen, dass solche Spitzentechnologien nicht eines Tages überall auf der Welt in den Einsatz kommen bloß nicht hierzulande.

Andreas Schwichtenberg / 05.08.2013

Sehr schön, Es gibt viel gute Gründe die Kerntechnik abzulehnen. Aber eben auch viele Gründe die für die Nutzung dieser Energie sprechen. Die Tendenz die Vorteile der Kernenergie (z.B. CO2, geringer Flächenverbrauch) im Diskurs einfach verschwinden zu lassen ist bedenklich. Fakten zu unterdrücken war noch nie eine gute Idee. Ich betrachte den Vorfall als einen weiteren Beleg dafür, dass die Energiedebatte emotional-affektiv mit einem festen Gut-Böse-Schema geführt wird. Argumente oder Fakten werden oft nur einseitig zur Kenntnis genommen. Das Verhalten sagt auch sehr viel über die Jury aus. “Die Mitglieder der Jury sind unabhängige Fachleute aus Kultur- und Medien, Wissenschaft und Praxis.” steht auf der Seite von greentec-award. Ein Blick in die Liste der Jurymitglieder erklärt einiges. Eher wenig Leute mit Sachkompetenz. Da wundert es nicht, wenn sich ein Atom=Pfui Reflex durchsetzt. Würde mich sehr interessieren wer bei der Denominierung wie gestimmt hat.

Rolf Krahmer / 05.08.2013

Der Dual-Fluid-Reaktor, auch Transmutations-Reaktor genannt, könnte sich als Brücken-Energieerzeuger bis zur Marktreife der Kernfusion etablieren – WENN ! Wenn da nicht die unverantwortlich geschürte und völlig irrationale „Atom(energie)-Angst der Deutschen wäre – man kann schon fast von Volksverdummung sprechen. Und diese German Angst wird es der dringend notwendigen Etablierung der Dual-Fluid-Technologie sehr sehr schwer machen – leider.

Markus Freuler / 05.08.2013

Habe gerade den Link zu GreenTecAwards benutzt. Sarah Wiener als Laudatorin. Ist das eine Satireveranstaltung ?

Dirk Ahlbrecht / 05.08.2013

Na, da können die GreenTec-Leute ihren Download mit der ausführlichen Stellungnahme zum Ausschluss des DFR ja nunmehr umweltgerecht entsorgen. Dass sich Fußballer sowie Schauspieler berufen fühlen, in der Jury einer solchen Organisation mitzumachen, nur weil sie daheim den Müll trennen, finde ich immer wieder erstaunlich. Da bei der “sehr intensiven, sehr tiefgängigen und teilweise kontrovers geführten Diskussion” zum Ausschluss des DFR möglicherweise niemand freiwillig den Contrapunkt übernehmen wollte, mussten wahrscheinlich die Schauspieler und Fußballer ran. “Wieso wir!?” “Weil ihr keine Ahnung von der Sache habt! Darüber hinaus fällt uns später dann auch die Verlautbarung im SED-Style leichter!” Und das hat den Beteiligten dann wohl durchaus eingeleuchtet.

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