Die bisweilen irrlichternde Amtsführung des US-Präsidenten scheint zu ihrem ursprünglichen Momentum zurückzufinden. Seine neueste Idee: Die USA sollen den 8. Mai künftig auch als "Tag des Sieges" feiern.
Der Mann, der hocherhobenen Hauptes und mit energisch gereckter Faust den Ort des Attentats bei Butler in Pennsylvania am 13. Juli verließ, hatte das Momentum nach seiner grandiosen zweiten Wahl am 5. November 2024 eindeutig für sich. Zwei Monate lang hielten große Teile der Welt beinahe den Atem an und harrten der Dinge, die kommen würden. Donald Trump startete seine zweite Präsidentschaft furios, nahezu alles schien konzipiert zu sein. Anfänglich gelang ihm mehr als ihm misslang.
Die Idee des Gaza-Wiederaufbaus in Abwesenheit der Hamas und der mit ihr auf israelvernichtender Linie liegenden Bevölkerung bleibt in der Welt und weist die richtige Richtung. Historisch an Bedeutsamkeit nicht zu vernachlässigen ist sein unbedingtes Ja zu Israel und dessen biblischen Kernlanden Judäa und Samaria. Die muslimisch-russisch-chinesische Achse wird das nicht mehr aus der Welt schaffen können. Die illegale Massenmigration in die Vereinigten Staaten drückte er gegen Null. Was weltweit beispielgebend ist. Auch die EU kann sich dem nicht entziehen.
Übers Ziel hinaus schoss er mit dem Verwechseln von Freunden und Feinden und in diesem Zusammenhang seinen nach Okkupation riechenden Avancen Richtung Grönland und Kanada. Noch deutlicher wurde dieses Verwechseln in seiner Behandlung der Ukraine und Russlands. Trumps Retuschierung der russischen Kriegsschuld, sein Verschweigen des russischen Bruchs des Budapester Memorandums und vor allem seine scheinbare (?) Übernahme der putinschen Geschichtsverdrehungen, zerstörten seine Startwirkung.
Des ungehobelten Kaisers Kleider wurden knittrig
Der Rausschmiss Volodymyr Zelenskyys aus dem Oval Office am 28. Februar 2025 markierte das Erodieren seines Momentums. Des ungehobelten Kaisers Kleider wurden knittrig. Erster Glanz und persönlicher Genius waren weg. Potentaten konnten sich sicherer fühlen, Liberalen rutschte ihr Grundvertrauen in die Vereinigten Staaten weg. Der glamouröse Wahlsieger von 2024 schien die Welt plötzlich sehr unsicher zu machen. Donald Trumps experimentell scheinende Zollpolitik vervollständigte die über die westliche Welt hereingebrochene Katerstimmung.
Vor kurzem schrieb ich hier auf der Achse des Guten
„Ich setzte bei Donald Trump auf Mark Aurels weise Erkenntnisse, der in seinen Selbstbetrachtungen schrieb, dass er als Alleinherrscher nur sehr wenige Entscheidungen selbstbestimmt treffen konnte. Fast alle Entscheidungen lagen in Korridoren, die er nicht allein formen konnte. Nahezu alle Entscheidungszwänge resultierten aus Zusammenhängen, die den Tisch des Imperators zwar streiften, jedoch nicht auf dessen Tisch entstanden. … Ob Donald Trump Mark Aurel gelesen hat? Ich hege Zweifel. Seine bisherige Regierungspraxis ist experimenteller Natur. Ausgang in jeder Hinsicht offen. Um bei den römischen Kaisern zu bleiben, Donald Trump möchte vielleicht ein Augustus werden, doch Caligula scheint im Moment näher zu liegen.“
Inzwischen gibt es den Mineraliendeal Trump/Zelenskyy als win-win-Vertrag. Die USA und die Ukraine behandeln sich nun auf Augenhöhe zum gegenseitigen Nutzen. Steckt in Donald Trump doch weniger ein Experimentalpolitiker denn mehr ein Stratege auf sehr krumm daherkommenden Wegen? Ein Weckrufer mit Katastrophenpotenz? Sei es wie es sei, um mit Mark Aurel zu sprechen, auch ein Donald Trump muss Rahmenbedingungen und Grundorientierungen in der Welt wahrnehmen und sich zwischen den auf dem Tisch liegenden Alternativen entscheiden.
