Wird Donald Trumps Verurteilung in 34 Fällen von felony zum amerikanischen L'amour toujours?
Es sieht ganz so aus. Wieder einmal ist die Reaktion vieler Leute nicht so, wie es sich führende Politiker und Medienleute wünschen würden. Wir haben es im Fall von felony und l'amour toujours mit zwei klassischen Schüssen zu tun, die nach hinten losgegangen sind.
Was habe ich zum Beispiel gemacht, als ich von döpdödödödöp las und als alter Knabe erst mal keine Ahnung hatte, was zum Teufel das schon wieder war. Aber dann, ach ja, Sylt! Die Insel der Schande und des Reichtums. Und, na klar: L'amour toujours – das neu verfemte Liebeslied. Ich allein habe in dieser Sache eine ganze Serie von Klicks im Internet hinterlassen und einen bescheidenen Beitrag dazu geleistet, dass dieser Schuss weiter nach hinten losging.
Meine viel zahlreicheren Klicks in Sachen Donald Trump haben auf den Schuss, der gerade in Amerika nach hinten losgeht, keinen Einfluss. Das wäre mir auch nicht recht. Ich bin kein Fan von Donald Trump und wünsche mir für meine amerikanische Tochter eine andere Person im Weißen Haus. Es müsste ja nicht gerade Joe Biden sein. Sondern ganz einfach jemand, der weniger schießfreudig ist als Trump und den Leuten eine verlässliche Krankenversicherung gönnt. Aber was soll's. Amerika ist ein geteiltes Land, und jeder Zweite will lieber auf eigenes Risiko leben und sterben, als vom Staat beschützt zu werden. Amerikaner sind nun mal keine Deutschen, auch wenn sie oft so heißen. Und jeder sollte auf seine Weise selig werden.
„Schnösel-Nazis“
Und das tun die Amerikaner auch. Zwar sackt gerade Trumps Internet-Business „Truth Social“ an der Börse heftig ab, quasi als Zweitstrafe nach der Verurteilung. Aber die Spenden strömen, als Millionenhilfe für die Revision, die Trump ohne Zweifel gegen seine Verurteilung und das demnächst fällige Strafmaß einlegen wird. Wäre es anders gelaufen, wenn er freigesprochen worden wäre oder wenn der Prozess geplatzt wäre, weil sich die Juroren nicht einig geworden wären?
Kaum. Donald Trump, ein Meister des Hypes, hätte triumphiert und ebenso viele Spenden oder gar mehr eingeheimst. Es war, was diese Angelegenheit angeht, für ihn eine Win-Win-Situation. Der Prozess stand von Beginn an auf wackeligen Beinen, nicht weil Trump eine weiße Weste hat, sondern wegen des Versuchs, aus Trumps Tricksereien und Gaunereien ein felony, also ein Verbrechen zu basteln. Da wird man sich mittelfristig wohl verhoben haben. Ob Trump sich mit seinen Ambitionen, wieder Präsident zu werden, ebenfalls verhoben hat, ist eine andere Frage.
Mittelfristig hat sich nicht nur die New Yorker Justiz verhoben. Auch mit der großen deutschen Empörung über die „Schnösel-Nazis“ von Sylt haben sich die selbst ernannten Anständigen in Politik und Gesellschaft verhoben. Die Leute klicken einfach massenhaft rein in den Döp-dö-dö-dö-Ohrwurm, auch oder gerade weil er vom harmlosen Liebeslied mit Techno-Beat zur verkleideten Nazi-Hymne mutierte. Die Leute gehorchen einfach nicht der Obrigkeit, und das schon ungefähr seit 75 Jahren. Ungefähr.
Schnöselkunde
Dabei hat der italienische Sänger Gigi d'Agostino die Klicks von rechts, halbrechts oder einfach nur im Suff kaum nötig. Sein Liebeslied ist ein ganz alter Hut. Das schon vor 14 Jahren entstandene offizielle Video hat auf YouTube fast 500 Millionen Klicks eingesammelt. Da hätte jeder Deutsche fünfmal drauf klicken können. Aber Deutschland ist ja nicht allein, auch wenn wir es als Weltlehrer gerne hätten, dass man besser auf uns hört. Tut die Welt aber nicht. Und nicht mal die Deutschen lassen sich vorschreiben, was, wann, wie und wo sie singen, grölen oder klicken dürfen.
Grölen ist nie schön. Und rassistisches Grölen schon gar nicht. Auch Suffgrölen ist für den Betrachter und Zuhörer meist keine Freude. Die Kombination aus Gröl, Rassismus und Suff gehört zu den weniger attraktiven Lebensäußerungen. Aber davon geht die Welt nicht unter, um unpassenderweise Zarah Leander zu zitieren. Auch die Insel Sylt geht davon nicht unter. Und die Sylter Gastgeber würden es schwer haben, müssten sie demnächst ihre Gäste auf Schnöselverdacht mit Grölpotenzial hin untersuchen, ehe sie sie hereinlassen.
Im Übrigen ist Schnösel keine strafbare Eigenschaft. Auch „reicher Schnösel“ nicht. Ich halte zum Beispiel Donald Trump für einen reichen Schnösel. Allerdings für einen alten reichen Schnösel, im Gegensatz zu den Sylter Grölsängern. Die waren ja nach allgemeiner Übereinkunft junge reiche Schnösel. Zur Schnöselkunde gehört übrigens auch das christliche Prinzip der Läuterung. Einmal Schnösel heißt nicht immer Schnösel. Mancher junge Schnösel ist – ob grün, rot oder schwarz – ein alter Spießer geworden.
