Gestern waren es neun, vorgestern nur zwei, heute vier, aber am Wochenende könnten es wieder mehr als zwei Dutzend sein. Die Rede ist von Militärflugzeugen der chinesischen „Volksbefreiungsarmee“ (VBA), die täglich in den Luftraum des demokratischen Taiwan eindringen. Das, was Putins Panzer waren, die seit letztem Dezember an der Grenze zur Ukraine Stellung bezogen hatten, sind Pekings Kampfjäger und Bomber, die, von südchinesischen Militärbasen aus, täglich waghalsige Manöver fliegen und nicht nur Taiwans Luftabwehr austesten, sondern mürbe machen.
Mitunter stellen sich auch Boote der chinesischen Marine amerikanischen oder japanischen Schiffen in den Weg, die internationale Gewässer nahe Chinas Küsten befahren oder auf die Durchfahrt der Südchinesischen See bestehen, einem internationalen Gewässer, das Peking als sein Territorium betrachtet.
Provokationen dieser Art sind längst Alltag in den Gewässern von Japans Südspitze bis vor die Strände Australiens. Erst letzte Woche brachte die Besatzung einer chinesischen Fregatte einen australischen Hubschrauber mit einem Blend-Angriff einer Laserwaffe fast zum Absturz. Grund, die Heli-Besatzung war wohl einem chinesischen Spionage-U-Boot auf der Spur, das in australischen Gewässern operierte.
Bei all diesen gefährlichen Zwischenfällen fragen sich Militärs von Tokio bis Canberra, von Hanoi bis Jakarta zunehmend besorgt, ob und wann daraus ein Funke überspringen wird, der zu einer militärischen Explosion an den Rändern des Pazifiks führt. Dass Taiwan dabei im Mittelpunkt einer Auseinandersetzung zwischen der neu-aufkommenden Großmacht China und der alten Ordnungsmacht des Pazifiks, den USA, stehen wird, ist längst außer Frage.
Taipei ist das Kiew des Ostens
Denn für Chinas KP ist Taipei das Kiew des Ostens. Und so fragten sich nicht wenige Beobachter, als am Tag der Eröffnung der Winterolympiade in Peking die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua ein Foto von Xi Jinping mit Wladimir Putin in zufriedener Eintracht veröffentlichte, ob zwischen den beiden nicht eine Art Hitler-Stalin-Pakt des 21. Jahrhunderts geschlossen wurde. Nach dem Motto, du stärkst mir bei dem Überfall auf die Ukraine den Rücken, und ich sehe bei der Einvernahme von Taiwan weg.
Zu ähnlich erscheinen beide Konfliktherde auf den ersten Blick. So sprechen Putin wie auch Chinas Staats- und Parteichef Xi ihren Kontrahenten eine Eigenstaatlichkeit ab. Taiwan wie die Ukraine seien „Brudervölker“ ohne eigene Kultur, Sprache und Staatlichkeit sowieso, die man vor „westlichen Einflüssen“ in Taiwan und „Nazi-Politikern“ in Kiew befreien müsse.
Falls das nicht geschehe, dann wäre das „geheiligte“ Mutterland zusehends von feindlichen Kräften umzingelt und in eklatanter Gefahr. Dabei resultieren die Herrschaftsansprüche aus historischen Ereignissen, die längst keine Entsprechung im modernen Völkerrecht mehr finden.
Taiwan etwa wurde vom Qing-Kaiser 1895 an Japan abgetreten. Der Souveränitätstitel der Volksrepublik China, erst 1949 gegründet, erstreckte sich nie auf die Insel. Chinas Narrativ von der „abtrünnigen Provinz“ ist historischer Unfug. Was Xi wie Putin eigentlich fürchten, ist eine funktionierende Demokratie, die sich in Taipei wie Kiew etabliert hat und Putin in Weißrussland, wie Xi in Hongkong von ihren Marionetten vor Ort blutig austreten ließen. Aber damit enden auch die Gemeinsamkeiten. Taiwan und seine 24 Millionen Einwohner scheinen, derzeit zumindest noch, die besseren Karten zu haben.
