In Moskau werden die Einzelheiten einer weit reichenden Abrüstungsinitiative veröffentlicht. Der sowjetische Staat ist am ende seiner Kräfte und kann im Rüstungswettlauf nicht mehr mithalten.
Das „Neue Deutschland“ beschäftigt sich immer noch mit der Kommunalwahl und wiederholt, dass es sich um ein „überwältigendes Bekenntnis zum sozialistischen Staat“ gehandelt habe. Selbst Walter Kempowski, der genau beobachtet, was im Osten vor sich geht, hat diesmal nichts mitbekommen. Er notiert in sein Tagebuch die Frage, warum man bei über 90% Zustimmung zum Realsozialismus die Mauer nicht aufmachen könne.
Seit Tagen geistert durch die Presse, ein amerikanischer Literaturwissenschaftler, Alan Keele, hätte herausgefunden, dass Kempowski Spion des amerikanischen Geheimdienstes gewesen sei. Freilich geben die „Beweise“, die Keele präsentiert, das nicht her. Die Kampagne scheint wieder mal nach dem Motto: „Irgendwas bleibt immer hängen“ lanciert worden zu sein. Fast bin ich froh, dass Kempowski diese neue Schlammschlacht nicht mehr mitmachen muss.
Wer mit der Stasi sprach , wie Manfred Stolpe, oder für die Stasi Maßnahmepläne erfüllen half wie Herr Gysi, ist für höchste Ämter geeignet und auf jeder Talk-Show als „Spezialist“ für ostdeutsche Befindlichkeiten und Kritiker des Vereinigungsprozesses hochwillkommen. Wer sich aber gegen das realsozialistische Regime gewehrt hat, wird geschnitten oder immer wieder mit Dreck beworfen.
