Harte Drogen sind eine Geißel unserer Gesellschaft: Sie zerstören Leben, Familien und soziale Strukturen, quer durch alle Milieus. Ein wirksames Rezept dagegen gibt es nicht, weil Abhängigkeit aus einem komplexen Zusammenspiel biologischer, psychischer und sozialer Faktoren entsteht.
Weder Repression noch Prävention oder Therapie allein haben das Problem nachhaltig gelöst; stattdessen verändern sich Konsummuster, neue synthetische Substanzen drängen auf den Markt, und die Politik findet keine wirksame Reaktion. Viele Experten sehen einen klaren Zusammenhang mit oft fehlenden Therapieplätzen für psychisch Kranke. Betroffene greifen nicht selten zu Drogen als Form der Selbstmedikation. Was kurzfristig entlastet, verschärft langfristig sowohl die psychische Erkrankung als auch die Abhängigkeit. Und wie immer bietet der Antisemitismus auf diese komplexe Frage eine einfache Antwort: Schuld sind die Juden.
Bereits im Nationalsozialismus wurde behauptet, Juden würden Deutschland gezielt mit Drogen „vergiften“, um Volk und Wehrkraft zu schwächen. NS-Propagandablätter wie Der Stürmer stellten jüdische Händler als Drahtzieher von Opium- und Kokainhandel dar. Nach 1945 griffen neonazistische Gruppen in Europa und den USA diese Motive nahtlos wieder auf. „Ich kann euch versichern, dass der Großteil der Marihuana-Industrie von Juden geführt wird“, heißt es in dem amerikanischen Neonazi-Magazin The Daily Stormer, wie Newsweek 2018 berichtete.
Das behauptet in den USA auch die Nation of Islam (NOI): Juden seien für den Drogenhandel und damit für die Zerstörung schwarzer Gemeinschaften verantwortlich. Besonders Louis Farrakhan hat solche Narrative seit den 1980er-Jahren verbreitet, teils explizit, teils in Anspielungen auf angebliche „jüdische Kontrolle“ von Drogen, Banken oder Medien.
Diese Behauptungen gelten als klassische antisemitische Verschwörungstheorien: Sie sind historisch unbelegt, externalisieren komplexe soziale Probleme und verschieben Verantwortung von strukturellen Ursachen wie Armut und fehlender Gesundheitsversorgung auf eine angebliche äußere Gruppe.
„Israel verbreitet Drogen und Krankheiten“
Auch die Hamas und die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) greifen in ihrer Ideologie und Propaganda immer wieder auf antisemitische Verschwörungsnarrative zurück, die Juden pauschal dämonisieren. Palestinian Media Watch, eine Organisation, die palästinensische Quellen auswertet und übersetzt, dokumentiert auf ihrer Website 323 Fälle, in denen die PA, die Hamas oder andere einflussreiche palästinensische Akteure behaupteten, Israel würde Drogen und Krankheiten unter den Palästinensern verbreiten. Verbreitet wird das alles häufig über das Fernsehen der Palästinensischen Autonomiebehörde.
Dank der Tageszeitung Junge Welt hat diese Propaganda es auch in die deutsche Presse geschafft, wenn auch nur in eine Stalin-nahe Nischenpublikation. Über Hilfslieferungen schmuggle Israel Drogen in den Gazastreifen, heißt es in dem Artikel „Drogen statt Brot“ von Jakob Reimann: „Seit Monaten werden schwere Vorwürfe erhoben, dass das israelische Militär Drogen in den abgeriegelten Gazastreifen schmuggle.“
Wenn diese Vorwürfe erst „seit Monaten“ erhoben werden, fragt man sich, woher all die im Gazastreifen konsumierten Drogen denn vorher kamen. Schon 2019 schrieb Mena Watch über das antisemitische Gerücht, Israel verbreite planvoll Drogen unter Palästinensern. Würde dies stimmen, müsste Israel sie ja auch noch zwingen, sie einzunehmen. Doch die Konsumenten tun das freiwillig – sofern man bei Sucht von einem freien Willen sprechen kann. Jedenfalls entscheiden sie sich selbst dazu, damit anzufangen. Im Gazastreifen an die aus Syrien kommenden synthetischen Drogen zu gelangen, sei einfacher, „als eine Dose Bier zu kaufen“, sagte ein jugendlicher Süchtiger 2023 einem Reporter der französischen Tageszeitung Le Figaro.