Die größte maritime Truppenbewegung der Menschheitsgeschichte
Zwar stationierten Pekings Militärs in den letzten Jahren ganze Batterien von Mittelstreckenraketen in ihren Südprovinzen Fujian und Zhejiang, die teils atomar bestückbar, allesamt auf Taiwan gerichtet sind. Aber von einem militärischen Aufmarsch, der auf eine unmittelbar bevorstehende Okkupation der subtropischen Insel hindeuten würde, ist derzeit noch nichts auszumachen. Und eine Besetzung Taiwans, da sind sich Militärexperten einig, würde die größte maritime Truppenbewegung der Menschheitsgeschichte erfordern.
Um die Taiwanstraße zu überwinden, bräuchten Chinas Generäle zehntausende von Schiffen, denn ein bis zwei Millionen Soldaten müssten nach Taiwan übergesetzt werden. Ein derartiger Truppenaufmarsch lässt sich, wie die Ukraine zeigt, nicht verheimlichen. Spätestens sechs Wochen vor einem Angriff wüssten Taiwans Geheimdienste, gespeist vom CIA, recht gut über Kriegsvorbereitungen an Chinas Küsten Bescheid.
Dann begänne ein fürchterliches Blutbad. Denn für Taiwans Generäle beginnt die Landesverteidigung auf dem Festland. Sie würden einen Angriff, hat er einmal begonnen, mit einem Raketenhagel auf chinesische Städte beantworten. Zwar ist die VBA zahlenmäßig weit überlegen, aber Taiwans Armee verfügt über modernste US-Waffensysteme. Zudem ist die Insel, etwa so groß wie Baden-Württemberg, schwieriges Terrain. Die Bevölkerungsmehrheit lebt vorwiegend im Westteil der Insel. Dahinter türmen sich gut 300 Gipfel von mehr als 3.000 Meter Höhe in dichtem Urwald.
Einer gegnerischen Armee stehen landesweit nur ein Dutzend Strände für Landeangriffe zur Verfügung. Nur noch 7,5 Prozent der Bevölkerung Taiwans könnten nach einer jüngsten Meinungsumfrage dem staatlichen Zusammenschluss mit China noch etwas Positives abgewinnen. Der Rest würde gegen Pekings Soldaten Widerstand leisten. Seit einigen Jahren erhalten Reservisten zudem Ausbildung in zivilem Widerstand. Von pensionierten US-Experten.
Taiwan verfügt über eine starke Trumpfkarte
Als Faustregel der taiwanischen Landesverteidigung gilt, die eigenen Soldaten müssten einem Ansturm von Pekings Truppen 14 Tage standhalten, dann kämen Japan und US-Bodentruppen, die in Okinawa und Guam stationiert sind, zur Hilfe. Beide Länder haben in den letzten Monaten deutlich gemacht, dass man die kleine, demokratische Bruder-Nation nicht im Stich lassen würde. „Ja, wir sind dazu verpflichtet", sagte US-Präsident Joe Biden erst Ende Oktober sehr deutlich.
Taiwan ist nicht Mitglied in einem Militärbündnis wie etwa der NATO. Aber mit dem Taiwan-Relation Act, der 1979 im Kongress verabschiedet wurde, als Washington die diplomatischen Beziehungen von Taipei nach Peking wechselte, verfügt die Insel über eine ähnlich starke Trumpfkarte. Washington hat sich damit kraft eines amerikanischen Gesetzes verpflichtet, Taiwan und die Insel Penghu zu verteidigen, wenn Peking eine gewaltsame Maßnahme betreibt „die Zukunft Taiwans anders als durch friedliche Methoden zu bestimmen.“
Das schließt übrigens auch Boykotte und Blockaden mit ein, etwa von Häfen, um die Wirtschaft der Insel ins Wanken zu bringen. Nicht aber den Angriff von Peking auf Jinmen und Matzu, zwei kleine Inseln vor dem chinesischen Festland, die von Taiwans Armee gehalten werden. Ein Beistand aus Australien ist ebenfalls sicher, aus Indien sehr wahrscheinlich. Nach Putins Angriff auf die Ukraine könnten auch Kanada, Großbritannien und die EU, Südkorea sowieso, einer Besetzung Taiwans nicht mehr tatenlos zusehen.