Gigi d'Agostino ist halt Italiener
Und nun ein Bekenntnis: Ich kann das alles nicht einfach hinschreiben, ohne mal kurz und peinlich auf meine eigene Jugend zurückzuschauen. Ich fürchte, auch da könnten stellenweise Schnöselelemente zu entdecken sein. Auch wenn ich es damals nicht zum reichen Schnösel gebracht habe. Eher zum Mittelschichtschnösel. Und auf keinen Fall zum Nazi-Schnösel. Die waren damals noch zu frisch in Erinnerung, um sie nach einer Champagner-Orgie, die wir uns sowieso nicht leisten konnten, wieder aufleben zu lassen. Es sei denn, da fand was hinter verschlossenen Türen statt und nicht im einsehbaren Park einer Luxusunterkunft. Und das waren dann sicher alte Schnösel. Oder genauer: alte Kameraden.
Fazit: Das Liebes-Techno-Lied als solches ist sowas von harmlos. Ein typischer Ballermann-Klassiker. Und was kann der Gigi dafür, dass reiche Schnösel es so lieben und mit faschistischen Parolen unterlegen! Sänger können sich ihre Fans nicht backen, und Politiker können sich zum Glück ihre Bürger auch nicht backen, auch wenn sie es immer wieder versuchen. Politiker und ihnen nahe stehende Führungspersönlichkeiten können sich schön empören. Das gehört zum Geschäft. Aber damit sollt es dann auch genug sein.
Wenn sich einer mit gutem Grund empören könnte, dann ist es Gigi d'Agostino. Der tut es aber nicht. Er ist halt Italiener. Und kein Empörungsdeutscher. Und Klicks stinken nicht. Und was ist mit den Champagner-Herstellern? Kann man ihnen als Lieferanten des empörenden Geschehens eine Mitschuld unterjubeln? Ich warte darauf, dass man sie dazu verdonnert, auf ihren Flaschen Warnhinweise anzubringen: „Vorsicht! Bei übermäßigem Verzehr besteht erhöhte Gröl- und Schnöselgefahr.“ Aber dann würden die Kellereien einfach mehr von ihrem Schampus nach Amerika liefern, wo Donald Trump darauf wartet, die Korken knallen zu lassen.
Rainer Bonhorst, geboren 1942 in Nürnberg, arbeitete als Korrespondent der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) in London und Washington. Von 1994 bis 2009 war er Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen Zeitung.

Was ist da genau auf Sylt passiert? Und wie wichtig ist Sylt für Schicksale dieser Welt? Und wer keinen Trump will, möchte wahrscheinlich den Amerikanern unsere Bundesregierung und die EU-Kommission schenken?
Schlumpfland den Schlümpfen, Schlumpfländer schlumpft! Döp-dödö-döp… So lange spielen, bis dem Stasi-Mecki die Borsten ausgehen, die schweren Klüsendeckel auf die Tränensäcke platschen und die Lidachse Richtung Kniekehle absinkt. Nebenbei: wer wissen will, warum eine Welt ohne Scharia und Kalifat erhaltenswert ist, der sehe sich die zu Agostino tanzenden Mädels auf „du Röhre“ an, geilomat!
Allen, die sich diesseits von MAGA-Hype oder Herrn Bonhorsts Pietäten mit Trump II befassen wollen, sei das ausführliche Interview des Time Magazine vom April diesen Jahres nahegelegt. Der Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte hat sich schon mal wendig auf den Unsinn verlegt, China würde aus Moskau ferngesteuert, während StrackZ sich in Richtung EU-Parlament abseilt. The MAGA shape of things to come, gewissermaßen.
Es ist leider fast 80% der Deutschen unbekannt, dass fast alle Probleme, die Deutschland hat, auf den Auswirkungen der verbohrten Klimaidiotie beruhen. Jeder andere Amerikanische Präsident als Trump wäre ein gefährlicher Klimaidiot. Einen solchen würde ich meiner in Amerika lebenden Tochter nicht wünschen.
Nur mal so am Rande zum Thema „Ausländer raus“: Bei gofundme gibt es eine Spendenaktion für den ermordeten (nicht „getöteten“!) Polizisten Rouven L., die bereits bei über einer halben Mio. Euro angelangt ist. Und unter den vielen Spendern finden sich viele Namen, die nicht „doitsch“ klingen. Selbst suchen…
@Thomas Hechinger „Ich finde, Truman paßt nicht in Ihre Reihe. Er ist unzweifelhaft verantwortlich für die Atombombenabwürfe auf Japan und für den grausamen Tod vieler Menschen. Aber man muß auf der anderen Seite sehen, daß niemand das Ausmaß des Schreckens erahnen konnte.“
Tja, waren es Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki? Wie konnten dann diese Städte in so kurzer Zeit nach den Abwürfen wieder ihre Bevölkerungszahlen vervielfachen. Die hätten doch mindestens auf Jahrzehnte verstrahlt sein müssen. Wie in so vielen anderen Beispielen von ‚Geschichte‘ und ‚Wissenschaft‘ und sonst was ist’s auch hier wieder eine Geschichte, die uns als „Geschichte“ aufgetischt und immer wieder wiederholt wurde. Entweder hat man uns mit der Strahlenbelastung durch Atomspaltung belogen oder es waren keine Atombomben, sondern andere,, etwa sehr starke konventionelle mit Napalm. Jedenfalls stimmt die uns erzählte ‚Geschichte‘ nicht.
Welche Gruppe bei „Ausländer raus“ gemeint ist, dürfte doch wohl klar sein. Es sind sicher nicht Schweden, Chinesen oder Neuseeländer gemeint…