Das Drogenproblem im Gazastreifen war schon vor zwanzig Jahren Nachrichtenthema. 2007 berichtete Al-Jazeera darüber, die Drogen kämen durch Tunnel aus Ägypten. Aber warum sollte das jemanden abhalten, zu behaupten, Israel sei schuld? Die Terrorgruppen und die Palästinensische Autonomiebehörde propagierten im Jahr 2020 auch, Israel exportiere das Corona-Virus in die Palästinensergebiete. Al-Hayat Al-Jadida, die offizielle Tageszeitung der PA, schrieb im April 2020:
„Mit ihrer rassistischen Mentalität versucht die israelische Besatzungsmacht heute, uns das Corona-Virus durch für sie und ihre Politik untypische ‚Erleichterungen‘ zu exportieren, indem sie die Grenzübergänge für unsere Arbeiter öffnet, die innerhalb der Grünen Linie arbeiten, damit sie sich ohne medizinische Aufsicht zwischen ihren Arbeitsplätzen, ihren Städten und ihren Dörfern bewegen können.“
Eine vermummte Quelle der Hamas
Reimann fährt in seinem Text fort: „Bereits im Juni erklärte das Medienbüro der Regierung in Gaza, dass Palästinenser in Mehlsäcken der von US-Söldnern betriebenen Gaza Humanitarian Foundation (GHF) das verschreibungspflichtige Schmerzmittel Oxycodon gefunden hätten.“
Die „Regierung in Gaza“ ist die Hamas. Welches Interesse könnte diese haben, die Unwahrheit zu sagen? Der Autor verweist auf eine Fernsehdokumentation des Senders Al-Jazeera: „Die Dokumentation begleitet Reporter Mohammed Washah bei einem bewaffneten Einsatz der palästinensischen Drogenbekämpfungseinheit.“ Gefunden wurden Haschisch und Captagon, das in Syrien hergestellt und von dort in großem Stil in alle Länder des Nahen Ostens exportiert wird. Zahlreiche Staaten der Arabischen Liga drängten 2023 den damaligen syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, endlich etwas dagegen zu unternehmen. Immer wieder wurden in arabischen Ländern große Mengen Captagon beschlagnahmt, die mit Schiffen aus Syrien kamen.
Die Hamas erzählt naturgemäß eine andere Geschichte. Reimanns Gewährsmann ist ein „vermummter Leiter der Einheit in der Dokumentation“. Was sagt der Vermummte? „Diese Pillen kommen aus Israel“, zitiert ihn der Autor. „Die israelische Besatzung tötet unser Volk vorsätzlich auf vielfältige Weise … Wir werden dem zionistischen Feind nicht die Möglichkeit geben, diese Generation und diese jungen Menschen zu zerstören.“
Versuchen wir, Anknüpfungspunkte an die Realität zu finden. Ist es möglich, dass auch aus Israel Drogen in den Gazastreifen geschmuggelt werden? Selbstverständlich. Drogen finden immer einen Weg. Wenn die Drogenmafia aufgrund der derzeitigen Lage Schwierigkeiten hat, die Ware von Ägypten aus zu den Konsumenten im Gazastreifen zu bringen, wird sie es von Israel aus oder über den Seeweg tun. Israel dafür verantwortlich zu machen, ist so, als würde man behaupten, Mexikos Regierung leite den Drogenschmuggel in die USA.
Keine Belege
Die nächste Quelle von Jakob Reimann ist der „Rat palästinensischer Stämme und Clans in Gaza“. Wohl ein Organ der Räterepublik, nur halt ohne Frauen. Dieser Rat warne vor „böswilligen und wiederholten Versuchen des israelischen Feindes“, den Gazastreifen mit Drogen zu überschwemmen. Wo bleiben die Belege? Der Autor kann nur mit den Schultern zucken. „Faktenfinder von France 24“ hätten leider keine Beweise gefunden.
Tatsächlich war sich France 24 nicht zu schade, einen Fünf-Minuten-Beitrag dazu zu produzieren, der erst so klingt, als würde Israel, in Hilfslieferungen versteckt, Drogen in die Küstenenklave schmuggeln. Eingeblendet werden Fotos von weißen Pillen, die in den sozialen Medien gepostet worden seien. Am Ende aber malt die Journalistin ein Fragezeichen auf einen Bildschirm und sagt, in Kriegsgebieten gebe es „viel Desinformation“ und sie würde „skeptisch bleiben“ und die Anschuldigungen „nicht als Tatsachen berichten“. Also genau das nicht tun, was Jakob Reimann von der Jungen Welt macht. Dieser wandte sich auch an die Vereinten Nationen, kam aber erneut mit leeren Händen zurück: „Auch die UNO erklärte …, die Vorwürfe könnten weder bestätigt noch dementiert werden.“
Schade eigentlich. Vielleicht kann Reimann als nächstes der Information nachgehen, dass der zionistische Feind hinter Teenagerschwangerschaften steckt. 2009 behauptete die Hamas, Israel schmuggle Kaugummi mit aphrodisierenden Wirkstoffen in den Gazastreifen, um die Moral der Bevölkerung zu untergraben. Sicherlich gibt es in Gaza irgendeinen Vermummten, der das vor laufender Kamera bestätigen kann, wenn Al-Jazeera ihn danach fragt.