Die gute Nachricht ist, das kann sich Xi Jinping 2022 kaum leisten. Nachdem er bereits chinesischer Staatspräsident auf Lebenszeit ist, möchte er sich im Herbst auf dem bevorstehenden XX. Parteitag in die gleichen KP-Sphären wie Mao Zedong erheben lassen und zum Steuermann ohne Amtszeitbeschränkung küren lassen. Das würde nicht gelingen, wenn er den Dritten Weltkrieg angezettelt hätte: Und etwas anderes wäre die Kettenreaktion nicht, die ein Angriff von Xis Soldaten auf Taipei auslösen würde.
Simulationen der chinesischen Armee vor gut acht Jahren hatten ergeben, dass ein Krieg zwischen China und Taiwan schon in den ersten vier Wochen mehr als 1,3 Millionen Todesopfer fordern würde. Zwei Drittel davon in Taiwan, der Rest unter chinesischen Angreifern. Das hatte damals die Armeeführung davon abgehalten, Taiwan sofort anzugreifen. Für Xi Jinping stellt das aber heute kein Hindernis mehr da. Nur vor dem XX. Parteitag, der im Herbst stattfinden soll, kann er das aus Angst vor einem Machtverlust nicht riskieren.
Wie Putin auch, droht Xi mit Gewalt
Die schlechte Nachricht freilich, Xi wird es trotzdem versuchen. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern hat er deutlich gemacht, dass China, und damit meint er nur sich selbst, „die Wiedervereinigung“ mit den Brüdern und Schwestern jenseits der Taiwanstraße nicht auf Ewigkeit verschieben will. Nach seinen Vorstellungen soll es noch in diesem Jahrzehnt passieren. Und wie Putin auch, droht er mit Gewalt, wenn seinen Vorstellungen nicht entsprochen wird.
Auch Xi fühlt sich vom feindlichen Westen umzingelt. Und wenn er Staaten nicht im Rahmen seiner „One Belt One Road“-Initiative einkaufen kann, der Idee von der „Neuen Seidenstraße“, entlang der die Welt nach der Pfeife von Papa Xi tanzen muss, dann holt er sich, was er will mit militärischer Gewalt.
Denn Taiwan ist das Herzstück in der sogenannten „ersten Inselkette“, die sich wie ein Sperrschild zwischen dem chinesischen Festland und dem Pazifik spannt. Hätten Xi Jinpings Soldaten die Insel besetzt, könnte er nahezu unbegrenzt Macht in Asien ausüben, den Erzfeind Japan drangsalieren, ihn von der Rohstoffversorgung abschneiden, und der Zugriff der USA auf den bevölkerungsreichsten Kontinent wäre gebrochen.
Und nicht nur das. Auch Europa hätte Xi mit einer Okkupation Taiwans fest im Griff. Denn die Rolle, die der Ukraine als Kornkammer der Welt einst zufiel, spielt das kleine Taiwan beim wichtigsten Rohstoff des 21. Jahrhunderts. Mehr als 60 Prozent der weltweiten Mikroprozessoren, ohne die unsere Handys und Computer, unsere Autos und Werkzeugmaschinen nicht mehr funktionieren, werden auf Taiwan hergestellt.
Könnte Chinas Machthaber fortan deren Allokation und Verkauf an den verhassten Westen allein bestimmen, dann wäre das, was der amerikanische Finanzminister Henry Morgenthau einst mit Nachkriegsdeutschland geplant hatte, eine Kleinigkeit zu der industriellen Abstrafung, die uns von Xi Jinping und seinem Gesinnungsgenossen Wladimir Putin im Falle einer Niederlage um Taiwan droht.