Das trumpsche Momentum scheint zurückzukehren
Der US-Präsident erkannte das in den letzten Wochen auch Dank Melonis klugen Besuchen und Putins andauernder Agression. Er entschied pro Deal mit der Ukraine, wohlwissend, in Moskau wird das als Feindeshandlung wahrgenommen. Gleichzeitig änderte er die Sicherheitslage für die Ukraine und damit angehangen der EU. Putin winkt auch schon wieder mit seiner Stinkbombe. Was den Faustzeiger von Butler eigentlich nicht furchtsam werden lassen sollte. Ein Donald Trump ist zumindest in seiner Binnenwahrnehmung kein feiger Joe Biden.
Seit dem 30. April 2025 und der Unterzeichnung des US-Ukraine-Mineralienvertrags ist die Stimmung eine andere, das trumpsche Momentum scheint zurückzukehren. Nicht nur, dass ihm der erste historisch bedeutsame Vertrag seiner zweiten Amtszeit gelang, er siegte über sich selbst und gab dem ukrainischen Präsidenten im Großgedruckten, nicht nur in Fußnoten, nach. Zelenskyys Verhandlungserfolg ist auch des US-Präsidentenerfolg. Beide glänzen in derselben Sonne. Im Schatten bleibt der Aggressor.
Plötzlich ist es nicht mehr ausgeschlossen, dass Präsident Donald Trump für die Vereinigten Staaten ob unbeabsichtigt oder beabsichtigt wieder in die Führungsrolle für den freien Westen rutschen könnte wenn er denn wollte. Eine Führungsrolle, in der die sich Partner dank Trumps Fußtritten und Magenhebern alle stärker einbringen werden. Die große Rest-NATO hat diese Aufgaben längst begriffen. Führen gefällt dem Cowboy im Oval Office ohnehin besser als von Moskau, Peking und Teheran genasführt zu werden
Der 8. Mai wird fortan in den USA als „Tag des Sieges“ begangen
In diese Gedankenskizze passt eine weitere Trump-Idee. Dem US-Präsidenten fiel auf, seine USA feiern ihre Weltkriegssiege nicht wirklich. Dabei waren es die Vereinigten Staaten, die sowohl den ersten als auch den zweiten Weltkrieg hauptsächlich entschieden.
Der KGB-Mann in Moskau wird auch diese Trump-Idee nicht gern hören. Lebt er doch von der Legende des großen sowjetischen Sieges im Großen Vaterländischen Krieg, der bei genauer Betrachtung als zweiter Weltkrieg von Hitler und Stalin gemeinsam begonnen wurde und in dem vor allem die Ukraine neben den Juden im Holocaust die größten Opfer zu beklagen hatte. Donald Trump schrieb:
„Wir haben beide Kriege gewonnen, niemand war annähernd so stark, mutig oder militärisch brillant wie wir. Dennoch gebe es in den USA bislang keine Siegesfeiern – dies wolle er nun ändern.“
Wladimir Putin braucht aber keine US-Konkurrenz auf dem historischen Siegertreppchen. Erzählt er doch seinen Untertanen nichts davon, dass ohne das Leih- und Pachtgesetz der USA die Sowjetunion keine Mit-Siegermacht des zweiten Weltkriegs geworden wäre. Die letzte Rate der Rückzahlung an die USA floss 2006.
Der 8. Mai wird fortan in den Vereinigten Staaten als „Tag des Sieges“ begangen werden. Ob es Donald Trump so will oder ob er es geschehen läßt, neben dem Ukraine-Deal markiert er damit einen zweiten Schmerzpunkt für Wladimir Putin. Dessen Geschichtsverständnis sitzt bei Donald Trump erkennbar auf den billigen Plätzen.
