Wo ist Greta Thunberg? Ich will nicht behaupten, dass ich sie vermisse, trotzdem mache ich mir Gedanken, wie sie so sang- und klanglos verschwinden konnte. Wochen lang haben wir täglich von ihr gehört und gelesen, ihre verfusselten Schals und Hoodies in Nahaufnahme gesehen, sie hielt Reden vor den Vereinten Nationen, konferierte mit Staatsoberhäuptern, überquerte Ozeane unter Kamera-Begleitung, ihr blasses, kaum erkennbares Lächeln, ihr Stirnrunzeln waren Schlagzeilen wert.
Dann kam Corona und nach Corona die Black-Lives-Matter-Bewegung mit einem neuen Heiligen, und irgendwo im halb Verborgenen lauert schon die nächste atemberaubende Aufregung mitsamt ihren anbetungswürdigen Figuren. Wir leben in einer Zeit massenhysterischer Aufwallungen. Da die Wirtschaft in den letzten zwei Jahrzehnten gnadenlos globalisiert wurde, treten auch die Massenpsychosen global in Erscheinung. Und geben uns das Gefühl im Wortsinn welterschütternder Ereignisse.
Wie verhält man sich in solchen Tagen? Wie bewahrt man die zum Überleben nötige Ruhe, wie erhält man seine psychische Gesundheit in den Stoßwellen immer neuer Elektroschocks? Den Rummel ignorieren? Nicht selten verwandelt sich die Hysterie in Massenpanik, dann muss man im Bilde sein, reagieren, Entscheidungen treffen. Andererseits weiß jeder Viehhirt: Es ist lebensgefährlich, sich einer Stampede frontal entgegenzustellen. Die in Panik geratene Herde zertritt alles, was ihr im Wege steht. In den Tagen der Greta-Hysterie oder der „Kampf-gegen-Rechts“-Mobilisierung konnte ein zweifelndes Wort zu ernsthaften existenziellen Schäden führen, zum Abbruch von geschäftlichen Beziehungen, zum Ende von Freundschaften, zum Verlust des Arbeitsplatzes, zu Ausgrenzung und Ächtung.
Also lieber Mitmachen, und sei es zum Schein? Die amerikanische Autorin Amanda Ripley, eine Spezialistin für Crowd Dynamics, rät auch davon dringend ab. „Don't go with the flow“, schrieb sie in einem 2009 erschienenen Essay, Lass dich nicht von der Strömung mitreißen. Sie empfiehlt, sich aus großen, dichten, in eine bestimmte Richtung drängenden Menschenmassen herauszuhalten, im direkten wie übertragenen Sinn. „Inmitten von etwas“ zu sein, von Gleichgerichteten umringt, womöglich „von allen vier Seiten“, sei ein deutliches Zeichen, dass man sofort nach einem Fluchtweg Ausschau halten müsse. Man solle sich schrittweise seitwärts bewegen, empfiehlt Ripley, um langsam, aber sicher den Rand des strudelnden Stromes zu erreichen. Die alten Chinesen haben es noch kürzer und deutlicher gesagt: „Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom“.
„Unfehlbarkeit“ der Mehrheit?
Festzuhalten ist, dass beide Quellen das Mitschwimmen, Mitlaufen, das gedankenlose oder opportunistische Mitmachen für etwas Lebensgefährliches halten. Das wird denen, die sich in großen Menschenmengen, in Mehrheiten sicher dünken, unbegreiflich bleiben. Obwohl historische Erfahrung – gerade aus der jüngeren deutschen Geschichte – dafür spricht, Mehrheiten unter Umständen zu misstrauen. (Vor allem, wenn man sicher sein kann, ob es sich nicht nur um gut orchestrierte, medial überrepräsentierte Minderheiten handelt). Erschwerend wirkt sich aus, dass wir alle in Respekt vor der Mehrheit erzogen sind, weil Demokratien auf Mehrheitsentscheidungen beruhen. Es ist dennoch verhängnisvoll, von einer „Unfehlbarkeit“ der Mehrheit auszugehen (wie früher der des Papstes). Die Bibel selbst wusste es besser: „Folge nicht der Mehrheit zum Bösen“, heißt es im Buch Exodus 23,2. Das Problem ist also schon seit einigen tausend Jahren bekannt.
Vom Brand des Wiener Ring-Theaters 1881 ist eine Geschichte überliefert, für die ich mich nicht verbürgen kann. Meine Großmutter hat sie mir erzählt, die solche Geschichten liebte. Sie selbst hatte sich als Jüdin während der NS-Zeit in einer Flucht nach vorn mit den Behörden angelegt, weshalb sie zuerst in längere Gestapo-Haft kam und daher sehr spät ins KZ Theresienstadt, zu spät, um noch nach Auschwitz ins Gas transportiert zu werden. Sie führte ihr Überleben auf ihr abweichendes, wagemutiges Verhalten zurück.