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@ Dr. Ralph Buitoni Bin zwar kein Doktor, aber Ihrer Meinung! / Es wird auch nicht 1 + 1 zusammengezählt. Es könnte sich bei der „Pandemie“ um einen Deal handeln. China hat Hongkong und Taiwan auf der Prioritätenliste. China kriegt Hongkong und Taiwan und die Welt einen tollen Virenausbruch in Wuhan. Da profitieren alle von. Dafür brauchten bloß Schlüsselpositionen besetzt zu werden, Fauci, Drosten, Gates usw. und die anderen Institute wollen sich nicht dumm stellen, oder profitieren. Oder sind Fauci und Drosten doch nette Kerle? In China und Indien werden die Generika für die ganze Welt hergestellt, alle Pharma-Hersteller kaufen da ein. / RNA-Viren werden auf den Schleimhäuten durch Drüsen „kopiert“. Das Virus, welches die Ansteckung verursacht hat, war in einem winzigen Tröpfen, und nachher schnäuzt man Tonnen von Taschentüchern voll. Da sind Millionen oder Milliarden „kopierter“ Viren mit „Kopierfehlern“ drinnen. Und um eine „Furin-Spalte“ zu „kopieren“, bedürfte das Immunsystem eines „Toners“. Wenn der nicht da ist, wird der Mensch nur krank. / China hat das Virus nicht heraus gerückt, weil es kein Virus gab, und in Wuhan ist kein Reagenzglas umgefallen. Nicht nur die Angestellten tragen Raumanzüge, der Laden ist hermetisch dicht. Wäre da tatsächlich ein hochansteckendes, unausrottbares und tödliches Virus ausgebrochen, hätte China das Labor aus Eigeninteresse zugemacht und die Laboranten erschossen. Auch die Freisetzung kann nur eine Erfindung sein, denn die Eliten wären schließlich selber betroffen.
Was haben Sie denn heute eingenommen, Herr Kremb, dass Sie sich dazu versteigen, uns Lesern die Ukraine als eine „funktionierende Demokratie“ zu verkaufen!
Das Land ist bis auf die Knochen korrupt, „regiert“ von Oligarchen der schlimmsten Sorte. Total abgewirtschaftet, vermittelt es dem Reisenden einen trostlosen Eindruck, Einziger Lichtblick war bislang Kiew mit einer Reihe beeindruckender Monumente und lebhafter Märkte. Aber angesichts der gerade stattfindenden Zerstörungen wird wohl von dieser Stadt auch nicht viel Sehenswertes übrig bleiben. Tragisch!
Das der Überfall auf Taiwan kommt, halte ich für so sicher wie das Amen in der Kirche. Und der Dattergreis im debilen Haus wird nochmals genau so blöde aus der Wäsche schauen, wie die vollends verblödete Bärlauchtruppe.
An diesem Artikel ist leicht zu erkennen, wie der Begriff „Lückenpresse“ entstand. Im historischen Abriss wird mal kurz die Geschichte seit 1945 ausgeblendet, die den Begriff „abtrünnige Provinz“ in einem etwas anderen Licht erscheinen lässt. Nach der Niederlage der Japaner konnte die kommunistische Volksbefreiungsarmee mit Hilfe der Sowjetunion und den Waffen einer sich ihr ergebenden japanischen Armee den Bürgerkrieg zu ihren Gunsten entscheiden. Die Reste der Regierungsarmee (Kuomintang) unter Führung Chiang Kai-Sheks zog sich auf die Insel zurück und errichtete dort eine Regierung für Gesamt-China. Immerhin war die Republik China bis 1971 Mitglied der Vereinten Nationen und ständiges Mitglied im Sicherheitsrat und das als Vertreter für das größte Volk.
Wenigstens das hätte noch dazugehört zur Erklärung für die „Ein China“-Politik seitens der Volksrepublik. Also nicht mit „in grauer Vorzeit“ mal zu China gehörig.
Wie weit sich die USA in einen Krieg gegen China hineinziehen lässt wegen Taiwan wissen wir Hobbygeneräle nicht. Wenn aber doch, wird die Ukraine dagegen eine Faschingsparty mit Cowboy und Indianer sein. Huh, sind wir wieder mal froh das Taiwan so weit weg ist von Germoney. lol Da können wir in Ruhe schlau daher reden und drohen.
@ Frank Box Mich würden Ihre Quellen interessieren. Aus welchen Medien beziehen Sie Ihre Informationen? Lassen Sie mich raten: ARD, ZDF, Spiegel, Tagesspiegel … .
„“Ja, wir sind dazu verpflichtet„, sagte US-Präsident Joe Biden erst Ende Oktober sehr deutlich.“. Was ist „sehr deutlich“ unter diesem Präsidenten noch wert?
Fragen wir die Taliban.