Dostojewski hat es vorausgeahnt

Die Katholische Uni Eichstätt-Ingolstadt hat sich mit „Vorahnungen des Totalitarismus“ befasst. Interessant ist insbesondere der Abschnitt über Fedor Dostojewski:

„Das von Dostojewski in den Teufeln konzipierte ‚Paradies‘ ist vor allem eine nivellierte Gesellschaft, ein Reich des Egalitarismus“.

Gleichheit sei dort von Sklaverei nicht zu trennen. 

Das neue System treffe Vorkehrungen gegen jeden möglichen Verstoß: „Jedes Mitglied der Gesellschaft beaufsichtigt jedes andere und ist zur Anzeige verpflichtet. Jedes gehört allen und alle jedem. Die Gleichheit – und das ist das Neue – dehnt sich auch auf die menschliche Seele aus und zieht eine allgemeine Niveausenkung der Kultur nach sich.“ Man brauche nämlich keine höher Begabten in der gemeinen Bevölkerung. „Die höher Begabten haben immer die Macht an sich gerissen und sind Despoten gewesen [...], die werden vertrieben.“ Gewisse Personen freilich dürfen Macht an sich reißen und Despoten werden: „In einer merkwürdigen Ambivalenz zum Grundsatz der Gleichheit sind nicht alle gleich gleich (Orwell: Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher als die anderen).“ 

Die Zerlegung der Menschheit in zwei ungleiche Teile sei halt unumgänglich. „Ein Zehntel erhält die Freiheit der Persönlichkeit und das unbeschränkte Recht über die übrigen neun Zehntel. Diese aber müssen ihre Persönlichkeit verlieren und sich in eine Art von Herde verwandeln und bei unbegrenztem Gehorsam durch eine Reihe von Wiedergeburten die ursprüngliche Unschuld, gewissermaßen das ursprüngliche Paradies wiedererlangen, obwohl sie übrigens auch arbeiten müssen. Die vom Verfasser vorgeschlagenen Maßregeln, um neun Zehnteln der Menschheit den Willen zu nehmen und dieselben vermittels einer umbildenden Erziehung ganzer Generationen in eine Herde zu verwandeln, sind sehr interessant, auf naturwissenschaftliche Tatsachen gegründet und streng logisch.“

Metaphysische Begründung für die Versklavung der Massen durch die neuen Herren: Für die Mehrheit sei Freiheit eine schwere Bürde. Somit geschehe die Unterjochung der Massen zu ihrem Besten. „Überhaupt werde den einfachen Menschen ein naives Glück beschert. Sie wären zwar gezwungen zu arbeiten, würden aber in der Freizeit singen und tanzen. – Oh, wir werden ihnen auch die Sünde erlauben, denn sie sind ja schwach und ohnmächtig, und sie werden uns wie Kinder dafür lieben, dass wir ihnen erlauben zu sündigen [...] Sie werden sich uns freudig und gern unterwerfen.“ Krönung der teuflischen Utopie vom Neuen Menschen: „Dann wird man die Geschichte in zwei Teile teilen: vom Gorilla zur Vernichtung Gottes [...] und von der Vernichtung Gottes zur  ‚physischen Umgestaltung des Menschen‘.“

Die Autoren resümieren: „Ein exzeptionelles Verdienst Dostojewskis besteht darin, dass er mit unvergleichbarer Schärfe die extrem kulturfeindlichen Konsequenzen des kommunistischen Antiindividualismus aufzeigte und die geistige Armut, die Plebejisierung der Kultur und den Bildersturm unter diesem System voraussagte. Nicht nur bestätigte die Realität seine Prognose, sie übertraf sie sogar. Die kommunistische Diktatur konnte keine herausragenden Personen ertragen.“ Vorausgesehen habe er auch die frappierende Ungleichheit in der Gleichheit: die Macht- und Rechtlosigkeit der großen Masse und die unbeschränkte Macht einer neuen Klasse sowie die ideologische Rechtfertigung dieser Ungleichheit – „angeblich schenken die Machthaber der unreifen Masse ein glückliches Dasein und befreien sie von der schweren Bürde der Verantwortung“.

Dostojewskis „Dämonen“ (auch als Böse Geister, Die Teufel oder Die Besessenen übersetzt) ist im Netz als Hörbuch eingestellt. Man braucht allerdings viel Zeit dafür. Teil 1 steht hier, Teil 2 dort und Teil 3 an dieser Stelle. Eine Biografie des Autors steht zum Beispiel hier.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Susanne Baumstarks Luftwurzel.

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Leserpost

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Clara Burke / 19.08.2018

Ja, ich war auch vollkommen geschockt und sprachlos ob der Aktualität der in den DÄMONEN beschriebenen “revolutionären ” (kriminellen) Vorgänge und Charakterisierungen der Protagonisten , als ich das Buch vor einiger Zeit (wieder) gelesen habe - alles schon vor 150 Jahren gesehen und dokumentiert ! Was würde Dostojewski heute zu Kalergie, Soros, dem UN-Migrationsplan, zur UNO überhaupt, zur EU usw. usw. sagen ? (“eine ungeheure Schamlosigkeit wird um sich greifen…” .  die Sexualisierung der Gesellschaft /des öffentlichen Raums schreitet im heißen langen Hotpants-Sommer 2018 weiter voran, befeuert u.a. auch von der Bundeszentrale für gesundheitlich Aufklärung mit ihrer Plakataktion “Liebes (??)leben”. Passt irgendwie - paradoxe Intervention - auch zur voranschreitenden Islamisierung ? Hauptsache, das “Volk” lässt sich manipulieren.)

Alexander Mazurek / 19.08.2018

@Udo Kemmerling: Ja, Die Grünen [Enkel der braunen Opas] sind die natürlichen Erben des III. Reiches … Wem hat Deutschland denn die Mülltrennung zu verdanken? Und den 1. Mai? Und die “Liebe zur Natur”? Wie die Betriebsferien? Natürlich dem A. H., dem Abstinenzler und Vegetarier …

Thomas Schmied / 19.08.2018

„Die höher Begabten haben immer die Macht an sich gerissen und sind Despoten gewesen [...], die werden vertrieben.“ Wie würde sich Dostojewski dann Phänomene wie Claudia Roth erklären? Sogar bei Merkel und ihrem Dunstkreis kommen mir ernste Zweifel. Vielleicht ist es doch eher wie in der Evolutionstheorie, wo nicht die Besten, sondern die am besten angepassten Individuen sich durchsetzen.

Ivan de Grisogono / 19.08.2018

So war es und so ist es auch wieder! Erleben wir heute einen Rückkehr der Kommunisten, jetzt unter dem Namen Demokratie? Wenn wir es wollten, könnten wir Dämonen auch beim Namen nennen, sie geben sich Human und sind nicht müde uns Himmel auf Erde zu versprechen. Solche Versprechen entlerven sie, sie prädigen Gleichheit um Ungleichheit zu verschleiern und praktizieren.

Werner Arning / 19.08.2018

Auch in „Die Brüder Karamasow“ beschreibt Dostojewski das, was er vorausahnt. Die „Entseelung“ des Menschen. Er sieht die gesellschaftlichen Veränderungen kommen und weiß, was diese aus dem Menschen machen werden. Er erahnt die Konsequenzen des Kommunismus. Dostojewski ist ein großartiger Kenner der menschlichen Psyche.  Man könnte sagen: ein Prophet. Wer ihn noch nicht kennt, sollte sich heranwagen. Es tun sich Welten auf.

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