Dieser Beitrag erschien zuerst auf MENA-Watch.

Ausgerechnet die „Junge Welt“, die doch als ehemalige SED-Zeitung wissen müsste, dass die SED ab 1971 in der Bundesrepublik Drogenringe aufbaute, um mit dem Erlös ihre „Kundschafter“ zu bezahlen und gefügige Organisationen aufbaute oder unterstützte. Man war z. B. in Berlin gezielt an Schulen, Jugendeinrichtungen und Diskotheken sehr „erfolgreich“ tätig, das Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ erzählt von den meist jugendlichen Opfern, ohne die politischen Hintergründe zu nennen. So ähnlich ist es auch aktuell mit dem sogenannten „Rechtsextremismus“, der oft nur inszeniert wird, wobei Opfer keine Rolle spielen. Und wenn plötzlich die „falschen Täter“ erwischt werden, dann werden die entweder erst gar nicht verurteilt oder man bescheinigt ihnen, dass sie einen Dachschaden haben, oft sogar bevor der Sachverhalt geklärt ist.
Wo sind die steuerfinanzierten Faktenchecker, wenn man sie mal braucht? Ach, die checken ja nur bei denen, die sie im gleichen Atemzug als Nazis diffamieren und denunzieren. Bei Propaganda der wahren Nazis (= Sozialisten) halten sie schön die Füße still. Naja, sie gehören ja auch dazu.
Es geht immer nach demselben Muster. In der Weimarer Republik war die Geschichte vom vergewaltigenden Juden beliebt, die von den Nazis dann auch gerne aufgenommen wurde. An Geschichten dieser Art ist immer ein Teil wahr. Dieser wird allerdings durch die Lupe gesehen und sozusagen „jüdisch totalisiert“. Im konkreten Beispiel: Natürlich gab es in der Weimarer Republik Juden, die Frauen vergewaltigt haben. Aber ebenso natürlich machten das Männer, die katholisch, evangelisch oder sonstwas waren. In gewisser Weise ist das Vergewaltigen von Frauen für uns Männer – gerade wenn wir jung sind – so eine Art verbotene Folklore, d.h. wir praktizieren diese immer nur dann besonders ausgiebig und gerne, wenn wir uns in einem rechtsfreien Raum befinden, also vor allem im Krieg. Da sagt eigentlich auch keiner was, d.h. der Einzelne hat strafrechtlich nichts zu befürchten, zumal die Frauen des Feindes irgendwie ja auch so ‚ne Art Kriegsbeute sind, die einem schließlich ja auch irgendwie zusteht, zumindest sehen das die Bösenweißenmänner immer so. Das Ganze geht natürlich in einer friedlichen Gesellschaft nicht mehr. Da ist auf einmal alles verboten, was Männern Spaß macht. Und jetzt fängt die große Verdrehung und Heuchelei an. Jetzt sind es angeblich eigentlich nur „die!!!“ Juden, die das machen. Objektiv gesehen sind aber jüdische Männer – auch relativ zum Bevölkerungsanteil – nicht häufiger Täter als die anderen. Und die vergewaltigten Frauen sind natürlich auch – je nach Bevölkerungsanteil – jüdische Frauen. Letzteres wird auch immer „gerne“ aus antisemitischen Gründen übersehen.
„Israel dafür verantwortlich zu machen, ist so, als würde man behaupten, Mexikos Regierung leite den Drogenschmuggel in die USA“. Den Drogenschmuggel in die USA leitet natürlich die Regierung Venezuelas. Das ist so sicher wie die Beteiligung des Irak an den Anschlägen von 9/11. Ich glaube nur Klaren Beweisen vertrauenswürdiger Geheimdienste… und natürlich an das Christkind!
@Lutz Herrmann, Ich freue mich über jeden Betroffenen, der meine Kommentare liest. Ich wünsche Ihnen schöne Weihnachten!
Das weiß doch JEDES Kind: Die Juden sind an ALLEM schuld! IMMER! Nur ausnahmsweise sind es die RUSSEN. Oder auch mal „Flughunde“…
Ist doch bequem, anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben oder auf den Buckel zu hängen. Dann muss keiner bei sich selbst mit der Suche anfangen. Das funktioniert so seit Adam und Eva.
„Daß der Staat selber, oder gewisse Kreise, die großen Einfluß auf den Staat und sein Handeln haben“
Unsere tägliche Verschwörungstheorie gib uns heute. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern verbanne Walter Weimar nach Gaza. Amen.