Donald Trump wünscht sich den Friedensnobelpreis
Die Abstoßkräfte zwischen Washington und Moskau erhalten somit derzeit Nahrung. Der Mineraliendeal, dem auf dem Fuße die Freigabe von Waffenverkäufen an die Ukraine im Wert von 50 Millionen Dollar folgte und die Hervorhebung des US-amerikanischen Anteils am Ende der beiden Weltkriege fachen in Moskau sicher keine US-Frühlingsgefühle an. Allein die Größenunterscheide der trumpschen 1,90 m Körpergröße und der 1,70 m putinschen Wuchses lassen Augenhöhe nicht zu. Das „Kleine Männer Syndrom“, bekannt auch als „Napoleon-Komplex“, ist in dieser Betrachtung nicht uninteressant.
Die Hauptfakten des "Abkommens zwischen der Regierung der Ukraine und der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika über die Einrichtung eines Investmentfonds für den Wiederaufbau der Vereinigten Staaten-Ukraine" vom 30. April 2025:
- 50/50 Partnerschaft
- Weg in die EU offen
- Übereinstimmung mit der ukrainischen Verfassung
- Plattform für Investitionen nur in der Ukraine in neue Unternehmen/ Infrastruktur/ Öl/ Gas etc./ Ausländische Investoren sind willkommen/ zehn Jahre lang müssen Gewinne in die Ukraine reinvestiert werden
- Wenn die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika der Regierung der Ukraine nach dem Datum des Inkrafttretens neue Militärhilfe in irgendeiner Form leistet (einschließlich der Spende von Waffensystemen, Munition, Technologie oder Ausbildung), wird der Kapitalbeitrag des US-Partners gemäß der LP-Vereinbarung als um den geschätzten Wert dieser Militärhilfe erhöht. (Artikel VI Punkt 5 Beiträge zur Partnerschaft)
Donald Trump wünscht sich den Friedensnobelpreis. Diesen Preis bekommt jedoch niemand, der mit Kriegstreibern und Massenmördern einen Friedhofsfrieden zu Lasten eines massakrierten States schließt. Ob dem US-Präsidenten diese Erkenntnis kam?
Gunter Weißgerber (Jahrgang 1955) trat am 8. Oktober 1989 in das Neue Forum ein und war am 7. November 1989 Gründungsmitglied der Leipziger SDP. Für die SDP/SPD sprach er regelmäßige als Redner der Leipziger Montagsdemonstrationen 1989/90. Er war von 1990 bis 2009 Bundestagsabgeordneter und in dieser Zeit 15 Jahre Vorsitzender der sächsischen Landesgruppe der SPD-Bundestagsfraktion (1990 bis 2005). Den Deutschen Bundestag verließ er 2009 aus freier Entscheidung. 2019 trat er aus der SPD aus. Die Gründe dafür erläutert er hier. Er sieht sich, wie schon mal bis 1989, wieder als “Sozialdemokrat ohne Parteibuch”. Weißgerber ist studierter Ingenieur für Tiefbohr-Technologie. Er ist derzeit Unternehmensberater und Publizist.
Beitragsbild: DonkeyHotey CC BY-SA 2.0 via Wikimedia Commons

Bei allem Respekt, könnte es nicht sein, dass auch Herr Weißgerber bisweilen ein wenig irrlichtert? Nur so eine Idee ……. Die Achse, DAS Nonplusultra in Sachen Corona-Berichterstattung, bekommt es einfach nicht gebacken, unvoreingenommene Autoren über Trump und den Krieg in der Ukraine schreiben zu lassen. Schade!
@L. Luhmann: für Trump ist peace bereits der Preis. Öffentlich lange geäußert. Zumal wer solche Preise quasi bereits vor Amtsantritt umhängt gar nicht als satisfaktionswürdig erkannt werden kann.
@Sara Stern: man kann ihn selbst auch auf truth social „verfolgen“ – oder das White House mit diversen Kanälen als Grundlage seiner Information nehmen – alles besser als die deutsche, amerikanische gar die internationale verseuchten MSM samt Bezahltrundfunk – der gesetzlich gar zu ausgewogener Berichterstattung verpflichtet ist, um Beiträge kassieren zu dürfen.