Beim Brand des Wiener Ring-Theaters wehte der brennende Vorhang von der Bühne ins Publikum, bei der ausbrechenden Massenpanik starben mehrere hundert Menschen, die meisten dadurch, dass sie im Gedränge an den Theaterausgängen erstickt und zertreten wurden. Überlebt hätten unter anderem die wenigen Verwegenen, so erzählte meine Großmutter, die entgegen der allgemeinen Bewegung den Mut aufbrachten, in Richtung Bühne (und von dort durch einen wenig frequentierten Bühnenausgang aus dem Theater) zu flüchten, obwohl von dort das Feuer kam.
Beitragsbild: Freud CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Wie immer, sehr erhellend und Mut machend!
Was ist das "Tier des Jahres 2020"? Bei uns ist es der Maulwurf. Passt sehr gut, hat er/sie/div doch lange das Land unterminiert, sein Ableger in Menschenform in Gesellschaft /Politik war ebenso erfolgreich. Das Werk ist fast vollendet, nun darf ungestört an der Oberfläche weiter gemacht werden, jetzt kommt Lemming , aber nicht DER sondern-"Die Lemminge-wir treten nur in Massen auf, wir sind mehr!"Es wird marschiert, zur Zeit BLM,"macht kaputt, was euch nicht gefällt, im Weg steht". Nur der Abgrund beendet den "langen Marsch",aber das weiss das dumme Tier nicht.
Dieter Kürten oder Harry Valerien, zwei Reporter, die sich auf Fußball konzentrierten oder andere Sportarten, das Aktuelle Sportstudio war eine Sendung, die ich gerne sah. Gestern Abend war alles schwarz, Dunja Hayali moderierte in zerrissenen Jeans, zu Gast zwei Schwarze, die über Rassismus palaverten. Sie saß am lodernden Lagerfeuer des Antirassimus, eine Gutmenschin mit Alltoleranz und kindlichem Getue, warf sie ein Scheit nach dem anderen ins laut prasselnde Feuer. Kimmich darf am Ende eines Interviews die globale Antirassismus-Strategie der Bayern präsentieren, mit Qatar-Airline auf dem Ärmel. Waren das nicht diejenigen, die Juden nicht mitfliegen lassen? Ich sah Hayali im Grunde dauerheulen, keine Sendung mehr ohne die zur Massenhysterie gesteigerte Schuldbüßerhemdmentalität. Es ist nur noch ohne Ton zu ertragen, tatsächlich sah ich während dieser Fernsehtrauerrede auch einige Tore fallen.
Zum Umgang mit „Massen“ und „Kollektiven“ kann ich das Essay von Hans Jürgen Baden „Aufstand des Einzelnen - Abkehr vom Kollektiv“ empfehlen, erschienen 1973 im Verlag Agentur des Rauhen Hauses, Hamburg. Leider nur noch antiquarisch zu erwerben.
Gefährlich ist es immer, wenn die menschliche Hammelherde jemanden folgt, der sich zum Führer aufschwingt, aber in die falsche Richtung läuft. Für ein zutreffendes Beispiel von Massenpanik/-psychose halte ich den Brand eines im Tunnel befindlichen Zuges der Gletscherbahn Kaprun 2, bei dem am 11. November 2000 155 sehr junge Menschen starben. Es waren vor allem junge, unerfahrene Menschen, die nach meiner Meinung nicht nur Opfer der Rauchgase wurden, sondern auch der damals schon vorhandenen Massenverblödung. Jemand mit klarem Verstand und einigen wenigen physikalischen Kenntnissen hätte die Menschen statt in den Tunnel aufwärts in den Tunnel abwärts führen müssen, abgesehen davon, dass offenbar keiner so intelligent war, den Entstehungsbrand mit einem der normalerweise in Zügen vorhandenen Feuerlöscher zu bekämpfen. Wahrscheinlich ist die Hammelherde den ersten nach oben Fliehenden gefolgt. Handlungsunfähigkeit und Panik im Gefahrenfall oder selbst bei geringfügigen Ereignissen habe ich im Berufs- und Privatleben mehrfach erlebt, was ich teilweise auf die weit verbreitete Obrigkeitshörigkeit zurückführe, nach dem Motto: Irgend jemand muss jetzt hier vom Himmel fallen, um das von Amtswegen zu regeln. Beim Zugunglück von Eschede hätte, statt nach dem Zugbegleitpersonal zu suchen, jemand sofort die Notbremse betätigen müssen, als Teile eines geborstenen Radreifens durch einen Wagonboden drangen. Als überdimensionales Beispiel für sowohl Handlungsunfähigkeit als auch Hammelherdenverhalten betrachte ich die aktuellen Massenpsychosen. Es sind nicht nur die weit überwiegend jungen Menschen, die den von den vom linksgrünen politmedialen Komplex geschürten Hysterien zum Opfer fallen, es sind auch die viel zu vielen Passiven, die, obwohl einigermaßen bei Verstand geblieben, ihre Stimme nicht erheben und im Abseits dahindämmern.
Danke, Matthias@Braun, eine schöne Erkenntnis. Wahrhaftig und tröstlich. Jeder zählt.
Der intelligente Mensch kommt schnell zu reaktionären Schlussfolgerungen. Heute jedoch schüchtert ihn der universelle Konsens der Dummköpfe ein. Wenn man ihn vor aller Öffentlichkeit befragt, leugnet er, Galiläer zu sein.