Stimme Herrn Weißgerber zu. Der Aggressor sitzt in Moskau. Trumps Unberechenbarkeit war schon zur ersten Amtszeit seine Stärke. Sowohl Freunde als auch Feinde trauen ihm alles zu, was sie vorsichtig werden lässt. Und dass er zudem den „Wokies“ in den Hintern tritt, macht ihn schon fast sympathisch…. fast.
Könnte es sein, dass Trump auch Berater hat (meine jetzt nicht bei der Frisur wie die Uschi)? Strategie zeichnet sich m. E. dadurch aus, dass sie die anderen nicht gleich durchschauen können. Aber was weiß ich schon.
Um die US-gemeinsame mit F und UK Zerstörung des Deutschen Reiches zu feiern, „lohnt“ es sich allenthalben, einen Feiertag einzulegen, wie allenthalben diesseits des Atlantiks und vor dem Ural. Kleiner Schönheitsfehler: Es brauchte zwei sich gegenseitig bedingende Weltkriege. Schwamm drüber. Das Resultat muss nur stimmen! Zurzeit beklagen sich amerikanische Politiker über den hiesigen politischen Zustand, dabei vergessen sie aber, dass genau das, was ist, so gewollt war. Ein kaputtes Land, ohne Rückgrat, stolz auf willkürlich okkupierte Flächen zugunsten Dritter! Neuerdings auch noch afro-orientalisches Siedlungsgebiet beliebiger Herkunft, Hauptsache der Rest geht auch noch in die Grütze! Kann also final nicht mehr lange Dauern, die letzte Billion ist gesetzt! Diesmal von der eigenen fünften Kolonne! Das macht uns keiner nach, deshalb müssen wir weg.
Zunächst mal zu der Unsitte, ständig das englische Wort „Momentum“ zu verwenden. Auf Deutsch heißt das „Anstoß“ oder meinetwegen „Impuls“ (= physikalische Größe). Auf die Weißgerberschen wiederholten Verdrehungen zur Vorgeschichte des Ukrainekriegs gehe ich jetzt nicht wieder ein. Ein Schuh wird ganz anders draus. Natürlich wäre das Deutsche Reich mit allen Kriegsgegnern außer den USA fertig geworden. Insofern ist ein Siegestag 8. Mai auch in Washington durchaus am Platz, während die Paraden in London und Paris nur noch eine Travestie verblichener Grandezza sind. Unbestreitbar ist aber auch, daß die Armee des sowjetischen Genickschußregimes die Hauptlast des Kampfes gegen die Wehrmacht trug, und das Land die mit Abstand größten Opfer erbracht hat. Wohl die Hälfte von denen geht aber aufs Konto von Stalins zynischer Kriegsführung, indem Politkommissare jegliche individuelle Kapitulation verhinderten, und auf die Evakuierung und mögliche Versorgung der Zivilbevölkerung in den Städen verzichtet wurde. (So übrigens in Leningrad, das nie vollständig vom Nachschub abgeschnitten war, der aber hauptsächlich den dort in beträchtlicher Zahl lagernden Armeeeinheiten zugute kam.) Die Nichtwürdigung der Moskauer Siegesparade bleibt dennoch unanständig, und ein von Selenskij raunend erwogener Drohnenangriff auf sie wäre kriminell mit potentiell verheerenden Folgen für Kiew. Anders als sich Herr Weißgerber erträumt, sieht Trump Putin eher auf Augenhöhe mit sich als Selenskij. Sowohl in Washington als auch im Kreml verurteilte man mit Recht gerade die putschnahen Beschlüsse im alten und neuen Bundestag. Hinter dem Nazi-Nazi-Sermon wird an allen genannten Orten zuerst des Sieges über Deutschland gedacht. Dessen Nachfolgegebilde ist mit neuer Hybris und Totalitarismus gerade dabei, sich nach der Rußl. Föderation auch den USA als feindlicher Staat zu präsentieren. Die Merz-BRD wird aus dieser Klemme wie gewohnt nur per Scheckbuch rauskommen, worauf nur Rußland verzichten würde.
„Donald Trump wünscht sich den Friedensnobelpreis.“
Oh, das ist neu. Und nicht gerade plausibel. Aber egal.
Dann kann Donald gleich was tun und den Konflikt zwischen Indien und Pakistan wieder beenden.